Female Patronage
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Female Patronage and Agency in Music between 1760 and 1840

FWF Elise-Richter V1013-G

Projektbeschreibung

In den Beständen des Dommusikvereins und Mozarteums im Archiv der Erzdiözese Salzburg (AES) und der Internationalen Stiftung Mozarteum (ISM) liegen mehrere Musiksammlungen bedeutender Mäzeninnen/Sammlerinnen/Musikerinnen, die u.a. eine Reihe früher Kopien von Werken Wolfgang Amadé Mozarts enthalten: Die Sammlung von Josepha von Paumgarten (geb. Lerchenfeld, 1762–1817, München), die Sammlungen von Anna (Nanette) Fröhlich (1793–1880, Wien) und Marie von Podstatsky-Lichtenstein (1803–1864, Salzburg), Hedwig von Gatterburg (1835–1888), sowie die Sammlung von Josephine von Baroni-Cavalcabò (1787–1860, Wien/Lwiw). Hinzu kommen einzelne musikalische Quellen aus den Sammlungen von Caroline Christine Friederike von Waldstein-Wartenberg (1766–1844) und Fanny Arnstein (1758–1818).

Ausgehend von der Untersuchung, wie sich Mäzenatentum in den Sammlungen weiblicher Mäzeninnen, Musikerinnen und Sammlerinnen widerspiegelt, werden verschiedene Dokumente und Publikationen (Briefe, Tagebücher, Reiseberichte, Autobiografien etc.) analysiert. Das Projekt zielt darauf ab, die verschiedenen Formen weiblichen Mäzenatentums in der Musik zwischen 1760 und 1840 zu beschreiben. Erwartet werden Ergebnisse zum Verhältnis zwischen Mäzeninnen und ihren Klienten, zwischen weiblichen und männlichen Mäzenen, ihren Netzwerken und zur Entwicklung des Mäzenatentums in diesem Zeitraum.

Das Projekt wird unser Verständnis für weibliches (und männliches) Mäzenatentum, weibliche Handlungsräumen und musikalische Netzwerken erweitern. Die Katalogisierung der genannten Sammlungen wird zahlreiche Quellen für die Forschung zugänglich machen, darunter bisher unbekannte frühe Abschriften von Werken Wolfgang Amadé Mozarts. Bedeutende Frauenfiguren werden erforscht und in ihrem Kontext dargestellt, was zweifellos neue musikgeschichtliche Erkenntnisse über den genannten Zeitraum liefern wird.

Kontakt: Dr. Eva Neumayr, Schwarzstr. 26, 5020 Salzburg, Tel.: 0680 2019054

Aktuelles

Internationale Stiftung Mozarteum, Villa Vicina, 16.–17. April 2026

Konferenz: Klingende Spuren – Weibliche Handlungsräume der Musikförderung

Internationale Stiftung Mozarteum in Kooperation mit dem Archiv der Erzdiözese und der Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft Salzburg

„Die Damen machen alles in Paris…“ schreibt Leopold Mozart am 16. Februar 1778 an seinen Sohn: Als begnadeter Musikorganisator wusste er genau, welche Personen man kontaktieren musste, wenn man in der Musikwelt erfolgreich weiterkommen wollte. Von Höfen und Salons bis hin zu bürgerlichen Konzertorganisationen und vor allem bei der individuellen Förderung von Musikern und Musikerinnen waren die Beiträge von Frauen zum Musikbetrieb nicht selten einflussreich, wurden aber bisher nicht ausreichend gewürdigt. Die Konferenz untersucht die vielfältigen Rollen, die Frauen als Mäzeninnen, Auftraggeberinnen, Organisatorinnen und ‚Ermöglicherinnen‘ in der Musikkultur gespielt haben. Beispiele für Förderung und Einflussnahme auf die Karrieren von Musiker und Musikerinnen sollen in der Konferenz diskutiert und beleuchtet werden.

Konferenzsprachen: Deutsch und Englisch.

Information und Anmeldung: Mag. Dr. Eva Neumayr, eva.neumayr@mozarteum.at,

Programm (Änderungen vorbehalten):

Donnerstag, 16. April 2026

10:00–10:15                 Begrüßung

10:15–11:00                 Melanie Unseld (Wien): Key-Note

11:00–11:30                 Kaffeepause

11:30–12:00                  Elke Hager (Graz): Anna Maria Hortensia von Hatzfeld: Die „besondere Liebhaberinn, Kennerinn und Beschützerinn der Tonkunst“ als Schlüsselperson für Musikerkarrieren

12:00–12:30                  John Rice (USA): A Young Empress Confronts Death: Marie Therese’s Collection of Requiems

12:30–13:00                  Ulrich Leisinger (Salzburg): Fürstin Juliane von Schaumburg-Lippe als Zentrum des Bückeburger  Musiklebens in den beiden letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts

13:00–14:00                  Mittagspause

14:00–14:30                  Julia Hinterberger (Salzburg): Disabled, Dependent, Determined. Fürsorge und Handlungsmacht im  musikkulturellen Handeln von Maria Theresia Paradis (Arbeitstitel)

14:30–15:30                  Eva Neumayr/ Erik Aren Schroeder (Salzburg): „… at whose house there was much company and   the chief musical performers of Naples …“: Mozarts Förderinnen in Neapel

15:30–16:00                  Kaffeepause

16:00–16:30                  Oberegger Juliane (Graz): „Nach den Originalen mitgeteilt“ – Wie Frauen die Biografien ihrer komponierenden Männer (mit)schrieben

16:30–17:00                  Silke Berdux (München): Sophie, Luise und Isabella. Die Frauen der Familie Lebrun-Dulcken-Bohrer  und ihre Rollen im Musikleben der Zeit

17:00–17:30                  Karl Böhmer (Mainz): Kurfürstin Maria Anna Sophie von Bayern, die Ehefrau und spätere Witwe des  Kurfürsten Max III. Joseph

 

19:30  Konzert: „Die Damen machen alles …“ Musik aus „weiblichen“ Salzburger Sammlungen zwischen 1760 und 1840 

Ekaterina Krasko (Sopran), Erik Schroeder (Violine u. Leitung), Guillermo Martinez (Viola), Juliane Ritzmann (Cembalo) u.a.;  Eva Neumayr (Moderation)

 

Freitag, 17. April 2026

9:00                                Begrüßung

9:15–9:45                       Adrienne Bernadette Illes (Berlin): Französische Musiksalons im Schatten der Revolution: Räume für Musikerinnen jenseits von Selbstverwirklichung und Selbstinszenierung

9:45–10:15                     Mateusz Kawa (Salzburg): Mon délire oder Vision der Zukunft? Schönheit, Macht und Musik: Wie Frauen das Branding auf den polnischen Gebieten der frühen Romantik prägten (Freitag)

10:15–10:45                   Katarzyna Hatalak (Salzburg): Fürstin Marcelina Czartoryska und der Club des Mozartistes:   Musikalische Netzwerke und Aufführungspraxis im 19. Jahrhundert

10:45–11:15                   Kaffeepause

11:15–11:45                   Mary Kirchdorfer (Wien): Visualizing Women’s Networks of Viennese Concert Life 1780-1830

11:45–12:15                   Martin Eybl (Wien): „Leute von ihrem Vermögen sollten die dürftige Kunst nicht verlassen”:   Musikalische Aktivitäten jüdischer Frauen in Wien um 1800

12:15–12:45                   Anja Bunzel (Prag): The Economy of Gratitude: Musical Dedications to Elise von Schlik as   Paratextual Evidence of Female Agency

12:45–14:00                   Mittagspause

14:00–14:30                   Sarah Haslinger (Salzburg): „Ein musikalisches Wahrzeichen von Wien“. Weibliche Handlungsräume  im Wiener Musikleben um 1900 am Beispiel von Rosa Papier-Paumgartner

14:30–15:00                   Irene Suchy (Wien): Lilly Lieser – das Ende einer mäzenatischen Tradition

 

Team

Eva Neumayr (Projektleitung) ist Leiterin der Musiksammlung am Archiv der Erzdiözese Salzburg und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Mozarteum, wo sie zurzeit als FWF-Elise-Richter Fellow das Thema „Female Patronage and Agency in Music between 1760 and 1840“ bearbeitet.  Sie studierte Musikwissenschaften und Anglistik/Amerikanistik an der Paris-Lodron Universität Salzburg und Musik- und Gesangspädagogik an den Musikuniversitäten Salzburg und Wien. In ihrer Dissertation setzte sie sich mit den Propriumskompositionen Johann Ernst Eberlins (Die Propriumsvertonungen Johann Ernst Eberlins (1702-1762): Studien zu Quellen, Entwicklung, Komposition und Aufführungspraxis und Alphabetisches Verzeichnis, Frankfurt etc.: Lang, 2007) auseinander. Sie publizierte über die Musikgeschichte des Salzburger Doms (mit Lars Laubhold und Ernst Hintermaier, Musik am Dom zu Salzburg. Repertoire und Liturgisch Gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult, Wien: Hollitzer, 2018 (Schriftenreihe des Archivs der Erzdiözese Salzburg, 18), über die Frauen der Mozart-Familie, Maria Anna und Anna Maria Mozart und katalogisierte die Sammlung des Salzburger Doms bis 1841 und den Nachlass der Mozartsöhne für RISM, wobei die gedruckten Kataloge ebenfalls veröffentlicht wurden.

Sie Mitbegründerin der RISM-Arbeitsgruppe Salzburg, Mitglied der Akademie für Mozartforschung und Vizepräsidentin von IAML-Österreich. Als Gründerin und geschäftsführende Obfrau der Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft organisiert und programmiert sie die seit 2010 laufende Konzertreihe FRAUENSTIMMEN.

Schriftenverzeichnis

Erik Aren Schroeder (Stud. Mitarbeiter) ist ein italienisch-amerikanischer Komponist und Violinist. Er absolvierte 2023 ein Bachelorstudium in Barockvioline/-viola bei Hiro Kurosaki und 2025 ein Bachelorstudium in Musiktheorie bei Prof. Dr. Juliane Brandes, beide an der Universität Mozarteum Salzburg. Derzeit macht er dort Masterstudien in Musiktheorie unter Juliane Brandes sowie in Historischer Aufführungspraxis unter Prof. Reinhard Goebel.
Seine kompositorische Tätigkeit umfasst u. a. die Oper La Locandiera (2022), das Oratorium The Passions (2023), mehrere Kammer- und Orchesterwerke sowie Auftragskompositionen für den österreichischen Pavillon bei der Weltausstellung 2025 in Osaka. Als Violinist ist er regelmäßig international tätig und wirkt in verschiedenen Ensembles und Orchestern für Historische Aufführungspraxis mit. Seit 2024 ist er zudem studentischer Mitarbeiter am FWF-Projekt „Female Patronage and Agency in Music 1760–1840“.

Ergebnisse

Publikationen:

  1. Eva Neumayr: „’A very valuable donation…’ Anna (Nanette) Fröhlich and her music collection, in: Andrea Lindmayr-Brandl, Birgit Lodes, Melanie Unseld (eds.): Women’s Agency in Schubert’s Vienna, Wien: Österreichische Akademie der Wissenschaften, 2024 (Vienna Schubert Studies, 1), S. 371–390.
  2. Eva Neumayr: „Ein schöner warmer Zug ächter Musik…“ – Die Sängerin, Komponistin und Gesangslehrerin Clotilde Kainerstorfer (1833–1897), in: Andreas Lindner, Klaus Petermayr (Hg.): Bruckner-Symposium. Femmes Musicale – Frauen in der Musik des 19. Jahrhunderts. Brucknerhaus Linz. 6. und 7. Oktober 2023. Bericht, Graz, Wien, Berlin: Leykam Buchverlagsgesellschaft m.b.H. & Co. KG, 2025, S. 61–73 (Bruckner-Symposion Berichte).

Vorträge:

  1. „Josepha Countess Paumgarten and her collection“ at the Conference of the International Association of Music Librarians Cambridge, 29 July ‒4 August 2023.
  2. „Watermarks in the collections of Wolfgang Amadé Mozart’s Sons Franz Xaver Wolfgang and Carl Thomas Mozart in Salzburg“ at the conference Watermarks in Digital Collections, Verona, 6. ‒ September 2023.
  3. „Klotilde Kainerstorfer – Musikerin und Komponistin im Umfeld Anton Bruckners“, Femmes musicales – Frauen in der Musik des 19. Jahrhunderts. Wissenschaftliches Symposium in Kooperation mit dem Anton-Bruckner-Institut Linz und der Kunstuniversität Graz, Linz, 6. ‒ 7. October 2023.
  4. „Josepha Gräfin Paumgarten und ihre Sammlung“ 10.1.2024 in der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg.
  5. „Gräfin Paumgarten und ihre Sammlung“, Club der Wiener Musikerinnen, 21.3.2024.
  6. „Fakt und Fiktion: Anna Maria Mozart in den Biographien ihres Sohnes“, Öst. Gesellschaft für Musikwissenschaft, Wien, 20.6.2024.
  7. 06.2024: “Matrons as Patrons”, bei der Konferenz der International Association of Music Librarians (IAML) 2024 in Stellenbosch, S-Afrika.
  8. 6.2024: “The Mozarteum: A History of Musical Life in Salzburg” (mit Birgit Lechner und Barbara Schwarz-Raminger), Konferenz der International Association of Music Librarians (IAML) 2024 in Stellenbosch, S-Afrika.
  9. 9.2024: „Die Sammlung „Paumgarten“‒ Zeitgenössische Italienische Opern und ihre Abschriften in München“ in der Konferenz L’importanza die copisti per la diffussione delle opere italienae nel Settecento, Krumau, 21.-22. Sept. 2024.
  10. „Über Venedig nach Salzburg: Die venezianischen Notenpapiere aus dem Valle delle Cartiere“, 8.11.2024 in der Konferenz Erzbischof und Doge am 7. ‒10.2024 im Domquartier Salzburg.
  11. „Musikalische Quellen und ihre Erschließung“ beim Studientag der Diözesanarchivare am 27.  Jänner 2025, Salzburg.
  12. (mit Erik Schroeder): „Hedwig Gräfin Gatterburg and her Collection” (mit Erik Schroeder), 9. Juli 2025, Konferenz der International Association of Music Libraries, Archives and Documentation Centers, Salzburg.
  13. (mit Erik Schroeder): „Hedwig von Gatterburg und ihre Musiksammlung“, 14.1.2026, Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salbzurg.