Kritische Edition des vertonten Textes in deutscher Sprache (Partiturtext Deutsch)   Kritische Edition des deutschen Libretto-Drucks Augsburg [1780] (Libretto Deutsch)  
ZWEITER AUFZUG
ZWEITER AUFZUG
Saal.
Saal.
Erster Auftritt
Erster Auftritt
Ramiro, Arminda.
Ramiro, Arminda.
Dialog
(Arminda läuft zornig herein, Ramiro eilt ihr nach.)
(Arminda läuft zornig herein, Ramiro eilt ihr nach.)
Ramiro
Ramiro
Du sollst mir nicht entfliehen, Grausame! Ich will, ich muss mit dir sprechen.
Du sollst mir nicht entfliehen, Grausame! Ich will, ich muss mit dir sprechen.
Arminda
Arminda
Verwegner! was willst du, was verlangst du von mir?
Verwegner! was willst du, was verlangst du von mir?
Ramiro
Ramiro
Unmenschliche! du bist noch so dreist, mir unter die Augen zu sehen? Hätte ich gewusst, dass der Amtshauptmann dein Oheim wäre, so würde ich dich meines Anblickes überhoben und dir deine itzige Schamröte erspart haben.
Unmenschliche! du bist noch so dreist, mir unter die Augen zu sehen? Hätte ich gewusst, dass der Amtshauptmann dein Oheim wäre, so würde ich dich meines Anblickes überhoben und dir deine itzige Schamröte erspart haben.
Arminda
Arminda
Wenn aber dein Schicksal –
Wenn aber dein Schicksal –
Ramiro
Ramiro
Was Schicksal! Dein Stolz heißt dich meine Liebe verschmähen, und dein Ehrgeiz zieht mir einen Grafen vor, der vor mir nichts als einen elenden Titel zum Voraus hat.
Was Schicksal! Dein Stolz heißt dich meine Liebe verschmähen, und dein Ehrgeiz zieht mir einen Grafen vor, der vor mir nichts als einen elenden Titel zum Voraus hat.
Arminda
Arminda
Nicht unbescheiden, Ritter! Es ist wahr, ich habe Ihnen mein Wort, ich will sogar sagen, meine Schwüre gebrochen; ich erkenne meinen Fehler! Allein, ich kann ihn nicht bereuen. Der Gegenstand, der dich mir entzieht, ist zu liebenswürdig, als dass ich nicht um ihn einen Ramiro vergessen, und – –
Nicht unbescheiden, Ritter! Es ist wahr, ich habe Ihnen mein Wort, ich will sogar sagen, meine Schwüre gebrochen; ich erkenne meinen Fehler! Allein, ich kann ihn nicht bereuen. Der Gegenstand, der dich mir entzieht, ist zu liebenswürdig, als dass ich nicht um ihn einen Ramiro vergessen, und – –
Ramiro
Ramiro
Halt ein, Treulose! Nenne mir nicht den verhassten Nebenbuhler ins Gesicht, du sollst nicht über mich triumphieren. Ich schwöre dir, dein unwürdiges, verräterisches Herz soll meine ganze Rache nachdrücklich fühlen.
Halt ein, Treulose! Nenne mir nicht den verhassten Nebenbuhler ins Gesicht, du sollst nicht über mich triumphieren. Ich schwöre dir, dein unwürdiges, verräterisches Herz soll meine ganze Rache nachdrücklich fühlen.
(geht ab)
(geht ab)
Arminda
Arminda
Ich bedaure ihn. Ich fühle, dass ich seine Vorwürfe verdiene, aber ich kann ihn nicht mehr lieben. Der Graf allein verdient meine Hand und mein Herz.
Ich bedaure ihn. Ich fühle, dass ich seine Vorwürfe verdiene, aber ich kann ihn nicht mehr lieben. Der Graf allein verdient meine Hand und mein Herz.
Zweiter Auftritt
Zweiter Auftritt
Belfior, Arminda.
Belfior, Arminda.
Dialog
Belfiore
Belfiore
(ohne Arminda zu sehen)
(ohne Arminda zu sehen)
Ich bin voll Verzweiflung! Seitdem ich meine Violante wieder gefunden habe, weiß ich mir nicht zu raten. Ich muss sie suchen – Ich muss sie sprechen – oder ich bin – (Er stößt an Arminden, erschrickt, verbeugt sich, will davongehen und sagt:) Anbetenswürdige Arminda!
Ich bin voll Verzweiflung! Seitdem ich meine Violante wieder gefunden habe, weiß ich mir nicht zu raten. Ich muss sie suchen – Ich muss sie sprechen – oder ich bin – (Er stößt an Arminden, erschrickt, verbeugt sich, will davongehen und sagt:) Anbetenswürdige Arminda!
Arminda
Arminda
Nicht so schnell! Sagen Sie mir erst, um meine Neugierde zu befriedigen: Wen wollen Sie suchen? Wen wollen Sie sprechen?
Nicht so schnell! Sagen Sie mir erst, um meine Neugierde zu befriedigen: Wen wollen Sie suchen? Wen wollen Sie sprechen?
Belfiore
Belfiore
(will fort)
(will fort)
Ich will es Ihnen schon hernach sagen –
Ich will es Ihnen schon hernach sagen –
Arminda
Arminda
Bleiben Sie! Ich will es gleich wissen. – Nun?
Bleiben Sie! Ich will es gleich wissen. – Nun?
Belfiore
Belfiore
Ich kam – ich glaubte – (Wie werd ich mir doch nur heraus helfen?) – ich suchte Sie, mein Fräulein!
Ich kam – ich glaubte – (Wie werd ich mir doch nur heraus helfen?) – ich suchte Sie, mein Fräulein!
Arminda
Arminda
Ich heiße ja nicht Violante.
Ich heiße ja nicht Violante.
Belfiore
Belfiore
Habe ich Violante gesagt? Vergeben Sie mir – ich – ich –
Habe ich Violante gesagt? Vergeben Sie mir – ich – ich –
Arminda
Arminda
Nu? Was ich?
Nu? Was ich?
Belfiore
Belfiore
(Ich fürchte ihre Hände.)
(Ich fürchte ihre Hände.)
Arminda
Arminda
Ha! Verräter! Sie können nicht weiter –
Ha! Verräter! Sie können nicht weiter –
Belfiore
Belfiore
Hören Sie mich, eh Sie mich verdammen; ich will Ihnen die ganze Sache erklären.
Hören Sie mich, eh Sie mich verdammen; ich will Ihnen die ganze Sache erklären.
Arminda
Arminda
Was kannst du sagen? Violante? Ha! Violante! Das ist also die Buhlerin, die du mir vorziehst? an dem Tag unsrer festlichen Verbindung? Undankbarer! Meineidiger!Variante in Quelle A (Eintrag fremder Hand):
Was kannst du sagen? Violante! Ha Violante! Das ist also die Buhlerin, die du mir vorziehst? an dem Tage unsrer festlichen Verbindung? Undankbarer, Meineidiger!
Was kannst du sagen? Violante? Ha! Violante! Das ist also die Buhlerin, die du mir vorziehst? an dem Tag unsrer festlichen Verbindung? Undankbarer! Meineidiger!
N° 13 Aria
Arminda
    Um deine Straf zu fühlen,
    Um deine Straf zu fühlen,
riss ich, die Wut zu kühlen,Variante in den Wiederholungen:
ja, meine Wut zu kühlen,
riss ich, die Wut zu kühlen,
dir Böswicht mit EntzückenVariante in den Wiederholungen:
riß ich dir mit Entzücken,
dir Böswicht mit Entzücken
dein falsches Herz in Stücken,
dein falsches Herz in Stücken,
liebt ich dich nicht so sehr.
liebt ich dich nicht so sehr.
    Lohnest du so die Liebe
    Lohnst du so meine Liebe
und meines Herzens Triebe?
und meines Herzens Triebe?
Ach ich kann nicht entscheiden,
Ach ich kann nicht entscheiden,
ob Rach, ob Liebe siegt.
ob Rache, ob Liebe siegt.
(geht ab)
(geht ab)
Dritter Auftritt
Dritter Auftritt
Belfior, hernach Serpetta.
Belfior, hernach Serpetta.
Dialog
Belfiore
Belfiore
Nein, das ist kein Frauenzimmer, das ist eine Furie, ein Teufel! Hätte ich nicht Vernunft gebraucht –
Nein, das ist kein Frauenzimmer, das ist eine Furie, ein Teufel! Hätte ich nicht Vernunft gebraucht –
Serpetta
Serpetta
(Sie schreit etwas von fern.)
(Sie schreit etwas von fern.)
Herr Graf –
Herr Graf –
Belfiore
Belfiore
(Er erschrickt.)
(Er erschrickt.)
Weh mir!
Weh mir!
Serpetta
Serpetta
Was ist Ihnen?
Was ist Ihnen?
Belfiore
Belfiore
Nichts, nichts! ich dachte es wäre meine Braut.
Nichts, nichts! ich dachte es wäre meine Braut.
Serpetta
Serpetta
Eben bin ich ihr begegnet. Was haben Sie denn wohl getan? Sie schäumte vor Wut, fluchte auf Sie, und schwur bei allem, was heilig ist, sich an Ihnen zu rächen.
Eben bin ich ihr begegnet. Was haben Sie denn wohl getan? Sie schäumte vor Wut, fluchte auf Sie, und schwur bei allem, was heilig ist, sich an Ihnen zu rächen.
Belfiore
Belfiore
Ach ihr Zorn wird sich schon wieder legen.
Ach ihr Zorn wird sich schon wieder legen.
Serpetta
Serpetta
Hoffen Sie das nicht, Herr Graf! Sie wissen nicht was der Zorn bei einem Frauenzimmer vermag; wenn ich Ihnen raten dürfte, meine Meinung wäre, sie unverzüglich um Vergebung zu bitten.
Hoffen Sie das nicht, Herr Graf! Sie wissen nicht was der Zorn bei einem Frauenzimmer vermag; wenn ich Ihnen raten dürfte, meine Meinung wäre, sie unverzüglich um Vergebung zu bitten.
Belfiore
Belfiore
Warum das?
Warum das?
Serpetta
Serpetta
Weil die Ehrfurcht, die Hochachtung, die Sie dem schönen Geschlecht schuldig sind – die Pflicht – die Mode –
Weil die Ehrfurcht, die Hochachtung, die Sie dem schönen Geschlecht schuldig sind – die Pflicht – die Mode –
Belfiore
Belfiore
Geh du, die Pflicht, die Hochachtung, die Mode, und die Braut, alle zum Teufel.
Geh du, die Pflicht, die Hochachtung, die Mode, und die Braut, alle zum Teufel.
(Er geht ab.)
(Er geht ab.)
Vierter Auftritt
Vierter Auftritt
Serpetta, hernach Nardo.
Serpetta, hernach Nardo.
Dialog
Serpetta
Serpetta
In der Tat ich bedaure ihn, dass er einer so bösartigen Kreatur in die Hände gefallen ist.
In der Tat ich bedaure ihn, dass er einer so bösartigen Kreatur in die Hände gefallen ist.
Nardo
Nardo
Meine Prinzessin, verzeih! wenn ich dir schon wieder überlästig bin. Schöne Mädchen haben sonst gemeiniglich gute Herzen.
Meine Prinzessin, verzeih! wenn ich dir schon wieder überlästig bin. Schöne Mädchen haben sonst gemeiniglich gute Herzen.
Serpetta
Serpetta
Schön oder häßlich – gut oder nicht! Genug, ich mag dich nicht.
Schön oder häßlich – gut oder nicht! Genug, ich mag dich nicht.
Nardo
Nardo
Du willst also meinen Tod? Wenn ich sterbe – –
Du willst also meinen Tod? Wenn ich sterbe – –
Serpetta
Serpetta
so werde ich nicht um dich weinen.
so werde ich nicht um dich weinen.
Nardo
Nardo
Barbarin! jetzt eile ich, mir das Leben zu rauben.
Barbarin! jetzt eile ich, mir das Leben zu rauben.
Serpetta
Serpetta
Glückliche Reise!
Glückliche Reise!
Nardo
Nardo
O du marmorsteinernes Herz! (Er zieht ein Messer aus der Tasche.) Jetzt will ich meinem Elende ein Ende machen – Wie, du reißt mir nicht den Dolch aus der Hand?
O du marmorsteinernes Herz! (Er zieht ein Messer aus der Tasche.) Jetzt will ich meinem Elende ein Ende machen – Wie, du reißt mir nicht den Dolch aus der Hand?
Serpetta
Serpetta
Stoß nur zu!
Stoß nur zu!
Nardo
Nardo
In deiner Gegenwart? Nein, ich fürchte, du kannst kein Blut sehen. Du würdest zu sehr erschrecken.
In deiner Gegenwart? Nein, ich fürchte, du kannst kein Blut sehen. Du würdest zu sehr erschrecken.
Serpetta
Serpetta
Ganz und gar nicht, ich sehe so was gern.
Ganz und gar nicht, ich sehe so was gern.
Nardo
Nardo
Stelle dich so grausam als du willst, du wirst mich doch nicht abschrecken, dich zu lieben. Deine Gleichgültigkeit reizt mich nur desto mehr.
Stelle dich so grausam als du willst, du wirst mich doch nicht abschrecken, dich zu lieben. Deine Gleichgültigkeit reizt mich nur desto mehr.
Serpetta
Serpetta
(Ich muss ihn nur vollends närrisch machen.) (zu Nardo) Nach und nach fängst du an, mir zu gefallen.
(Ich muss ihn nur vollends närrisch machen.) (zu Nardo) Nach und nach fängst du an, mir zu gefallen.
(zu Nardo)
Nardo
Nardo
Was sagst du? Ernst oder Spaß? O mein Schäzchen! ich weiß nicht, wo ich vor Freuden bin! Potz Stern und Glücke! so ein Wort macht mich wie neu geboren.
Was sagst du? Ernst oder Spaß? O mein Schäzchen! ich weiß nicht, wo ich vor Freuden bin! Potz Stern und Glücke! so ein Wort macht mich wie neu geboren.
Serpetta
Serpetta
Nun so höre! Ich will mich deiner erbarmen. Aber du musst mir immer mit einer schmachtenden Miene begegnen, die rechte Hand ehrerbietig aufs Herze legen, wenn du mich siehst.
Nun so höre! Ich will mich deiner erbarmen. Aber du musst mir immer mit einer schmachtenden Miene begegnen, die rechte Hand ehrerbietig aufs Herze legen, wenn du mich siehst.
Nardo
Nardo
Alles, was du willst.
Alles, was du willst.
Serpetta
Serpetta
Nu lustig! lass sehen! mache die Miene! – Gut! Den Reverenz – Nicht so steif! schön gerade, hurtig und flink!Variante in Quelle A (Eintrag fremder Hand):
Nu lustig! lass sehen! mache die Miene! – Gut! Den Reverenz! – Nicht so steif! schön gerade! hurtig und flink!
Nu lustig! lass sehen! mache die Miene! – Gut! Den Reverenz – Nicht so steif! schön gerade, hurtig und flink!
Nardo
Nardo
(Der kleine Teufel macht aus mir, was sie will.)
(Der kleine Teufel macht aus mir, was sie will.)
N° 14 Aria
Nardo
    Nach der welschen Art und Weise
    Nach der welschen Art und Weise
spricht man so: Ah! quel visetto
spricht man so: Ah! quel visetto
m'ha infiammato il core in petto,
m'ha infiammato il cuor in petto,
che languire ognor mi fa.
che languire ognor mi fa.
(Serpetta deutet, dass ihr dies nicht gefalle.)
(Serpetta deutet, dass ihr dies nicht gefalle.)
 
    Bist du nicht damit zufrieden?
    Bist du nicht damit zufrieden?
Nun so hör ein Kompliment auf gut Französisch:
Nun so hör ein Kompliment auf gut Französisch:
Ah madame, votre serviteur,
Ah madame, votre serviteur
ah madame, de tout mon coeur!
de tout mon coeur!
(Serpetta wie oben)
(Serpetta wie oben)
    Und auch dies gefällt dir nicht?
    Und auch dies gefällt dir nicht?
Nun lasst uns auf Englisch sehen:
Nun laßt uns auf Englisch sehen:
Ah my life, pray you, say yes!
Ah my life, pray you, say yes!
(Serpetta wie vor)
(Serpetta wie vor)
    Ei das ist ja zum Krepieren!
    Ei das ist ja zum Krepieren!
Ich muss die Gedult verlieren:
Ich muss die Geduld verlieren:
Weder Englisch noch Französisch,
Weder Englisch noch Französisch,
weder Teutsch noch Italienisch,
weder Teutsch noch Italienisch,
gar nichts, gar nichts steht ihr an!
gar nichts, gar nichts steht ihr an!
O des eigensünnchen Mädchens!
O des eigensinnigen Mädchens!
Gar nichts ist ihr recht getan.
Gar nichts ist ihr recht getan.
(geht ab)
(geht ab)
Dialog
Serpetta
Serpetta
Der Spaß gefällt mir! Aber wie! wenn es bei mir Ernst würde? – Doch nein! Das wird nimmer mehr geschehen. Es ist schon genug, dass er Sandrinchens Vetter ist.
Der Spaß gefällt mir! Aber wie! wenn es bei mir Ernst würde? – Doch nein! Das wird nimmer mehr geschehen. Es ist schon genug, dass er Sandrinchens Vetter ist.
(geht ab)
(geht ab)


Garten.


Garten.
Fünfter Auftritt
Fünfter Auftritt
Sandrina, hernach Belfior und der Amtshauptmann.
Sandrina, hernach Belfior und der Amtshauptmann.
Dialog
Sandrina
Sandrina
Welch ein betrübter Zufall! Ich finde meinen Geliebten, den ich suche, und finde ihn nur, um ihn durch Arminden auf immer zu verlieren. – Ich will ihn fliehen, den Undankbaren, den Grausamen, der mir schon einmal fast das Leben raubte. Musst' ich ihn denn auch noch untreu finden? Doch nein, das ist er nicht. Er hält mich ja für tot. Ach ich fühle, dass ich ihn noch zu heftig liebe. Was soll ich tun, seine Heirat zu hintertreiben? Mich ihm entdecken? Noch ist es nicht Zeit. Er kömmt! O wie heftig schlägt mir mein Herz bei seinem Anblicke.
Welch ein betrübter Zufall! Ich finde meinen Geliebten, den ich suche, und finde ihn nur, um ihn durch Arminden auf immer zu verlieren. – Ich will ihn fliehen, den Undankbaren, den Grausamen, der mir schon einmal fast das Leben raubte. Musst' ich ihn denn auch noch untreu finden? Doch nein, das ist er nicht. Er hält mich ja für tot. Ach ich fühle, dass ich ihn noch zu heftig liebe. Was soll ich tun, seine Heirat zu hintertreiben? Mich ihm entdecken? Noch ist es nicht Zeit. Er kömmt! O wie heftig schlägt mir mein Herz bei seinem Anblicke.
Belfiore
Belfiore
Violante! unglückliche Geliebte, die ich so misshandelte, können Sie mir vergeben?
Violante! unglückliche Geliebte, die ich so misshandelte, können Sie mir vergeben?
Sandrina
Sandrina
Was sagen Sie, mein Herr?
Was sagen Sie, mein Herr?
Belfiore
Belfiore
Ja, du bist das himmlische Bild meiner Geliebten. Diese Reize, diese Blicke! Mein eignes Herz sagt mir, dass ich dich gefunden habe, dich nun wieder sehe – –
Ja, du bist das himmlische Bild meiner Geliebten. Diese Reize, diese Blicke! Mein eignes Herz sagt mir, dass ich dich gefunden habe, dich nun wieder sehe – –
Sandrina
Sandrina
Und dein Blick, Grausamer! Verräter! dass ich denjenigen gefunden habe, denjenigen – –
Und dein Blick, Grausamer! Verräter! dass ich denjenigen gefunden habe, denjenigen – –
Belfiore
Belfiore
So irrte ich mich denn nicht? So bist du es?
So irrte ich mich denn nicht? So bist du es?
Sandrina
Sandrina
Erinnerst du dich nicht mehr meiner Tränen – meines Flehens? Unmenschlicher Verräter! wie oft schwurst du mir Liebe mit tränendem Auge und seufzendem Herzen?
Erinnerst du dich nicht mehr meiner Tränen – meines Flehens? Unmenschlicher Verräter! wie oft schwurst du mir Liebe mit tränendem Auge und seufzendem Herzen?
Belfiore
Belfiore
Ach! es ist die Wahrheit, aber jener verfluchte –
Ach! es ist die Wahrheit, aber jener verfluchte –
Sandrina
Sandrina
Sprich, Barbar! Ungeheuer! was hatte ich verbrochen? Ohne Ursach, ohne mich zu hören, stößest du mir den Dolch in die Brust, tötest mich unschuldigerweise und lässt mich ohne Hülfe in meinem Blut liegen.
Sprich, Barbar! Ungeheuer! was hatte ich verbrochen? Ohne Ursach, ohne mich zu hören, stößest du mir den Dolch in die Brust, tötest mich unschuldigerweise und lässt mich ohne Hülfe in meinem Blut liegen.
Belfiore
Belfiore
Mir zittern alle Glieder. Weh mir! – Doch ein großes Glücke, dass du noch lebest, liebvoller Engel! Aber sage mir: Wie kömmst du in diese Kleidung?
Mir zittern alle Glieder. Weh mir! – Doch ein großes Glücke, dass du noch lebest, liebvoller Engel! Aber sage mir: Wie kömmst du in diese Kleidung?
Sandrina
Sandrina
So sprach Violante, als sie mit dem Tot rang. Das waren ihre letzten Worte, als sie starb.
So sprach Violante, als sie mit dem Tot rang. Das waren ihre letzten Worte, als sie starb.
Belfiore
Belfiore
Was sagst du, sie wäre also doch tot?
Was sagst du, sie wäre also doch tot?
Sandrina
Sandrina
Das werden Sie am besten wissen.
Das werden Sie am besten wissen.
Belfiore
Belfiore
(Diese Gestalt, diese Gebärden, diese ganze Bildung zeigt mir Violanten, und ich wollte mein Leben wetten, dass sie es wäre.)
(Diese Gestalt, diese Gebärden, diese ganze Bildung zeigt mir Violanten, und ich wollte mein Leben wetten, dass sie es wäre.)
Sandrina
Sandrina
Was verweilen Sie noch hier! Arminda –
Was verweilen Sie noch hier! Arminda –
Belfiore
Belfiore
(erschrocken)
(erschrocken)
Wo ist sie?
Wo ist sie?
Sandrina
Sandrina
Wenn sie uns hier trifft, so sind wir verloren.
Wenn sie uns hier trifft, so sind wir verloren.
Belfiore
Belfiore
Ich gehe schon – Doch ich kann nicht, eine geheime Macht hält mich zurücke. Vergönne mir doch nur einen deiner reizenden Blicke.
Ich gehe schon – Doch ich kann nicht, eine geheime Macht hält mich zurücke. Vergönne mir doch nur einen deiner reizenden Blicke.
Sandrina
Sandrina
Sprechen Sie mit mir?
Sprechen Sie mit mir?
Belfiore
Belfiore
Mit dir, du Wonne meines Lebens! Deine Verstellung betrügt mich nicht! Du bist Violante, meine zweite Seele.Variante in Quelle A (Eintrag fremder Hand):
Mit dir! du Wonne meines Lebens! Deine Verstellung betrügt mich nicht! Du bist Violante, meine zweite Seele.
Mit dir, du Wonne meines Lebens! Deine Verstellung betrügt mich nicht! Du bist Violante, meine zweite Seele.
N° 15 Aria
Belfiore
    Lass mich die Reize sehen,
    Lass mich die Reize sehen,
die mir dein Aug entzieht!
die mir dein Aug entzieht!
Ach lass mich nicht vergehen,
Ach lass mich nicht vergehen,
dein Blick nur kann mich trösten.
dein Blick nur kann mich trösten.
Ich gehe, doch nur nicht zörne;Varianten in den Wiederholungen:
Ich gehe, doch nur nicht zörne!
Ich gehe.
Ich gehe!
Ich geh, doch nur nicht zörne;
wie hart ist dein Gebot!
wie hart ist dein Gebot!
    Doch, eh ich mich entferne,
    Doch, eh ich mich entferne,
lass mich das Glück genüßen,
lass mich das Glück genießen,
die schöne Hand zu küssen,
die schöne Hand zu küssen,
dann geh ich in den Tod.
dann geh ich in den Tod.
    Ach welche Lust empfinde ich!
    Ach welche Lust empfinde ich!
Englische Hand, ich küsse dich!
Englische Hand! ich küsse dich,
Der Venus wahres Ebenbild!
der Venus wahres Ebenbild.
(zum Amtshauptmann)
(zum Amtshauptmann)
Mein Herr, mich freut, Sie hier zu sehn,
Mein Herr, mich freut, Sie hier zu sehn,
befinden Sie sich wohl?
befinden Sie sich wohl?
(So muss mir dieser Streich geschehn!
(So muss mir dieser Streich geschehn!
Dass ihn der Teufel hol!)
Dass ihn der Teufel hol!)
(geht ab)
(geht ab)
Der Amtshauptmann kömmt schon zu Anfang von Belfiorens Arie; er beobachtet beide eine Weil. Sandrina, die den Amtshauptmann erblickt, deutet dem Belfiore, sich zu entfernen. Der Amtshauptmann tritt näher, befiehlt der Sandrina, sich zu entfernen, und tritt an ihre Stelle! Und da Belfior Sandrinen die Hand küssen will, erwischt er die des Amtshauptmanns und läuft zum Schluss der Arie davon.
Der Amtshauptmann kömmt schon zu Anfang von Belfiorens Arie; er beobachtet beide eine Weil. Sandrina, die den Amtshauptmann erblickt, deutet dem Belfiore, sich zu entfernen. Der Amtshauptmann tritt näher, befiehlt der Sandrina, sich zu entfernen, und tritt an ihre Stelle! Und da Belfior Sandrinen die Hand küssen will, erwischt er die des Amtshauptmanns und läuft zum Schluss der Arie davon.
Sechster Auftritt
Sechster Auftritt
Amtshauptmann, Sandrina.
Amtshauptmann, Sandrina.
Dialog
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Warte nur, heilloser Graf! Du sollst mir – (zu Sandrina) Und du, Unverschämte! meinst du, das soll dir hingehen?
Warte nur, heilloser Graf! Du sollst mir – (zu Sandrina) Und du, Unverschämte! meinst du, das soll dir hingehen?
Sandrina
Sandrina
Ach mein Herr! ich verdiene Ihren Zorn nicht. Sie haben Unrecht, mir Vorwürfe zu machen.
Ach mein Herr! ich verdiene Ihren Zorn nicht. Sie haben Unrecht, mir Vorwürfe zu machen.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Unrecht? Hab ich nicht mit eignen Augen gesehen –
Unrecht? Hab ich nicht mit eignen Augen gesehen –
Sandrina
Sandrina
Sie haben Unrecht gesehen.
Sie haben Unrecht gesehen.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Zum Teufel! wollte er mir nicht die Hand küssen?
Zum Teufel! wollte er mir nicht die Hand küssen?
Sandrina
Sandrina
Ach!
Ach!
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Nun! warum seufzest du?
Nun! warum seufzest du?
Sandrina
Sandrina
Bester Herr! wenn Sie wüssten, wie unglücklich ich bin! Sie würden Mitleid mit mir haben.
Bester Herr! wenn Sie wüssten, wie unglücklich ich bin! Sie würden Mitleid mit mir haben.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Nu, mein klein Kätzchen! das habe ich auch. Komm – (Ich kann es nicht länger aushalten.) Du bist das centrum aller meiner verliebten Seufzer! mein Herz – meine Flamme – Kurz, ich kann dir nicht beschreiben, was in mir vorgeht. Komm, ich will dich so glücklich machen, als du es verdienst.
Nu, mein klein Kätzchen! das habe ich auch. Komm – (Ich kann es nicht länger aushalten.) Du bist das centrum aller meiner verliebten Seufzer! mein Herz – meine Flamme – Kurz, ich kann dir nicht beschreiben, was in mir vorgeht. Komm, ich will dich so glücklich machen, als du es verdienst.
Sandrina
Sandrina
Verzeihen Sie: Ich kann und darf nicht.
Verzeihen Sie: Ich kann und darf nicht.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Wieso? Warum?
Wieso? Warum?
Sandrina
Sandrina
Weil für mich kein Glücke mehr grünt, und – weil ich – endlich –
Weil für mich kein Glücke mehr grünt, und – weil ich – endlich –
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Endlich und endlich – und endlich bist du ein armes Mädchen, das ich zur gnädigen Frau machen will.
Endlich und endlich – und endlich bist du ein armes Mädchen, das ich zur gnädigen Frau machen will.
Sandrina
Sandrina
Ich bin dieser Ehre nicht wert! Und – ich verlange sie auch nicht.
Ich bin dieser Ehre nicht wert! Und – ich verlange sie auch nicht.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Unverschämte! du verlangst sie nicht? Ich weiß besser, was dich zurückhält. Der Graf – Aber du machst die Rechnung ohne Wirth.
Unverschämte! du verlangst sie nicht? Ich weiß besser, was dich zurückhält. Der Graf – Aber du machst die Rechnung ohne Wirth.
Sandrina
Sandrina
Was für Rechte haben Sie denn, mir Vorwürfe zu machen? Sie schelten mich, Sie drohen mir, und Sie sollten doch mit einer Unglücklichen Mitleid haben, die keinen Beschützer sonst als Sie auf dieser Welt hat.Variante in Quelle A (Eintrag fremder Hand):
Was für Rechte haben Sie denn, mir Vorwürfe zu machen? Sie schelten mich! Sie drohen mir! und Sie sollten doch mit einer Unglücklichen Mitleid haben, die keinen Beschützer sonst als Sie auf dieser Welt hat.
Was für Rechte haben Sie denn, mir Vorwürfe zu machen? Sie schelten mich, Sie drohen mir, und Sie sollten doch mit einer Unglücklichen Mitleid haben, die keinen Beschützer sonst als Sie auf dieser Welt hat.
N° 16 Aria
Sandrina
    Es ertönt und spricht ganz leise
    Es ertönt und spricht ganz leise,
hier im Herzen eine Stimme:
hier im Herzen eine Stimme:
(zärtlich)
(zärtlich)
"Dein Gebieter, wirst du finden,
"Dein Geliebter, wirst du finden,
ist ganz Großmut, Lieb und Huld."
ist ganz Großmut, Lieb und Huld."
    Scheint auch schon sein Blick voll Grimme,
    Scheint auch schon sein Blick voll Grimme,
o so hegt er doch Beweise
o so hegt er doch Beweise
sanften Mitleids und Gedult.
sanften Mitleids und Geduld.
    Ach! er flieht mich, will nicht hören,
    Ach! er flieht, will mich nicht hören.
lässt mich seinen Zorn empfinden.
Angst und Kummer mich verzehren,
und bald werd ich nicht mehr sein.
Holde Mädchen, habt Erbarmen!
Holde Mädchen, habt Erbarmen!
Und wenn euch mein Unglück rühret,
Und wenn euch mein Unglück rühret,
und ihr reges Mitleid spüret,
und ihr reges Mitleid spüret,
so gewähret doch mir ArmenVariante in den Wiederholungen:
ach, gewähret doch mir Armen
so gewähret doch mir Armen
euren Trost, mich zu erfreun.Variante in den Wiederholungen:
kommt, mit Trost mich zu erfreuen.
euren Trost, mich zu erfreuen.
(geht ab)
(geht ab)
Siebenter Auftritt
Siebenter Auftritt
Der Amtshauptmann, hernach Arminda und dann Ramiro.
Der Amtshauptmann, hernach Arminda und dann Ramiro.
Dialog
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Heus bardum! – ich Dummkopf! Das gute Kind ist die Ehrbarkeit selbst, und ich glaubte, wenn ich nicht Amtshauptmann wäre, ich hätte mit ihr geweint. Das arme Täubchen! Ich muss ihr nach und sie wieder zu besänftigen suchen.
Heus bardum! – ich Dummkopf! Das gute Kind ist die Ehrbarkeit selbst, und ich glaubte, wenn ich nicht Amtshauptmann wäre, ich hätte mit ihr geweint. Das arme Täubchen! Ich muss ihr nach und sie wieder zu besänftigen suchen.
Arminda
Arminda
Herr Oheim! der Graf hat sein Verbrechen bereuet. Wir sind wieder versöhnt! Nun lassen Sie uns unsre Vermählung nicht länger verschieben. Ich will ihm noch diese Stunde meine Hand reichen.
Herr Oheim! der Graf hat sein Verbrechen bereuet. Wir sind wieder versöhnt! Nun lassen Sie uns unsre Vermählung nicht länger verschieben. Ich will ihm noch diese Stunde meine Hand reichen.
Ramiro
Ramiro
(ganz eilend)
(ganz eilend)
Herr Amtshauptmann, eben erhalte ich aus Mailand eine Depesche von meinem Vetter, in welchem dieser Verhaftsbefehl eingeschlossen war. Die Regierung befiehlt Ihnen, denselben als Amtshauptmann zu befolgen und den Grafen Belfior wegen einer Mordtat in Verhaft zu nehmen.
Herr Amtshauptmann, eben erhalte ich aus Mailand eine Depesche von meinem Vetter, in welchem dieser Verhaftsbefehl eingeschlossen war. Die Regierung befiehlt Ihnen, denselben als Amtshauptmann zu befolgen und den Grafen Belfior wegen einer Mordtat in Verhaft zu nehmen.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Proh superi! den Grafen Belfiore?
Proh superi! den Grafen Belfiore?
Ramiro
Ramiro
(gibt ihm das Blatt)
(gibt ihm das Blatt)
Hier lesen Sie selbst.
Hier lesen Sie selbst.
Arminda
Arminda
Ritter! sie träumen!
Ritter! sie träumen!
Ramiro
Ramiro
Es ist nur allzuwahr, mein schönes Fräulein, ich bedaure Sie. (Die schönste Gelegenheit, mich zu rächen.)
Es ist nur allzuwahr, mein schönes Fräulein, ich bedaure Sie. (Die schönste Gelegenheit, mich zu rächen.)
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Die Instanz behauptet, dass der Graf der Mörder einer gewissen Gräfin Onesti –
Die Instanz behauptet, dass der Graf der Mörder einer gewissen Gräfin Onesti –
Arminda
Arminda
Glauben Sie doch das nicht.
Glauben Sie doch das nicht.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
(zu Arminda)
(zu Arminda)
Silentium! wenn die Obrigkeit spricht. (zu Ramiro) Aber mein Herr, wo sind die Beweise, wenn man den Grafen einer Mordtat beschuldigen will? (Hic Rhodus, hic salta – mein Kopf soll ihm schon heraushelfen.)
Silentium! wenn die Obrigkeit spricht. (zu Ramiro) Aber mein Herr, wo sind die Beweise, wenn man den Grafen einer Mordtat beschuldigen will? (Hic Rhodus, hic salta – mein Kopf soll ihm schon heraushelfen.)
Ramiro
Ramiro
Herr Amtshauptmann! Sie wissen Ihre Pflicht. Ich hoffe nicht, dass Sie der Gerechtigkeit einen Sprung erlauben werden. Sie befolgen den Befehl der Instanz.
Herr Amtshauptmann! Sie wissen Ihre Pflicht. Ich hoffe nicht, dass Sie der Gerechtigkeit einen Sprung erlauben werden. Sie befolgen den Befehl der Instanz.
(will fort)
(will fort)
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Patientia! man muss –
Patientia! man muss –
Arminda
Arminda
Ei halten Sie doch den Ritter nicht auf, er mag gehen.
Ei halten Sie doch den Ritter nicht auf, er mag gehen.
Ramiro
Ramiro
Das werde ich auch. Aber vergessen Sie nicht, dass die Regierung die strengste Rechenschaft von Ihnen fodren wird.
Das werde ich auch. Aber vergessen Sie nicht, dass die Regierung die strengste Rechenschaft von Ihnen fodren wird.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Gut! ich werde den Grafen vernehmen. Die Vermählung bleibt bis Austrag der Sache verschoben. Ich will der Gerechtigkeit keinen Sprung erlauben, und ist der Graf der Mordtat schuldig, proh superi! so kann ich nicht zugeben, dass ein Verbrecher, ein Mörder der Gemahl meiner Nichte werde.Variante in Quelle A (Eintrag fremder Hand):
Ich will der Gerechtigkeit keinen Sprung erlauben, und ist der Graf der Mordtat schuldig, so kann ich nicht zugeben, dass ein Verbrecher, ein Mörder der Gemahl meiner Nichte werde.
Gut! ich werde den Grafen vernehmen. Die Vermählung bleibt bis Austrag der Sache verschoben. Ich will der Gerechtigkeit keinen Sprung erlauben, und ist der Graf der Mordtat schuldig, proh superi! so kann ich nicht zugeben, dass ein Verbrecher, ein Mörder der Gemahl meiner Nichte werde.
N° 17 Aria
Amtshauptmann
    Wie, was, ein Fräulein und meine Nichte,Varianten in den Wiederholungen:
Wie, was, ein Freulein unglücklich sehen?
Wie, meine Nichte, unglücklich sehen?
reich, schön von Angesicht, von hohem Stande,
wie diese, sollte ich unglücklich sehen?Variante in den Wiederholungen:
und diese sollt ich unglücklich sehen?
Nein, diese Heirat kommt gar nicht zustande,Variante in den Wiederholungen:
Nein, diese Heirat kommt nicht zustande,
und aller Ehvertrag ist null und nichtig,
ja, ja, so muss es sein, nun dann, es sei!
    Man würde tadeln mich im ganzen Lande,
mir, einem Amtmann, wär's ew'ge Schande.
Teutschland und Spaniens und Frankreichs Dichter,
mich, einen Edelmann, mich, einen Richter,
würden sie schelten in der Geschicht.
(zu Arminda)
    Spart eure Worte, alles ist richtig!
Ja, ja, so muss es sein, es bleibt dabei.Varianten in den Wiederholungen:

Spart eure Worte, alles ist richtig,
ja, ja, so muss es sein, es bleibt dabei.

Spart eure Worte! Alles ist richtig! Ja, ja, so muss es sein, es bleibt dabei.
(Er geht ab.)
(Er geht ab.)
Achter Auftritt
Achter Auftritt
Arminda, Ramiro.
Arminda, Ramiro.
Dialog
Ramiro
Ramiro
Liebste Arminda! hören Sie mich!
Liebste Arminda! hören Sie mich!
Arminda
Arminda
Schweigen Sie, schändlicher Lügner.
Schweigen Sie, schändlicher Lügner.
Ramiro
Ramiro
Ich habe die Sache nicht erdichtet. Ich bin –
Ich habe die Sache nicht erdichtet. Ich bin –
Arminda
Arminda
Sie sind mir verhasst.
Sie sind mir verhasst.
Ramiro
Ramiro
Ist denn alles Mitleid, alle Liebe aus dem Herzen verschwunden?
Ist denn alles Mitleid, alle Liebe aus dem Herzen verschwunden?
Arminda
Arminda
Sie verdienen weder Mitleid noch Liebe.
Sie verdienen weder Mitleid noch Liebe.
Ramiro
Ramiro
Bedenken Sie –
Bedenken Sie –
Arminda
Arminda
Nichts.
Nichts.
Ramiro
Ramiro
Hören Sie nur ein Wort!
Hören Sie nur ein Wort!
Arminda
Arminda
Ich bin vor Wut außer mir!
Ich bin vor Wut außer mir!
(geht ab)
(geht ab)
Neunter Auftritt
Neunter Auftritt
Ramiro.
Ramiro.
Dialog
Ramiro
Welch ein unerbittliches Herz! Und doch gibt mir der Zufall wieder einige Hoffnung. Süße Hoffnung! hintergehe mich nicht! Von dir allein hängt itzt meine Ruhe und meine Glückseligkeit ab.Variante in Quelle A (Eintrag fremder Hand):
Welch ein unerbittliches Herz! Und doch gibt mir der Zufall wieder einige Hoffnung. Süße Hoffnung! hintergehe mich nicht. Von dir allein hängt itzt meine Ruhe und meine Glückseligkeit ab.
Welch ein unerbittliches Herz! Und doch gibt mir der Zufall wieder einige Hoffnung. Süße Hoffnung! hintergehe mich nicht! Von dir allein hängt itzt meine Ruhe und meine Glückseligkeit ab.
N° 18 Aria
Ramiro
    Ach schmeichelhafte Hoffnung,
    Ach! schmeichelhafte Hoffnung!
Gefährtin treuer Liebe,
Gefährtin treuer Liebe!
du stärkest meine Triebe
Du stärkest meine Triebe
und tröstest mich allein.
und tröstest mich allein.
    Dir bin ich ganz ergeben,
    Dir bin ich ganz ergeben,
dir danke ich mein Leben,
dir danke ich mein Leben,
nur du kannst die Belohnung
nur du kannst die Belohnung
itzt meiner Treue sein.
itzt meiner Treue sein.
(geht ab)
(geht ab)


Saal.


Saal.
Zehnter Auftritt
Zehnter Auftritt
Der Amtshauptmann, Arminda, Serpetta, hernach Belfiore.
Der Amtshauptmann, Arminda, Serpetta, hernach Belfiore.
Dialog
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Liebe Nichte! ich bin ganz außer mir! Was ist anzufangen, wenn der Graf der Mordtat schuldig ist?
Liebe Nichte! ich bin ganz außer mir! Was ist anzufangen, wenn der Graf der Mordtat schuldig ist?
Arminda
Arminda
O lieber Herr Oheim! Sie werden ihm schon herauszuhelfen wissen.
O lieber Herr Oheim! Sie werden ihm schon herauszuhelfen wissen.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Ganz wohl! Wenn aber der Ritter – Es ist ein homicidium – ein delictum enorme. (Er setzt sich zum Schreiben.) Ich richte mich zum Verhör. Sie meine Nichte und du Serpetta müsst indessen abtreten, denn das Verhör muss absque testibus geschehen.
Ganz wohl! Wenn aber der Ritter – Es ist ein homicidium – ein delictum enorme. (Er setzt sich zum Schreiben.) Ich richte mich zum Verhör. Sie meine Nichte und du Serpetta müsst indessen abtreten, denn das Verhör muss absque testibus geschehen.
(Er setzt sich zum Schreiben.)
Arminda
Arminda
O liebster Oheim, ich bitte, ich beschwöre Sie, erlauben Sie uns zu bleiben. – Ich fürchte, der Graf – Ich möchte ihn gern unterstützen.
O liebster Oheim, ich bitte, ich beschwöre Sie, erlauben Sie uns zu bleiben. – Ich fürchte, der Graf – Ich möchte ihn gern unterstützen.
Serpetta
Serpetta
Ja, ich will ihm einreden, trotz einem Advokaten. Damit er sich in seinen Reden nicht verfange.
Ja, ich will ihm einreden, trotz einem Advokaten. Damit er sich in seinen Reden nicht verfange.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
So? Verstehst du denn quid iuris? Ha, der Graf kömmt!
So? Verstehst du denn quid iuris? Ha, der Graf kömmt!
Belfiore
Belfiore
Unvergleichliche Arminda –
Unvergleichliche Arminda –
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Geduld, Herr Graf! Enthalten Sie sich jetzt dieser verliebten Ausdrücke in Gegenwart eines strengen Richters, vor dem Sie jetzt stehen, und Red und Antwort geben sollen.
Geduld, Herr Graf! Enthalten Sie sich jetzt dieser verliebten Ausdrücke in Gegenwart eines strengen Richters, vor dem Sie jetzt stehen, und Red und Antwort geben sollen.
(Er schreibt.)
(Er schreibt.)
Belfiore
Belfiore
(erstaunt)
(erstaunt)
Was soll das?
Was soll das?
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Silentium!
Silentium!
Belfiore
Belfiore
Herr Amtshauptmann! –
Herr Amtshauptmann! –
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Silentium!
Silentium!
Belfiore
Belfiore
(zu Arminda)
(zu Arminda)
Arminda –
Arminda –
Arminda
Arminda
So schweigen Sie doch. –
So schweigen Sie doch. –
Belfiore
Belfiore
Serpetta –
Serpetta –
Serpetta
Serpetta
Silentium!
Silentium!
Amtshauptmann
Amtshauptmann
(der indessen geschrieben)
(der indessen geschrieben)
Herr Graf, Sie werden eines grausamen Verbrechens beschuldiget! (Belfiore zittert.) Eine hochweise und hochgebietende Regierung trägt mir auf und befiehlt mir, Sie einzuziehen und darüber zu vernehmen. Ich wollte Ihnen aber vorläufig allen öffentlichen Schimpf ersparen, sonst hätte ich Sie mit bewaffneter Hand müssen hieher bringen lassen, um das forum deprehensionis formaliter zu befolgen. Belieben Sie mir also diejenige Punkten, so ich Ihnen vorlegen und secundum ius civile et criminale eidlich vernehmen muss, sine mora et absque ambagibus zu beantworten. Um in forma legali zu prozedieren, hab ich hier die erforderlichen Fragpunkten: Quis, quid, ubi, quibus auxiliis, cur, quomodo, quando? eingeteilt und aufgesetzt. Also zur ersten Frage. Quis! Wer sind Sie? Wie heißen Sie?
Herr Graf, Sie werden eines grausamen Verbrechens beschuldiget! (Belfiore zittert.) Eine hochweise und hochgebietende Regierung trägt mir auf und befiehlt mir, Sie einzuziehen und darüber zu vernehmen. Ich wollte Ihnen aber vorläufig allen öffentlichen Schimpf ersparen, sonst hätte ich Sie mit bewaffneter Hand müssen hieher bringen lassen, um das forum deprehensionis formaliter zu befolgen. Belieben Sie mir also diejenige Punkten, so ich Ihnen vorlegen und secundum ius civile et criminale eidlich vernehmen muss, sine mora et absque ambagibus zu beantworten. Um in forma legali zu prozedieren, hab ich hier die erforderlichen Fragpunkten: Quis, quid, ubi, quibus auxiliis, cur, quomodo, quando? eingeteilt und aufgesetzt. Also zur ersten Frage. Quis! Wer sind Sie? Wie heißen Sie?
(Belfiore zittert.)
Belfiore
Belfiore
Das wissen Sie ja ohnehin.
Das wissen Sie ja ohnehin.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Ich muss es aus Ihrem Mund hören.
Ich muss es aus Ihrem Mund hören.
Belfiore
Belfiore
Ich bin Graf Belfiore, welcher – die Ehre haben –
Ich bin Graf Belfiore, welcher – die Ehre haben –
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Sufficit!(schreibt) Quid! Sie sollen an einer gewissen Gräfin Onesti – Ubi! – zu Mailand eine Mordtat sive homicidium voluntarium atque violentum ausgeübt haben. Reden Sie! haben Sie diese Gräfin gekannt?
Sufficit!(schreibt) Quid! Sie sollen an einer gewissen Gräfin Onesti – Ubi! – zu Mailand eine Mordtat sive homicidium voluntarium atque violentum ausgeübt haben. Reden Sie! haben Sie diese Gräfin gekannt?
(schreibt)
Belfiore
Belfiore
O Himmel! was soll ich sagen?
O Himmel! was soll ich sagen?
Arminda
Arminda
(leise zu Belfiore)
(leise zu Belfiore)
Sagen Sie nein.
Sagen Sie nein.
Belfiore
Belfiore
Nein! ich habe sie nicht gekannt.
Nein! ich habe sie nicht gekannt.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
(schreibt)
(schreibt)
Negatur. – Lebt sie noch?
Negatur. – Lebt sie noch?
Belfiore
Belfiore
Nein, mein Herr!
Nein, mein Herr!
Serpetta
Serpetta
(leise zu Belfiore)
(leise zu Belfiore)
Was reden Sie denn? sagen Sie ja!
Was reden Sie denn? sagen Sie ja!
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Sie ist also tot?
Sie ist also tot?
Belfiore
Belfiore
Ja, ja!
Ja, ja!
Arminda
Arminda
(leise zu Belfiore)
(leise zu Belfiore)
Leugnen Sie alles.
Leugnen Sie alles.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Man behauptet, dass sie ermordet worden! Sollte das wahr sein?
Man behauptet, dass sie ermordet worden! Sollte das wahr sein?
Belfiore
Belfiore
Ja! – Nein!
Ja! – Nein!
Serpetta
Serpetta
(leise zu Belfiore)
(leise zu Belfiore)
Verfangen Sie sich nur nicht!
Verfangen Sie sich nur nicht!
Arminda
Arminda
(leise zu Belfiore)
(leise zu Belfiore)
Geben Sie acht, was Sie reden.
Geben Sie acht, was Sie reden.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Trepidat! (zu Belfiore) Sollten Sie, Herr Graf, nicht notitiam davon haben? ihren Mörder nicht kennen?
Trepidat! (zu Belfiore) Sollten Sie, Herr Graf, nicht notitiam davon haben? ihren Mörder nicht kennen?
(zu Belfiore)
Belfiore
Belfiore
O ja, sehr gut!
O ja, sehr gut!
Amtshauptmann
Amtshauptmann
(schreibt)
(schreibt)
Cur! Warum ist Sie ermordet worden?
Cur! Warum ist Sie ermordet worden?
Belfiore
Belfiore
Die Liebe – die Eifersucht – ein Zufall.
Die Liebe – die Eifersucht – ein Zufall.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Turbatur! Seine Verwirrung verrät ihn. Reus est!
Turbatur! Seine Verwirrung verrät ihn. Reus est!
Arminda
Arminda
(Der Dummkopf.)
(Der Dummkopf.)
Amtshauptmann
Amtshauptmann
(zu Belfiore)
(zu Belfiore)
Ich sehe, Graf – denken Sie auf Ihre Sicherheit! Memento tui! Man legt Ihnen dies Verbrechen zur Last, und es wäre ein leichtes, Sie zu überweisen. Ich wünschte, Sie wären unschuldig und könnten sich verteidigen.
Ich sehe, Graf – denken Sie auf Ihre Sicherheit! Memento tui! Man legt Ihnen dies Verbrechen zur Last, und es wäre ein leichtes, Sie zu überweisen. Ich wünschte, Sie wären unschuldig und könnten sich verteidigen.
Eilfter Auftritt
Eilfter Auftritt
Vorige, Sandrina, die schon lange im Grund gelauret hat.
Vorige, Sandrina, die schon lange im Grund gelauret hat.
Sandrina
Sandrina
Er ist es – Ich kann und will ihn verteidigen.
Er ist es – Ich kann und will ihn verteidigen.
Belfiore
Belfiore
O Glücke!
O Glücke!
Amtshauptmann
Amtshauptmann
O schön!
O schön!
Serpetta
Serpetta
Allerliebst! mir war schon Angst um sein junges Leben.
Allerliebst! mir war schon Angst um sein junges Leben.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Vermutlich kann dies Mädchen –
Vermutlich kann dies Mädchen –
Serpetta
Serpetta
einige Nachricht geben –
einige Nachricht geben –
Amtshauptmann
Amtshauptmann
und ihn retten. (Er schreibt.) Pendente lite, intervenit etc. (zu Sandrina) Was kannst du zu seiner Verteidigung sagen?
und ihn retten. (Er schreibt.) Pendente lite, intervenit etc. (zu Sandrina) Was kannst du zu seiner Verteidigung sagen?
(Er schreibt.)
(zu Sandrina)
Arminda
Arminda
Rede, liebes Mädchen!
Rede, liebes Mädchen!
Serpetta
Serpetta
Sprich, gutes Sandrinchen!
Sprich, gutes Sandrinchen!
Sandrina
Sandrina
Was bürdet man dem Grafen für ein Verbrechen auf?
Was bürdet man dem Grafen für ein Verbrechen auf?
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Eine Mordtat, die er an der Gräfin Onesti zu Mailand ausgeübt.
Eine Mordtat, die er an der Gräfin Onesti zu Mailand ausgeübt.
Sandrina
Sandrina
Das ist Verleumdung. Verwundet ward die Gräfin von ihm, aber nicht getötet. Sie lebt und steht hier! Ich bin die Gräfin Violante Onesti – und vergebe ihm.
Das ist Verleumdung. Verwundet ward die Gräfin von ihm, aber nicht getötet. Sie lebt und steht hier! Ich bin die Gräfin Violante Onesti – und vergebe ihm.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Du Violante Onesti?
Du Violante Onesti?
Belfiore
Belfiore
(außer sich)
(außer sich)
O meine Geliebte! – mein Herz sagte mir es wohl.
O meine Geliebte! – mein Herz sagte mir es wohl.
Arminda
Arminda
(höhnisch)
(höhnisch)
Die schöne Gräfin!
Die schöne Gräfin!
Serpetta
Serpetta
(höhnisch)
(höhnisch)
Die vortreffliche Dame.
Die vortreffliche Dame.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Glaubst du vielleicht, dass du mit dieser Erdichtung –
Glaubst du vielleicht, dass du mit dieser Erdichtung –
Sandrina
Sandrina
Sagen Sie, was Sie wollen: Sie sollen in kurzem unwiderlegliche Beweise haben, dass ich Gräfin Violante Onesti bin.
Sagen Sie, was Sie wollen: Sie sollen in kurzem unwiderlegliche Beweise haben, dass ich Gräfin Violante Onesti bin.
Belfiore
Belfiore
Glauben Sie ihr! Sie spricht wahr! Mein Herz bekräftiget ihre Worte.
Glauben Sie ihr! Sie spricht wahr! Mein Herz bekräftiget ihre Worte.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Casus suspensivus! Es bedarf Bedacht und Untersuchung – (Beim Teufel! Wenn ich Sandrinen verliere, so hole euch alle der Guguck.)
Casus suspensivus! Es bedarf Bedacht und Untersuchung – (Beim Teufel! Wenn ich Sandrinen verliere, so hole euch alle der Guguck.)
(geht ab)
(geht ab)
Arminda
Arminda
Mir scheint die Sache sehr zweideutig. (Aber es mag nun Sandrina oder Violante Onesti sein, so will ich meine Maßreglen nehmen.)
Mir scheint die Sache sehr zweideutig. (Aber es mag nun Sandrina oder Violante Onesti sein, so will ich meine Maßreglen nehmen.)
(Sie geht ab.)
(Sie geht ab.)
Serpetta
Serpetta
Ich gehe ebenfalls! (Aber es mag nun kommen wie es will, so werde ich dazu lachen.)
Ich gehe ebenfalls! (Aber es mag nun kommen wie es will, so werde ich dazu lachen.)
(Sie geht ab.)
(Sie geht ab.)
Belfiore
Belfiore
(zu Sandrina)
(zu Sandrina)
Liebstes Leben! angebetete Seele! ich bin vor Freuden außer mir. Erlaube, dass ich diese schöne Hand –
Liebstes Leben! angebetete Seele! ich bin vor Freuden außer mir. Erlaube, dass ich diese schöne Hand –
Sandrina
Sandrina
(stößt ihn zurück)
(stößt ihn zurück)
Zurücke! Ich habe mich nur für die Gräfin ausgegeben, um Ihnen das Leben zu retten. Meine Ähnlichkeit, die ich, wie Sie sagen, mit ihr habe, soll Sie auch künftig vor allem Unglücke schützen.
Zurücke! Ich habe mich nur für die Gräfin ausgegeben, um Ihnen das Leben zu retten. Meine Ähnlichkeit, die ich, wie Sie sagen, mit ihr habe, soll Sie auch künftig vor allem Unglücke schützen.
(Sie geht ab.)
Belfiore
Belfiore
Wie war das? – – Mir steht der Angstschweiß am ganzen Leibe. Ich verliere den Verstand.Variante in Quelle A (Eintrag fremder Hand):
Mir steht der Angstschweiß am ganzen Leibe! Ich verliere den Verstand.
Wie war das? – – Mir steht der Angstschweiß am ganzen Leibe. Ich verliere den Verstand.
Sandrina
Gehn Sie nur zu Ihrer angebeteten Arminda! und schenken Sie ihr Ihre Hand und Ihr Herz.
(Sie geht ab.)
Zwölfter Auftritt
Belfiore allein.
N° 19 Recitativo ed Aria
RecitativoDie vier Recitativi accompagnati zu Nr. 19, 21, 22 im zweiten Akt und zu Nr. 27 im dritten Akt hat Mozart für die deutsche Singspielfassung 1779/80 nachkomponiert, um sie den deklamatorischen und rhythmischen Gegebenheiten des deutschen Texts anzupassen (vgl. Rudolph Angermüller und Dietrich Berke, "Vorwort" zu La finta giardiniera (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/8), Bd. 1, Kassel 1978, S. XIV und XX).
Von ihnen sind nur die zwei Rezitative zu Nr. 19 und 27 in der autographen Partitur enthalten, wobei Mozart nur die Singstimme und den Bass niederschrieb (vgl. Dietrich Berke, Kritischer Bericht (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/8), Kassel 2004, S. 11-12 sowie 126 und 129). In den Abschriften C, D, E sind beide Rezitative in vollständiger Partitur überliefert: Offensichtlich oblag es dem Kopisten, die von Mozart neu komponierte Singstimme mit dem dazugehörigen Bass an Ort und Stelle in die Orchesterpartitur der ursprünglich italienischen Rezitative zu integrieren.
Die nachkomponierten Rezitative zu Nr. 21 und 22 sind hingegen nur in den Abschriften D und E überliefert (in vollständiger Partitur); sie fehlen sowohl in der autographen Partitur als auch in Abschrift C. Möglicherweise hat Mozart auch für diese zwei Rezitative eine heute verschollene Fassung für Singstimme und instrumentalen Bass geschrieben, die dann vom Kopisten in die volle Partitur integriert wurde (vgl. Dietrich Berke, Kritischer Bericht (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/8), Kassel 2004, S. 127).

Für die kritische Edition des vertonten Textes in den Rezitativen zu Nr. 19 und 27 diente Quelle A, darin Mozarts autographe Fassung für Singstimme und instrumentalen Bass, als Referenzquelle.
Belfiore
Verbleibe doch und höre mich –
doch wie, was hält mich zurücke? – Ei nur frisch, nur mutig!
Doch sachte! Die Erde wanket,
und eine finstre Nacht
umnebelt schon meine Blicke:
Ist's Sturm, ist's Hagel, ist es Tag oder Nacht? –
Arminda, Violante,
ihr verlanget meinen Tod –
Nur zu, meine schönen Damen, ich erwarte den Streich!
Jedoch ihr weinet?
Zu was denn diese Tränen? –
Ich sterbe gern –
Hört den Donner, seht die Blitze,
er schleudert sie auf mich herab.
O wie sehr danke ich dir,
gütiger Himmel, nur du, nur du
bist die einzige Stütze.
Freunde! Geliebte! beweint mich, ach weh! – ich sterbe.
Aria
    Schon erstarren meine Glieder,
und der Schmerz drückt mich darnieder,
kaum mehr fühl ich, dass ich lebe,
ach, ich zittre, o weh, ich bebe!
Ach ich fühl am ganzen Leibe
selbst des Todes bittren Schmerz,
der mein Herz mir brechen macht.
    Doch nur sachte lasst uns sehen,
ich glaub gar, ich kann noch gehen,
und die Augen – o ja! ich sehe,
und auch hör ich in der Nähe
holden Zephyrs sanftes Wehen.
Ist dort etwa Edens Garten?
Darf ich? Nein, ich muss noch warten.
    Aber stille! mäuselstille! die Winde brausen,
die Bäche sausen,
und ich sehe schon die Sonne,
wie sie prangt mit ihren Strahlen,
man könnt sie nicht schöner malen.
    Welch Vergnügen, welche Wonne,
nun ist gar kein Zweifel mehr.
Welche Freude, welches Entzücken,Variante in den Wiederholungen:
Ach, welche Freude, welches Entzücken!
ich kann mich regen und mich bewegen,
tanzen, singen, hüpfen und springen;
mit frohem Herzen kann ich itzt scherzen,
welch eine Freude, vergnügter Tag!
(geht ab)
(geht ab)
Dreizehnter Auftritt
Zwölfter Auftritt
Nardo, hernach Ramiro und der Amtshauptmann, zuletzt Serpetta.
Nardo, hernach Ramiro und der Amtshauptmann, zuletzt Serpetta.
Dialog
Nardo
Nardo
O ich armer Tropf! was soll ich anfangen? Ich kann meine Gebieterin nirgends finden. Mir wird angst und bange – – Wer weiß! – Doch vielleicht hat sie sich dem Grafen entdeckt – Aber nein! das kann auch nicht sein! Weil sie mir ausdrücklich verboten hat, mich ihm zu erkennen zu geben. Still! ich sehe Leute kommen – Ich will sie behorchen, vielleicht bekomme ich leicht –
O ich armer Tropf! was soll ich anfangen? Ich kann meine Gebieterin nirgends finden. Mir wird angst und bange – – Wer weiß! – Doch vielleicht hat sie sich dem Grafen entdeckt – Aber nein! das kann auch nicht sein! Weil sie mir ausdrücklich verboten hat, mich ihm zu erkennen zu geben. Still! ich sehe Leute kommen – Ich will sie behorchen, vielleicht bekomme ich leicht –
(Er verbirgt sich im Grund.)
(Er verbirgt sich im Grund.)
Ramiro
Ramiro
Sie muss authentisch beweisen, dass sie Violante sei –
Sie muss authentisch beweisen, dass sie Violante sei –
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Das versteht sich! aber sie sprach so zuverlässig, dass ich fast wetten wollte –
Das versteht sich! aber sie sprach so zuverlässig, dass ich fast wetten wollte –
Ramiro
Ramiro
Nur die Beweise! und ich bin zufrieden.
Nur die Beweise! und ich bin zufrieden.
Serpetta
Serpetta
(mit verstellter Angst)
(mit verstellter Angst)
O Himmel, welch ein Unglück! Sandrina hat die Flucht genommen.
O Himmel, welch ein Unglück! Sandrina hat die Flucht genommen.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Proh dolor! weh mir! was sagst du?
Proh dolor! weh mir! was sagst du?
Nardo
Nardo
(versteckt)
(versteckt)
Die Flucht?
Die Flucht?
Ramiro
Ramiro
Das begreife ich nicht.
Das begreife ich nicht.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Haud mora! ihr nachgeeilt!
Haud mora! ihr nachgeeilt!
Serpetta
Serpetta
Aber es fängt schon an, Nacht zu werden.
Aber es fängt schon an, Nacht zu werden.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Quid ad rem! Nacht hin, Nacht her! nehmt Licht, nehmt Facklen. Man muss ihr auf allen Straßen nachschicken. Kommen Sie, Ritter! wir wollen selbst mit. Sequere me!
Quid ad rem! Nacht hin, Nacht her! nehmt Licht, nehmt Facklen. Man muss ihr auf allen Straßen nachschicken. Kommen Sie, Ritter! wir wollen selbst mit. Sequere me!
(Beide gehen ab.)
(Beide gehen ab.)
Vierzehnter Auftritt
Dreizehnter Auftritt
Serpetta, Nardo versteckt.
Serpetta, Nardo versteckt.
Serpetta
Serpetta
Lauft nur, lauft nur! diesmal seid ihr gefoppt! – Das dumme Gartnermensch! sich für eine Gräfin auszugeben! Arminda hat sie aber für diese Verwegenheit, für ihren Stolz schon gezüchtigt. Sie hat sie mit Gewalt in den nächsten Wald stecken lassen – Dort kann sie unter den Wölfen die Dame spielen.
Lauft nur, lauft nur! diesmal seid ihr gefoppt! – Das dumme Gartnermensch! sich für eine Gräfin auszugeben! Arminda hat sie aber für diese Verwegenheit, für ihren Stolz schon gezüchtigt. Sie hat sie mit Gewalt in den nächsten Wald stecken lassen – Dort kann sie unter den Wölfen die Dame spielen.
Nardo
Nardo
(Himmel! was hab ich gehört! Geschwind zum Grafen.)
(Himmel! was hab ich gehört! Geschwind zum Grafen.)
(Er läuft geschwind ab.)
(Er läuft geschwind ab.)
Serpetta
Serpetta
Ich möchte den Amtshauptmann zerreißen, dass er mir das alberne Frazeng'sicht vorzieht, und vor Galle bersten; und doch darf ich mich nichts merken lassen, ich muss meinen Zorn in mich beißen, sonst würde man mich nur auslachen und mit meiner Liebe gegen ihn aufziehen. Geduld! Ein Mädchen muss zurückhaltend, fein und schlau sein, und wenn sie auch Cupido bis auf das Blut getroffen hat, so muss sie es doch nicht gestehn.Variante in Quelle A (Eintrag fremder Hand):
Ein Mädchen muss zurückhaltend und schlau sein, und wenn sie auch Cupido getroffen hat, so muss sie es doch nicht gestehn.
Ich möchte den Amtshauptmann zerreißen, dass er mir das alberne Frazeng'sicht vorzieht, und vor Galle bersten; und doch darf ich mich nichts merken lassen, ich muss meinen Zorn in mich beißen, sonst würde man mich nur auslachen und mit meiner Liebe gegen ihn aufziehen. Geduld! Ein Mädchen muss zurückhaltend, fein und schlau sein, und wenn sie auch Cupido bis auf das Blut getroffen hat, so muss sie es doch nicht gestehn.
N° 20 Aria
Serpetta
    Wer will die Welt genüßen,
    Wer will die Welt genießen,
der schweig zu allem still!
der schweig zu allem still.
Er lass sich nichts verdrüßen,
Er lass sich nichts vedrießen,
es komme, wie es will.
es komme, wie es will.
    Die Mädchen sollten redlich
    Die Mädchen sollten redlich
und gute Herzen haben,
und gute Herzen haben,
aufrichtig sein und ehrlich.Variante in den Wiederholungen:
aufrichtig und ehrlich.
aufrichtig sein und ehrlich.
Doch nützen diese Gaben
Doch nützen diese Gaben
bei Männern nun nicht mehr.
bei Männern nun nicht mehr.
    Itzt muss man sein verschlagen,
    Itzt muss man sein verschlagen,
gleichgiltig alles tragen,
gleichgültig alles tragen,
sich dumm und sittsam stellen,
sich dumm und sittsam stellen,
die Narren wacker prellen,
die Narren wacker prellen,
sie foppen hin und her.
sie foppen hin und her.
    Von allen diesen Pflichten
    Von allen diesen Pflichten
muss man sich unterrichten
muss man sich unterrichten
und nützen jede Lehr.
und nützen jede Lehr.
(geht ab)
(geht ab)


Es ist Nacht. Ein finsterer Wald mit Felsen und Höhlen.


Es ist Nacht. Ein finsterer Wald mit Felsen und Höhlen.
Fünfzehnter Auftritt
Vierzehnter Auftritt
Sandrina. Man sieht etliche Baurenkerl von ihr laufen.
Sandrina. Man sieht etliche Baurenkerl von ihr laufen.
N° 21 Aria
Sandrina
    Ach haltet! Barbaren!Varianten in den Wiederholungen:
Ach, haltet! o Gott!
Ach, haltet! o Himmel!
Wie könnt ihr mich verlassen?Variante in den Wiederholungen:
Wie könnt ihr mich verlassen!
Ach! reichet Hilf mir Armen!Variante in den Wiederholungen:
Ach, mir Armen!
Wie wird es mir ergehn?
Ach Himmel! ach, Erbarmen!
es ist um mich geschehn.
RecitativoDie vier Recitativi accompagnati zu Nr. 19, 21, 22 im zweiten Akt und zu Nr. 27 im dritten Akt hat Mozart für die deutsche Singspielfassung 1779/80 nachkomponiert, um sie den deklamatorischen und rhythmischen Gegebenheiten des deutschen Texts anzupassen (vgl. Rudolph Angermüller und Dietrich Berke, "Vorwort" zu La finta giardiniera (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/8), Bd. 1, Kassel 1978, S. XIV und XX).
Von ihnen sind nur die zwei Rezitative zu Nr. 19 und 27 in der autographen Partitur enthalten, wobei Mozart nur die Singstimme und den Bass niederschrieb (vgl. Dietrich Berke, Kritischer Bericht (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/8), Kassel 2004, S. 11-12 sowie 126 und 129). In den Abschriften C, D, E sind beide Rezitative in vollständiger Partitur überliefert: Offensichtlich oblag es dem Kopisten, die von Mozart neu komponierte Singstimme mit dem dazugehörigen Bass an Ort und Stelle in die Orchesterpartitur der ursprünglich italienischen Rezitative zu integrieren.
Die nachkomponierten Rezitative zu Nr. 21 und 22 sind hingegen nur in den Abschriften D und E überliefert (in vollständiger Partitur); sie fehlen sowohl in der autographen Partitur als auch in Abschrift C. Möglicherweise hat Mozart auch für diese zwei Rezitative eine heute verschollene Fassung für Singstimme und instrumentalen Bass geschrieben, die dann vom Kopisten in die volle Partitur integriert wurde (vgl. Dietrich Berke, Kritischer Bericht (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/8), Kassel 2004, S. 127).

Für die kritische Edition des vertonten Textes in den Rezitativen zu Nr. 21 und 22 diente in Ermangelung autographer Quellen die Abschrift D als Referenzquelle. Als weitere Quelle wurde dazu die Abschrift E herangezogen, die anders als Quelle D eine durchgängige sprachliche Bearbeitung des ursprünglichen deutschen Textes des Librettos und der autographen Partitur darstellt.
Der Text aus Quelle D ist im Haupttext ediert, Abweichungen in Quelle E in den Kommentaren.

In der autographen Partitur wurde über die Singstimme des Recitativo accompagnato zu Nr. 21 eine deutsche Übersetzung des italienischen Textes von fremder Hand eingetragen, die vom ursprünglichen Text des Libretto-Erstdrucks Augsburg [1780] bzw. der Abschriften D und E stark abweicht und wahrscheinlich später hinzugefügt wurde:

Wo bin ich? Welcher Zufall!
Hat man mich hierhergezwungen,
meinen Tod zu erwarten?
Ach, gütige Gottheit,
wenn Euch meine Tränen, mein Schmerz rührt,
ach, ach, leitet meinen Schritt.
Doch Himmel! Wo? Was ich empfinde
ist Schröck, Angst und Fürcht,
tödlicher Schmerz.
Sandrina
Wo bin ich, wie wird mir's gehen?
Wo führt ihr mich hin? Wollt ihr mich töten? O Himmel, sie entfliehen! Gott! muss ich denn so äußerst unglücklich sein? Ach! sie sind fort! und ich hier in der finstern Nacht, in dieser schrecklichen Wildnis allein. Vielleicht ein Raub der wilden Tieren – Weh mir! wer wird mir helfen und mich retten?
Hat man mich nur denn hergeschleppt,Variante in Quelle E:
Hat man mich denn hierhergebracht,
um elend hier zu sterben?
Gütige Götter,
wenn euch mein Elend, wenn euch meine Wehmut rührt,
o so leitet meine Schritte.
Doch wohin in dieser Wüste,Variante in Quelle E:
Doch wohin in dieser Wildnis
wohin soll ich mich wenden?
Wo ich gehe, wo ich stehe, seh ich nichts als
mein Unglück,
höre nur allein
die Stimme meiner Qual
und meiner Pein.
N° 22 Cavatina
Sandrina
    Ach vor Tränen, Schluchzen, Seufzen,
    Ach vor Tränen, Schluchzen, Seufzen,
kann ich kaum mehr Atem fassen.
kann ich kaum mehr Atem faßen.
Sprach und Stimme mich verlassen!
Sprach und Stimme mich verlassen!
und es schwindet alle Kraft.
und es schwindet alle Kraft.
RecitativoDie vier Recitativi accompagnati zu Nr. 19, 21, 22 im zweiten Akt und zu Nr. 27 im dritten Akt hat Mozart für die deutsche Singspielfassung 1779/80 nachkomponiert, um sie den deklamatorischen und rhythmischen Gegebenheiten des deutschen Texts anzupassen (vgl. Rudolph Angermüller und Dietrich Berke, "Vorwort" zu La finta giardiniera (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/8), Bd. 1, Kassel 1978, S. XIV und XX).
Von ihnen sind nur die zwei Rezitative zu Nr. 19 und 27 in der autographen Partitur enthalten, wobei Mozart nur die Singstimme und den Bass niederschrieb (vgl. Dietrich Berke, Kritischer Bericht (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/8), Kassel 2004, S. 11-12 sowie 126 und 129). In den Abschriften C, D, E sind beide Rezitative in vollständiger Partitur überliefert: Offensichtlich oblag es dem Kopisten, die von Mozart neu komponierte Singstimme mit dem dazugehörigen Bass an Ort und Stelle in die Orchesterpartitur der ursprünglich italienischen Rezitative zu integrieren.
Die nachkomponierten Rezitative zu Nr. 21 und 22 sind hingegen nur in den Abschriften D und E überliefert (in vollständiger Partitur); sie fehlen sowohl in der autographen Partitur als auch in Abschrift C. Möglicherweise hat Mozart auch für diese zwei Rezitative eine heute verschollene Fassung für Singstimme und instrumentalen Bass geschrieben, die dann vom Kopisten in die volle Partitur integriert wurde (vgl. Dietrich Berke, Kritischer Bericht (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/8), Kassel 2004, S. 127).

Für die kritische Edition des vertonten Textes in den Rezitativen zu Nr. 21 und 22 diente in Ermangelung autographer Quellen die Abschrift D als Referenzquelle. Als weitere Quelle wurde ferner Abschrift E herangezogen, die anders als Quelle D eine durchgängige sprachliche Bearbeitung des ursprünglichen deutschen Textes des Librettos und der autographen Partitur darstellt.
Der Text aus Quelle D ist im Haupttext ediert, Abweichungen in Quelle E in den Kommentaren.
Sandrina
Doch es hört mich hier keine Seele.Variante in Quelle E:
Doch es hört und sieht mich hier keine Seele.
Doch es hört mich hier keine Seele.
Ich bebe, es wird mir bange.
Ich bebe, es wird mir bange.
Die Kräften schwinden. O Himmel,
Die Kräften schwinden. O Himmel,
welch ein Geräusch!
welch ein Geräusch!
Es ist, alsVariante in Quelle E:
Mich dünkt,
Es ist, als
säh ich im GebüscheVariante in Quelle E:
ich sehe im Gebüsche
säh ich im Gebüsche
die abscheulichste Schlange,Variante in Quelle E:
eine fürchterliche Schlange.
die abscheulichste Schlange,
die mit ihrem Gezische – O Gott! wo verberg ich mich?Variante in Quelle E:
Horcht, horcht, welch ein Gezische – O Gott! wo verberg ich mich?
die mit ihrem Gezische – O Gott! wo verberg ich mich?
Wohin fliehe ich? Was soll ich tun? Hier! nein, dort!
Wohin fliehe ich? Was soll ich tun? Hier! nein, dort!
Ach ich betrüg mich nicht! – eine Höhle:Variante in Quelle E:
Ach, betrüg ich mich vielleicht? – eine Höhle:
Ach ich betrüg mich nicht! – eine Höhle:
Dies sei der Schutzort
Dies sei der Schutzort
meiner elenden Tage;Variante in Quelle E:
meiner qualvollen Lose;
meiner elenden Tage;
dahinein will ich mich begeben.Variante in Quelle E:
bei den Schrecken, die mich umschweben,
dahinein will ich mich begeben.
Und du, gütiger Himmel, schütze mein armes Leben.Variante in Quelle D:
Und du, o gütiger Himmel, schütze mein armes Leben.

Variante in Quelle E:
erhalte, gütiger Himmel, schütze mir nur mein Leben.
Und du, gütiger Himmel, schütze mein armes Leben.
(geht in die Höhle)
(geht in die Höhle)
Sechszehnter Auftritt
Fünfzehnter Auftritt
Belfior, Nardo, nach und nach kommen Sandrina, Arminda, der Amtshauptmann, Serpetta und letztlich Ramiro mit Leuten, welche Facklen tragen.
Belfior, Nardo, nach und nach kommen Sandrina, Arminda, der Amtshauptmann, Serpetta und letztlich Ramiro mit Leuten, welche Facklen tragen.
N° 23 Finale
Belfiore
Belfiore
    Hier in diesen Finsternissen,
    Hier in diesen Finsternissen,
in die Felsen, ach, doch bitte,
in den Felsen, ach, ich bitte,
Nardo, leite meine Schritte,
Nardo, leite meine Schritte,
ich weiß nicht wo aus, wo an.
ich weiß nicht wo aus, wo an.
Nardo
Nardo
    O wie schröcklich ist die Wildnis!
    O wie schrecklich ist die Wildnis!
Nun so lasst uns sachte gehen:
Nun so lasst uns sachte gehen:
Hier ist wohl der Ort zu sehen,
Hier ist wohl der Ort zu sehen,
wo man sie noch finden kann.
wo man sie noch finden kann.
Sandrina
Sandrina
    In der Näh dünkt mich, zu hören
    In der Näh dünkt mich, zu hören
ein Geräusch, das mich erschröcket,
ein Geräusch, das mich erschrecket,
das mir Furcht und Angst erwecket.
das mir Angst und Furcht erwecket.
Himmel, ach, erhör mein Flehen!
Himmel, ach, erhör mein Flehen!
Arminda
Arminda
    Hier in diesen finstern Walde
    Hier in diesen finstern Walde
ist gewiss mein Graf gekommen,
ist gewiss mein Graf gekommen,
von Verzweiflung eingenommen,
von Verzweiflung eingenommen,
seiner Göttin nachzugehen.
seiner Göttin nachzugehen.
Belfiore
Belfiore
    Welch Geräusch will mich betören?
    Welch Geräusch will mich betören?
Sandrina
Sandrina
Nein, ich will von hier nicht weichen.
Nein, ich will von hier nicht weichen.
Ich will näher hin mich schleichen.
Arminda
Arminda
Mich gedünkt, hier Leut zu hören.
Mich gedünkt, hier Leut zu hören.
Nardo
Nardo
Ich will näher hin mich schleichen.
Alle vier
Alle vier
Lasst uns sehn, was hier geschieht.
Lasst uns sehen, was hier geschieht.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
    Hier in diesen Finsternüssen
    Hier in diesen Finsternissen
muss ich Schritt vor Schritte gehen
muss ich Schritt vor Schritte gehen
und die Straße nicht versehen,
und die Straße nicht versehen,
sonst brech ich mir Hals und Bein.
sonst brech ich mir Hals und Bein.
Serpetta
Serpetta
    Heimlich hab ich mich beflissen,
    Heimlich hab ich mich beflissen,
in der Stille herzuschleichen,
in der Stille herzuschleichen,
meine Absicht zu erreichen
meine Absicht zu erreichen
und auf meiner Hut zu sein.
und auf meiner Hut zu sein.
Belfiore
Belfiore
    Wer ist da?
    Wer ist da?
Sandrina
Sandrina
O welch ein Unglück!
O welch ein Unglück!
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Geht hier jemand?
Geht hier jemand?
Serpetta
Serpetta
Verdammter Zufall!
Verdammter Zufall!
Nardo
Nardo
Geht nicht weiter!
Geht nicht weiter!
Arminda
Arminda
O welcher Schröcken!
O welcher Schrecken!
Welch Getöse, welcher Lärmen,
Welch Getöse, welcher Lärmen,
wär ich doch nur weit von hier.
wär ich doch nur weit von hier.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
(zu Arminda)
(zu Arminda)
    Bist es du, mein lieb's Sandrinchen?
    Bist es du, mein liebes Sandrinchen?
Arminda
Arminda
(zum Amtshauptmann)
(zum Amtshauptmann)
Ja, die bin ich.
Ja, die bin ich. (Das ist der Graf.)
(Das ist der Graf.)
Belfiore
Belfiore
(zu Serpetta)
(zu Serpetta)
Meine englische Sandrina?
Mein englische Sandrina?
Serpetta
Serpetta
(zu Belfiore)
(zu Belfiore)
Ja, die bin ich.
Ja, die bin ich. (Das ist der Amtmann.)
(Das ist der Amtmann.)
Nardo
Nardo
(zu Sandrina)
(zu Sandrina)
    Sind Sie nicht meine gnäd'ge Gräfin?
    Sind Sie nicht meine gnädige Gräfin?
Sandrina
Sandrina
(Dies ist Nardo, ich bin ruhig.)
(Dies ist Nardo, ich bin ruhig.)
Welche Freude, welch Entzücken!
Welche Freude, welch Entzücken!
Was ich suchte, ist nun mein.
Was ich suchte, ist nun mein.
Ramiro
    Nun, ihr Freunde, bleibt hier stehen,Variante in den Wiederholungen:
Nun, ihr Freunde, bleibt hier stehn,
lass von euch sich keiner sehen,
bis es endlich Zeit wird sein.
Amtshauptmann
    Kommen Leute?
Arminda
Wie, was hör ich!
Belfiore
Sag, wer bist du?
Serpetta
Wer verbirgt mich!
Nardo
Geh zurücke.
Sandrina
Ich bin verloren!
Ramiro
Nun wird alles aufgeklärt.
Amtshauptmann
(zu Arminda)
    Lasst uns gehen.
Arminda
Ich bin's zufrieden.
Belfiore
(zu Serpetta)
Gehen wir weiter.
Serpetta
Es ist gescheiter.
Nardo
Was tun wir?
Sandrina
Weh mir, ich zittre!
Ach ich möcht vor Angst vergehn,
länger ist's nicht auszustehn.
Ramiro
Ramiro
(zu allen)
(zu allen)
    Holla, Freunde, lasst euch sehen,
    Holla, Freunde, lasst euch sehen,
kommt geschwind und hurtig her.
kommt geschwind und hurtig her.
Ich erfreu mich des Vergnügens,
Ich erfreu mich des Vergnügens,
so das Glück hat euch beschert.
so das Glücke euch hat beschert.
Belfiore
Belfiore
    Du, Serpetta?
    Du, Serpetta?
Serpetta
Serpetta
Sie, der Graf?
Sie, der Graf?
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Meine Nichte?
Meine Nichte?
Arminda
Arminda
Sie sind der Amtmann?
Sie sind der Amtmann?
Alle
Alle
O verwünschtes Überraschen!
O verwünschtes Überraschen!
Alle stehen wir hier beschämt.
Alle stehen wir hier beschämt.
Arminda
Arminda
(zum Amtshauptmann)
(zum Amtshauptmann)
    Hier ist ein Irrtum, dort ist die Schöne.
    Hier ist ein Irrtum, dort ist die Schöne.
Sandrina
Sandrina
(zu Nardo)
(zu Nardo)
Ach wie Sie scherzen, ich bin nicht jene.
Ach wie Sie scherzen, ich bin nicht jene.
Serpetta
Serpetta
(zu Belfiore)
(zu Belfiore)
Ha, wie Sie irren! dort ist die Närrin.
Ha, wie Sie irren! dort ist die Närrin.
Belfiore, Amtshauptmann, Nardo
Belfiore, Amtshauptmann, Nardo
Da sind wir alle schön angelaufen!Variante in den Wiederholungen:
Schön sind wir angelaufen!
Da sind wir alle schön angeloffen!
Was ist zu machen? 's ist einmal so!
Was ist zu machen? 's ist einmal so!
Arminda
Arminda
(zu Belfiore
(zu Belfiore
    Falscher Verräter! du mich betrügest!
    Falscher Verräter! mich zu betrügen!
Giftige Rache sollst du fühlen.Variante in den Wiederholungen:
die sollst du fühlen.
Giftige Rache sollst du fühlen.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
(zu Sandrina)
(zu Sandrina)
Warte, Nichtswürdige, ich will dich kriegen!
Warte, Nichtswürdige! ich will dich kriegen:
Ja, du sollst meinen Zorn empfinden.
Ja, du sollst meinen Zorn empfinden.
Sandrina
Sandrina
O weh, ich wanke, das Haupt mir schwindelt,
O weh, ich wanke, der Kopf mir schwindelt,
unter den Füßen die Erde weicht.
unter den Füßen die Erde weicht.
Nardo
Nardo
(zu Serpetta)
(zu Serpetta)
    Alles dein Schmeichlen ist nun vergebens.
    Alles dein Schmeichlen ist nun vergebens.
Serpetta
Serpetta
(zu Nardo)
(zu Nardo)
Das soll dich Esel wenig besorgen.
Das soll dich Esel wenig besorgen.
Ramiro
Ramiro
(zu Arminda)
(zu Arminda)
Ach deine Strenge kann ich nicht fassen.
Ach deine Strenge kann ich nicht fassen.
Arminda
Arminda
(zu Ramiro)
(zu Ramiro)
Dich werd ich fliehen und ewig hassen.
Dich werd ich fliehen und ewig hassen.
Sandrina, Belfiore
Sandrina, Belfiore
    Wie stürmt der Himmel, welch schwarze Wolken,
    Wie stürmt der Himmel, welch schwarze Wolken,
mich schaudert, ich zittere erstarre und bebe.
mich schaudert, ich zittere erstarre und bebe.
Itzt schon ergreift mich ein toller Wahn.
Jetzt schon ergreift mich ein toller Wahn.
Arminda, Ramiro, Amtshauptmann, Nardo, Serpetta
Arminda, Ramiro, Amtshauptmann, Nardo, Serpetta
Ach der Verdruss macht mich fast rasend,
Ach der Verdruss macht mich fast rasend,
mein Herz fängt aufzuschwellen an.
mein Herz fängt zu schwellen an.
Sandrina
Sandrina
    Hörst du nicht, mein Thirsis, von ferne ertönen
    Hörst du nicht, mein Thirsis, von ferne ertönen
die Zaubergesänge der holden Sirenen?
die Zaubergesänge der holden Sirenen?
Sie laden uns ein zu erquickender Ruh.
Sie laden uns ein zu erquickender Ruh.
Belfiore
Belfiore
    Hör, Chloris! die Leier des Orpheus sanft klingen,
    Hör, Chloris! die Leier des Orpheus erklingen,
die Felsen beweget und Bestien bezwinget.
die Felsen beweget und Bestien bezwinget.
Der Schiffer im Weltmeer hält still und hört zu.
Der Schiffer im Weltmeer hält still und hört zu.
Beide
Beide
O sanftes Entzücken! O himmlische Lust!
O sanftes Entzücken! O himmlische Lust!
Amtshauptmann
Amtshauptmann
(zu Belfiore)
(zu Belfiore)
    Herr, mit Ihnen hab ich zu sprechen:
    Herr, mit Ihnen hab ich zu sprechen:
Ich muss diese Unbild rächen,
Ich muss diese Unbild rächen,
auf Pistolen lad ich Sie.
auf Pistolen lad ich Sie.
Ramiro
Ramiro
(zu Belfiore)
(zu Belfiore)
    Nur geschwind, mein Herr, wir gehen,
    Nur geschwind, mein Herr, wir gehen,
warum bleiben Sie noch stehen?
warum bleiben Sie noch stehen?
Unsre Klingen messen wir.
Unsre Klingen messen wir.
Arminda
Arminda
    Wo wollt ihr hin? Verbleibet doch!
    Wo wollt ihr hin? Verbleibt doch hier!
Nardo, Serpetta
Nardo, Serpetta
Was soll denn dieser Lärmen noch?
Was soll denn dieser Lärmen noch?
Ramiro, Amtshauptmann
Ramiro, Amtshauptmann
Kaum kann ich mich enthalten
Kaum kann ich mich enthalten
vor Wut und Raserei.
vor Wut und Raserei.
Sandrina
Sandrina
    Ich bin Medusa, kennt ihr mich!Variante in den Wiederholungen:
Ich bin Medusa!
    Ich bin Medusa, kennt ihr mich?
Belfiore
Belfiore
Ich bin Alcide, packe dich!Variante in den Wiederholungen:
Ich bin Alzides!
Ich bin Alzides, packe dich!
Beide
Beide
Herzige Nymphen, kommet dochVariante in den Wiederholungen:
Ach, kommet doch
Herzige Nymphen, kommet doch
und flieht die Tyrannei.
und flieht die Tyrannei.
Arminda
Arminda
    Ich glaube gar, sie schwärmen.
    Ich glaube gar, sie schwärmen.
Amtshauptmann
Amtshauptmann
Ja, ja, mich dünkt, sie schwärmen.
Ja, ja, mich dünkt, sie schwärmen.
Ramiro, Nardo
Ramiro, Nardo
Sagt doch, was dies bedeute.
Sagt doch, was dies bedeute.
Sandrina
Sandrina
Nur nicht so nah, ihr Leute!Variante in den Wiederholungen:
Weg, weg, ihr Leute!
Nur nicht so nah, ihr Leute!
Belfiore
Belfiore
Holla, kein solches Lärmen,Variante in den Wiederholungen:
Kein solches Lärmen,
Holla, kein solches Lärmen,
Beide
Beide
wollt ihr uns sehen weinen?
wollt ihr uns sehen weinen?
Seid doch so grausam nicht!
Seid doch so grausam nicht!
Arminda, Ramiro, Amtshauptmann, Nardo, Serpetta
Arminda, Ramiro, Amtshauptmann, Nardo, Serpetta
    Fürwahr, sie sind von Sinnen,
    Für wahr, sie sind von Sinnen,
wahnsichtig und ganz toll.
wahnsüchtig und ganz toll.
Ramiro
Ramiro
(zu Arminda)
(zu Arminda)
Zu so großem Unglücke
Zu so großem Unglücke
hast du den Grund gelegt.
hast du den Grund gelegt.
Sandrina, Belfiore
Sandrina, Belfiore
Ach ist denn niemand,
Ach ist denn niemand, den meine Pein bewegt?
o Gott! ist niemand, den meine Pein bewegt?
O Gott! ist niemand?
Arminda, Ramiro, Amtshauptmann, Serpetta
Arminda, Ramiro, Amtshauptmann, Serpetta
    Welch seltner Zufall!
    Welch seltner Zufall!
Welch trauriges Schicksal!
Welch trauriges Schicksal!
Der Wahnwitz, die Tollheit,
Der Wahnwitz, die Tollheit,
ergreifen sie ganz.
ergreifen sie ganz.
Sandrina, Belfiore
Sandrina, Belfiore
    O lachende Freuden!
    O lachende Freuden!
man wird uns beneiden,
man wird uns beneiden,
die lustigste Musik
die lustigste Musik
uns locket zum Tanz.
uns locket zum Tanz.
Ende des zweiten Aufzugs.
Ende des zweiten Aufzugs.