Kritische Edition des Librettos       Diplomatische Übertragung des Librettos 
Erster Aufzug
 
FErster Aufzug.

Das Theater ist eine felsichte Gegend, hie und da mit Bäumen überwachsen; auf beiden Seiten sind gangbare Berge nebst einem runden Tempel.
 
Erster Auftritt
 
Erster Auftritt.
 
Das Theater ist eine felsichte Gegend, hie und
da mit Bäumen überwachsen; auf beyden
Seiten sind gangbare Berge, nebst einem
runden Tempel.
Tamino kommt in einem prächtigen japonischen"japanischen" im Sinne von "orientalisch, fremdartig, exotisch" Jagdkleide rechts von einem Felsen herunter, mit einem Bogen, aber ohne Pfeil; eine Schlange verfolgt ihn.
 
Tamino kommt in einem prächtigen japoni=
schen Jagdkleide rechts von einem Felsen
herunter, mit einem Bogen, aber ohne
Pfeil; eine Schlange verfolgt ihn.
Introduktion
 
Introduction.
Tamino
 
Tamino.
    Zu Hülfe! zu Hülfe! sonst bin ich verloren,
 
    Zu Hülfe! zu Hülfe! sonst bin ich verloren,
der listigen Schlange zum Opfer erkoren.
 
Der listigen Schlange zum Opfer erkoren.
Barmherzige Götter! schon nahet sie sich;
 
Barmherzige Götter! schon nahet sie sich;
ach rettet mich! ach schützet mich!
 
Ach rettet mich! ach schützet mich!
Er fällt in Ohnmacht. Sogleich öffnet sich die Pforte des Tempels; drei verschleierte Damen kommen heraus, jede mit einem silbernen Wurfspieß.
 
FEr fällt in Ohnmacht; sogleich öffnet sich die Pforte des
Tempels; drey verschleyerte Damen kommen heraus;
jede mit einem silbernen Wurfspieß.
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
Stirb, Ungeheur, durch unsre Macht!Da der Vers nicht nur dramaturgisch relevant, sondern auch im Rahmen des Reimschemas aus Paarreimen metrisch erforderlich ist, dürfte sein Fehlen im Libretto-Erstdruck Wien 1791 durch einen Druckfehler entstanden sein.
Vgl. dazu Gernot Gruber, „Vorwort“ zu Die Zauberflöte (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/19), Kassel 1970, S. XIV.
 
Triumph! Triumph! sie ist vollbracht,
 
Triumph! Triumph! sie ist vollbracht
die Heldentat. Er ist befreit
 
Die Heldenthat. Er ist befreyt
durch unsers Armes Tapferkeit.
 
Durch unsers Armes Tapferkeit.
Erste Dame
 
Erste Dame.
(ihn betrachtend)
 
(ihn betrachtend.)
Ein holder Jüngling, sanft und schön.
 
Ein holder Jüngling, sanft und schön.
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
So schön, als ich noch nie gesehn.
 
So schön, als ich noch nie gesehn.
Dritte Dame
 
Dritte Dame.
Ja, ja! gewiss zum Malen schön.
 
Ja, ja! gewiß zum Mahlen schön.
Alle Drei
 
Alle drey.
Würd ich mein Herz der Liebe weihn,
 
Würd' ich mein Herz der Liebe weih'n,
so müsst es dieser Jüngling sein.
 
So müßt es dieser Jüngling seyn.
Lasst uns zu unsrer Fürstin eilen,
 
Laßt uns zu unsrer Fürstinn eilen,
ihr diese Nachricht zu erteilen.
 
Ihr diese Nachricht zu ertheilen.
Vielleicht, dass dieser schöne Mann
 
Vieleicht, daß dieser schöne Mann
die vor'ge Ruh ihr geben kann.
 
Die vor'ge Ruh' ihr geben kann.
Erste Dame
 
Erste Dame.
So geht und sagt es ihr!
 
So geht und sagt es ihr!
Ich bleib indessen hier.
 
Ich bleib' indessen hier.
Zweite Dame
 
FZweyte Dame.
Nein, nein! geht ihr nur hin;
 
Nein, nein! geht ihr nur hin;
ich wache hier für ihn.
 
Ich wache hier für ihn.
Dritte Dame
 
Dritte Dame.
Nein, nein! das kann nicht sein!
 
Nein, nein! das kann nicht seyn!
Ich schütze ihn allein.
 
Ich schütze ihn allein.
Alle Drei
 
Alle drey.
(jede für sich)
 
(jede für sich.)
Ich sollte fort? Ei, ei! wie fein!
 
Ich sollte fort? Ey, ey! wie fein!
Sie wären gern bei ihm allein.
 
Sie wären gern bey ihm allein.
Nein, nein! das kann nicht sein.
 
Nein, nein! das kann nicht seyn.
(eine nach der andern, dann alle drei zugleich)
 
(Eine nach der andern, dann alle drey zugleich.)
Was wollte ich darum nicht geben,
 
Was wollte ich darum nicht geben,
könnt ich mit diesem Jüngling leben!
 
Könnt ich mit diesem Jüngling leben!
Hätt ich ihn doch so ganz allein!
 
Hätt' ich ihn doch so ganz allein!
Doch keine geht; es kann nicht sein.
 
Doch keine geht; es kann nicht seyn.
Am besten ist es nun, ich geh.
 
Am besten ist es nun, ich geh'.
Du Jüngling, schön und liebevoll!
 
Du Jüngling, schön und liebevoll!
du trauter Jüngling, lebe wohl,
 
Du trauter Jüngling, lebe wohl,
bis ich dich wieder seh.
 
Bis ich dich wieder seh'.
(Sie gehen alle drei zur Pforte des Tempels ab, die sich selbst öffnet und schließt.)
 
(Sie gehen alle drey zur Pforte des Tempels ab, die sich
selbst öffnet und schließt.)
Tamino
 
Tamino.
(erwacht, sieht furchtsam umher)
 
(erwacht, sieht furchtsam umher.)
Wo bin ich! Ist's Fantasie, dass ich noch lebe? Oder hat eine höhere Macht mich gerettet? (steht auf, sieht umher) Wie? – Die bösartige Schlange liegt tot zu meinen Füßen? – (Man hört von fern ein Waldflötchen, worunter das Orchester piano akkompagniert. Tamino spricht unter dem Ritornell.) Was hör ich? Wo bin ich? Welch unbekannter Ort! – Ha, eine männliche Figur nähert sich dem Tal.
 
Wo
bin ich! Ist's Fantasie, daß ich noch lebe?
oder hat eine höhere Macht mich gerettet?
(steht auf, sieht umher) Wie? – Die bösartige
FSchlange liegt todt zu meinen Füßen? –
(man hört von fern ein Waldflötchen, worunter das Orche=
ster piano accompagnirt. Tamino spricht unter dem Ritornel.)

Was hör' ich? Wo bin ich? Welch' unbe=
kannter Ort! – Ha, eine männliche Fi=
gur nähert sich dem Thal.
(versteckt sich hinter einem Baume)
 
(versteckt sich
hinter einem Baume.)
Zweiter Auftritt
 
Zweyter Auftritt.
Papageno kommt den Fußsteig herunter, hat auf dem Rücken eine große Vogelsteige, die hoch über den Kopf geht, worin verschiedene Vögel sind; auch hält er mit beiden Händen ein Faunenflötchen, pfeift und singt. Später Tamino.
 
Papageno kommt den Fußsteig herunter,
hat auf dem Rücken eine große Vogelstei=
ge, die hoch über den Kopf geht, worin
verschiedene Vögel sind; auch hält er mit
beyden Händen ein Faunen=Flötchen, pfeift
und singt.
Arie
 
Arie.
Papageno
 
    Der Vogelfänger bin ich ja,
 
    Der Vogelfänger bin ich ja,
stets lustig, heißa! hopsasa!
 
Stets lustig, heißa! hopsasa!
Der Vogelfänger ist bekannt
 
Der Vogelfänger ist bekannt
bei Alt und Jung im ganzen Land.
 
Bey Alt und Jung im ganzen Land.
Weiß mit dem Locken umzugehn
 
Weiß mit dem Locken umzugeh'n,
und mich aufs Pfeifen zu verstehn.
 
Und mich aufs Pfeifen zu versteh'n.
Drum kann ich froh und lustig sein,
 
Drum kann ich froh und lustig seyn;
denn alle Vögel sind ja mein.
 
Denn alle Vögel sind ja mein. (pfeift.)
    Der Vogelfänger bin ich ja,
 
F    Der Vogelfänger bin ich ja,
stets lustig, heißa! hopsasa!
 
Stets lustig, heißa! hopsasa!
Der Vogelfänger ist bekannt
 
Der Vogelfänger ist bekannt,
bei Alt und Jung im ganzen Land.
 
Bey Alt und Jung im ganzen Land.
Ein Netz für Mädchen möchte ich;
 
Ein Netz für Mädchen möchte ich;
ich fing' sie dutzendweis für mich.
 
Ich fing' sie dutzendweis für mich.
Dann sperrte ich sie bei mir ein,
 
Dann sperrte ich sie bey mir ein,
und alle Mädchen wären mein.Zu den zwei ursprünglichen Strophen der Arie in der autographen Partitur und im Libretto-Erstdruck ist in späteren Drucken und handschriftlichen Kopien noch im 18. Jahrhundert (etwa im Klavierauszug von Freidrich Eunike, Bonn: Simrock 1793) eine dritte Strophe überliefert, die jedoch in keiner Quelle zu Lebzeiten Mozarts nachgewiesen ist:

Wenn alle Mädchen wären mein,
so tauschte ich brav Zucker ein:
Die, welche mir am liebsten wär,
der gäb ich gleich den Zucker her.
Und küsste sie mich zärtlich dann,
wär sie mein Weib und ich ihr Mann.
Sie schlief' an meiner Seite ein,
ich wiegte wie ein Kind sie ein.

Vgl. dazu Gernot Gruber, „Vorwort“ zu Die Zauberflöte (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/19), Kassel 1970, S. XVII.
 
Und alle Mädchen wären mein.
(pfeift, will nach der Arie nach der Pforte gehen)
 
(Pfeift, will nach der Arie nach der Pforte gehen.)
Tamino
 
Tamino.
(nimmt ihn bei der Hand)
 
(nimmt ihn bey der Hand)
He da!
 
He da!
Papageno
 
Papageno.
Was da!
 
Was da!
Tamino
 
Tamino.
Sag mir, du lustiger Freund, wer du seist?
 
Sag mir, du lustiger Freund,
wer du seyst?
Papageno
 
Papag.
Wer ich bin? (für sich) Dumme Frage! (laut) Ein Mensch wie du. – Wenn ich dich nun fragte, wer du bist? –
 
Wer ich bin? (für sich) Dumme
Frage! (laut) Ein Mensch, wie du. – Wenn
ich dich nun fragte, wer du bist? –
Tamino
 
Tamino.
So würde ich dir antworten, dass ich aus fürstlichem Geblüte bin.
 
So würde ich dir antworten,
daß ich aus fürstlichem Geblüte bin.
Papageno
 
Papag.
Das ist mir zu hoch. – Musst dich deutlicher erklären, wenn ich dich verstehen soll!
 
Das ist mir zu hoch. – Mußt
dich deutlicher erklären, wenn ich dich ver=
stehen soll!
Tamino
 
Tamino.
Mein Vater ist Fürst, der über viele Länder und Menschen herrscht; darum nennt man mich Prinz.
 
Mein Vater ist Fürst, der über
viele Länder und Menschen herrscht; darum
nennt man mich Prinz.
Papageno
 
Papag.
Länder? – Menschen? – Prinz? –
 
Länder? – Menschen? –
Prinz? –
Tamino
 
FTamino.
Daher frag ich dich! –
 
Daher frag' ich dich! –
Papageno
 
Papag.
Langsam! Lass mich fragen. – Sag du mir zuvor: Gibt's außer diesen Bergen auch noch Länder und Menschen?
 
Langsam! laß mich fragen. –
Sag du mir zuvor: Gibt's außer diesen
Bergen auch noch Länder und Menschen?
Tamino
 
Tamino.
Viele Tausende!
 
Viele Tausende!
Papageno
 
Papag.
Da ließ' sich eine Spekulation mit meinen Vögeln machen.
 
Da ließ sich eine Speculation
mit meinen Vögeln machen.
Tamino
 
Tamino.
Nun sag du mir, in welcher Gegend wir sind. –
 
Nun sag' du mir, in welcher
Gegend wir sind. –
Papageno
 
Papag.
In welcher Gegend? (sieht sich um) Zwischen Tälern und Bergen.
 
In welcher Gegend? (sieht sich um)
Zwischen Thälern und Bergen.
Tamino
 
Tamino.
Schon recht! Aber wie nennt man eigentlich diese Gegend? – Wer beherrscht sie? –
 
Schon recht! aber wie nennt
man eigentlich diese Gegend? – wer be=
herrscht sie? –
Papageno
 
Papag.
Das kann ich dir ebenso wenig beantworten, als ich weiß, wie ich auf die Welt gekommen bin.
 
Das kann ich dir eben so we=
nig beantworten, als ich weiß, wie ich auf
die Welt gekommen bin.
Tamino
 
Tamino.
(lacht)
 
(lacht)
Wie? Du wüsstest nicht, wo du geboren oder wer deine Eltern waren? – –
 
Wie? Du wüßtest nicht,
wo du geboren, oder wer deine Ältern wa=
ren? – –
Papageno
 
Papag.
Kein Wort! – Ich weiß nicht mehr und nicht weniger, als dass mich ein alter, aber sehr lustiger Mann auferzogen und ernährt hat.
 
Kein Wort! – Ich weiß nicht
mehr, und nicht weniger, als daß mich ein
alter, aber sehr lustiger Mann auferzogen,
und ernährt hat.
Tamino
 
Tamino.
Das war vermutlich dein Vater? –
 
Das war vermuthlich dein Va=
ter? –
Papageno
 
Papag.
Das weiß ich nicht.
 
Das weiß ich nicht.
Tamino
 
Tamino.
Hattest du denn deine Mutter nicht gekannt?
 
Hattest du denn deine Mutter
nicht gekannt?
Papageno
 
FPapag.
Gekannt hab ich sie nicht; erzählen ließ ich mir's einige Mal, dass meine Mutter einst da in diesem verschlossenen Gebäude bei der nächtlich sternflammenden Königin gedient hätte. – Ob sie noch lebt oder was aus ihr geworden ist, weiß ich nicht. – Ich weiß nur so viel, dass nicht weit von hier meine Strohhütte steht, die mich vor Regen und Kälte schützt.
 
Gekannt hab' ich sie nicht; er=
zählen ließ ich mir's einige Mahl, daß mei=
ne Mutter einst da in diesem verschlossenen
Gebäude bey der nächtlich sternflammen=
den Königinn gedient hätte. – Ob sie noch
lebt, oder was aus ihr geworden ist, weiß
ich nicht. – Ich weiß nur so viel, daß nicht
weit von hier meine Strohhütte steht, die
mich vor Regen und Kälte schützt.
Tamino
 
Tamino.
Aber wie lebst du?
 
Aber wie lebst du?
Papageno
 
Papag.
Von Essen und Trinken wie alle Menschen.
 
Von Essen und Trinken, wie
alle Menschen.
Tamino
 
Tamino.
Wodurch erhältst du das?
 
Wodurch erhältst du das?
Papageno
 
Papag.
Durch Tausch. – Ich fange für die sternflammende Königin und ihre Jungfrauen verschiedene Vögel; dafür erhalt ich täglich Speis und Trank von ihr.
 
Durch Tausch. – Ich fange
für die sternflammende Königinn und ihre
Jungfrauen verschiedene Vögel; dafür erhalt'
ich täglich Speis' und Trank von ihr.
Tamino
 
Tamino.
(für sich)
 
(für sich)
Sternflammende Königin! – Wenn es etwa gar die mächtige Herrscherin der Nacht wäre! – Sag mir, guter Freund! warst du schon so glücklich, diese Göttin der Nacht zu sehen?
 
Sternflammende Kö=
niginn! – Wenn es etwa gar die mäch=
tige Herrscherinn der Nacht wäre! – Sag
mir, guter Freund! warst du schon so glück=
lich, diese Göttinn der Nacht zu sehen?
Papageno
 
Papag.
(der bisher öfters auf seiner Flöte geblasen)
 
(der bisher öfters auf seiner Flöte geblasen)
Deine letzte alberne Frage überzeugt mich, dass du aus einem fremden Lande geboren bist. –
 
Deine letzte alberne Frage überzeugt mich,
daß du aus einem fremden Lande geboren
bist. –
Tamino
 
Tamino.
Sei darüber nicht ungehalten, lieber Freund! Ich dachte nur –
 
Sey darüber nicht ungehalten,
lieber Freund! ich dachte nur –
Papageno
 
Papag.
Sehen? – Die sternflammende Königin sehen? – Wenn du noch mit einer solchen albernen Frage an mich kommst, so sperr ich dich, so wahr ich Papageno heiße, wie einen Gimpel in mein Vogelhaus, verhandle dich dann mit meinen übrigen Vögeln an die nächtliche Königin und ihre Jungfrauen; dann mögen sie dich meinetwegen sieden oder braten.
 
Sehen? – Die sternflammen=
Fde Königinn sehen? – Wenn du noch mit
einer solchen albernen Frage an mich kommst,
so sperr' ich dich, so wahr ich Papageno hei=
ße, wie einen Gimpel in mein Vogelhaus,
verhandle dich dann mit meinen übrigen Vö=
geln an die nächtliche Königinn und ihre
Jungfrauen; dann mögen sie dich meinet=
wegen sieden oder braten.
Tamino
 
Tamino.
(für sich)
 
(für sich)
Ein wunderlicher Mann!
 
Ein wunderlicher Mann!
Papageno
 
Papag.
Sehen? – Die sternflammende Königin sehen? – Welcher Sterbliche kann sich rühmen, sie je gesehen zu haben? – Welches Menschen Auge würde durch ihren schwarz durchwebten Schleier blicken können?
 
Sehen? – Die sternflammen=
de Königinn sehen? – Welcher Sterbli=
che kann sich rühmen, sie je gesehen zu haben?
– Welches Menschen Auge würde durch ih=
ren schwarz durchwebten Schleyer blicken
können?
Tamino
 
Tamino.
(für sich)
 
(für sich)
Nun ist's klar; es ist eben diese nächtliche Königin, von der mein Vater mir so oft erzählte. – Aber zu fassen, wie ich mich hierher verirrte, ist außer meiner Macht. – Unfehlbar ist auch dieser Mann kein gewöhnlicher Mensch. – Vielleicht einer ihrer dienstbaren Geister.
 
Nun ist's klar; es ist
eben diese nächtliche Königinn, von der mein
Vater mir so oft erzählte. – Aber zu fas=
sen, wie ich mich hierher verirrte, ist außer
meiner Macht. – Unfehlbar ist auch die=
ser Mann kein gewöhnlicher Mensch. –
Vieleicht einer ihrer dienstbaren Geister.
Papageno
 
Papag.
(für sich)
 
(für sich)
Wie er mich so starr anblickt! Bald fang ich an, mich vor ihm zu fürchten. – Warum siehst du so verdächtig und schelmisch nach mir?
 
Wie er mich so starr an=
blickt! bald fang' ich an, mich vor ihm zu
fürchten. – Warum siehst du so verdächtig
und schelmisch nach mir?
Tamino
 
Tamino.
Weil – weil ich zweifle, ob du Mensch bist. –
 
Weil – weil ich zweifle, ob
du Mensch bist. –
Papageno
 
Papag.
Wie war das?
 
Wie war das?
Tamino
 
FTamino.
Nach deinen Federn, die dich bedecken, halt ich dich –
 
Nach deinen Federn, die dich
bedecken, halt' ich dich –
(geht auf ihn zu)
 
(geht auf ihn zu.)
Papageno
 
Papag.
doch für keinen Vogel? – Bleib zurück, sag ich, und traue mir nicht – denn ich habe Riesenkraft, wenn ich jemand packe. – (für sich) Wenn er sich nicht bald von mir schrecken lässt, so lauf ich davon.
 
Doch für keinen Vogel? –
Bleib zurück, sag' ich, und traue mir nicht;
– denn ich habe Riesenkraft, wenn ich je=
mand packe. – Wenn er sich nicht bald von
mir schrecken läßt, so lauf' ich davon.
Tamino
 
Tamino.
Riesenkraft? (Er sieht auf die Schlange.) Also warst du wohl gar mein Erretter, der diese giftige Schlange bekämpfte?
 
Riesenkraft? (er sieht auf die Schlange)
Also warst du wohl gar mein Erretter, der
diese giftige Schlange bekämpfte?
Papageno
 
Papag.
Schlange! (sieht sich um, weicht zitternd einige Schritte zurück) Was da! Ist sie tot oder lebendig?
 
Schlange! (sieht sich um, weicht zit=
ternd einige Schritte zurück.)
Was da! ist sie todt,
oder lebendig?
Tamino
 
Tamino.
Du willst durch deine bescheidene Frage meinen Dank ablehnen – aber ich muss dir sagen, dass ich ewig für deine so tapfere Handlung dankbar sein werde.
 
Du willst durch deine beschei=
dene Frage meinen Dank ablehnen – aber
ich muß dir sagen, daß ich ewig für deine
so tapfere Handlung dankbar seyn werde.
Papageno
 
Papag.
Schweigen wir davon still – freuen wir uns, dass sie glücklich überwunden ist.
 
Schweigen wir davon still –
Freuen wir uns, daß sie glücklich überwun=
den ist.
Tamino
 
Tamino.
Aber um alles in der Welt, Freund! wie hast du dieses Ungeheuer bekämpft? – Du bist ohne Waffen.
 
Aber um alles in der Welt,
Freund! wie hast du dieses Ungeheuer be=
kämpft? – Du bist ohne Waffen.
Papageno
 
Papag.
Brauch keine! – Bei mir ist ein starker Druck mit der Hand mehr als Waffen.
 
Brauch keine! – Bey mir ist
ein starker Druck mit der Hand mehr, als
Waffen.
Tamino
 
Tamino.
Du hast sie also erdrosselt?
 
Du hast sie also erdrosselt?
Papageno
 
Papag.
Erdrosselt! (für sich) Bin in meinem Leben nicht so stark gewesen als heute.
 
Erdrosselt! (für sich) Bin in mei=
nem Leben nicht so stark gewesen, als heute.
Dritter Auftritt
 
FDritter Auftritt.
Die drei Damen, Vorige.
 
Die drey Damen.
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
(drohen und rufen zugleich)
 
(drohen und rufen zugleich)
Papageno!
 
Papageno!
Papageno
 
Papag.
Aha! das geht mich an. – Sieh dich um, Freund!
 
Aha! das geht mich an. –
Sieh dich um, Freund!
Tamino
 
Tamino.
Wer sind diese Damen?
 
Wer sind diese Damen?
Papageno
 
Papag.
Wer sie eigentlich sind, weiß ich selbst nicht. – Ich weiß nur so viel, dass sie mir täglich meine Vögel abnehmen und mir dafür Wein, Zuckerbrot und süße Feigen bringen.
 
Wer sie eigentlich sind, weis
ich selbst nicht. – Ich weis nur so viel, daß
sie mir täglich meine Vögel abnehmen, und
mir dafür Wein, Zuckerbrod, und süße Fei=
gen bringen.
Tamino
 
Tamino.
Sie sind vermutlich sehr schön?
 
Sie sind vermuthlich sehr schön?
Papageno
 
Papag.
Ich denke nicht! – – Denn wenn sie schön wären, würden sie ihre Gesichter nicht bedecken.
 
Ich denke nicht! – – denn
wenn sie schön wären, würden sie ihre Ge=
sichter nicht bedecken.
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
(drohend)
 
(drohend)
Papageno! –
 
Papa=
geno! –
Papageno
 
Papag.
Sei still! Sie drohen mir schon. – Du fragst, ob sie schön sind, und ich kann dir darauf nichts antworten, als dass ich in meinem Leben nichts Reizenders sah. – Jetzt werden sie bald wieder gut werden. – –
 
Sey still! sie drohen mir schon.
– Du fragst, ob sie schön sind, und ich
kann dir darauf nichts antworten, als daß
ich in meinem Leben nichts Reitzenders sah.
– Jetzt werden sie bald wieder gut wer=
den. – –
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
(drohend)
 
(drohend)
Papageno!
 
Papa=
geno!
Papageno
 
FPapag.
Was muss ich denn heute verbrochen haben, dass sie gar so aufgebracht wider mich sind? – Hier, meine Schönen, übergeb ich meine Vögel.
 
Was muß ich denn heute ver=
brochen haben, daß sie gar so aufgebracht
wider mich sind? – Hier, meine Schönen,
übergeb' ich meine Vögel.
Erste Dame
 
Erste Dame.
(reicht ihm eine schöne Bouteille Wasser)
 
(reicht ihm eine schöne Bouteille
Wasser)
Dafür schickt dir unsre Fürstin heute zum ersten Mal statt Wein reines helles Wasser.
 
Dafür schickt dir unsre Fürstinn heu=
te zum ersten Mahl statt Wein reines hel=
les Wasser.
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
Und mir befahl sie, dass ich statt Zuckerbrot diesen Stein dir überbringen soll. – Ich wünsche, dass er dir wohl bekommen möge.
 
Und mir befahl sie,
daß ich, statt Zuckerbrod, diesen Stein dir
überbringen soll. – Ich wünsche, daß er
dir wohl bekommen möge.
Papageno
 
Papag.
Was? Steine soll ich fressen?
 
Was? Steine soll ich fressen?
Dritte Dame
 
Dritte Dame.
Und statt der süßen Feigen hab ich die Ehre, dir dies goldene Schloss vor den Mund zu schlagen.
 
Und statt der süßen Fei=
gen hab' ich die Ehre, dir dieß goldene Schloß
vor den Mund zu schlagen.
(Sie schlägt ihm das Schloss vor. Papageno hat seinen Scherz durch Gebärden.)
 
(sie schlägt ihm das
Schloß vor.)
 
Papag. (Hat seinen Scherz durch Geberden.)
Erste Dame
 
Erste Dame.
Du willst vermutlich wissen, warum die Fürstin dich heute so wunderbar bestraft?
 
Du willst vermuthlich wis=
sen, warum die Fürstinn dich heute so wun=
derbar bestraft?
(Papageno bejaht es.)
 
Papag. (bejaht es.)
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
Damit du künftig nie mehr Fremde belügst.
 
Damit du künftig nie
mehr Fremde belügst.
Dritte Dame
 
Dritte Dame.
Und dass du nie dich der Heldentaten rühmst, die andre vollzogen. –
 
Und daß du nie
dich der Heldenthaten rühmst, die andre voll=
zogen. –
Erste Dame
 
Erste Dame.
Sag an! Hast du diese Schlange bekämpft?
 
Sag' an! Hast du diese
Schlange bekämpft?
(Papageno deutet nein.)
 
FPapag. (deutet nein.)
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
Wer denn also?
 
Wer denn also?
(Papageno deutet, er wisse es nicht.)
 
Papag. (deutet, er wisse es nicht.)
Dritte Dame
 
Dritte Dame.
Wir waren's, Jüngling, die dich befreiten. – Zittre nicht! Dich erwartet Freude und Entzücken. – Hier, dies Gemälde schickt dir die große Fürstin; es ist das Bildnis ihrer Tochter. "Findest du", sagte sie, "dass diese Züge dir nicht gleichgültig sind, dann ist Glück, Ehr und Ruhm dein Los." – Auf Wiedersehen.
 
Wir waren's, Jüngling,
die dich befreyten. – Zittre nicht! dich er=
wartet Freude und Entzücken. – Hier,
dies Gemälde schickt dir die große Fürstinn;
es ist das Bildniß ihrer Tochter – findest
du, sagte sie, daß diese Züge dir nicht gleich=
gültig sind, dann ist Glück, Ehr' und Ruhm
dein Loos. – Auf Wiedersehen.
(geht ab)
 
(geht ab.)
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
Adieu, Monsieur Papageno!
 
Adieu, Monsieur Papa=
geno!
(geht ab)
 
(geht ab.)
Erste Dame
 
Erste Dame.
Fein nicht zu hastig getrunken!
 
Fein nicht zu hastig ge=
trunken!
(geht lachend ab)
 
(geht lachend ab.)
(Papageno hat immer sein stummes Spiel gehabt. Tamino ist gleich bei Empfang des Bildnisses aufmerksam geworden; seine Liebe nimmt zu, ob er gleich für alle diese Reden taub schien.)
 
Papag. (hat immer sein stummes Spiel gehabt.)
 
Tamino (ist gleich bey Empfang des Bildnisses auf=
merksam geworden; seine Liebe nimmt zu, ob er gleich für
alle diese Reden taub schien.)
Vierter Auftritt
 
FVierter Auftritt.
Tamino, Papageno.
 
Tamino, Papageno.
 
Tamino.
Arie
 
Arie.
Tamino
 
    Dies Bildnis ist bezaubernd schön,
 
    Dies Bildniß ist bezaubernd schön,
wie noch kein Auge je gesehn!
 
Wie noch kein Auge je geseh'n!
Ich fühl es, wie dies Götterbild
 
Ich fühl' es, wie dies Götterbild
mein Herz mit neuer Regung füllt.
 
Mein Herz mit neuer Regung füllt.
Dies Etwas kann ich zwar nicht nennen,
 
Dieß Etwas kann ich zwar nicht nennen;
doch fühl ich's hier wie Feuer brennen.
 
Doch fühl' ichs hier wie Feuer brennen.
Soll die Empfindung Liebe sein?
 
Soll die Empfindung Liebe seyn?
Ja, ja! die Liebe ist's allein. –
 
Ja, ja! die Liebe ist's allein. –
    O wenn ich sie nur finden könnte!
 
O wenn ich sie nur finden könnte!
O wenn sie doch schon vor mir stände!
 
O wenn sie doch schon vor mir stände!
Ich würde – würde – warm und rein –
 
Ich würde – würde – warm und rein –
was würde ich! – Sie voll Entzücken
 
Was würde ich! – Sie voll Entzücken
an diesen heißen Busen drücken,
 
An diesen heißen Busen drücken,
und ewig wäre sie dann mein.
 
Und ewig wäre sie dann mein.
(will ab)
 
(will ab.)
Fünfter Auftritt
 
FFünfter Auftritt.
Die drei Damen, Vorige.
 
Die drey Damen, Vorige.
Erste Dame
 
Erste Dame.
Rüste dich mit Mut und Standhaftigkeit, schöner Jüngling! – Die Fürstin –
 
Rüste dich mit Muth und
Standhaftigkeit, schöner Jüngling! – Die
Fürstinn –
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
hat mir aufgetragen, dir zu sagen –
 
Hat mir aufgetragen,
dir zu sagen –
Dritte Dame
 
Dritte Dame.
dass der Weg zu deinem künftigen Glücke nunmehr gebahnt sei.
 
Daß der Weg zu dei=
nem künftigen Glücke nunmehr gebahnt sey.
Erste Dame
 
Erste Dame.
Sie hat jedes deiner Worte gehört, so du sprachst; – sie hat –
 
Sie hat jedes deiner Wor=
te gehört, so du sprachst; – sie hat –
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
jeden Zug in deinem Gesichte gelesen. – Ja noch mehr, ihr mütterliches Herz –
 
Jeden Zug in deinem
Gesichte gelesen. – Ja noch mehr, ihr müt=
terliches Herz –
Dritte Dame
 
Dritte Dame.
hat beschlossen, dich ganz glücklich zu machen. – "Hat dieser Jüngling", sprach sie, "auch so viel Mut und Tapferkeit, als er zärtlich ist, o so ist meine Tochter ganz gewiss gerettet."
 
Hat beschlossen, dich ganz
glücklich zu machen. – Hat dieser Jüng=
ling, sprach sie, auch so viel Muth und Ta=
pferkeit, als er zärtlich ist, o so ist meine
Tochter ganz gewiß gerettet.
Tamino
 
Tamino.
Gerettet? O ewige Dunkelheit! was hör ich? – Das Original? –
 
Gerettet? O ewige Dunkel=
heit! was hör' ich? – Das Original? –
Erste Dame
 
Erste Dame.
hat ein mächtiger, böser Dämon ihr entrissen.
 
Hat ein mächtiger, bö=
ser Dämon ihr entrissen.
Tamino
 
Tamino.
Entrissen? – O ihr Götter! – Sagt, wie konnte das geschehen?
 
Entrissen? – O ihr Götter!
– sagt, wie konnte das geschehen?
Erste Dame
 
Erste Dame.
Sie saß an einem schönen Maientage ganz allein in dem alles belebenden Zypressenwäldchen, welches immer ihr Lieblingsaufenthalt war. – Der Bösewicht schlich unbemerkt hinein –
 
Sie saß an einem schö=
Fnen Mayentage ganz allein in dem alles bele=
benden Zipressenwäldchen, welches immer
ihr Lieblingsaufenthalt war. – Der Böse=
wicht schlich unbemerkt hinein –
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
belauschte sie, und –
 
Belauschte sie, und –
Dritte Dame
 
Dritte Dame.
er hat nebst seinem bösen Herzen auch noch die Macht, sich in jede erdenkliche Gestalt zu verwandeln; auf solche Weise hat er auch Pamina –
 
Er hat nebst seinem bö=
sen Herzen auch noch die Macht, sich in jede
erdenkliche Gestalt zu verwandeln; auf sol=
che Weise hat er auch Pamina –
Erste Dame
 
Erste Dame.
Dies ist der Name der königlichen Tochter, so ihr anbetet.
 
Dieß ist der Name der
königlichen Tochter, so ihr anbetet.
Tamino
 
Tamino.
O Pamina! du mir entrissen – du in der Gewalt eines üppigen Bösewichts! – bist vielleicht in diesem Augenblicke – schrecklicher Gedanke!
 
O Pamina! du mir entris=
sen – du in der Gewalt eines üppigen Bö=
sewichts! – bist vieleicht in diesem Augen=
blicke – schrecklicher Gedanke!
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
Schweig, Jüngling! – –
 
Schweig, Jüng=
ling! – –
Erste Dame
 
Erste Dame.
Lästere der holden Schönheit Tugend nicht! – Trotz aller Pein, so die Unschuld duldet, ist sie sich immer gleich. – Weder Zwang noch Schmeichelei ist vermögend, sie zum Wege des Lasters zu verführen. – –
 
Lästere der holden Schön=
heit Tugend nicht! – Trotz aller Pein, so
die Unschuld duldet, ist sie sich immer gleich.
– Weder Zwang, noch Schmeicheley ist
vermögend, sie zum Wege des Lasters zu ver=
führen. – –
Tamino
 
Tamino.
O sagt, Mädchen! sagt, wo ist des Tyrannen Aufenthalt?
 
O sagt, Mädchen! sagt, wo
ist des Tyrannen Aufenthalt?
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
Sehr nahe an unsern Bergen lebt er in einem angenehmen und reizenden Tale. – Seine Burg ist prachtvoll und sorgsam bewacht.
 
Sehr nahe an unsern
Bergen lebt er in einem angenehmen und
reitzenden Thale. – Seine Burg ist pracht=
voll, und sorgsam bewacht.
Tamino
 
FTamino.
Kommt, Mädchen! führt mich! – Pamina sei gerettet! – Der Bösewicht falle von meinem Arm; das schwör ich bei meiner Liebe, bei meinem Herzen! (Sogleich wird ein heftig erschütternder Akkord mit Musik gehört.) Ihr Götter! was ist das?
 
Kommt, Mädchen! führt mich!
– Pamina sey gerettet! – Der Böse=
wicht falle von meinem Arm; das schwör ich
bey meiner Liebe, bey meinem Herzen! –
(sogleich wird ein heftig erschütternder Accord mit Musik ge=
hört.)
Ihr Götter! was ist das?
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
Fasse dich!
 
Fasse dich!
Erste Dame
 
Erste Dame.
Es verkündigt die Ankunft unserer Königin.
 
Es verkündigt die An=
kunft unserer Königinn.
(Donner)
 
(Donner.)
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
Sie kommt! – (Donner) Sie kommt! – (Donner) Sie kommt! –
 
Sie kommt! –
(Donner) Sie kommt! – – (Donner) Sie
kommt! –


Die Berge teilen sich auseinander, und das Theater verwandelt sich in ein prächtiges Gemach. Die Königin sitzt auf einem Thron, welcher mit transparenten Sternen geziert ist.
 
Sechster Auftritt
 
Sechster Auftritt.
 
Die Berge theilen sich aus einander, und das
Theater verwandelt sich in ein prächtiges
Gemach. Die Königinn sitzt auf einem
Thron, welcher mit transparenten Ster=
nen geziert ist.
Königin
 
Königinn.
Rezitativ
 
Recitativ.
O zittre nicht, mein lieber Sohn!
 
O zittre nicht, mein lieber Sohn!
Du bist unschuldig, weise, fromm;
 
Du bist unschuldig, weise, fromm;
ein Jüngling so wie du vermag am besten,
 
Ein Jüngling, so wie du, vermag am besten,
dies tief betrübte Mutterherz zu trösten.
 
Dies tief betrübte Mutterherz zu trösten.
Arie
 
FArie
    Zum Leiden bin ich auserkoren,
 
    Zum Leiden bin ich auserkohren;
denn meine Tochter fehlet mir;
 
Denn meine Tochter fehlet mir,
durch sie ging all mein Glück verloren –
 
Durch sie ging all mein Glück verloren –
ein Bösewicht entfloh mit ihr.
 
Ein Bösewicht entfloh mit ihr.
    Noch seh ich ihr Zittern
 
Noch seh' ich ihr Zittern
mit bangem Erschüttern,
 
Mit bangem Erschüttern,
ihr ängstliches Beben,
 
Ihr ängstliches Beben,
ihr schüchternes Streben.
 
Ihr schüchternes Streben.
    Ich musste sie mir rauben sehen,
 
Ich mußte sie mir rauben sehen,
"Ach helft!" war alles, was sie sprach;
 
Ach helft! war alles was sie sprach;
allein vergebens war ihr Flehen,
 
Allein vergebens war ihr Flehen,
denn meine Hülfe war zu schwach.
 
Denn meine Hülfe war zu schwach.
    Du wirst sie zu befreien gehen,
 
    Du wirst sie zu befreyen gehen,
du wirst der Tochter Retter sein.
 
Du wirst der Tochter Retter seyn.
Und werd ich dich als Sieger sehen,
 
Und werd ich dich als Sieger sehen,
so sei sie dann auf ewig dein.
 
So sey sie dann auf ewig dein.
(mit den drei Damen ab)
 
(mit den drey Damen ab.)


Das Theater verwandelt sich wieder so, wie es vorher war.
 
Siebenter Auftritt
 
FSiebenter Auftritt.
Tamino, Papageno.
 
Tamino, Papageno.
 
Das Theater verwandelt sich wieder so, wie es
vorher war.
Tamino
 
Tamino.
(nach einer Pause)
 
(nach einer Pause)
Ist's denn auch Wirklichkeit, was ich sah? oder betäubten mich meine Sinnen? – O ihr guten Götter, täuscht mich nicht! oder ich unterliege eurer Prüfung. – Schützet meinen Arm, stählt meinen Mut, und Taminos Herz wird ewigen Dank euch entgegenschlagen.
 
Ists denn auch
Wirklichkeit, was ich sah? oder betäubten
mich meine Sinnen? – O ihr guten Göt=
ter täuscht mich nicht! oder ich unterliege
eurer Prüfung. – Schützet meinen Arm,
stählt meinen Muth, und Taminos Herz
wird ewigen Dank euch entgegen schlagen.
(Er will gehen, Papageno tritt ihm in den Weg.)
 
(er will gehen, Papageno tritt ihm in den Weg.)
Quintetto
 
Quintetto.
Papageno
 
Papageno.
(deutet traurig auf sein Schloss am Mund)
 
(deutet traurig auf sein Schloß am
Mund.)
    Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm!
 
    Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm!
Tamino
 
Tamino.
Der Arme kann von Strafe sagen,
 
Der Arme kann von Strafe sagen, –
denn seine Sprache ist dahin.
 
Denn seine Sprache ist dahin.
Papageno
 
Papageno.
Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm!
 
Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm!
 
F
Tamino
 
Tamino.
Ich kann nichts tun, als dich beklagen,
 
Ich kann nichts thun, als dich beklagen,
weil ich zu schwach zu helfen bin.
 
Weil ich zu schwach zu helfen bin.
(Während Tamino die letzten Strophen wiederholt, singt Papageno mitunter.)
 
(Während Tamino die letzten Strophen wiederhohlt, singt
Papageno mit unter.)
Papageno
 
Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm!
 
Hm! Hm! Hm! Hm! Hm! Hm!
 
Achter Auftritt
 
Achter Auftritt.
Die drei Damen, Vorige.
 
Die drey Damen, Vorige.
Erste Dame
 
Erste Dame.
    Die Königin begnadigt dich!
 
Die Königinn begnadigt dich!
 
(nimmt ihm das Schloß vom Munde.)
entlässt die Strafe dir durch mich.
 
Entläßt die Strafe dir durch mich.
(nimmt ihm das Schloss vom Munde)
 
Papageno
 
Papageno.
Nun plaudert Papageno wieder?
 
Nun plaudert Papageno wieder?
Zweite Dame
 
Zweyte Dame.
Ja plaudre! – Lüge nur nicht wieder.
 
Ja plaudre! – Lüge nur nicht wieder.
Papageno
 
Papageno.
Ich lüge nimmermehr! Nein! Nein!
 
Ich lüge nimmermehr! Nein! Nein!
Die drei Damen, Papageno
 
Die drey Damen mit ihm.
Dies Schloss soll deine|meine Warnung sein.
 
Dieß Schloß soll meine|deine Warnung seyn.
Alle Fünf
 
FAlle Fünf.
Bekämen doch die Lügner alle
 
Bekämen doch die Lügner alle,
ein solches Schloss vor ihren Mund,
 
Ein solches Schloß vor ihren Mund;
statt Hass, Verleumdung, schwarzer Galle
 
Statt Haß, Verleumdung, schwarzer Galle,
bestünde Lieb und Bruderbund.
 
Bestünde Lieb und Bruderbund.
Erste Dame
 
Erste Dame.
(Sie gibt ihm eine goldene Flöte.)
 
(Sie giebt ihm eine goldene Flöte.)
O Prinz, nimm dies Geschenk von mir!
 
O Prinz, nimm dies Geschenk von mir!
Dies sendet unsre Fürstin dir!
 
Dies sendet unsre Fürstinn dir!
Die Zauberflöte wird dich schützen,
 
Die Zauberflöte wird dich schützen,
im größten Unglück unterstützen.
 
Im grösten Unglück unterstützen.
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
Hiemit kannst du allmächtig handeln,
 
Hiemit kannst du allmächtig handeln,
der Menschen Leidenschaft verwandeln.
 
Der Menschen Leidenschaft verwandeln.
Der Traurige wird freudig sein,
 
Der Traurige wird freudig seyn,
den Hagestolz nimmt Liebe ein.
 
Den Hagestolz nimmt Liebe ein.
Alle Fünf
 
Alle Fünf.
O so eine Flöte ist mehr als Gold und Kronen wert,
 
O so eine Flöte ist mehr als Gold und Kro=
nen werth,
denn durch sie wird Menschenglück und Zufriedenheit vermehrt.
 
Denn durch sie wird Menschenglück und Zufrie=
denheit vermehrt.
Papageno
 
Papageno.
Nun, ihr schönen Frauenzimmer,
 
Nun ihr schönen Frauenzimmer,
darf ich? – So empfehl ich mich.
 
Darf ich – so empfehl ich mich.
Die drei Damen
 
FDie drey Damen.
Dich empfehlen kannst du immer,
 
Dich empfehlen kannst du immer,
doch bestimmt die Fürstin dich,
 
Doch bestimmt die Fürstinn dich
mit dem Prinzen ohn Verweilen
 
Mit dem Prinzen ohn' Verweilen,
nach Sarastros Burg zu eilen.
 
Nach Sarastros Burg zu eilen.
Papageno
 
Papageno.
Nein, dafür bedank ich mich!
 
Nein, dafür bedank ich mich!
Von euch selbsten hörte ich,
 
Von euch selbsten hörte ich,
dass er wie ein Tigertier;
 
Daß er wie ein Tiegerthier,
sicher ließ' ohn alle Gnaden
 
Sicher ließ ohn' alle Gnaden
mich Sarastro rupfen, braten,
 
Mich Sarastro rupfen, braten,
setzte mich den Hunden für.
 
Setzte mich den Hunden für.
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
Dich schützt der Prinz, trau ihm allein!
 
Dich schützt der Prinz, trau ihm allein!
Dafür sollst du sein Diener sein.
 
Dafür sollst du sein Diener seyn.
Papageno
 
Papageno.
(für sich)
 
(für sich.)
Dass doch der Prinz beim Teufel wäre,
 
Daß doch der Prinz beym Teufel wäre,
mein Leben ist mir lieb.
 
Mein Leben ist mir lieb.
Am Ende schleicht, bei meiner Ehre,
 
Am Ende schleicht bey meiner Ehre,
er von mir wie ein Dieb.
 
Er von mir wie ein Dieb.
Erste Dame
 
Erste Dame.
Hier nimm dies Kleinod, es ist dein.
 
Hier nimm dies Kleinod, es ist dein.
(gibt ihm eine Maschine wie ein hölzernes GelächterGlockenspiel)
 
(giebt ihm eine Maschine wie ein hölzernes Gelächter.)
Papageno
 
FPapageno.
Ei! Ei! was mag darinnen sein?
 
Ey! Ey! was mag darinnen seyn?
Dritte Dame
 
Dritte Dame.
Darinnen hörst du Glöckchen tönen.
 
Darinnen hörst du Glöckchen tönen.
Papageno
 
Papageno.
Werd ich sie auch wohl spielen können?
 
Werd ich sie auch wohl spielen können?
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
O ganz gewiss! Ja, ja! gewiss.
 
O ganz gewiß! Ja, ja! gewiß.
Alle Fünf
 
Alle Fünf.
Silberglöckchen, Zauberflöten
 
Silber=Glöckchen, Zauberflöten,
sind zu eurem|unserm Schutz vonnöten.
 
Sind zu eurem|unserm Schutz vonnöthen.
Lebet wohl! Wir wollen gehen,
 
Lebet wohl! wir wollen gehen,
lebet wohl! Auf Wiedersehen.
 
Lebet wohl! auf Wiedersehen.
(Alle wollen gehen.)
 
(Alle wollen gehen.)
Tamino, Papageno
 
Tamino, Papageno.
Doch, schöne Damen, saget an!
 
Doch schöne Damen saget an!
wie man die Burg wohl finden kann.
 
Wie man die Burg wohl finden kann.
Die drei Damen
 
Die drey Damen.
Drei Knäbchen, jung, schön, hold und weise,
 
Drey Knäbchen, jung, schön, hold und weise,
umschweben euch auf eurer Reise;
 
Umschweben euch auf eurer Reise,
sie werden eure Führer sein,
 
Sie werden eure Führer seyn,
folgt ihrem Rate ganz allein.
 
Folgt ihrem Rathe ganz allein.
Tamino, Papageno
 
FTamino, Papageno.
Drei Knäbchen, jung, schön, hold und weise,
 
Drey Knäbchen jung, schön, hold und weise,
umschweben uns auf unsrer Reise.
 
Umschweben uns auf unsrer Reise.
Alle Fünf
 
Alle Fünf.
So lebet wohl! Wir wollen gehen,
 
So lebet wohl! wir wollen gehen,
lebt wohl! Lebt wohl! Auf Wiedersehen.
 
Lebt wohl! lebt wohl! auf Wiedersehen.
(alle ab)
 
(Alle ab.)
Neunter Auftritt
 
Neunter Auftritt.
Zwei Sklaven tragen, sobald das Theater in ein prächtiges ägyptisches Zimmer verwandelt ist, schöne Pölster nebst einem prächtigen türkischen Tisch heraus, breiten Teppiche auf; sodann kommt der dritte Sklav.
 
Zwey Sclaven tragen, so bald das Thea=
ter in ein prächtiges ägyptisches Zimmer
verwandelt ist, schöne Pölster nebst einem
prächtigen türkischen Tisch heraus, breiten
Teppiche auf, sodann kommt der dritte
Sclav.
Dritter Sklave
 
Dritter Sclav.
Ha, ha, ha!
 
Ha, ha, ha!
Erster Sklave
 
Erster Sclav.
Pst, Pst!
 
Pst, Pst!
Zweiter Sklave
 
Zweyter Sclav.
Was soll denn das Lachen? –
 
Was soll denn das
Lachen? –
Dritter Sklave
 
Dritter Sclav.
Unser Peiniger, der alles belauschende Mohr, wird morgen sicherlich gehangen oder gespießt. – Pamina! – Ha, ha, ha!
 
Unser Peiniger, der
alles belauschende Mohr, wird morgen si=
cherlich gehangen oder gespießt. – Pami=
na! – Ha, ha, ha!
Erster Sklave
 
Erster Sclav.
Nun?
 
Nun?
Dritter Sklave
 
FDritter Sclav.
Das reizende Mädchen! – Ha, ha, ha!
 
Das reitzende Mäd=
chen! – Ha, ha, ha!
Zweiter Sklave
 
Zweyter Sclav.
Nun?
 
Nun?
Dritter Sklave
 
Dritter Sclav.
Ist entsprungen.
 
Ist entsprungen.
Erster Sklave, Zweiter Sklave
 
Erster und zweyter Sclav.
Entsprungen? – –
 
Entsprun=
gen? – –
Erster Sklave
 
Erster Sclav.
Und sie entkam?
 
Und sie entkam?
Dritter Sklave
 
Dritter Sclav.
Unfehlbar! – Wenigstens ist's mein wahrer Wunsch.
 
Unfehlbar! – We=
nigstens ist's mein wahrer Wunsch.
Erster Sklave
 
Erster Sclav.
O Dank euch, ihr guten Götter! Ihr habt meine Bitte erhört.
 
O Dank euch ihr guten
Götter! ihr habt meine Bitte erhört.
Dritter Sklave
 
Dritter Sclav.
Sagt ich euch nicht immer, es wird doch ein Tag für uns scheinen, wo wir gerochen und der schwarze Monostatos bestraft werden wird.
 
Sagt ich euch nicht
immer, es wird doch ein Tag für uns schei=
nen, wo wir gerochen, und der schwarze
Monostatos bestraft werden wird.
Zweiter Sklave
 
Zweyter Sclav.
Was spricht nun der Mohr zu der Geschichte?
 
Was spricht nun der
Mohr zu der Geschichte?
Erster Sklave
 
Erster Sclav.
Er weiß doch davon?
 
Er weiß doch davon?
Dritter Sklave
 
Dritter Sclav.
Natürlich! Sie entlief vor seinen Augen. – Wie mir einige Brüder erzählten, die im Garten arbeiteten und von Weitem sahen und hörten, so ist der Mohr nicht mehr zu retten, auch wenn Pamina von Sarastros Gefolge wieder eingebracht würde.
 
Natürlich! Sie ent=
lief vor seinen Augen. – Wie mir einige
Brüder erzählten, die im Garten arbeiteten,
und von weitem sahen und hörten, so ist
der Mohr nicht mehr zu retten; auch wenn
Pamina von Sarastros Gefolge wieder ein=
gebracht würde.
Erster Sklave, Zweiter Sklave
 
Erster und zweyter Sclav.
Wieso?
 
Wie so?
Dritter Sklave
 
Dritter Sclav.
Du kennst ja den üppigen Wanst und seine Weise; das Mädchen aber war klüger, als ich dachte. – In dem Augenblicke, da er zu siegen glaubte, rief sie Sarastros Namen: Das erschütterte den Mohren; er blieb stumm und unbeweglich stehen. – Indes lief Pamina nach dem Kanal und schiffte von selbst in einer Gondel dem Palmwäldchen zu.
 
Du kennst ja den üppi=
gen Wanst und seine Weise; das Mädchen aber
war klüger als ich dachte. – In dem Au=
Fgenblicke, da er zu siegen glaubte, rief sie
Sarastros Namen: das erschütterte den
Mohren; er blieb stumm und unbeweglich
stehen – indeß lief Pamina nach dem Kanal,
und schiffte von selbst in einer Gondel dem
Palmwäldchen zu.
Erster Sklave
 
Erster Sclav.
O wie wird das schüchterne Reh mit Todesangst dem Palaste ihrer zärtlichen Mutter zueilen.
 
O wie wird das schüch=
terne Reh mit Todesangst dem Pallaste ih=
rer zärtlichen Mutter zueilen.
Zehnter Auftritt
 
Zehnter Auftritt.
Vorige, Monostatos (von innen).
 
Vorige, Monostatos (von innen.)
Monostatos
 
Monost.
He, Sklaven!
 
He Sclaven!
Erster Sklave
 
Erster Sclav.
Monostatos' Stimme!
 
Monostatos Stimme!
Monostatos
 
Monost.
He, Sklaven! schafft Fesseln herbei. –
 
He Sclaven! Schaft Fesseln
herbey. –
Die drei Sklaven
 
Die drey Sclaven.
Fesseln?
 
Fesseln?
Erster Sklave
 
Erster Sclav.
(lauft zur Seitentüre)
 
(lauft zur Seitenthüre)
Doch nicht für Pamina? O ihr Götter! Da seht, Brüder, das Mädchen ist gefangen.
 
Doch
nicht für Pamina? O ihr Götter! da seht
Brüder, das Mädchen ist gefangen.
Zweiter Sklave, Dritter Sklave
 
Zweyter und Dritter Sclav.
Pamina? – Schrecklicher Anblick!
 
Pa=
mina? – Schrecklicher Anblick!
Erster Sklave
 
Erster Sclav.
Seht, wie der unbarmherzige Teufel sie bei ihren zarten Händchen fasst. – Das halt ich nicht aus.
 
Seht, wie der unbarm=
herzige Teufel sie bey ihren zarten Händchen
faßt. – Das halt ich nicht aus.
(geht auf die andere Seite ab)
 
(geht auf die
andere Seite ab.)
Zweiter Sklave
 
FZweyter Sclav.
Ich noch weniger.
 
Ich noch weniger.
(auch dort ab)
 
(auch dort ab.)
Dritter Sklave
 
Dritter Sclav.
So was sehen zu müssen, ist Höllenmarter.
 
So was sehen zu müs=
sen, ist Höllenmarter.
(ab)
 
(ab.)
Elfter Auftritt
 
Elfter Auftritt.
Monostatos, Pamina (die von Sklaven hereingeführt wird).
 
Monostatos, Pamina, (die von Scla=
ven herein geführt wird.)
Terzetto
 
Terzetto.
Monostatos
 
Monostatos.
(sehr schnell)
 
(sehr schnell.)
    Du feines Täubchen, nur herein.
 
    Du feines Täubchen, nur herein.
Pamina
 
Pamina.
O welche Marter! welche Pein!
 
O welche Marter! welche Pein!
Monostatos
 
Monostatos.
Verloren ist dein Leben.
 
Verloren ist dein Leben.
Pamina
 
Pamina.
Der Tod macht mich nicht beben,
 
Der Tod macht mich nicht beben,
nur meine Mutter dauert mich;
 
Nur meine Mutter dauert mich;
sie stirbt vor Gram ganz sicherlich.
 
Sie stirbt vor Gram ganz sicherlich.
Monostatos
 
Monostatos.
He, Sklaven! legt ihr Fesseln an.
 
He Sclaven! legt ihr Fesseln an,
Mein Hass soll dich verderben!
 
FMein Haß, soll dich verderben.
(Sie legen ihr Fesseln an.)
 
(Sie legen ihr Fesseln an.)
Pamina
 
Pamina.
O lass mich lieber sterben,
 
O laß mich lieber sterben,
weil nichts, Barbar! dich rühren kann.
 
Weil nichts, Barbar! dich rühren kann.
(Sie sinkt ohnmächtig auf ein Sofa.)
 
(Sie sinkt ohnmächtig auf ein Sofa.)
Monostatos
 
Monostatos.
Nun fort! Lasst mich bei ihr allein.
 
Nun fort! laßt mich bey ihr allein.
(Die Sklaven ab.)
 
(Die Sclaven ab.)
Zwölfter Auftritt
 
Zwölfter Auftritt.
Papageno von außen am Fenster, ohne gleich gesehen zu werden. Vorige.
 
Papageno von außen am Fenster, ohne gleich
gesehen zu werden. Vorige.
Papageno
 
Papageno.
Wo bin ich wohl? Wo mag ich sein?
 
Wo bin ich wohl? wo mag ich seyn?
Aha! da find ich Leute;
 
Aha! da find ich Leute;
gewagt! ich geh herein.
 
Gewagt! ich geh herein.
(geht herein)
 
(geht herein.)
Schön Mädchen, jung und fein,
 
Schön Mädchen, jung und fein,
viel weißer noch als Kreide.
 
Viel weißer noch als Kreide.
(Monostatos und Papageno sehen sich; erschrecken einer über den andern.)
 
(Monostatos und Papageno sehen sich, – erschrecken ei=
ner über den andern.)
Papageno, Monostatos
 
Beyde.
Hu! Das – ist – der – Teuf – el – sich – er – lich!
 
Hu! Das – ist – der – Teuf – el – sich – er – lich!
Hab Mitleid und verschone mich!
 
FHab Mitleid, und verschone mich!
Hu! Hu! Hu!
 
Hu! Hu! Hu!
(laufen beide ab)
 
(Laufen beyde ab.)
Dreizehnter Auftritt
 
Dreyzehnter Auftritt.
Pamina (allein).
 
Pamina (allein.)
Pamina
 
Pamina.
(spricht wie im Traum)
 
(spricht wie im Traum)
Mutter – Mutter – Mutter! – (Sie erholt sich, sieht sich um.) Wie? – Noch schlägt dieses Herz? – noch nicht vernichtet? – zu neuen Qualen erwacht? – O das ist hart, sehr hart! – mir bitterer als der Tod.
 
Mutter –
Mutter – Mutter! – (sie erhohlt sich, sieht
sich um)
Wie? – Noch schlägt dieses Herz?
– Noch nicht vernichtet? – Zu neuen
Qualen erwacht? – O das ist hart, sehr
hart! – Mir bitterer, als der Tod.
Vierzehnter Auftritt
 
Vierzehnter Auftritt.
Papageno, Pamina.
 
Papageno, Pamina.
Papageno
 
Papag.
Bin ich nicht ein Narr, dass ich mich schrecken ließ? – Es gibt ja schwarze Vögel in der Welt, warum denn nicht auch schwarze Menschen? – Ah, sieh da! hier ist das schöne Fräulenbild noch. – Du Tochter der nächtlichen Königin!
 
Bin ich nicht ein Narr, daß ich
mich schrecken ließ? – Es giebt ja schwarze
Vögel in der Welt, warum denn nicht auch
schwarze Menschen? – Ah, sieh da! hier ist
das schöne Fräulenbild noch. – Du Toch=
ter der nächtlichen Königinn!
Pamina
 
Pamina.
Nächtliche Königin? – Wer bist du?
 
Nächtliche Königinn? – Wer
bist du?
Papageno
 
FPapag.
Ein Abgesandter der sternflammenden Königin.
 
Ein Abgesandter der sternflam=
menden Königinn.
Pamina
 
Pamina.
(freudig)
 
(freudig)
Meiner Mutter? – O Wonne! – Dein Name!
 
Meiner Mutter? –
O Wonne! – Dein Name!
Papageno
 
Papag.
Papageno!
 
Papageno!
Pamina
 
Pamina.
Papageno? – Papageno – ich erinnere mich, den Namen oft gehört zu haben; dich selbst aber sah ich nie. –
 
Papageno? – Papageno –
Ich erinnere mich den Nahmen oft gehört zu
haben, dich selbst aber sah ich nie. –
Papageno
 
Papag.
Ich dich ebenso wenig.
 
Ich dich eben so wenig.
Pamina
 
Pamina.
Du kennst also meine gute, zärtliche Mutter?
 
Du kennst also meine gute,
zärtliche Mutter?
Papageno
 
Papag.
Wenn du die Tochter der nächtlichen Königin bist – ja!
 
Wenn du die Tochter der nächt=
lichen Königinn bist – ja!
Pamina
 
Pamina.
O ich bin es.
 
O ich bin es.
Papageno
 
Papag.
Das will ich gleich erkennen. (Er sieht das Porträt an, welches der Prinz zuvor empfangen und Papageno nun an einem Bande am Halse trägt.) Die Augen schwarz – richtig, schwarz. – Die Lippen rot – richtig, rot. – Blonde Haare – blonde Haare. – Alles trifft ein, bis auf Händ und Füße. – – – Nach dem Gemälde zu schlüßen, sollst du weder Hände noch Füße haben; denn hier sind auch keine angezeigt.
 
Das will ich gleich erkennen.
(Er sieht das Portrait an, welches der Prinz zuvor em=
pfangen, und Papageno nun an einem Bande am Halse trägt.)

Die Augen schwarz – richtig, schwarz. –
Die Lippen roth – richtig, roth – Blon=
de Haare – Blonde Haare. – Alles trift
ein, bis auf Händ und Füße. – – –
Nach dem Gemählde zu schlüßen, sollst du
weder Hände noch Füße haben; denn hier
sind auch keine angezeigt.
Pamina
 
Pamina.
Erlaube mir – ja, ich bin's. – Wie kam es in deine Hände?
 
Erlaube mir – Ja ich bin's
– Wie kam es in deine Hände?
Papageno
 
Papageno.
Dir das zu erzählen, wäre zu weitläufig; es kam von Hand zu Hand.
 
Dir das zu erzählen, wäre
zu weitläufig; es kam von Hand zu Hand.
Pamina
 
Pamina.
Wie kam es in die deinige?
 
Wie kam es in die deinige?
Papageno
 
FPapageno.
Auf eine wunderbare Art. – Ich habe es gefangen.
 
Auf eine wunderbare Art.
– Ich habe es gefangen.
Pamina
 
Pamina.
Gefangen?
 
Gefangen?
Papageno
 
Papag.
Ich muss dir das umständlicher erzählen. – Ich kam heute früh wie gewöhnlich zu deiner Mutter Palast mit meiner Lieferung. –
 
Ich muß dir das umständlicher
erzählen. – Ich kam heute früh wie ge=
wöhnlich zu deiner Mutter Pallast mit mei=
ner Lieferung. –
Pamina
 
Pamina.
Lieferung?
 
Lieferung?
Papageno
 
Papag.
Ja, ich liefere deiner Mutter und ihren Jungfrauen schon seit vielen Jahren alle die schönen Vögel in den Palast. – Eben als ich im Begriff war, meine Vögel abzugeben, sah ich einen Menschen vor mir, der sich Prinz nennen lässt. – Dieser Prinz hat deine Mutter so eingenommen, dass sie ihm dein Bildnis schenkte und ihm befahl, dich zu befreien. – Sein Entschluss war so schnell als seine Liebe zu dir.
 
Ja, ich liefere deiner Mutter,
und ihren Jungfrauen schon seit vielen Jah=
ren alle die schönen Vögel in den Pallast. –
Eben als ich im Begriff war, meine Vögel
abzugeben, sah ich einen Menschen vor mir,
der sich Prinz nennen läßt. – Dieser Prinz
hat deine Mutter so eingenommen, daß sie
ihm dein Bildniß schenkte, und ihm befahl,
dich zu befreyen. – Sein Entschluß war
so schnell, als seine Liebe zu dir.
Pamina
 
Pamina.
Liebe? (freudig) Er liebt mich also? O sage mir das noch einmal, ich höre das Wort Liebe gar zu gerne.
 
Liebe? (freudig) Er liebt mich
also? O sage mir das noch ein Mahl, ich
höre das Wort Liebe gar zu gerne.
Papageno
 
Papag.
Das glaube ich dir, ohne zu schwören; bist ja ein Fräulenbild. – Wo blieb ich denn?
 
Das glaube ich dir ohne zu
schwören; bist ja ein Fräulenbild. – Wo
blieb ich denn?
Pamina
 
Pamina.
Bei der Liebe.
 
Bey der Liebe.
Papageno
 
Papag.
Richtig, bei der Liebe! – Das nenn ich Gedächtnis haben. – Kurz also, diese große Liebe zu dir war der Peitschenstreich, um unsre Füße in schnellen Gang zu bringen; nun sind wir hier, dir tausend schöne und angenehme Sachen zu sagen, dich in unsre Arme zu nehmen und, wenn es möglich ist, ebenso schnell, wo nicht schneller als hierher, in den Palast deiner Mutter zu eilen.
 
Richtig, bey der Liebe! – Das
nenn ich Gedächtniß haben – Kurz also,
diese große Liebe zu dir war der Peitschen=
streich, um unsre Füße in schnellen Gang zu
Fbringen; nun sind wir hier, dir tausend
schöne und angenehme Sachen zu sagen; dich
in unsre Arme zu nehmen, und wenn es
möglich ist, eben so schnell, wo nicht schnel=
ler als hierher, in den Pallast deiner Mut=
ter zu eilen.
Pamina
 
Pamina.
Das ist alles sehr schön gesagt. Aber, lieber Freund! wenn der unbekannte Jüngling oder Prinz, wie er sich nennt, Liebe für mich fühlt, warum säumt er so lange, mich von meinen Fesseln zu befreien? –
 
Das ist alles sehr schön ge=
sagt; aber lieber Freund! wenn der unbe=
kannte Jüngling oder Prinz, wie er sich
nennt, Liebe für mich fühlt, warum säumt
er so lange, mich von meinen Fesseln zu be=
freyen? –
Papageno
 
Papag.
Da steckt eben der Haken. – Wie wir von den Jungfrauen Abschied nahmen, so sagten sie uns, drei holde Knaben würden unsre Wegweiser sein, sie würden uns belehren, wie und auf was Art wir handeln sollen.
 
Da steckt eben der Hacken. –
Wie wir von den Jungfrauen Abschied
nahmen, so sagten sie uns, drey holde Kna=
ben würden unsre Wegweiser seyn, sie wür=
den uns belehren, wie und auf was Art wir
handeln sollen.
Pamina
 
Pamina.
Sie lehrten euch?
 
Sie lehrten euch?
Papageno
 
Papag.
Nichts lehrten sie uns, denn wir haben keinen gesehen. – Zur Sicherheit also war der Prinz so fein, mich vorauszuschicken, um dir unsre Ankunft anzukündigen. –
 
Nichts lehrten sie uns, denn
wir haben keinen gesehen. – Zur Sicher=
heit also war der Prinz so fein, mich voraus
zu schicken, um dir unsre Ankunft anzukün=
digen. –
Pamina
 
Pamina.
Freund, du hast viel gewagt! – Wenn Sarastro dich hier erblicken sollte. – –
 
Freund, du hast viel gewagt!
– Wenn Sarastro dich hier erblicken soll=
te. – –
Papageno
 
Papag.
So wird mir meine Rückreise erspart. – Das kann ich mir denken.
 
So wird mir meine Rückreise
erspart – Das kann ich mir denken.
Pamina
 
FPamina.
Dein martervoller Tod würde ohne Grenzen sein.
 
Dein martervoller Tod wür=
de ohne Grenzen seyn.
Papageno
 
Papag.
Um diesem auszuweichen, so gehen wir lieber beizeiten.
 
Um diesem auszuweichen, so
gehen wir lieber bey Zeiten.
Pamina
 
Pamina.
Wie hoch mag wohl die Sonne sein?
 
Wie hoch mag wohl die Son=
ne seyn?
Papageno
 
Papag.
Bald gegen Mittag.
 
Bald gegen Mittag.
Pamina
 
Pamina.
So haben wir keine Minute zu versäumen. – Um diese Zeit kommt Sarastro gewöhnlich von der Jagd zurück.
 
So haben wir keine Minute
zu versäumen. – Um diese Zeit kommt Sa=
rastro gewöhnlich von der Jagd zurück.
Papageno
 
Papag.
Sarastro ist also nicht zu Hause? – Pah! da haben wir gewonnenes Spiel! – Komm, schönes Fräulenbild! Du wirst Augen machen, wenn du den schönen Jüngling erblickst.
 
Sarastro ist also nicht zu Haus=
e? – Pah! da haben wir gewonnenes
Spiel! – Komm, schönes Fräulenbild! du
wirst Augen machen, wenn du den schönen
Jüngling erblickst.
Pamina
 
Pamina.
Wohl denn! Es sei gewagt! (Sie gehen, Pamina kehrt um.) Aber wenn dies ein Fallstrick wäre – wenn dieser nun ein böser Geist von Sarastros Gefolge wäre? –
 
Wohl denn! es sey gewagt!
(sie gehen, Pamina kehrt um) Aber wenn dieß ein
Fallstrick wäre – Wenn dieser nun ein bö=
ser Geist von Sarastros Gefolge wäre? –
(sieht ihn bedenklich an)
 
(sieht ihn bedenklich an.)
Papageno
 
Papag.
Ich ein böser Geist? – Wo denkt ihr hin, Fräulenbild? – Ich bin der beste Geist von der Welt.
 
Ich ein böser Geist? – Wo
denkt ihr hin Fräulenbild? – Ich bin der
beste Geist von der Welt.
Pamina
 
Pamina.
Doch nein; das Bild hier überzeugt mich, dass ich nicht getäuscht bin. Es kommt von den Händen meiner zärtlichsten Mutter.
 
Doch nein; das Bild hier
überzeugt mich, daß ich nicht getäuscht bin;
Es kommt von den Händen meiner zärtlich=
sten Mutter.
Papageno
 
Papag.
Schön's Fräulenbild, wenn dir wieder ein so böser Verdacht aufsteigen sollte, dass ich dich betrügen wollte, so denke nur fleißig an die Liebe, und jeder böse Argwohn wird schwinden.
 
Schön's Fräulenbild, wenn dir
wieder ein so böser Verdacht aufsteigen soll=
Fte, daß ich dich betrügen wollte, so denke
nur fleißig an die Liebe, und jeder böse Arg=
wohn wird schwinden.
Pamina
 
Pamina.
Freund, vergib! vergib! wenn ich dich beleidigte. Du hast ein gefühlvolles Herz, das sehe ich in jedem deiner Züge.
 
Freund, vergieb! vergieb!
wenn ich dich beleidigte. Du hast ein gefühl=
volles Herz, das sehe ich in jedem deiner
Züge.
Papageno
 
Papag.
Ach freilich hab ich ein gefühlvolles Herz. – Aber was nützt mich das alles? – Ich möchte mir oft alle meine Federn ausrupfen, wenn ich bedenke, dass Papageno noch keine Papagena hat.
 
Ach freylich hab ich ein gefühl=
volles Herz – Aber was nützt mich das alles?
– Ich möchte mir oft alle meine Federn
ausrupfen, wenn ich bedenke, daß Papage=
no noch keine Papagena hat.
Pamina
 
Pamina.
Armer Mann! du hast also noch kein Weib?
 
Armer Mann! du hast also
noch kein Weib?
Papageno
 
Papag.
Nicht einmal ein Mädchen, viel weniger ein Weib! – Ja, das ist betrübt! – – Und unsereiner hat doch auch bisweilen seine lustigen Stunden, wo man gern gesellschaftliche Unterhaltung haben möcht. –
 
Nicht einmahl ein Mädchen,
viel weniger ein Weib! – Ja das ist be=
trübt! – – Und unser einer hat doch
auch bisweilen seine lustigen Stunden, wo
man gern gesellschaftliche Unterhaltung haben
möcht. –
Pamina
 
Pamina.
Geduld, Freund! Der Himmel wird auch für dich sorgen; er wird dir eine Freundin schicken, ehe du dir's vermutest. – –
 
Geduld Freund! der Himmel
wird auch für dich sorgen; er wird dir eine
Freundinn schicken, ehe du dir's vermu=
thest. – –
Papageno
 
Papag.
Wenn er's nur bald schickte.
 
Wenn er's nur bald schickte.
Duetto
 
Pamina
 
FPamina.
 
Duetto.
    Bei Männern, welche Liebe fühlen,
 
    Bey Männern, welche Liebe fühlen,
fehlt auch ein gutes Herze nicht.
 
Fehlt auch ein gutes Herze nicht.
Papageno
 
Papageno.
Die süßen Triebe mitzufühlen,
 
Die süßen Triebe mit zu fühlen,
ist dann der Weiber erste Pflicht.
 
Ist dann der Weiber erste Pflicht.
Beide
 
Beyde.
Wir wollen uns der Liebe freun,
 
Wir wollen uns der Liebe freu'n,
wir leben durch die Lieb allein.
 
Wir leben durch die Lieb allein.
Pamina
 
Pamina.
Die Lieb versüßet jede Plage,
 
Die Lieb' versüßet jede Plage,
ihr opfert jede Kreatur.
 
Ihr opfert jede Kreatur.
Papageno
 
Papageno.
Sie würzet unsre Lebenstage,
 
Sie würzet unsre Lebenstage,
sie wirkt im Kreise der Natur.
 
Sie wirkt im Kreise der Natur.
Beide
 
Beyde.
Ihr hoher Zweck zeigt deutlich an,
 
Ihr hoher Zweck zeigt deutlich an,
nichts Edlers sei als Weib und Mann.
 
Nichts edlers sey, als Weib und Mann.
Mann und Weib und Weib und Mann
 
Mann und Weib, und Weib und Mann,
reichen an die Götter an.
 
Reichen an die Götter an.
(beide ab)
 
(Beyde ab.)


Das Theater verwandelt sich in einen Hain. Ganz im Grunde der Bühne ist ein schöner Tempel, worauf diese Worte stehen: "Tempel der Weisheit". Dieser Tempel führt mit Säulen zu zwei andern Tempeln. Rechts auf dem einen steht: "Tempel der Vernunft". Links steht: "Tempel der Natur".
 
Fünfzehnter Auftritt
 
FFünfzehnter Auftritt.
 
Das Theater verwandelt sich in einen Hayn.
Ganz im Grunde der Bühne ist ein schö=
ner Tempel, worauf diese Worte stehen:
Tempel der Weisheit; dieser Tempel führt
mit Säulen zu zwey andern Tempeln;
rechts auf dem einen steht: Tempel der
Vernunft. Links steht: Tempel der Natur.
Drei Knaben führen den Tamino herein, jeder hat einen silbernen Palmzweig in der Hand.
 
Finale
 
Finale.
 
(Drey Knaben führen den Tamino herein, jeder hat einen
silbernen Palmzweig in der Hand.)
Die drei Knaben
 
Drey Knaben.
    Zum Ziele führt dich diese Bahn,
 
    Zum Ziele führt dich diese Bahn,
doch musst du, Jüngling! männlich siegen.
 
Doch mußt du Jüngling! männlich siegen.
Drum höre unsre Lehre an:
 
Drum höre unsre Lehre an:
Sei standhaft, duldsam und verschwiegen!
 
Sey standhaft, duldsam, und verschwiegen!
Tamino
 
Tamino.
Ihr holden Kleinen, sagt mir an,
 
Ihr holden Kleinen sagt mir an,
ob ich Paminen retten kann.
 
Ob ich Paminen retten kann.
Die drei Knaben
 
Drey Knaben.
Dies kundzutun, steht uns nicht an –
 
Dieß kund zu thun, steht uns nicht an –
sei standhaft, duldsam und verschwiegen. –
 
Sey standhaft, duldsam, und verschwiegen –
Bedenke dies, kurz: Sei ein Mann,
 
FBedenke dies: kurz, sey ein Mann,
dann, Jüngling, wirst du männlich siegen.
 
Dann Jüngling wirst du männlich siegen.
(gehen ab)
 
(gehen ab.)
Tamino
 
Tamino.
    Die Weisheitslehre dieser Knaben
 
Die Weisheitslehre dieser Knaben
sei ewig mir ins Herz gegraben.
 
Sey ewig mir ins Herz gegraben.
Wo bin ich nun? – Was wird mit mir?
 
Wo bin ich nun? – Was wird mit mir?
Ist dies der Sitz der Götter hier?
 
Ist dies der Sitz der Götter hier?
Es zeigen die Pforten, es zeigen die Säulen,
 
Es zeigen die Pforten, es zeigen die Säulen,
dass Klugheit und Arbeit und Künste hier weilen.
 
Daß Klugheit und Arbeit und Künste hier weilen;
Wo Tätigkeit thronet und Müßiggang weicht,
 
Wo Thätigkeit thronet, und Müßiggang weicht,
erhält seine Herrschaft das Laster nicht leicht.
 
Erhält seine Herrschaft das Laster nicht leicht.
Ich mache mich mutig zur Pforte hinein,
 
Ich mache mich muthig zur Pforte hinein,
die Absicht ist edel und lauter und rein.
 
Die Absicht ist edel, und lauter und rein.
Erzittre, feiger Bösewicht!
 
Erzittre feiger Bösewicht!
Paminen retten ist mir Pflicht.
 
Paminen retten ist mir Pflicht.
(Er geht an die Pforte zur rechten Seite, macht sie auf, und als er hinein will, hört man von fern eine Stimme.)
 
(Er geht an die Pforte zur rechten Seite, macht sie auf,
und als er hinein will, hört man von fern eine
Stimme.)
Stimme
 
Stimme.
Zurück!
 
Zurück!
Tamino
 
Tamino.
Zurück? So wag ich hier mein Glück!
 
Zurück? so wag ich hier mein Glück!
(Er geht zur linken Pforte; eine Stimme von innen.)
 
(Er geht zur linken Pforte, eine Stimme von innen.)
Stimme
 
Stimme.
Zurück!
 
Zurück!
Tamino
 
FTamino.
Auch hier ruft man "zurück"?
 
Auch hier ruft man zurück? (sieht sich um)
(sieht sich um)
 
Da sehe ich noch eine Tür!
 
Da sehe ich noch eine Thür!
Vielleicht find ich den Eingang hier.
 
Vieleicht find ich den Eingang hier.
(Er klopft; ein alter Priester erscheint.)
 
(Er klopft, ein alter Priester erscheint.)
Priester
 
Priester.
Wo willst du, kühner Fremdling, hin?
 
Wo willst du kühner Fremdling, hin?
Was suchst du hier im Heiligtum?
 
Was suchst du hier im Heiligthum?
Tamino
 
Tamino.
Der Lieb und Tugend Eigentum.
 
Der Lieb und Tugend Eigenthum.
Priester
 
Priester.
Die Worte sind von hohem Sinn!
 
Die Worte sind von hohem Sinn!
Allein, wie willst du diese finden?
 
Allein, wie willst du diese finden?
Dich leitet Lieb und Tugend nicht,
 
Dich leitet Lieb und Tugend nicht,
weil Tod und Rache dich entzünden.
 
Weil Tod und Rache dich entzünden.
Tamino
 
Tamino.
Nur Rache für den Bösewicht.
 
Nur Rache für den Bösewicht.
Priester
 
Priester.
Den wirst du wohl bei uns nicht finden.
 
Den wirst du wohl bey uns nicht finden.
Tamino
 
Tamino.
Sarastro herrscht in diesen Gründen?
 
Sarastro herrscht in diesen Gründen?
Priester
 
Priester.
Ja, ja! Sarastro herrschet hier!
 
Ja, ja! Sarastro herrschet hier!
Tamino
 
FTamino.
Doch in dem Weisheitstempel nicht?
 
Doch in dem Weisheitstempel nicht?
Priester
 
Priester.
Er herrscht im Weisheitstempel hier.
 
Er herrscht im Weisheitstempel hier.
Tamino
 
Tamino.
So ist denn alles Heuchelei!
 
So ist denn alles Heucheley! (will gehen.)
(will gehen)
 
Priester
 
Priester.
Willst du schon wieder gehn?
 
Willst du schon wieder geh'n?
Tamino
 
Tamino.
Ja, ich will gehn, froh und frei –
 
Ja, ich will geh'n, froh und frey, –
nie euren Tempel sehn.
 
Nie euren Tempel seh'n.
Priester
 
Priester.
Erklär dich näher mir, dich täuschet ein Betrug.
 
Erklär dich näher mir, dich täuschet ein Betrug.
Tamino
 
Tamino.
Sarastro wohnet hier, das ist mir schon genug.
 
Sarastro wohnet hier, das ist mir schon genug.
Priester
 
Priester.
Wenn du dein Leben liebst, so rede, bleibe da!
 
Wenn du dein Leben liebst, so rede, bleibe da!
Sarastro hassest du?
 
Sarastro hassest du?
Tamino
 
Tamino.
Ich hass ihn ewig! ja. –
 
Ich haß ihn ewig! Ja. –
Priester
 
Priester.
Nun gib mir deine Gründe an.
 
Nun gieb mir deine Gründe an.
Tamino
 
FTamino.
Er ist ein Unmensch, ein Tyrann!
 
Er ist ein Unmensch, ein Tyrann!
Priester
 
Priester.
Ist das, was du gesagt, erwiesen?
 
Ist das, was du gesagt, erwiesen?
Tamino
 
Tamino.
Durch ein unglücklich Weib bewiesen,
 
Durch ein unglücklich Weib bewiesen,
die Gram und Jammer niederdrückt.
 
Die Gram und Jammer niederdrückt.
Priester
 
Priester.
Ein Weib hat also dich berückt?
 
Ein Weib hat also dich berückt?
Ein Weib tut wenig, plaudert viel.
 
Ein Weib thut wenig, plaudert viel.
Du, Jüngling, glaubst dem Zungenspiel?
 
Du Jüngling glaubst dem Zungenspiel?
O legte doch Sarastro dir
 
O legte doch Sarastro dir
die Absicht seiner Handlung für.
 
Die Absicht seiner Handlung für.
Tamino
 
Tamino.
Die Absicht ist nur allzu klar;
 
Die Absicht ist nur allzu klar;
riss nicht der Räuber ohn Erbarmen
 
Riß nicht der Räuber ohn' Erbarmen,
Paminen aus der Mutter Armen?
 
Paminen aus der Mutter Armen?
Priester
 
Priester.
Ja, Jüngling! was du sagst, ist wahr.
 
Ja, Jüngling! was du sagst, ist wahr.
Tamino
 
Tamino.
Wo ist sie, die er uns geraubt?
 
Wo ist sie, die er uns geraubt?
Man opferte vielleicht sie schon?
 
Man opferte vieleicht sie schon?
Priester
 
FPriester.
Dir dies zu sagen, teurer Sohn!
 
Dir dieß zu sagen, theurer Sohn!
ist jetzund mir noch nicht erlaubt.
 
Ist jetzund mir noch nicht erlaubt.
Tamino
 
Tamino.
Erklär dies Rätsel, täusch mich nicht.
 
Erklär dieß Räthsel, täusch mich nicht.
Priester
 
Priester.
Die Zunge bindet Eid und Pflicht.
 
Die Zunge bindet Eid und Pflicht.
Tamino
 
Tamino.
Wann also wird die Decke schwinden?
 
Wann also wird die Decke schwinden?
Priester
 
Priester.
Sobald dich führt der Freundschaft Hand
 
So bald dich führt der Freundschaft Hand,
ins Heiligtum zum ew'gen Band.
 
Ins Heiligthum zum ew'gen Band.
(geht ab)
 
(geht ab)
Tamino
 
Tamino.
(allein)
 
(allein.)
O ewige Nacht! wann wirst du schwinden?
 
O ewige Nacht! Wann wirst du schwinden?
Wann wird das Licht mein Auge finden?
 
Wann wird das Licht mein Auge finden?
Einige Stimmen
 
Einige Stimmen.
Bald, Jüngling, oder nie!
 
Bald Jüngling, oder nie!
Tamino
 
Tamino.
Bald, sagt ihr, oder nie!
 
Bald sagt ihr, oder nie!
Ihr Unsichtbaren, saget mir!
 
Ihr Unsichtbaren, saget mir!
lebt denn Pamina noch?
 
Lebt denn Pamina noch?
Die Stimmen
 
Die Stimmen.
Pamina lebet noch!
 
Pamina lebet noch!
Tamino
 
FTamino.
(freudig)
 
(freudig.)
Sie lebt? Ich danke euch dafür.
 
Sie lebt? ich danke euch dafür
(Er nimmt seine Flöte heraus.)
 
(Er nimmt seine Flöte heraus.)
Wenn ich doch nur im Stande wäre,
 
Wenn ich doch nur im Stande wäre
Allmächtige, zu eurer Ehre
 
Allmächtige, zu Eurer Ehre,
mit jedem Tone meinen Dank
 
Mit jedem Tone meinen Dank,
zu schildern,
 
Zu schildern,
wie er hier entsprang!
 
wie er hier entsprang!
(Aufs Herz deutend. Er spielt, sogleich kommen Tiere von allen Arten hervor, ihm zuzuhören. Er hört auf, und sie fliehen. Die Vögel pfeifen dazu.)
 
(Aufs Herz deutend. Er spielt, sogleich kommen Thiere
von allen Arten hervor, ihm zuzuhören. Er hört
auf, und sie fliehen. Die Vögel pfeifen dazu.)
    Wie stark ist nicht dein Zauberton,
 
Wie stark ist nicht dein Zauberton,
weil, holde Flöte, durch dein Spielen
 
Weil, holde Flöte, durch dein Spielen
selbst wilde Tiere Freude fühlen.
 
Selbst wilde Thiere Freude fühlen.
Doch nur Pamina bleibt davon.
 
Doch nur Pamina bleibt davon;
(Er spielt.)
 
(er spielt)
Pamina, höre, höre mich!
 
Pamina höre, höre mich!
Umsonst!
 
Umsonst! (er spielt) Wo? ach! wo find ich dich?
(Er spielt.)
 
Wo?
 
ach! wo find ich dich?
 
(Er spielt, Papageno antwortet von innen mit seinem Flötchen.)
 
(Er spielt, Papageno antwortet von innen mit seinem
Flötchen.)
Ha, das ist Papagenos Ton.
 
Ha, das ist Papagenos Ton.
(Er spielt, Papageno antwortet.)
 
(Er spielt, Papageno antwortet.)
Tamino
 
Tamino.
Vielleicht sah er Paminen schon,
 
Vieleicht sah er Paminen schon,
vielleicht eilt sie mit ihm zu mir!
 
Vieleicht eilt sie mit ihm zu mir!
Vielleicht
 
Vieleicht
führt mich der Ton zu ihr.
 
führt mich der Ton zu ihr.
(eilt ab)
 
(eilt ab.)
Sechzehnter Auftritt
 
FSechzehnter Auftritt.
Papageno, Pamina (ohne Fesseln).
 
Papageno, Pamina (ohne Fesseln.)
Pamina, Papageno
 
Beyde.
    Schnelle Füße, rascher Mut
 
Schnelle Füße, rascher Muth,
schützt vor Feindes List und Wut;
 
Schützt vor Feindes List und Wuth;
fänden wir Taminen doch!
 
Fänden wir Taminen doch!
Sonst erwischen sie uns noch.
 
Sonst erwischen sie uns noch.
Pamina
 
Pamina.
Holder Jüngling!
 
Holder Jüngling!
Papageno
 
Papag.
Stille, stille! ich kann's besser!
 
Stille, stille! ich kanns besser! (er pfeift.)
(Er pfeift.)
 
(Tamino antwortet von innen mit seiner Flöte.)
 
Tamino (antwortet von innen mit seiner Flöte.)
Beide
 
Beyde.
Welche Freude ist wohl größer,
 
Welche Freude ist wohl grösser,
Freund Tamino hört uns schon;
 
Freund Tamino hört uns schon;
hieher kam der Flöten Ton.
 
Hieher kam der Flöten Ton,
Welch ein Glück, wenn ich ihn finde!
 
Welch' ein Glück, wenn ich ihn finde!
Nur geschwinde! nur geschwinde!
 
Nur geschwinde! Nur geschwinde!
(wollen gehen)
 
(wollen gehen.)
Siebenzehnter Auftritt
 
FSiebenzehnter Auftritt.
Vorige, Monostatos.
 
Vorige, Monostatos.
Monostatos
 
Monostatos.
    Ha, hab ich euch noch erwischt!
 
Ha, hab ich euch noch erwischt!
Nur herbei mit Stahl und Eisen;
 
Nur herbey mit Stahl und Eisen;
wart, man wird euch Mores weisen.
 
Wart, man wird euch Mores weisen.
Den Monostatos berücken!
 
Den Monostatos berücken!
Nur herbei mit Band und Stricken;
 
Nur herbey mit Band und Stricken;
he, ihr Sklaven, kommt herbei!
 
He, ihr Sclaven kommt herbey!
(Die Sklaven kommen mit Fesseln.)
 
(Die Sclaven kommen mit Fesseln.)
Pamina, Papageno
 
Pamina, Papageno.
Ach, nun ist's mit uns vorbei.
 
Ach nun ists mit uns vorbey.
Papageno
 
Papageno.
Wer viel wagt,
 
Wer viel wagt,
 
gewinnt oft viel,
gewinnt oft viel,
 
gewinnt oft viel,
komm, du schönes Glockenspiel!
 
Komm du schönes Glockenspiel!
Lass die Glöckchen klingen, klingen,
 
Laß die Glöckchen klingen, klingen,
dass die Ohren ihnen singen.
 
Daß die Ohren ihnen singen.
(Er schlägt auf sein Instrument; sogleich singt Monostatos und die Sklaven und gehen unter dem Gesang marschmäßig ab.)
 
(Er schlägt auf sein Instrument, sogleich singt Mono=
statos und die Sclaven, und gehen unter dem Ge=
sang marschmäßig ab.)
Monostatos, Sklaven
 
Monostatos und Sclaven.
Das klinget so herrlich, das klinget so schön!
 
Das klinget so herrlich, das klinget so schön!
Tralla lala la Trallalala!
 
Tralla lala la Trallalala!
Nie hab ich so etwas gehört und gesehn!
 
FNie hab ich so etwas gehört und geseh'n!
Trallalalala Tralla lalala.
 
Trallalalala Tralla lalala.
(ab)
 
(ab.)
Pamina, Papageno
 
Papageno, Pamina.
Ha ha ha! ha ha ha!
 
Ha ha ha! ha ha ha!
Könnte jeder brave Mann
 
Könnte jeder brave Mann
solche Glöckchen finden,
 
Solche Glöckchen finden,
seine Feinde würden dann
 
Seine Feinde würden dann
ohne Mühe schwinden.
 
Ohne Mühe schwinden.
Und er lebte ohne sie
 
Und er lebte ohne sie
in der besten Harmonie.
 
In der besten Harmonie
Nur der Freundschaft Harmonie
 
Nur der Freundschaft Harmonie
mildert die Beschwerden;
 
Mildert die Beschwerden;
ohne diese Sympathie
 
Ohne diese Sympathie
ist kein Glück auf Erden.
 
Ist kein Glück auf Erden.
(Ein starker Marsch mit Trompeten und Pauken fällt ein.)
 
(Ein starker Marsch mit Trompeten und Paucken fällt
ein.)
Chor
 
(von innen)
 
(Von innen.)
    Es lebe Sarastro! Sarastro lebe!
 
Es lebe Sarastro! Sarastro lebe!
Papageno
 
Papageno.
Was soll dies bedeuten? Ich zittre, ich bebe.
 
Was soll dieß bedeuten? Ich zittre, ich bebe.
Pamina
 
Pamina.
O Freund, nun ist's um uns getan!
 
O Freund, nun ists um uns gethan!
Dies kündigt den Sarastro an.
 
Dieß kündigt den Sarastro an.
Papageno
 
Papageno.
O wär ich eine Maus!
 
O wär ich eine Maus!
wie wollt ich mich verstecken;
 
FWie wollt ich mich verstecken,
wär ich so klein wie Schnecken,
 
Wär ich so klein wie Schnecken,
so kröch ich in mein Haus. –
 
So kröch ich in mein Haus. –
Mein Kind, was werden wir nun sprechen?
 
Mein Kind, was werden wir nun sprechen?
Pamina
 
Pamina.
Die Wahrheit! sei sie auch Verbrechen.
 
Die Wahrheit! sey sie auch Verbrechen.
BeideZum folgenden, von Mozart nicht vertonten Vierzeiler vgl. Gernot Gruber, „Vorwort“ zu Die Zauberflöte (Neue Mozart-Ausgabe, Serie II: Bühnenwerke 5/19), Kassel 1970, S. XIV.
 
Beyde.
Die Wahrheit ist nicht immer gut,
 
Die Wahrheit ist nicht immer gut,
weil sie den Großen wehe tut;
 
Weil sie den Großen wehe thut;
doch wär sie allezeit verhasst,
 
Doch wär sie allezeit verhaßt,
so wär mein Leben mir zur Last.
 
So wär mein Leben mir zur Last.
Achtzehnter Auftritt
 
Achtzehnter Auftritt.
Ein Zug von Gefolge; zuletzt fährt Sarastro auf einem Triumphwagen heraus, der von sechs Löwen gezogen wird. Vorige.
 
Ein Zug von Gefolge; zuletzt fährt Sa=
rastro
auf einem Triumphwagen her=
aus, der von sechs Löwen gezogen wird.
Vorige.
Chor
 
Chorus.
Es lebe Sarastro! Sarastro soll leben!
 
Es lebe Sarastro! Sarastro soll leben!
Er ist es, dem wir uns mit Freuden ergeben!
 
Er ist es, dem wir uns mit Freuden ergeben!
Stets mög er des Lebens als Weiser sich freun!
 
Stets mög er des Lebens als Weiser sich freun!
Er ist unser Abgott, dem alle sich weihn.
 
Er ist unser Abgott, dem alle sich weihn.
(Dieser Chor wird gesungen, bis Sarastro aus dem Wagen ist.)
 
(Dieser Chor wird gesungen, bis Sarastro aus dem
Wagen ist.)
Pamina
 
FPamina.
(kniet)
 
(kniet.)
    Herr, ich bin zwar Verbrecherin!
 
Herr, ich bin zwar Verbrecherinn!
Ich wollte deiner Macht entfliehn.
 
Ich wollte deiner Macht entfliehn.
Allein die Schuld ist nicht an mir –
 
Allein die Schuld ist nicht an mir –
der böse Mohr verlangte Liebe;
 
Der böse Mohr verlangte Liebe;
darum, o Herr! entfloh ich dir.
 
Darum, o Herr! entfloh ich dir.
Sarastro
 
Sarastro.
Steh auf, erheitre dich, o Liebe!
 
Steh auf, erheitre dich, o Liebe!
Denn ohne erst in dich zu dringen,
 
Denn ohne erst in dich zu dringen
weiß ich von deinem Herzen mehr:
 
Weis ich von deinem Herzen mehr:
Du liebest einen andern sehr.
 
Du liebest einen andern sehr.
Zur Liebe will ich dich nicht zwingen,
 
Zur Liebe will ich dich nicht zwingen,
doch geb ich dir die Freiheit nicht.
 
Doch geb ich dir die Freyheit nicht.
Pamina
 
Pamina.
Mich rufet ja die Kindespflicht,
 
Mich rufet ja die Kindespflicht,
denn meine Mutter –
 
Denn meine Mutter –
Sarastro
 
Sarastro.
steht in meiner Macht;
 
Steht in meiner Macht,
du würdest um dein Glück gebracht,
 
Du würdest um dein Glück gebracht,
wenn ich dich ihren Händen ließe.
 
Wenn ich dich ihren Händen ließe.
Pamina
 
Pamina.
Mir klingt der Mutternamen süße;
 
Mir klingt der Mutternamen süße;
sie ist es –
 
Sie ist es –
Sarastro
 
Sarastro.
und ein stolzes Weib.
 
Und ein stolzes Weib.
Ein Mann muss eure Herzen leiten,
 
FEin Mann muß eure Herzen leiten,
denn ohne ihn
 
Denn ohne ihn
pflegt jedes Weib
 
pflegt jedes Weib
aus ihrem Wirkungskreis zu schreiten.
 
Aus ihrem Wirkungskreis zu schreiten.
Neunzehnter Auftritt
 
Neunzehnter Auftritt.
Monostatos, Tamino. Vorige.
 
Monostatos, Tamino. Vorige.
Monostatos
 
Monostatos.
    Nun, stolzer Jüngling, nur hieher!
 
Nun stolzer Jüngling, nur hieher!
Hier ist Sarastro, unser Herr!
 
Hier ist Sarastro, unser Herr!
Pamina, Tamino
 
Pamina, Tamino.
Er ist's! Er ist's! ich glaub es kaum!|
 
Er ists! Er ists! ich glaub es kaum!
Sie ist's! Sie ist's! es ist kein Traum!
 
Sie ists! Sie ists! es ist kein Traum!
Es schling mein Arm sich um sie|ihn her,
 
Es schling mein Arm sich um sie|ihn her,
und wenn es auch mein Ende wär.
 
Und wenn es auch mein Ende wär.
Chor
 
Alle.
Was soll das heißen?
 
Was soll das heißen?
Monostatos
 
Monostatos.
Welch eine Dreistigkeit!
 
Welch eine Dreistigkeit!
Gleich auseinander, das geht zu weit!
 
Gleich auseinander, das geht zu weit!
(Er trennt sie.)
 
(Er trennt sie.)
(kniet)
 
(Kniet.)
Dein Sklave liegt zu deinen Füßen,
 
Dein Sclave liegt zu deinen Füßen,
lass den verwegnen Frevler büßen.
 
FLaß den verweg'nen Frevler büßen.
Bedenk, wie frech der Knabe ist!
 
Bedenk, wie frech der Knabe ist!
Durch dieses seltnen Vogels List
 
Durch dieses seltnen Vogels List,
wollt er Paminen dir entführen;
 
Wollt er Paminen dir entführen;
allein, ich wusst ihn auszuspüren.
 
Allein, ich wußt ihn auszuspühren.
Du kennst mich! – Meine Wachsamkeit –
 
Du kennst mich! – meine Wachsamkeit –
Sarastro
 
Sarastro.
verdient, dass man ihr Lorbeer streut! –
 
Verdient, daß man ihr Lorber streut! –
He! gebt dem Ehrenmann sogleich –
 
He! gebt dem Ehrenmann sogleich –
Monostatos
 
Monostatos.
Schon deine Gnade macht mich reich.
 
Schon deine Gnade macht mich reich.
Sarastro
 
Sarastro.
nur 77 Sohlenstreich!
 
Nur 77. Sohlenstreich!
Monostatos
 
Monostatos.
(kniet)
 
(kniet.)
Ach Herr! den Lohn verhofft ich nicht.
 
Ach Herr! den Lohn verhoft ich nicht.
Sarastro
 
Sarastro.
Nicht Dank! Es ist ja meine Pflicht.
 
Nicht Dank! Es ist ja meine Pflicht.
(Monostatos wird fortgeführt.)
 
(Wird fortgeführt.)
Chor
 
Alle.
Es lebe Sarastro, der göttliche Weise,
 
Es lebe Sarastro, der göttliche Weise,
er lohnet und strafet in ähnlichem Kreise.
 
Er lohnet und strafet in ähnlichem Kreise.
Sarastro
 
Sarastro.
Führt diese beiden Fremdlinge
 
Führt diese beyden Fremdlinge,
in unsern Prüfungstempel ein:
 
In unsern Prüfungstempel ein:
Bedecket ihre Häupter dann –
 
FBedecket ihre Häupter dann –
sie müssen erst gereinigt sein.
 
Sie müssen erst gereinigt seyn.
(Zwei bringen eine Art Sack und bedecken die Häupter der beiden Fremden.)
 
(Zwey bringen eine Art Sack, und bedecken die Häupter
der beyden Fremden.)
Chor
 
Alle.
Führt diese beiden Fremdlinge
 
Führt diese beyden Fremdlinge
in unsern Prüfungstempel ein usf.
 
In unsern Prüfungstempel ein u.s.f.
Schlusschor
 
Schlußchor.
    Wenn Tugend und Gerechtigkeit
 
Wenn Tugend und Gerechtigkeit
den großen Pfad mit Ruhm bestreut,
 
Den großen Pfad mit Ruhm bestreut;
dann ist die Erd ein Himmelreich
 
Dann ist die Erd' ein Himmelreich,
und Sterbliche den Göttern gleich.
 
Und Sterbliche den Göttern gleich.
Ende des ersten Aufzugs.
 
Ende des ersten Aufzugs.