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            <title xml:lang="de">Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart</title>
            <title xml:lang="en">Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family</title>
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                            <surname>Morgenstern</surname>
                            <forename>Anja</forename>
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                            <forename>Franz</forename>
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                                    technical supervisor, data modelling
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                    >Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
                            <orgName role="department" xml:id="DME">Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition
                                    <persName ref="https://d-nb.info/gnd/10403128X" role="head">Ulrich Leisinger</persName>
                                    <orgName role="project">Digitale Mozart-Edition</orgName>
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            <publisher><corpName sameas="#ISM"/></publisher>
            <date when="2009">2009-08-20</date>
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        </publStmt>
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            <bibl type="source" subtype="short">A-Sm</bibl>
                <bibl type="source" subtype="long">A-Sm: Internationale Stiftung Mozarteum, Bibliotheca Mozartiana. Salzburg (AUT)</bibl>
        </srcDesc>
        <revisDesc>
            <change when="2025-08-26">last file update: <date>Tue Aug 26 16:36:59 2025</date></change>
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    </mupHeader>            
<text type="mobridoc" src="Doc1792_1.mup">
<HEADER id="27">FRIEDRICH SCHLICHTEGROLL AN ALBERT VON MÖLK IN SALZBURG<lbr/>
GOTHA, 25. MÄRZ(?) 1792</HEADER>

<pg n="1"/>
<ts>__________________________________________</ts><tspdf>\hfill </tspdf>Gotha, d. <div type="commentary" xml:id="commentID27_1">25 <emend value="Merz"><suppl hand="self" pos="supra">Me&#255;</suppl></emend>, 1792.<note corresp="#commentID27_1">Friedrich Schlichtegroll muss sich bei der nachträglich eingefügten
Monatsangabe "Me&#255;" geirrt haben. Aufgrund weiterer Dokumente
bezüglich des Mozart-Nekrologs muss es sich um den Monat März 1792 handeln.</note></div><lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>Hochwürdiger, Hochwohlgebohrner,<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>Hochgeehrtester Herr <emend value="Canonicus">Canonious</emend> und <persName key="77356">Consistorialrath</persName>!<lbr type="forced"/>
<lbr type="forced"/>
Es würde mir in der That sehr <div type="commentary" xml:id="commentID27_2">felpar<note corresp="#commentID27_2">fehlbar</note></div> fallen, wenn<lbr/>
ich einige Tage sollte verstreichen lassen, ohne Eier<lbr/>
Hochwürden meinen Danck für den vor einigen<lbr/>
Stunden erhaltenen Brief von Ihrer Hand und für<lbr/>
die Be&#255;lage abstatten zu können. Schon vor einigen<lbr/>
Wochen hatte ich mich an <div type="commentary" xml:id="commentID27_3">H<abbr type="curve">.</abbr> von <persName key="78239"><choice><orig>Setzer</orig><corr hand="diff" schr_id="57010">Retzer</corr></choice></persName><note corresp="#commentID27_3">Gemeint ist der Schriftsteller Joseph Friedrich von Retzer (1754-1824). 
Er war ab 1782 Mitglied der Wiener Freimaurerloge "Zur wahren 
Eintracht", die Mozart mehrmals besucht hatte. Daher versprach sich
Schlichtegroll vermutlich biografische Informationen über den Komponisten.</note></div> in Wien<lbr/>
gewendet, um Nachrichten von dem seel. <persName key="39409">Mozart</persName><lbr/>
zu haben, und bis jetzt warte ich noch auf Antwort.<lbr/>
Eier Hochwürden können sich daher vorstellen, wie<lbr/>
angenehm mich Ihr gütiger, <div type="commentary" xml:id="commentID27_4">unerbetener <ref target="mid1783" type="mobri">Be&#255;lag</ref><note corresp="#commentID27_4">Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg hatte auf Basis eines Fragenkatalogs
von Albert von Mölk umfangreiche Informationen zur Biografie ihres Bruders
Wolfgang Amadé Mozart niedergeschrieben. Diese Aufzeichnungen bilden die
Grundlage für den von Friedrich Schlichtegroll verfassten Nekrolog auf
Mozart, <i>Nekrolog auf das Jahr 1791</i>, gesammelt von Friedrich
Schlichtegroll, Gotha: Perthes, 1793, Zweiter Jahrgang, Zweiter
Band (1791), S. 82-112.</note></div><lbr/>
<add_note schr_id="57010"><ts>_________________________________________________</ts>Retzer</add_note>
<pg n="2"/>
überraschte, um so mehr da er sich über einen Zeitraum<lbr/>
aus des seel. <persName key="39409">M.</persName> Leben verbreitet, über den man<lbr/>
mir von Wien aus wahrscheinlich nicht so vieles<lbr/>
und so genau hätte sagen können.<lbr type="forced"/>
Es gehört mit zu <emend value="den">dem</emend> sehr belohnenden folgen,<lbr/>
die mein sonst so mühsames Unternehmen für<lbr/>
mich hat, daß es, außer der Beschäftigung<lbr/>
mit guten <u>Todten</u>, mich auch in schriftliche Verbindung<lbr/>
mit so manchen guten <u>Lebenden</u> setzt, an die<lbr/>
sich mein Herz durch gleiche denkungsart <div type="commentary" xml:id="commentID27_5">samft<note corresp="#commentID27_5">althochdt., sanft</note></div><lbr/>
angezogen fühlt. Einen Mann, der mir daß erste Mahl<lbr/>
so gütig entgegen geko<abbr type="topline" expand="mm">m</abbr>en ist, darf ich wohl<lbr/>
mit Zuversicht bitten, auch in der Zukunft sich des<lbr/>
Nekrologs zu erinnern, wenn Jemand seiner<lbr/>
Gegend sterben sollte, dessen seltne Schicksale oder<lbr/>
<pg n="3"/>
dessen stille Tugenden dem <emend value="Publicum">Publioum</emend> und der<lbr/>
Nachwelt durch Aufstellung nützlich werden könnten.<lbr/>
Das beste Studium für <emend value="den">dem</emend> Menschen bleibt doch<lbr/>
i<abbr type="topline" expand="mm">m</abbr>er der Mensch, und dises wichtige und nützliche<lbr/>
Studium soll, meinen Wunsche nach, der Nekrolog<lbr/>
mit der Zeit befördern, wenn er durch ma<abbr type="topline" expand="nn">n</abbr>ich<lbr/>
faltigen Be&#255;träge, besonders über stilles,<lbr/>
unbekanntes Verdienst und Tugend, die oft<lbr/>
in einem Winkel, oft in einer Klosterzelle wohnen<lbr/>
kann; beschenkt wird.<lbr type="forced"/>
Darf ich sie noch bitten, der gütigen <persName key="48817">Verfasserin</persName><lbr/>
des Aufsatzes ebenfalls unbekannter Weise<lbr/>
meinen herzlichen dank abzustatten?<lbr type="forced"/>
<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>Mit ausgezeichneter Hochachtung bin ich<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>Eir Hochwirden<lbr type="forced"/>
<ts>__________________________</ts><tspdf>\hfill </tspdf>gehorsamster<lbr type="forced"/>
<ts>__________________________</ts><tspdf>\hfill </tspdf><persName key="78649">F. Schlichtegroll</persName>, Profess<h>r</h><lbr type="forced"/><tspdf>\newline</tspdf>
<pg n="4"/>
N. <rend class="latin">S.</rend> Ware es möglich, daß die gefällige<lbr/>
<persName key="48817">Verfasserin</persName> des Aufsatzs sich noch auf einige<lbr/>
charatterische Züge aus der Jugend des <persName key="39409">seel:</persName><lbr/>
besinnen könnte, und wollte sie solche noch notiren,<lbr/>
so würde ich das mit großem danck annehmen.<lbr/>
Z. B. Welches warn in seinen Jugendjahren,<lbr/>
außer der Beschäftigung mit Musik, sein<lbr/>
Lieblingsspiele? Wie benahm er sich, als Kind)<lbr/>
gegen die Großen, und ihre bezeigte Bewunderung?<lbr/>
Wälche Wissenschaftliche Bescheftigung liebte er am<lbr/>
mehrsten? Was für Sprachen verstand er und<lbr/>
Welche sprach er und schrieb er am liebsten und<lbr/>
besten? Besondere Eigenheiten, <emend value="Maximen">Maxi<abbr type="topline" expand="nn">n</abbr>en</emend>,<lbr/>
<pg n="5"/>
<abbr expand="Tagesordnungen">Tagesordnung<abbr type="curve"></abbr></abbr> &#8211; Auch <emend value="den">dem</emend> Umstand möchte ich<lbr/>
noch etwas näher erläutern; wie kam es daß<lbr/>
er das letzte Mahl seine schon alte <persName key="48815">Mutter</persName><lbr/>
mit nach Paris nahm?<lbr type="forced"/>
Was werden Sie von einen so importunen<lbr/>
Menschen <emend value="dencken">dancken</emend> der, wenn man ihm einen<lbr/>
Finger reicht gleich die ganze Hand haben<lbr/>
will?<lbr type="forced"/>
N <rend class="latin">S.</rend> Sollten es die Gesetze des Instituts nicht<lbr/>
ganz unmöglich machen, und Eier <tspdf>\newline </tspdf>Hochwd. könnten<lbr/>
mir gelegentlich den <div type="commentary" xml:id="commentID27_6"><abbr expand="Verfasser">Verf.</abbr>&#160;<abbr expand="Recensenten">Recens.</abbr> des <abbr expand="Nekrologs">Nekrol.</abbr><lbr/>
in der <abbr expand="Oberdeutschen"><rend class="latin">Obd.</rend></abbr>&#160;<abbr expand="Literaturzeitung">Lz.</abbr> anzeigen<note corresp="#commentID27_6">In der <i>Oberdeutschen allgemeinen Litteraturzeitung</i> vom 6. Februar
1792 (5. Jg, XVI. Stück), Sp. 241–253, war unter der Rubrik "Historische
Schriften" eine ausführliche Rezension vom <i>Nekrolog auf das Jahr 1790.
Enthaltend Nachrichten von dem Leben merkwürdiger in diesem Jahre
verstorbener Personen. Gesammelt von Friedrich Schlichtegroll. Erster
Band</i> erschienen. Der Beitrag ist mit "A. d. R." gezeichnet. Der
Herausgeber der Zeitung, die von 1788 bis 1799 in Salzburg erschien,
war Lorenz Hübner (1751–1807).</note></div>, so würde ich Ihnen<lbr/>
für diese Bekanntschaft mit <emend value="einem">einen</emend> Gönner<lbr/>
<rend class="latin"><emend value="studiorum">studierum</emend></rend>&#160;<rend class="latin">meorum</rend> überaus verbunden se&#255;n.
<pg n="6"/>
<vacat/>
<pg n="7"/>
<vacat/>
<pg n="8"/>
<vacat/></text>
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