<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<MUP xmlns="http://www.mozarteum.at/ns/dme"
    xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance">
    <mupHeader mid="1832">
        <titleStmt>
            <title xml:lang="de">Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart</title>
            <title xml:lang="en">Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family</title>
            <sponsor xml:id="ISM">
                    <orgName ref="https://d-nb.info/gnd/37019-8">Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg</orgName>
                    <address>
                            <settlement ref="https://www.geonames.org/2766824">Salzburg</settlement>
                            <country>Austria</country>
                    </address>
            </sponsor>
            <funder xml:id="PHI">
                    <orgName>The Packard Humanities Institute</orgName>
                    <address>
                            <settlement ref="https://www.geonames.org/5368335">Los Altos</settlement>
                            <country>California, USA</country>
                    </address>
            </funder>
            <editor corresp="#DME" role="texteditor" xml:id="AM">
                    <persName>
                            <surname>Morgenstern</surname>
                            <forename>Anja</forename>
                            <note type="remarkResponsibility" xml:id="n_AM">
                                    text encoding, text editing
                            </note>
                    </persName>
            </editor>
            <editor corresp="#DME" role="techstaff" xml:id="FK">
                    <persName>
                            <surname>Kelnreiter</surname>
                            <forename>Franz</forename>
                            <note type="remarkResponsibility" xml:id="n_FK">
                                    technical supervisor, data modelling
                            </note>
                    </persName>
            </editor>
            <respStmt>
                    <orgName corresp="#ISM" xml:lang="de"
                    >Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
                            <orgName role="department" xml:id="DME">Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition
                                    <persName ref="https://d-nb.info/gnd/10403128X" role="head">Ulrich Leisinger</persName>
                                    <orgName role="project">Digitale Mozart-Edition</orgName>
                                    <ref type="web">https://dme.mozarteum.at</ref>
                            </orgName>
                    </orgName>
            </respStmt>
        </titleStmt>    
        <publStmt>
            <publisher><corpName sameas="#ISM"/></publisher>
            <date when="2024">2024-06</date>
            <availability>
                <useRestrict label="license">CC BY-NC-SA 4.0</useRestrict>
            </availability>
            <idno type="URLWeb">https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1832</idno>
        </publStmt>
        <srcDesc>
            <bibl type="source" subtype="short">A-Sm</bibl>
                <bibl type="source" subtype="long">A-Sm: Internationale Stiftung Mozarteum, Bibliotheca Mozartiana. Salzburg (AUT)</bibl>
        </srcDesc>
        <revisDesc>
            <change when="2024-07-01">last file update: <date>Mon Jul  1 11:03:03 2024</date></change>
        </revisDesc>
    </mupHeader>            
<text type="mobridoc" src="BD_1260.mup">
<letter bd="1260">
<HEADER id="1832">CONSTANZE MOZART AN BREITKOPF &#38; HÄRTEL IN LEIPZIG<lbr/>
WIEN, 18. OKTOBER 1799<lbr/>
Schreiber Georg Nikolaus Nissen</HEADER>
<pg n="1"/>
<ts>________________________________</ts><tshtm>_________________________</tshtm><tspdf>\hfill </tspdf><rend class="latin">Wien</rend> 18 Oct. 1799<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>hochstgeehrte <persName key="68045">herren</persName>,<lbr type="forced"/>
<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>zu meinem Erstaunen lese ich im <div type="commentary" xml:id="commentID1832_1">Frankfurter Statsristretto<lbr/>
ein Avertissement<lbr type="BD"/> dh<abbr type="curve">.</abbr>&#160;<persName key="52585"><rend class="latin">Gayl</rend> und <rend class="latin">Hedler</rend></persName> des Inhalts:<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>„daß ich Ihnen die Originalpartitur des <workName key="7373"><rend class="latin">Requiems</rend></workName> überlassen habe“<note corresp="#commentID1832_1">Im Avertissement der Musikaliehandlung Gayl &#38; Hedler vom 8. Oktober 1799
im <i>Frankfurter Staats-Ristretto</i> heißt es fälschlich:
"W. A. Mozarts Requiem in Partitur erscheint bei Herren Breitkopf &#38; Härtel ... 
nach der Original-Partitur, die Madame Mozart obiger Handlung überlassen hat." 
Constanze Mozart hatte Breitkopf &#38; Härtel aber nur eine Abschrift geliehen.</note></div><lbr type="forced"/>
Wenn Sie mich nicht wegen aller Forderungen des edlen <persName key="60396">Anonyms</persName>,<lbr/>
den ich<lbr type="BD"/> stets nach meiner Schuldigkeit respectirt habe, wovon auch<lbr/>
mein Brief<lbr type="BD"/>wechsel mit Ihnen, namentlich unterm <ref target="mid1815" type="mobri"><div type="commentary" xml:id="commentID1832_2">25 Mai<note corresp="#commentID1832_2">Brief vom 25. Mai 1799</note></div></ref> und <ref target="mid1817" type="mobri"><div type="commentary" xml:id="commentID1832_3">15. Jun.<note corresp="#commentID1832_3">Brief vom 15. Juni 1799</note></div></ref><lbr/>
zeugt, gänzlich<lbr type="BD"/> beruhigen können, so bin ich meiner Ehre wegen und<lbr/>
aus Pflicht gegen den<lbr type="BD"/>&#160;<persName key="60396">Anonymus</persName> gezwungen, eine Gegenerklärung<lbr/>
in alle Zeitungen, wo es nöthig<lbr type="BD"/> ist, einrükken zu lassen. Ich<lbr/>
kann begreifen, daß dieses Ihnen unangenehm<lbr type="BD"/> seyn wird, und<lbr/>
deswegen thue ich es ungerne, und nicht ehe ich Ihre Antwort<lbr type="BD"/><lbr/>
erhalte, wenn Sie mir sie bald geben. Auf alle Fälle ist es<lbr/>
noch überdem ja<lbr type="BD"/> ganz schnurgerade wieder die wahrheit, da? ich<lbr/>
Ihnen die <uu>Originalpar<lbr type="BD"/>titur</uu>&#160;<u>uberlassen</u> habe, bey welchem leztern<lbr/>
Ausdruk das Publicum und der <persName key="60396">Anonymus</persName> verstehen wird,<lbr/>
daß ich Ihnen das Werk verkauft und dem<lbr type="BD"/> Anonymus, der<lbr/>
es noch nicht erlaubt hat, also nicht Wort gehalten habe<lbr type="BD"/><lbr/>
Dieses müssen <u>wenigstens Sie</u> durch eine andre Anzeige in<lbr/>
allen Zeitungen,<lbr type="BD"/> worin die falsche befindlich ist, berichtigen.<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>Sie wissen den ganzen Zusammenhang sehr genau; doch<lbr/>
will ich ihn noch<lbr type="BD"/> wiederholen. Ich wollte <u>Ihnen</u> das <workName key="7373"><rend class="latin">Requiem</rend></workName><lbr/>
allerdings einmal verkaufen, aber,<lbr type="BD"/> wie ich Ihnen verschiedene<lbr/>
Male gemeldet habe, erst nachdem ich die Erlaubniß<lbr type="BD"/> des<lbr/>
<pg n="2"/>
<persName key="60396">Anonyms</persName> in den Zeitungen verlangt hatte. das Project<lbr/>
der Ankündigung<lbr type="BD"/> war schon entworfen: ich hole den Entwurf<lbr/>
aus meinem Pult und seze ihn<lbr type="BD"/> hieher:<lbr type="forced"/>
<tshtm>_____</tshtm>Da der edle Anonym, welcher dem sel. <persName key="39409"><rend class="latin">Mozart</rend></persName> wenige<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>Monate vor<lbr type="BD"/> seinem Tode den Auftrag gab, ein <rend class="latin">Requiem</rend> zu<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>componiren, solches<lbr type="BD"/> nach Verlauf von mehr als 7. Jahren<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>noch nicht hat öffentlich bekannt<lbr type="BD"/> werden lassen, so sieht die<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm><persName key="48818">Witwe</persName> dieses Verfahren mit Dankbarkeit<lbr type="BD"/> für einen<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>Beweis an, daß Derselbe ihr noch einen etwanigen Vortheil<lbr type="BD"/><lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>von der herausgabe gönnen wolle. Indeß hält sie es<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>zu mehrerer Sicher<lbr type="BD"/>heit für sich und als eine Folge der<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>Empfindungen, die Derselbe ihr<lbr type="BD"/> eingeflößt hat, für<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>ihre Pflicht, den edlen Mann in den Wiener, in den<lbr type="BD"/><lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>hamburgschen und in den Frankfurter Zeitungen<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>aufzufordern, ihr<lbr type="BD"/> Seine Gesinnungen innerhalb 3.<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>Monaten gefälligst zu erkennen zu<lbr type="BD"/> geben, nach welcher<lbr/>
<tshtm>_____</tshtm>Zeit sie es wagen wird, das <workName key="7373"><rend class="latin">Requiem</rend></workName>&#160;<u>in den sämt<lbr type="BD"/>lichen</u><lbr/>
<tshtm>_____</tshtm><u>Werken ihres Verstorbenen</u> herauszugeben.<lbr type="forced"/>
Nun aber meldeten Sie, daß Sie schon 2. Exemplare hatten, und<lbr/>
verlangten<lbr type="BD"/> nur meine Copie <suppl hand="self" pos="supra">zu leihen</suppl> wegen mehrerer Accuratesse<lbr/>
und aus <div type="commentary" xml:id="commentID1832_7"><rend class="latin">égard</rend><note corresp="#commentID1832_7">frz., Rücksicht</note></div> für mich<lbr type="BD"/> um mir einen Vortheil <w lemma="zuzuwenden">zuzu<pc force="weak">-</pc><lbr/>wenden</w>; wie ich Schwierigkeit machte, schrieben<lbr type="BD"/> Sie ausdrüklich<lbr/>
und ganz kalt, daß Sie meine Copie nicht brauchten. Da ich<lbr/>
Sie<lbr type="BD"/> nun zu der herausgabe so decidirt sahe, und Sie mir<lbr/>
gemeldet hatten, daß<lbr type="BD"/> Sie Copien, also mehrere hätten, so<lbr/>
<pg n="3"/>
entschloß ich mich, wo wieder der <persName key="60396">Anonym</persName><lbr type="BD"/> nichts haben wird oder kann,<lbr/>
den wie Sie wissen so sehr unbeträchtlichen<lbr type="BD"/> Vortheil für das<lbr/>
Leihen meiner Copie anzunehmen, lieber als gar nichts,<lbr type="BD"/> nachdem ich<lbr/>
aus schuldiger Gewissenhaftigkeit <suppl hand="self" pos="supra">in</suppl> 7. Jahren das werk nicht<lbr type="BD"/> öffentlich<lbr/>
herausgegeben, und es nur <div type="commentary" xml:id="commentID1832_5">an zwey oder drey regierende<lbr/>
Herren<lbr type="BD"/> überlassen hatte<note corresp="#commentID1832_5">Constanze Mozart hatte bereits im Frühjahr 1792 eine Abschrift des <i>Requiems</i> an den
preußischen König Friedrich Wilhelm II. sowie im April/Mai 1796 an
den Kurfürsten von Sachsen Friedrich August I. verkauft.</note></div>.<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>Daß ich Sie erst <ref target="mid1830" type="mobri"><div type="commentary" xml:id="commentID1832_4">den 29 Sept.<note corresp="#commentID1832_4">Brief vom 29. September 1799</note></div></ref> bat nicht bekanntzumachen,<lbr/>
daß Sie das <workName key="7373"><rend class="latin">Requiem</rend></workName><lbr type="BD"/> von mir (versteht sich eigentlich oder<lbr/>
ursprünglich) hatten, thut nichts; dies war nur eine<lbr/>
überflüssige Vorsichtigkeit. Ich hätte mich allerdings mit<lbr/>
dem<lbr type="BD"/> Gedanken beruhigen können, daß nichts, was mit der<lbr/>
Wahrheit streitet, be<lbr type="BD"/>kanntgemacht werden würde. &#8211; <lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>Ich benuze die Gelegenheit um Ihnen folgende<lbr/>
Sachen hierin zu senden:<lbr type="forced"/>
<rend class="latin">N.</rend> 1. zwey Lieder <workName key="5621">zur Eröfnung</workName> und <workName key="5622">zum Schluß der Loge</workName>,<lbr/>
die ich Ihnen zu<lbr type="BD"/>sammen für drey Ducaten überlasse<lbr type="forced"/>
<ts>___</ts>2. eine Arie (mit vorangehendem <rend class="latin">Recitativ</rend>) <workName key="1875"><rend class="latin">Quaere superna</rend></workName><lbr/>
zu dem be<lbr type="BD"/>wußten Gebrauch fur einen Ducaten, und<lbr type="forced"/>
<ts>___</ts>3. <workName key="4784"><rend class="latin">V'amo di core</rend></workName>, zu beliebiger Vergütung, wenn Sie es brauchen können.<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>Und dieses sind denn <u>sicher</u> die lezten aller kleinen Singsachen<lbr/>
bis auf die<lbr type="BD"/>&#160;<rend class="latin">Canzonetta</rend>: <workName key="6308"><rend class="latin">Più non si trovano</rend></workName>, die ich Ihnen den 28<h><u>stn</u></h><lbr/>
August anbot, und<lbr type="BD"/> diejenigen von denen ich Ihnen unter demselben<lbr/>
Datum meldete, daß ich sie<lbr type="BD"/> aus den angeführten Ursachen nur<lbr/>
<u>stükweise im Original</u> senden könnte.<lbr type="forced"/>
<ts>_____</ts>Ich habe die Ehre mit aller hochachtung zu seyn Ew<lbr/>
Hochedelgebohrnen<lbr type="BD"/> ergebenste Dienerinn<lbr type="forced"/>
<ts>_______________________________</ts><tshtm>______________________________________</tshtm><tspdf>\hfill </tspdf><div type="commentary" xml:id="commentID1832_6"><persName key="48818"><rend class="latin">Constance Mozart</rend></persName><note corresp="#commentID1832_6">eigenhändige Unterschrift</note></div><lbr type="BD"/><lbr type="forced"/>
<conv><u><rend class="latin">verte</rend></u></conv><lbr type="BD"/>
<pg n="4"/>
Ihre bestimmte Schuld an mich war nach meinem<lbr/>
lezten briefe <tshtm>_____________________________</tshtm><line w="5em"/>&#160;<tspdf>\hfill </tspdf>15 fl. 27<h>x</h><lbr type="BD"/><lbr type="forced"/>
Porto für meinen lezten <ref target="mid1831" type="mobri">brief vom 10 Oct</ref>&#160;<line w="1.5em"/>&#160;<tspdf>\hfill </tspdf><u><ts>____</ts>49<ts>___</ts></u><lbr type="BD"/><lbr type="forced"/>
<ts>__________________________________</ts><tshtm>__________________</tshtm>Macht <tspdf>\hfill </tspdf>16 fl. 16<h>x</h><lbr type="forced"/>
<lbr type="forced"/>
<rend class="latin">NB</rend> Ich wohne izt auf dem Michaelerplaz N. 5. im 3<h><u>tn</u></h> Stok<lbr/>
<lbr/>
<add_empf impl="ink" rot="270">
<u>1799.</u><ts>_________</ts><u><rend class="latin">Wien</rend></u><lbr/>
<u>18 <rend class="latin">Octb.</rend></u><ts>______</ts><rend class="latin">Mad. Mozart</rend>.<lbr type="forced"/>
<u><ts>__</ts>&#8211;<ts>__</ts></u><lbr/>
<u><ts>__</ts>6 9<rend class="latin">br</rend></u></add_empf>
</letter>
</text>
</MUP>