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Mailand 5
May 1838.
Vielgeliebter, Schätzbarster Freund!
Eine Unpäßlichkeit hat mich gehindert Ihren
lieben Brief

früher zu beantworten.
Meine überhäuften Beschäftigungen in diesen
Tagen um das Versäumte nachzuholen mögen
mir bey Ihnen sowohl als bey H
ς. Intendenten
v: Küstner zur Entschuldigung dienen daß ich in
gegenwärtigen Zeilen die Antwort auf beyde
Briefe vereinige. Der Einschluß an
Hς. Pixis
ist von mir allsogleich, und zwar mittelst
des einfachsten jedoch sichersten Mittels –
nemlich der Briefpost – nach
Piacenza, – 10
Meilen von hier – befördert worden; woselbst
M:lle Pixis gegenwärtig
engagirt ist. Der Erfolg
in beyden bis jetzt dort gegebenen Opern war
dem Vernehmen nach nicht günstig, nicht allein
für diese unsere Landsmännin, aber auch
nicht für die andern Mitwirkenden. – Die erste
– wenn ich nicht irre, war
Gabriele di Vergy von
Mercadante – gegenwärtig ist die
Sonnambula in
der
Scene – aber durchgehends in tieferen
Tonarten versetzt. – Die letzte Scene hat
M.
Pixis auch in der
Scala bey Gelegenheit des
Benefices
des Wittweninstitutes vorgetragen – doch ohne
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Effekt – Ich darf mein Urtheil über diese
junge Künstlerinn Ihnen um so freÿer
äußern, da Sie es gewiß bey sich bewahren
werden, und ich übrigens nicht in persönlicher
Bekanntschaft mit ihr stehe. – Meines
Erachtens nach ist
Mle Pixis eine sehr
brauchbare
acquisition für ein deutsches
Theater – aber in Italien befürchte ich
wird sie sich nie auf eine bedeutende Stufe
zu schwingen vermögen, da nicht allein ihre
Mittel zu beschränkt sind, ihr aber auch diese
Lebhaftigkeit, diese Leidenschaftlichkeit gebricht,
welche für Parthien die einer
prima
donna aufgebürdet werden, unentbehrlich
ist, und von den Italienern auf einen
Punkt gefordert wird der nahe an
exage-
ration 
steht. – Ein zu ruhiger farbenloser
Vortrag findet keinen Anklang bey einem
Publicum welches in
enthousiasmus versetzt
werden will. – Hier sang
Mle Pixis unentgeldlich
um sich bekannt zu machen, und erhielt einigen
Beyfall in der
Cenerentola – oder eigentlich im
Rondò 
– denn
nel resto dell’Opera 
war sie
zero 
. – Ganz anders verhält es sich mit
Made
Pareba, welche mit günstigern Naturgaben
viele Kunstausbildung vereinigt, und für
den Mangel an etwas seelenvollere Darstellung
schadlos hält. Dieselbe hat in
Pavia mit
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ausgezeichnetem Beyfall – den
Pirata –
i Capuleti – ganz besonders
aber die
Puritani
gegeben. – Sehr bedauernswürdig ist es so talentvolle
und schätzbare Personen mit so drückenden Um-
ständen ringen zu sehen aus welchen sie bis jetzt nicht
vermögen sich herauszuziehen. Gott weiß in welche
äußerste Noth sie diesen Winter versetzt worden
wären, wenn nicht glücklicher Weise
Hς. Parepa
als Arzt zu einem Engländer berufen worden
wäre, den er aber nicht retten konnte. Die
Scrittura in
Pavia fruchtete ihnen kaum 190 Gulden
und das ohne Ersatz der Reise, Wohnungs und
Zehrungskosten. – Nun sitzen sie hier seit 2
Monaten und harren, mit der Noth kämpfend.
Die Frau härmt sich ab und ist häufig unpäßlich,
Folge des Grams. – Wir sind hier in Italien
mit jungen
prima donnen überstömt,
und die Theaters sind nicht in proportionierter
Menge, heuer besonders wo die meisten sich für
die Ankunft des Kaisers aufsparen. Dennoch
sagte mir gestern
Micheroux der Sie Alle
freundschaftlich grüßt, daß
Made Parepa einige
Hofnung
habe einen – jedoch kargen
Contract für eines
der kleineren Theaters in
Venedig zu erwirken.
Gott gebe es! – Meine überstandene Unpäßlichkeit
ist Schuld daß ich diese guten Leute seit längerer
Zeit nicht besucht habe, nehme mir aber vor
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es in diesen Tagen zu thun – jedoch werde ich nicht
den Muth haben diesen Armen – in ihrer
gegenwärtigen mislichen Lage, ihre Verpflich=
tungen gegen
Hς v. Küstner in Erinnerung
zu rufen, und vieleicht hat auch Dieser einige
Nachsicht wofern es ihm möglich. – Ich theile
mit den Meinigen die wärmste Erkenntlich=
keit für alle Bemühungen welche und
protection
mit welchen der gütige H
ς v. Küstner die Vorstellung
auf Ihrem Theater zur Beförderung des
Monuments
meines
Vaters begünstigte.

– Dies liegt nun ver=
muthlich im weiten Feld in Folge der
desastres
in Ungarn.

– Wir Mailänder verdanken
dieser
catastrophe das Vergnügen die
Jahrs=
zeiten von
Haydn Morgen im
Conservatorium
zu hören.

–
Madame Fenini verheyrathet sich
in diesen Tagen mit dem einen ihrer 3 Begleiter,
dem Grafen
San Giuliani. – Werden
Sie mein Gewäsch lesen können? – Ich schreibe in der
größten Eile – und überdies in einer
Sprache deren ich – wie Sie wißen, entwöhnt
bin. – Empfangen Sie meine herzliche
Umarmung, mit den innigsten Wünschen
für das Wohlseyn Ihrer ganzen Familie. Erin=
nern Sie mich Ihrer werthen, mir so gütigen Frau
Gemahlinn, und einen Kuß meinem lieben
Mailänder 
–
Hector.
ad Ihr
Mozart.