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Eine merkwürdige Stelle aus Zimermanns'
Schrift über die Einsamkeit (Th III S 46),
     Wir träumten von nichts als Aufklärung –
– und glaubten durch das Licht der Vernunft die
Gegend so aufgehellt zu haben, daß die Schwär-
merey
sich gewiß nicht mehr zeigen
werde. Allein wir sehen, schon steiget von der
andern Seite des Horizonts die Nacht mit allen
ihren Gespenstern wieder empor. Mit Schreckς
sieht man, daß das Uebel so thätig und durch-
greifend ist, daß die Schwärmerey imer wirket,
und die Vernunft nur spricht. Mit Unrecht glaub-
te Lord Schaftesbury, Witz und Laune seyen die
kräftigsten Gegenmittel wider den Fortgang
des schädlichen Aberglaubens. Blosser Scherz
vertreibt das Vorurtheil nur zum Scheine. Aus
Furcht, verspottet zu werden, sucht man höchstens
seine Alberheit zu verheimlichen.
 Man spottet
wohl selbst mit, wo dieser Ton herrschet; und
ist in seinem geheimsten Schlafgemache,
wie ich Beyspiele gesehen, nichts destoweniger
Verführter oder verführender Schwermer.

So, schreibt Zimermann 1786, schilderte mir ein
Mann, wie es in der Welt nicht viele giebt
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ganz neuerlich die Lage der Vernunft
in vielen sehr aufgeklärten Städtς des
protestantischen Deutschlands. – Ein
Wort der Zeit, fiat applicatio