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Es ist wirklich einmahl Zeit,
dß ich mich Ihnen, ins Gedächtniß zurück rufe – Ich fühle recht lebhaft,
wie sehr ich gegen Sie im Unrecht bin, und dennoch gestehe ich aufrichtig,
dß mein böses Gewissen, mich vielleicht noch länger abgehalten hätte, mein Unrecht
wieder gut zu machen, und
dß ich daher recht froh bin, eine Bitte an Sie zu haben,
die durchaus keinen Aufschub leidet, und folglich alles zurück drängt, was das böse
Gewissen,
allenfalls mir einflüstern möchte. – Schon seit vier Jahren wünsche ich mir recht
sehnlich
ein Patent F. p. in Flügelform, und konnte mir noch immer diese Freude nicht machen,
weil ein
Grefisches F. p., das ich für jemand anderen bestellt hatte, mir auf dem Hals blieb.
Ich hoffte immer es, wenn auch mit einigem Verlust, an Mann zu bringen,
aber hier wollen die Leute nur wohlfeile, wenn auch schlechte Instrumente,
und so war ich erst in dieser Woche so glücklich mein F. p. zu verkaufen.
Ich ersuche Sie also mich baldmöglichst meines Wittwenstandes zu überheben,
und mir um den möglichst billigsten Preis, einen Patentflügel, mit Hammerschlag
von oben, und da es zu meinem eigenen Gebrauche bleibt, meiner Spielart angemessen
| versteht sich zum Concertspiel | zu schicken. Holzgattung-Nußbaum, und Umfang 6
1⁄2 Octave.
Ich kann Ihnen nicht sagen, mit welcher Sehnsucht und Ungeduld, ich Ihrer geneigten
Antwort,
und der Absendung meines Claviers entgegen sehe. –- Wie geht es Ihnen, und Ihrer
Frau Gemahlinn?
Was machen Ihre
Kinder und Enkel? empfehlen Sie gütigst allen auf das freundschaftlichste. Ich war vorigen
Winter
viel leidend, hoffe aber diesen Winter besser zu widerstehn, weil ich im Sommer durch
eine Bade- und
Wasser=Kur sorglich vorgebaut habe. Ganz haben mich meine rheumatischen Schmerzen
zwar noch nicht verlassen,
aber ich fühle mich doch bedeutend besser, und bin gesonnen, nöthigen falls, künftigen
Sommer nach Baaden
zu gehen. – Neues im Musikfache weiß ich von hier nichts zu schreiben, als
dß
ich an einem Clavierkonzerte

arbeite, wieder eine Ursache mehr, mich nach einem guten Clavier zu sehnen.
Leben Sie recht wohl, und erinnern Sie sich bald thätigst Ihres dankbaren Schülers
und Freundes
Mozart mp
Sagen Sie dem
Baptist, daß ich recht sehr bedaure, ihm nur ein Rasiermesser gestohlen zu haben,
denn seit meiner Abreise von Wien

, bediene ich mich nur dieses einen, und zwar immer mit Bangen,
dß
es sich einmahl verderben könne. Meine Empfehlung an
H. v. Pauer, und Ihre
Schwiegertochter,
so wie an alle die sich meiner erinnern,
H. v. Metzler und
Schramm nicht zu vergessen.