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Podkamien den 8ten februar 1810
Schätzbarster
Freund!
Ich war so glücklich, vor einigen Tagen, Ihren liebenswürdigen Brief

zu erhalten.
Es tut mir nur leid,
dß ich Ihre Fragen

nicht selbst habe beantworten können, da dieses aber,
wie ich hoffe, von meiner
Mutter, mit möglichster Genauigkeit geschehen, so schmeichle
ich mir, daß die Unmöglichkeit Ihnen selbst zu dienen, mir Ihre fernere Freundschaft

nicht entzogen hat. –
Hat Ihnen
Herr Griesinger, dem ich Sie bitte mich vielmahls zu empfehlen,
nie gesagt, daß ich nicht mehr in meinem lieben Wien bin? schon seit October 1808
bin ich in Gallizien, auf
dem Lande, welches Land aber freylich, nicht mit den reizenden Umgebungen Wien's zu
vergleichen ist.
Dennoch habe ich mich schon ziemlich an meine neue Lage gewöhnt, und würde vielleicht,
den komischen
(und in der That ziemlich merkbaren) Contrast, zwischen Wien, und einem öden pohlnischen
Dorfe, nicht so sehr fühlen,
wenn ich hier, nicht das Vergnügen, meine Freunde zu sehen, gute Musik zu hören, und
sowohl von meiner Kunst,
als von den schönen Wissenschaften überhaupt handelnden Blätter zu lesen (wie Ihre
Geistesproducte)
gänzlich entbehren müßte. ...
Ich ersuche Sie, mich bald in meiner Einsamkeit durch Ihre geneigte Zuschrift zu erfreuen,
und mich stets in ihrem werthen Andenken zu erhalten. Ihr ergebenster Freund und Diener
W. A. Mozart
Adresse: WM chez Monsieur le Conte
Victor Baworowski, par Leopol, Strzeliska a
Podkamien
Die junge dänische Dame,
Madame Wehstig die Sie immer, in unseren Abendgesellschaften

fanden, ist während des Aufenthaltes der feindlichen Truppen in Wien

, gestorben.
Herr Werner bitte ich zu grüßen, und zu sagen, er soll sich bald auf einen langen – langen Brief

,
von seinem Freunde
Mozart gefaßt machen; auch darf Er mir keine Vorwürfe wegen Faulheit
machen, denn er hat mir versprochen, zuerst zu schreiben.
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An Herren Herren Cammer-Rath, Carl Bertuch. Weimar. in Sachsen.