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um kurz zu sein schicke ich
dir den Brief

deines
Bruders, daraus sihest du daß er leider noch
nicht wie du glaubstes bey mir ist; freülich schrieb ich in meinem ersten Briefe an ihn

, daß
meine geschäften, schon durch meinen guten forsichtigen
gatte keine hülfe braugen in dem alle
möglich Briefe und alles was ich zu thuen habe von seiner theüern hand geschrieben,
und
ich folglich sie nur ab und unterschreiben darf. wie du mein lieber
Karl im grenen
Buche

gesehen haben wirst, allein es giebt noch so viele andere geschaften die
mir meinen lieben
wowi höchst nothwendig machen, und ich schreibe eben deswegen
auch heute schon an ihn, und nehme keinen anstand, ihm zu sagen, daß er alles
stehen und liegen laßen soll um sich zu mir zu beEillen, um so mehr da es gewiß
auch zu seinem vortheil sein wird: über dies habe ich ihm auch einen guten
weg beim
Erzbischof gebanth der mir ganz freumüthig sagte, als ich ihn
Bath meinem
sohn eine anstellung als kapellemeister in
Dom zu geben, mir
also ganz freumüthig gesagt: daß er einen solgen man nicht gehörig besolten
[... (Adresse des Briefes von Franx Xaver Wolfgang Mozart an Constanze Nissen, den
diese an Carl Thomas weiterleitet.)]
könne. worauf ich auch so freumüthig war ihm zu sagen; ob er den nicht dem
keyser daß vorstellen könnte. worauf er mir wieder sagte ich werde es
überlegen und thuen was ich ka
n. – mir scheint daß diese aussichten mehr
werth sind als diese in dem mir verhasten
Lemberg; – mein Plan wo ich
künftig leben werde liegt noch in gottes hand, ich werde mich in seinen heiligen
willen mit demuth ergeben, und so werde ich mit seynem himlischen Seegen
doch auch noch glücklich werden. und nun lebe wohl und sey versichert daß ich
stets sein werde deine danckbare Mutter
Constance Nissen gewesene Mozart, so unter=
schreibe ich überall weil mir diese Nahmen all zu theüer sind und ewig bleiben wer[den.]
ich bitte dich also mir imer unter dieser
adrsse
und nie mehr an
Hς von Metzger oder sonst an
jemand zu
adressiren unter dieser
adresse
laufen alle meine Briefe sicher ein
auch kennt man mich all zu gut
auf der post.
deinem
Bruder schrieb ich daß er dir
noch for seiner abreiße von L. schreiben
soll. und so hoffe ich nichts vergeßen
zu haben. allein. es thut mir sehr leid
daß
andré der so groß müthig
gegen Euch Verfährt nicht schon lange
einen ihm gebührigen brief

erhalten hat.
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adieu Küße
Mutter und
Tochter für mich.
in zeit von höchstens 3 wochen hoffe ich
wowi für
Euch alle küßen zu können o wie will ich mirs schmecken laßen, werweiß ob
ich nicht machen ka
n, daß Ihr alle beim Leichen zuch

der gewiß feyerlich aus=
fallen wird gegenwärtich seit
dem guten
Vater die letzte Ehre im grabe zu beweisen, daß würde ein trjumpf
für mich, und ich bin gewiß daß man in zeitungen da von schreiben würde. #
[... (Brieftext von Franz Xaver Wolfgang Mozart an Constanze Nissen, die den Brief
an Carl Thomas weiterleitet.)]
mit deinem
Bruder wird alles abgemacht werden, und ist er meiner Meinung so
must auch du dabey sein, so ist das von gott geseegnete Kleeblatt beisamen.
gott welch schöne zukunft mahle ich mir da, doch sage ich mir so wie in allen dingen
Herr Dein wille geschehe! –