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No 77
Mailand 15 Mai 1856.
Mein werther Herr Mozart
Hauptsächlich wollte ich Ihnen den Artikel über die
Stella del Nord
schicken, den ich ganz gut entbehren kann.
Wir haben oft Ihrer gedacht u. sind begierig wie es Ihnen
draus geht, das Wetter scheint beinah weniger schlecht hier wie
auf dem Land, wo man auch wohl den ganzen Tag darüber
klagen wird. Von den Freunden die hier zum Besuch gewesen
haben uns die
Sposi von Elberfeld heute früh verlassen,
Andere sind noch erwartet, allein ich denke wir wollen die
Reise nach Wien nicht länger aufschieben, sondern ehestens
gehen um so schneller wieder retourniren zu können. Die
Fellner Muraransche Familie ist auch wieder auf der Abreise,
sie waren einen Tag am Comersee, den lago maggiore zu
besehen, hat das Wetter abgehalten
Ich hatte heute früh Gelegenheit Herrn
Wagner in
Bassano Pavone zu sehen u. sprach mit ihm von Ihnen. Er
klagt über Gichtschmerzen, da rieth ich ihm
Stabbio an, w[enn]
er es gebraucht könnten Sie öfters zusa
menko
men.
Ubermorgen sollen die
due Regine in iscena gehen,
die
Stella zieht Niemand mehr an. Heute ist Schluß im
französn Theater, was sich gut durchgefochten hat.
Meiner Frau geht es jezt auch ganz ordentlich und
sie läßt bestens grüßen; und ich thue deßgleichen Ihnen
Wohlseÿn wünschend.
G Mylius.
Sollten Sie mir schreiben, so sollte es baldigst geschehen
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Signor Carlo Mozart
Como
per Caversaccio
provincia Varese
MILANO
15⁄5