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             Wien am 26. july, am 16t geburztage deines Bruders
Liebster Karl!
No 92
                                                       
(1807)

Mit dem gemmenhandel werde ich mich wohl nicht abgeben können. sind
es anticken oder sind es neu gemachte? Im ersten falle würden sie
sehr kostbar seyn; von der zweyten art giebt es hier genug. Eine
zur Probe zu schickken, sagt Man mir sey nicht genug, und
ein Packet zu schickcken, wäre zu viel und zu verantwortlich.
Ich könnte weiter nichts thuen als sie einem Kunsthandler
anzubieten, aber dazu mußte ich ihm Probe zeigen können.
Es thut mir sehr leid, daß Pinali sich mit dir entzweyt hat
und es soll mich herzlich freuen, wenn du wircklich keine
schuld daran hast, da du ihm so große Verbindlichkeiten
schuldig bist. dieses mußt du ja nie vergeßen, und ihm
dafür dankbar bleiben und nur mit achtung
und Bedauren ihn verloren zu haben, von ihm sprechen.
dadurch erwirbst du dir selbst achtung von allen leuten,
deren achtung wunschens wert ist, und kanst ihn so gar wieder
gewinnen. Es ist ein häßlicher und trauerigen anblick, wenn
Freunde sich entzweyen, Besonders wenn der eine ein wohl=
thäter des andern war. So wie Pinali mir schrieb, daß du
aufgehört hättest fleißig zu seyn, daß er in deinen augen
gar nichts gölte, daß du keinen freundschaftlichen Rath von
ihm annähmest, daß er gar keinen Einfluß mehr auf
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Dich hatte, mußte ich dich verurtheilen und dich des gar
Bösen lasters der Undanckbarkeit schuldig halten. da
nun aber asioli mir das gegentheil schrieb, so will ich
es glauben und mich herzlich darüber freuen Cultivire
nun den würdigen asioli, dem du deine ganze zukunft zu
dancken haben wirst um so viel mehr.
Nach deinen Briefen muß ich glauben, daß viele an mich
verloren gehen asioli meldete, du mußtest mir von
Pinalis betragen geschrieben haben; aber ich habe nichts
erhalten, und es war schon oft der fall daß du dich
auf Briefe berufen hast, die mir nie zu gesicht kamen.
Ich will nicht zweiflen, aber warum geschihet es mir nur
mit deinen? – Trage deine Briefe selbst auf die post.
Du wilst wißen wie mir Ines de Castro gefällt? ganz und
gar nicht so viele Mühe sich auch Madame Sesi od Md Nattorp
dabei gab; dagegen gefühl mir adelasia von Maier
ganz wohl, und ich muß bekennen, daß ich lange von idaljenn
keine so gute Musique gehört habe. orazier sind nicht ge[=]
geben worten; zu Ende dieses Monats hören die welchen
operen ganz und gar auf, und wir verliren dadurch
die so brave Sesi, die ich so gerne höre. adieu lebe wohl
vernünftig und fleißig, schreibe mir nicht so selden,
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und sage mir doch einmahl welchem fache in der Musique
du dich wiedmest; und mache, daß ich doch einmahl etwas
von dir zu gesicht bekome. und kanst du mir mit dieser
gelegenheit vieleicht einen feinen schönen stroh huth der
nicht gar zu theüer ist schicken so wirst du mir eine
große freude machen; aber er muß ja schön gelb
und fein seyn, und damit du es weist der unter[=]
schied im stroh ist sehr groß, es gieb sehr schön gelbes
und auch schwarz gelbes, welches ich nicht mach. es
muß gold gelb seyn, hier kost ein solcher huth 20 f auch
30 f solten sie in Mailand auch so theuer seyn, so will
ich keinen, und mir meinen gusto vergehen laßen.
auf 10 bis 12 f wolte ich mich einlaßen den die
Mauth würde mich auch was kosten. hast du gar nicht
mehr von Nattorp gehört? adieu Ewig deine dich sehr
liebente Mutter.

Hirinen findest du die gewöhnliche anweisung:
sie ist
dies Mal auf 40 fl.
Am 11. Jul. habe ich, deine Mutter, dem
ehrwürdigen Asioli auf seinen lezten Brief
geantwortet. Ich höre durch dich nichts mehr von dem
guten Grafen Baldasseroni: empfiehl mich und Nissen ihm; hat
er die 40. fl. bezahlt, die er mir schuldig ist? C. N.
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