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Salzb
ς dς 6
tς Octob
ς. 1785
Nun hoffe zu Gott, daß einer meiner grossen Verdrusse
abgetha
n ist. Die Monica mag die Geschichte zwischς der
Nandl und ihrer Schwester erzehlen, mir würde es zu
lang alles zu schreibς. die Nandl bleibt nun ganz da, und
ko
mt gar nicht zu ihrer Schwester. übrigens lasst es euch
zur allgemeinς Regl gesagt seÿn, – alle Menscher
lügen,
und setzς was dazue, odς – nehmς was davon, wie es
zu ihrer Absicht taugt. Man muß ihnς in dς That nichts
glaubς, was zu ihrer aigenς Lobserhebung, odς einiger
Einschmeichlung durch Geschwätz etwas beytragt:
de
n das sind sicher
Lügen! da ich nichts rede; nur
höre; keine Antwort gebe; mache ich, daß sie nie wissς,
woran sie sind. und so entschied sich dς Handl von selbstς.
Ein paar ernsthafte Worte die ich sagte.
Das Kind
muß versorgt seÿn:
ich muß wissen, woran ich bin;
Sie könς die Monica nicht imer herin lassς.
ihre Schwester kan iemand andς nehmς.
Hiemit: Holla!
sonst gehe zum StattSyndicς. –
Da
n der Nandl Schwester hatte sichs schon vor 14 tägς
in den Kopf gesetzt, daß sie zu ihr gehς sollte, und itzt
ist sie noch nicht niedergeko
mς. genug! Nun ist allem
Streit ein Ende gemacht.
die 4 Leichter habe das Loth
à 1 f 27 Xr verkauft, hier
folgt das Geld. – hab ich recht getha
n odς nicht? –
ich wollte die Gelegenheit nicht auslassς, – ich musste mich
also gleich entschlüssς. Hier folgς auch meine Auslagς.
Ich wollte das Geld für die Leuchter ganz schickς: allein
ich überlegte es wäre besser gleich solches abzuziehς, um
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es nicht wiedς hereinschickς zu därffς. Ich werde vielleicht
nach und nach etwas vom Silber anbringς, die Hagenauer=
tresel hat etwas ausgefundς. hoffe also Nachricht,
wie mich zu verhaltς habe. – Von Hof giebts keinς
choccolate zu kaufς, das Loch ist aller Ortς verre
nt.
dieser
choccolate à 1 f 15 Xr macht keine Hitzen da
er im wasser gesottς wird: Er hitzt nur we
n man
ihn, wie das Brod, stückweis ist. aigentlich hitzt
nur dς
choccolate der 2 f 30
X u 3 f kostet, wegς
dς vielς
Vanillia. Und überhaupts nehme ich niemal
ein ganzes Ziegerl auf einmahl. man kan iedes
Ziegerl in 3 Theile abschneidς odς zertheilς, und 2 Theile
auf ein
portion nehmς, so hat man mit
2 Ziegerl für
3 täge genug, das ist wirtschaftlich, folglich für die
physicalische und moralische Hitze gesorgt, da es nicht
so viel kostet als dς
Coffée, weil ein Ziegerl nicht auf
4
X 3 Pfe
ning ko
mt, und ist gesündς als der Coffeé.
Der Leopoldl ist, Gott Lob, gesund, das wird die
Monica gesagt habς. die Fr:
Zezin hat uns eben
itzt besucht, das ist
den 7tς. um 10 uhr morgens;
sie empfehlt sich. Gestern um
4 uhr war
Seildanzereÿ, – und um
halbe 7 uhr Feuerwerk, beydes
hintereinandς auf der So
merreitschule. Ich sehe solche sachς
nicht, brauch das Geld nothwendiger.
Fürst
Baar, – Gr: Gundacker
Colredo u sie sind hier,
sonst niemand. der RanftlSohn
P: Rupert ist
am Faulfieber im Frauς
Chiesee, wo er Caplan war,
gestorbς: war erst 35 jahr alt, bis man einς
Doctor
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habς konnte, hatte das übl schon über Hand geno
mς.
Nachmittag.
Itzt bracht mir der Both den Brief, und
den recht schönς
Fisch, wofür dem h
ς: Sohn sehr danke, die Nandl spitzt
auch schon das Maul auf ein bröckl davon.
wie hat de
n der Köchin einfallς kö
nς zu sagς, daß man den Leopoldl
auf Teresia hinausbringς wird? das wird wiedς eine
Spiritosa
inventione von dς Monica etwa gewesen seÿn, um die Köchin
zu trösten, daß sie bald nachko
mt. das kostet die Menscher
keine Mühe ein andς etwas vorzulügς.
der Ma
n, der dς Köchin Vass hinausführς sollte, hat sich nicht mehr
sehς lassen: – die Monica wirds schon gesagt habς; die Leute ent=
schuldigς sich, sie wärς ohnehin schon schwer beladς. der Hi
mel weis
wie wir all dieses Zeug hinausbringς.
Seit gestern warte i
mer auf die Zurückkunft des Amtma
ns
und seines Weibs. Ich hab alles, –
chioccolate, Limoÿ,
Geld
p: alles bereitgehaltς: und kein Mensch ko
mt zum
Vorscheine. – ko
mς sie bis morgς frühe nicht, so übergieb
ichs dem Bothς, vielleicht habς sie einς andς Weeg geno
mς,
und ko
mς über Monsee nach Hause.
Die Bretter zu den Rahmς hättς diese Dultzeit manchmahl
kö
nς hereingeschickt werdς, weil der kössler, beckς und
kramer herin warς. – ich werds wohl selbst abhollς müssς.
We
n h
ς: Egedacher nur seine Orgel fertig hätte, da
n ko
mt
er gleich hinaus. ich werde wiedς mit ihm redς.
Hab ichs euch geschriebς, daß der Kranke Obersthofmeister
auf seine Herrschaft nach
Deutschmetz hineingereist ist?
daß er glückl: nach Insprugg geko
mς, ist schon Bericht da: ob er aber
durch diese Reise nicht sehr kränker wird? – ob ers ganz aus=
haltς ka
n? – oder obs wohl möglich ist, daß er beÿ dieser
abnehmendς Jahrszeit, sogar eine Besserung zu hoffς hat? –
das weis der liebe Gott! er hatte einmahl die erstaunlichste
Sehnsucht, und unwiderstehlichς Trieb zu reisen:
e questo basta!
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Was den Schmuk anbelangt, ist weiter nicht mehr wedς daran zu
denkς, noch weniger davon zu reden; nur dient es zur warnung
für zukünftige derleÿ Ereignissen. Übrigens wisst ihr desswegς
den Werth des Schmuks nicht mehr und nicht weniger, de
n ich
hatte ihn schon beym Mayer und Neiner schätzς lassς. – Es bleibt
i
mer richtig, daß man frohe seÿn muß, we
n er ohne Nadl
um 1000 f weggeht, weil zu einer solchς sache wenig käuffer sind,
und das darauf todliegende
Interesse den Gewi
n auffrisst.
Als ich euch darum schrieb, war nur dς Münchnerjude beÿ mir
um solchς zu sehς. – als ich wusste, das dς Wienerjude auch da war,
da
n gieng ich zum Traubςwirth, und sagte es beÿdς: sie kamς also
beyde, und das war in
dς erstς Hitze vor dς
Licitation. der einzige
Vortheil möchte seÿn, daß beyde um
den Schmuk wissen und
kenen, im Fall sie etwa solchς benutzς odς mit Vortheil
zu verhandeln eine Gelegenheit findς.
Daß die Poln
ς: Haube dir gefällt, ist mir sehr lieb, sie ist auch
wirkl: schöner als der Fr:
v Amand ihre Haube:
und 16 Xr macherlohn!
Mit der Huberna
nerl werde von einem und dem andς redς. das
Leibl habe schon beko
mς. – die Nandl sagte mir die Huber=
na
nerl wolle auf Theresia nach St: Gilgς reisen.
Mit den Erbsen, linsen, und Fisoln weis der liebe Gott was zu thun ist.
dieser Lumpensack fasst alles dieses Zeug nicht. und ists nicht
zum todlachς, da du schreibst ich solls vorhero in Papier einmachς:
10 Massl Erbsen, ein ganzes Schafflvoll in Papier einmachς? – –
4 Massl Linsen in Papier einmachς? – we
n dus siehst, wirst selbst
darüber lachen. – der Hi
mel gebe mir einς gutς Gedankς ein,
de
n Polster und kissenzieher ka
n ich doch auch nicht nehmς und zu
grunde richten. Die Nandl und Tresel empfehlς sich, und
vom Leopoldl soll ich ein Lacherl |: ò du Lacherl! :| schreibς, das er
euch schickt, er befindet sich wohl und spaziert aufgelokt ebς im Zi
mer
herum. Nun küsse euch alle von Herzς und bin dς alte redliche Va
ς Mozart
mp
den 8tς Morgens.
Du hast vergessς, daß dir die Nandl schrieb, ob ihr nichts altes zu
unterleglen habt: durch das oftere waschς, werdς diese ohnehin
alte fetzς, die du als bauschς hattest, ohnbrauchbar, de
n man
ni
mt oft 3 schlechte unterlegl noch dazu, damit es nicht so durch
geht auf die Polster.
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