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Wien dς 25
tς am Charfreÿtag
1785
Eben itzt da ich schreibe wechselt das Wetter mit So
nenschein und starkem
Schneÿen ab: vor einigς tagς hat ja
merlich geschneÿt und gestöbert, und
da
n mit einem hellen tag abgewechselt, wo die Strassς, wie ums neue
Jahr vest zugefrohrς warς: kurz! man glaubt am Sontage den Wein=
nacht tag und nicht den ostertag zu habς; und es geht die Rede, daß
die Herrschaft am Ostersontag, wegς der Seltenheit, eine Schlittenfahrt
haltς wollς. Ich wünschte ein gelinderes Wetter, um abreisen zu könnς,
de
n beÿ so einem Wetter wollte ichs nicht wagς. Ich habe den
Copisten ins Hauß bestellt, der itzt wirkl: an dreÿerleÿ
Variationς
für dich schreibt, die ich bezahle. da
n werde treibς, daß die
Cadenzen be=
ko
me: werde auch was gestochς ist, kauffen. den h
ς: v Derer habe
hier auch angetroffς, – ein h
ς: v Franciscis dς beÿ dς
Artillerie ist,
und vor 6 Jahr
Collegiant war; einς jungς Sohn des h
ς: Prof
ς: Stein=
hausers. Künftigς Ostermontag werde ich und dein Brudς beÿ
h
ς: advocat Raab |: der Mitzerl vetter :| speisen: ich denke nun
ich werde das Hauß nicht mehr lange bewohnς, da
n, so viel ab=
geno
mς, wird er, nach einiger Zeit, seine
advocatur aufgebς,
und sich nach Salzburg ziehς, um alda in Ruhe mit seiner Frau
u
kindς zu lebς, ob er gleich ein junger Ma
n ist, so ist er der
advocatur, der Schindςeÿ und aller neuς Einrichtungς Müde,
da man ihn, wie höre, durch seine Sparsamkeit und das
Vermögς, das seine kleine bucklichte Frau hat, und noch erben
wird, auf
mehr als 100 000 f schätzt, da er doch noch auch von
seinem vatter seiner Zeit etwas erbet, der als Weinhändler in
Matthausς sehr gut steht. Sollte nun sich dieses seiner Zeit eraignς,
so gedenke ich die Wohnung im
Alberti Haus zu nehmς, wo ich
damals die Marchandischς
Logiert hatte.
Madame Lang –
die Schwägerin deines Bruders war mit ihrem Ma
ne diese
Fastenzeit in Münchς, wo sie beÿde im Theater Gastrollen spieltς,
und gut bezahlt wurdς, sie hatte auch eine
Comoedie ganz für sich,
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sang beÿm Churfürstς, bekam eine hüpsche goldene Frauςzi
mer
Tabattiere; sang im Liebhaber
Concert, bekam eine
Medaille von
25 duggattς von des Churf
ς u Churfstin
Portrait. da
n giengς sie
ihr Ma
n, der Martin Lang und seine Frau über Salzb
ς: nach
Wie
n und suchtς mit einem
Recomendς: Schreibς von dς verwittibtς
Churfürstin am Wahltag einzutreffς, wo sie auch sang und vom
Erzb
ς: 40 duggattς beka
m. ich erfuhr es, daß sie nach Salzb
ς:
reisen werdς, aber es war zu späth euch solches zu berichtς, da
die Briefe so späth hinausko
mς. Sie sind am Mittwoch von Salzb
ς:
abgereiset, und heut vor 8 tage |:
ich schreibe dieses am
Char=
samstag :| sind sie hier eingetroffς. Nun habe die Langin beÿ
ihr 2 mahl am
Clavier 5 bis Ariς singen gehört, die sie mit
aller Willfehrikeit sang. Es ist gar nicht zu widersprechς, daß
sie mit der größtς
expression singt: allein itzt erkläre ich
mir, warum mir einige, die ich öfters fragte, sagtς, sie habe
eine sehr schwache Sti
me, – und andere sagtς mir sie habe eine sehr
laute Sti
me. beÿdes ist wahr: die Haltung, und alle Notς
des Ausdrucks sind erstaunlich stark; die zährtlichς Sachς,
die Passagς und auszierungς und die hohς Töne sehr fein, so
daß, nach meiner Empfindung eins gegς den anderς zu sehr
absticht, und
im Zimer die starkς Töne die ohrς beleidigς,
im theater aber die feinς Passagς eine grosse Stille und auf=
merksa
mkeit dς Zuhörer voraussetzς. Seiner Zeit mündlich
mehr davon. – Mit den Amandischς in Salzb
ς: muß es sehr
misslich stehς, weil mich h
ς: Hofrath von
Gilowsky bittet zu er=
laubς, daß die
Licitation v Eigen und den
Amandischς
effecten in meinem Saal vor sich gehς därfte, dafür er mir
alle Bezahlung, die ich verlange, anbietet. Ich antwortete, daß
es mir leyd thut den armς Amandischς nicht in einer bessern
und angenehmerς Gelegenheit dienς zu kö
nς, und
daß an eine
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bezahlung nicht zu gedenkς seye. die tresel wird den Saal
ausraumς, und mit dς
Gilowsky Katherl sorg tragς, daß die
Zi
mer alle verschlossς werdς: Nur die Saalthür vom vorhauß
bleibt offς. übrigens ka
n, wie gesagt, vor einer besseren Witte=
rung nicht abreisen, ob ich gleich schon gerne weg wäre, nur die
Comoediς und
operettς sehe noch gerne, so am Ostermontag
den Anfang nehmς. Hier warς nicht nur allein
keine hl: Gräber
sondς sogar das
Ciborium nicht ausgesetzt, sondς eingeschlossς
und 4 leichter bre
nς auf dem Altar, die
Auferstehungς aber
sind alle Nachmittag und abends. Nun
addio! wir alle küssen
dich, den h
ς: Sohn und die Kindς von Herzς und bin ewig euer
redlicher Vatter
Mozart
mp
Der
Mad:me Lang |: Weber :| Man ist ein guter Mahler
und hat mich gestern abends auf ein rothes Papier
abgezeichnet, vollko
mς getroffς, und sehr schön ge=
zeichnet. Die
Boudé wird ko
mendς freytag das erste
mahl in
Diderots Hausvatter als
Sophie auftrettς,
h
ς: Lang macht den
St: Albin.
Noch einς Brief ka
nst du mir schreibς, we
n du willst.
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À Madame
Madame Marie Anne
de Sonenbourg née
de Mozart
à
Im Tanzmeister=
Haus abzugebς. Salzbourg
huoboel
hobois
mein.