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Salzb
ς. dς 19
tς Je
ner
1785
Ich will voraus schreibς, da Zeit habe, daß vor ein paar tagς in der
Nacht h
ς: A
man in die Ewigkeit gegangς und hörte gestern beÿm
Gr:
Arco daß eine unrichtigkeit, die er vom
Basili überno
mς habe
sich zeige, welches vom hinterlassnς Vermögς soll ersetzt werdς, wo de
n,
we
ns wahr ist, daß sich die Polis=tochter um die helfte mit
einsetzς lassς, ihre Kindς, die armς Kindς, noch unglücklicher werdς.
die
Entführung war wiedς so voll, daß er 132 f ei
nahm. der junge
Neudecker, ein recht artiger Mensch, war sa
mt seiner Schwester,
der schwarzbraun=augichtς
Scolastica am Montage Vormittag beÿ
mir, ich hieß sie Nachmittag um 2 uhr ko
mς, da sie da
n in die
opera
giengς, und unterdessς musste dς Sepperl geigς, und
Clavier=
spielς, ich
accompagnierte ihm. Nun muß dir nur mit 2
Wortς sagς, daß diese Leute ganz ausser sich warς, und du ka
nst
versichert seÿn, daß beÿde alles schöne dς
Expression haarklein
empfindς, und sondςheitl: der schwarzen
Scolastica kein einziger
rührendς Ausdruck entwischte, den man ihr nicht
augenbiklich, als
we
ns aus ihrer Seele kam, ansahe. bevor er odς vielleicht beÿde
abreisen, werdς sie mich noch besuchς, sie wohnς beÿm Rentmeister.
Gestern war die Garteninspecktor Hochzeit beÿm Hofwirth.
ich sahe sie ebς in 4 wägς beÿm Spanglerhauß aufsitzς um 10 uhr,
da sie zur
Copulation nach St: Andre fuhrς. Heute Nacht hat
man im Schloss ein Feuerstuck losgebra
nt, weil in einem
Gartς zu Mühlς am Wasser durch einς Kalch, dς sich selbst
enzündet hat, ein grosses So
merhauß in Fla
mς gerieth und
zusa
mbra
n, ich hörte nicht schüssς, allein ich erwachte und hörte
die viertl uhr 3 schlagς, und schlief wiedς ein. Heute vernahm, daß
es
3 viertl auf 3 uhr war: es war also dς Schuss, dς mich aus
dem schlaf gebracht hat. Wegς meiner Reise hatte es keinς Anstand.
der Erzb
ς: ließ mir sagen, ich möchte bevor ich abreise mich beÿ
ihm meldς, er würde mir vielleicht etwas nach Wie
n mitgebς.
Daß dir diese Reise sehr unangenehm ist, glaube ich gerne, ich
selbst, wie du weist, hatte keine grosse Lust dazu: allein
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ich glaube es soll zu meiner Gesundheit mehr nützlich als
schädlich seÿn. We
n die
Comoedς weg sind, so weis nicht was
den Abend thun soll, ich möchte für
denkς und
langer
Weile Crepierς. ich wahr 3 mahl beÿm Hagenauer, und
blieb hintς beÿ den Töchtern im Stübl, weil vorn schon
2 Professorn, – dς Regent im Priesterhauß, Bauverwalter, und h
ς:
Pfarrer in dς Gnigl warς zum doppeltς brandlspiel, – da dieß
nun die gewöhnliche Abendunterhaltung die man dem altς Herrn
macht, – ich aber vom brandeln kein Liebhaber bin, auch gar keine
Lust habe 4 und 5
Cassen folglich 45
x – 1 f – 1 f 15
Xr zu verspiehlς,
wo noch dabeÿ oft grob disputiert wird |: mit dς Geistlichkeit
ausgeno
mς :| – so finde auch wenig Lust ein paar Stundς in
einem
eingehaitztς backofen Zimer dem Spielen zuzusehς, und
hundertmahl schon gehörte alte
spielsprichwörter, die spassig seÿn
soll anzuhörς. Nun habe auch die Sache so eingefädelt, daß h
ς:
Haydn in meiner Abwesenheit im Do
m tactiern muß, welches
ich ihm dadurch sehr angenehm zu machς wuste, weil ihm
sagte, daß ich wünschte, daß S:
e Hochf
ς: Gdς: mich ganz
dispensieren
und ihn an meine Stelle setzς möchtς. Ins Kapellhaus lasse ich
unterdessς den jüngern Preÿman gehς, den ich schon lange aus
dieser Absicht alle Wochς ein paar mahl gelehrt habe, und der
sehr
profitiert, einς schönς ton beko
mt, und ein starker Geiger
werdς wird. Auf diese Art suche mich nach und nach in mehrere
freÿheit zu setzς, – und we
n ihr hereinko
mt darfst du es ihm
nur sagς lassς, – er hat zwar
instructionen von denς er lebς muß,
er wird aber doch manchς abend von 5 uhr bis 8 uhr ko
mς könnς,
welches die Zeit ist, wo er auch zu mir zum lernς kam: es
wird ihm sehr nützlich seÿn, die
Sonaten gut
accompagnierς
zu lernen. – Nun was anders! der ehemalige Durnerjung
und
Hautboist
Andre, wird in dς Fasten von Brü
n wiedς
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nach Salzb
ς: zum Thurnermeister ko
mς: sein vatter ist gestorbς. Er hat
mir zum neuς jahr geschriebς, und sich anempfohlς
p: – – –
die
Ball wollς nicht recht gehς, auf dem 2
tς warς nur 70 Personς.
Von Kaufleutς war noch niemand |: kein spiel ist nicht :| – das hat
man sonderheitl: bemerket. – –
Die Entführung muß in
Münchς in dς Fasten gegebς werdς: Gr:
Seeau streubte sich dagegς,
und ließ es so weit ko
mς, daß es dς Churfürst anbefehlen
musste. – die
Robini Louis will Haÿrathς: ihr geliebter
bath den Erzb
ς: das er ihn seinem Vatter
adjungierς und den
RathsTitl gebς möchte, um dadurch sein Glück zu machς, weil
ihn die
Robinische Freule ohne Rathstitl nicht hayrathς würde.
Der Erzb
ς: schlug ihm die
adjungierung ab: versprach ihm
hingegς den Rathstitl, we
n er sie zur
Heyrath beko
me. Nun wollς sie von ihrς
Miteln lebς. Er ist zu seinem Vatter desswegς
gereist, und wie höre, ebς itzt zurükgeko
mς.
Die
Louis hat ein abzöhrfieber im Leib,
sie Hüsstelt und wills unterdrückς, ich war
dort, als ihr brudς mir einς Brief vom Marchand
mitbrach, wori
ne h
ς: March
ς: tausend Empf
ς:
von allς nach St: Gilgς mir aufträgt. der
Brochardfranzerl
dς kleinere knab, ist gestorbς. – Nun, sollte die Haÿrath vor
sich gehς, –
so wird sie sterbς, und ihrem Mane in dς Liebes=
Hitze alles vermachς. – und wie,
wen hς: Cetti mit seinς
Briefen hervortrettς will, die
förmliche Sponsalia im
höchstς Grad sind? – so muß auch das
aniserische Vermögς
auf dieser Seite verstäubt werdς: und sollte h
ς: v Gilowsky
die
Lisel Hayrathς, so wird des Brudς Siegmunds Handlungs=
Cassa
sehr geschwächt werdς.
sic transit gloria mundi: wer nichts im kopf
hat, ist beÿ vollen Geldküsten ein armer tropf.
Nun eine schreckliche geschichte! – – Ein gewisses Freulein
in München 19 Jährigς
alters, die noch obendrein reich ist, gieng nachmittag, als ihre Mutter
im Schlittς ausgefahrς mit ihrem Stubenmädl spaziern, und sagte ihr,
sie hätte grosse Lust auf die FrauςThurn zu gehς, wo man gar so eine schöne
Aussicht hätte: das Mädl ließ sich beredς, und sie stiegς hinauf:
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als sie zu höchst oben warς, schrie das Freulein zu ihrem Mädl: –
behüte dich Gott Lisel, – sprang beÿm Thurn hinaus, prellte am
erstς Gesi
mse auf, und der Gewalt warf sie auf das Hauß eines
Canonici, wo sie das Zügltach zertrü
merte und auf die Tachstiege
fiel. Wie gefällt dieses Ende einer Liebsgeschichte?, – Den Nahmς
der Freul: weis noch nicht; auch muß erst das umständlichere erfahren,
de
n es geschahe als dς
Robini v Münchς abreiste, und diese Leute habς keinς
Kopf etwas umständlich wedς zu erfahrς, noch sich zu merken. Sie wird halt
glaubς in das Paradiß der Romantischς Heldinς sich durch diesς Luftsprung versezt
zu habς. ==
sie soll Freul: v Igstatt heissen, hatte eine Stiefmutter,
die sie im kloster habς wollte: sie liebte aber einς officier.
bis hieher erwartete die Glastragerin vergebens, – und nun kam
der Both: also dς 21
tς abends! – ich gedenke künftige Woche
Mitwoch den
26,
odς do
nerstag den
28tς fortzureisen.
der Both soll zufragς, weil ich briefe an
euch hinterlassς werde. das übrige werde, so viel i
mer möglich ist, besorgς.
die Ziffern auf die
Concert hab noch nicht alle aufgeschriebς. Eines schicke hier, die
andern bringt dς Both oder die Glastragerin auf die Woche, wer eher ko
mt.
die Sti
mς zu allen
Concerten wirst du auf dem flügl finden.
ò wie viel hosen hab ich noch zu waschen!
Das Schützς=mahl wird am fasching Sontag vermuthlich ge=
haltς werdς, darüber aber gleich beÿ eurer Ankunft muß
anstalt gemacht werdς. Was den Wein anbelangt, so
hoffe einς frischς halbς Ehmer täglich zu bekomς. – und da
vermuthlich, wan weg gehe, noch einer am Zapfen geht,
so ists mir lieber er wird weggetrunkς, als wen er
verdirbt, du und dς hς: Sohn werdet schon nachsehς. Im her=
aufreisen dachte ich ohnehin schon nach St: Gilgς vielleicht zu
komς. Es hängt aber alles von dς Art, wie wir reisen, und
von Zeit und Umständς ab, welches von Wien aus berichtς
werde. Ich denke übrigens, daß du mich wegς des Schreibens
nicht viel erinern darfst, da ich meine Leute nie=
mals ohne Nachricht von mir ließ. dem Herrς
Sohn kan heut ohnmöglich besonders Schreibς, er wirds
meinς Augς und meiner Verlegenheit, in dς ich itzt stecke,
gewiß verzeihς, da sehr vieles zu thun und zu denkς
habe. == Nach dem Nachtessς: 2 mahl wenig Leute in
der Comoedie, – die Comoedien machς kein glück mehr; auch die
opern nicht viel mehr nach dς Entführung. NB: vielleicht komt
der hς: Egedacher morgς mit dem Grazer Bothς; es sind aber 3
Wen? – wen dς Both ihn mitnehmς kan? – Wen er morgen frühe
iemand bekomt dς seine Messen lieset? – und Wen er wegen dem
Stimen beÿ Hofe Mittlmachς kan? das letzte ist das wenigste.
ich ließ ihn heut abends aufsuchς; und nach 5 uhr nahmς wir erst die
abrede. Ich sagte ihm dς hς: Sohn wird den Grazerbothς schon bezahlς:
und dan kan man ihn am Dienst=tag in dς Frühe hereinführς lassς.
Nun muß alles zusam machς und schlafen gehen, morgen habe um
8 uhr ein Amt, der Gatti liegt am Halswehe im Bette. Ich küsse euch
alle von ganzem Herzς, und bin euer redlicher vatter Mozart mp
Aus der Reise dς Gräfin Wallis wird nichts. – Gr: Öhls muß in Gottes=
nahmς allein reisen.
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