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                                                                Salzbς: dς 3 Septς: 1784

  Liebster hς: Sohn und liebste Fr: Tochter!

Ein kleines Diariς!

Am Montage und dienst=tag hatte ich genug zu thun, um allς
den Plundς aus einandς zu findς, und da wir noch durch Besuche und
die nothwendigstς Gegenbesuche gehindert wurdς, so konnte es nicht
wohl anders seÿn, als daß ich den 31, die Nacht vor unserer Abreise,
um 9 uhr alle ins Bette jagte, und ganz alleine bis halbe 1 uhr nach
Mitternacht 2 Coffres, 2 Sitdrüchl, des Heinrichs Geigenkästl, und noch
ein paar grosse Schachteln voll packte. – vorher muß noch sagς, daß
wir am Montage abends beÿ hς: Hagenauer warς, da in der Frühe
die Jgf: Ursula mit unterschriebnς schönς Bildern von ihrer Fr: Mutter beÿ
uns war, der alte Hς: Hagς: hatte so eine ausserordentliche Freude, daß er
jedem, der Gretl, dem Heinrich, und dem Hanchς, ein Viertl Duggatl,
und noch iedem Müntzς vom Jubileo schenckte, samt noch andς Kin=
dereÿς. – Wir sind den 1stς Septς: um halbe 5 uhr aufgestandς,
der Heinrich war in der 5 uhr Messe: und doch hatte ich Mühe es dahin
zu bringς, daß ich mit diesen unruhigς Kreaturς um 7 uhr aus Sazbς:
hinauskam: den alle augenblick kam noch was zum einpackς,
das sie vergessς hattς. die Gilowsky Katherl war um halbe 6 uhr schon
beÿ uns. In Waging speistς wir Mittags: und da wir nach Stein
Kamς, fandς wir den HofRath Gilowsky, den B: v Rechberg,
samt seinς Eltern p: und verweiltς vor dem Schloss schier gegς
3 Viertl Stunde: auf der Maut fandς wir die ehemahlige Paurnfeind=
Stanzl und ihrς Herrn: – und doch warς wir um 7 uhr in Obing.
Kaum 2 Minutς vor unser, war Md:me Marchand und hς: Brochard
angelangt, und da sie ebς über die Stiegς hinauf warς, hörtς sie
unserς Kutscher klatschς, – liefen zur Thüre heraus ebς da wir
still hieltς: wir sahς aber noch eine Kutsche stehen. – und wer war
noch da? – – hς: Ram, hς: Lang, hς: Danzi, und der junge
Carl Canabich, |: die itzt da ich dieses schreibe, in Eÿgen sind :|
folglich warς wir, samt noch einem weltgeistlichς, 12 Personς in
dem bewusstς Zimer beÿm Nachtessς. Nach dem erstς Schnidri=schnadrÿ
lief die Katerl mit einem Bubς in den Pfarrhof hinüber über das

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feld zum P: Ruffin, und P: Gregori Kerschbaumer, die als 2
Pfarrer in einem schönς Pfarrhof vom Kloster Seon aus hier wohnς.
unterdessς hatte ich genug zu studierς, wo ich alle die Bagage aus
grossς Salzbς: Sitzdrüchlς, in elende kleine Münchnerische herüber
verpacke p p: das brauchte wirkl: ein grosses Studium; und
doch brachte ichs zu stande, – dan kam die Katerl mit dem P:
Gregori
, brachtς eine flasche kostbares Seoner bier mit, – er lud
uns zum Frühestück ein, wir sagtens zu, unterdessς hattς die
andς Münchner in dς Hochzeit=danzbodς=Stube arbeit genug mit
Schemel und Strohsäckς sich ein Nachtlager zu zubereitς.
Endlich kamς wir zu Tische, – da giengs Lustig bund über Eke: die
M:dme Marchand hatte für mich einς Rheinwein mit gebracht, den
tranken wir mit einandς. Um 11 uhr warς wir fertig. In der be=
wusstς Stube schlief beÿm ofen, die Md:me Marchand und die gretl
im andςς Bethe die katerl und das Hanchς. Ich hatte ein anders
gutes Zimer mit 2 gutς Bethς, iedes für 2 Personς. In einem
schlief ich allein. im zweitς hς. Brochard und Heinrich. die übrigς
im Tanzbodς. um 4 uhr war alles auf; nahmς Coffé, und um
5 uhr fuhrς die einς nach Salzbς: die andς nach Münchς zurück.
Zu denς, die nach Salzbς:, schrie ich und die Katherl: Wir sehς uns
in Waging
. – die warς nun weg! itzt gabs Thränς, da wir
uns beÿ den andς beurlaubtς. die M:dme Marchand, die Gretl, das Hanchς
weintς ganz erstaunlich. Das dankς und um Verzeihung bittς, das
sie mir auch wiederhohlter an die Fr: Tochter aufgabς, nahm kein
Ende. Es gieng wahrhaftig von Herzς, – die Gretl bittet die Frau
Tochter, auch das Hanchς, tausendmahl um Verzeihung, und dankς
für alles pp:p: Nun warς auch diese weg! Dan gieng ich mit der
Katherl in den Pfarrhof hinüber, – schwatztς vom altς und neuς,
trankς Coffeé: – nahmς noch 2 grosse Sauerbrunflaschς Seonerbier für
der Katherl Vatter mit, packtς es hipsch sicher in Heu ins Sitz=
Trüchel, fuhrς nach unserer Bequemlichkeit um 7 uhr weg,
begegnetς beÿ Altenmark die B: Rechbergischς, die nach Burghausς
fuhrς, kamς um 11 uhr in Waging an, da die andςς ebς die Suppe
assen: speisstς nach 12 uhr, und wünschtς ihnς eine glückl: Reise.

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Um 2 uhr setztς wir uns endlich auch in Wagς, und kamς vor 7
uhr in Salzbς: an. – die fremdς gehς morgς in dς Frühe ins
Schloss – und fahrς auf Mittag in Hellbrun. Am Sonntag Vormittag
nach M: Plain, nicht aus Andacht, sondς wegς der schönς Aussicht; zu
Mittag speisς sie beÿ mir, nachmittag wird mir der Carl Canabich
auf der Violin, und auf dem Clavier spielς: abends zur Hofmusik
um solche zu hörς, und am Montag reisς sie fort. Nun was andςs!
den Geschmuk habe der Md:me Zezi eingehändigt. Sie wird mir dan
auch darüber die Antwort sagς. – Nun komς wir auf Stubenmädl!
2 wollς hinaus. Eine hat mir die Huebernanerl recomandiert und her=
geführt; Sie heist Catherl, ist des Spitalschreibers Tochter, hat beÿ der
Fr: von Amand gedient, ist Blond, hat 19 Jahre, kan einς kleinς duppé
und weis nicht was für einς Schenion machen: sie sagt, sie Caressiert nicht.
der hς: Sohn kent sie gut, weils beÿ der Fr: v Amand war, das Nähς und
putzς versteht sich von selbst. die 2te hat die gilowsky Katherl zu mir
geschickt: die ist eine Buchbindς Rumel Tochter, heißt tresel, hat schwarze
augς, ist unterstubenmensch beÿm Oberbereiter, ist 20 jahr alt, geht
östereicherisch, weil sie beÿ ihrem Vetter einem Buchbindς in Lambach ge=
dient hat: ist ganz furchtsam und sittsam im reden, sagt sie caressiert gar
nicht
; sagt auch sie hab schon zu zeitς die freul: Regerl friesiert: allein die
freul: Regerl
, sagt sie, frisiert sich meistens selbst. ihre ganze art ist
so, als wen sie die Oberbrς: Regerl nachahmς wollte. – die erste
scheint mir munter zu seÿn und vielleicht auch geschickter. der hς: Sohn
wird sie etwa besser kenς. die 2te ist Stiller, vielleicht aber desswegς
auch nicht ungeschickt: mir scheint aber dieser dienst als unter=
stubenmädl ist vielleicht erst ihr erster Stuben=dienst beÿ der Fr:
Oberbereiterin, und wer weis, wies mit dem nähen steht: unser Nanerl
sagt, sie seÿe beÿ den Kindern. Nun könnt ihr, meine Lieben
Leute, wählen. Wen dς Sohn die erste kennt, so ists desto besser:
sie sagte es mir wenigst. Ich bin zwar itzt, ganz alleine, zwischς
8 Zimern in einer wahrς Todes=stille. Beÿ Tage thut mirs zwar
nichts; aber Nachts, da dieses schreibe, ists zimlich traurig.
wen ich nur wenigst den Hund noch schnarchς und bellς hörte.

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das thut aber alles nichts, da ich nur weis, daß ihr mit
einander vergnügt lebt, – dan bin auch ich vergnügt.
der Both wird die Machine über 8 Tag mitnehmς, itzt hat
er ohnedas vieles zu tragς. Hier folgt ein Hemd, das
gehört der Freul: Nanerl die ich samt allς ihrς geschwistertς
Küsse; ich hoffe sie wird lernς, damit ich etwas höre, wen
ich wiedς hinauskome. Ich küsse euch beÿde von grunde
meines Herzς und Bleib ewig Euer redlicher Vatter
                                                       Mozart mp

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