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                                                                                                               Vienne ce 10 d'avril
Mon trés cher Pére!                                                                                                      1784.

Ich bitte, seÿen sie nur nicht Böse daß ich ihnen so lange nicht geschrieben habe; – doch sie
wissen wie viel ich die zeit her zu thun hatte! – durch meine 3 Subscriptions Academien
habe mir sehr viele Ehre gemacht. – auch meine Academie im theater ist sehr gut
ausgefallen. – Ich habe 2 grosse Concerten geschrieben, und dan ein Quintett, welches
ausserordentlichen beÿfall erhalten; – ich selbst halte es für das beste was ich noch
in meinem leben geschrieben habe. – es besteht aus 1 oboe, 1 clarinetto, 1 Corno,
1 fagotto, und das Piano forte; – Ich wollte wünschen sie hätten es hören könen!
– und wie schön es aufgeführt wurde! – übrigens bin ich | die wahrheit zu gestehen :|
auf die lezthin müde geworden – vor lauter spielen. – und es macht mir keine
geringe Ehre daß es meine zuhörer nie wurden. – Nun habe ich eine Comission;
der alte Baron du Pain | der alle mögliche schöne und auch schlechte Musique besizt :|
möchte gerne folgendes Rondò und Duetto vom Gatti haben. – Recit:vo: Ah! non sdegnarti
o cara
.
Rondò. Nel lasciarti in questo istante.Duetto. Ne' giorni tuoi felici p:
sie würden mich also sehr verbinden wen sie mir diese 2 Stücke so bald als
möglich Procurirennten. – die Copie werde schon durch hς: Peisser übermachen.
Nun habe ich auch heute wieder ein Neues Concert für die frl: Ploÿer fertig
gemacht; – und nun bin ich schon halb angezogen um zum fürst kaunitz zu
gehen. – gestern spiellte ich beÿm Leopold Palfy. – Morgen beÿ der Academie
so Mad:elle Baÿer giebt. – Nun noch etwas; – da Hafeneder gestorben, so
hat hς: v: Ployer die Comission bekomen einen Violinisten auszusuchen. – ich
recomandirte ihm heimlich einen gewissen Menzl – einen hübschen jungen
geschickten Menschen. – verbot ihm aber etwas von mir zu melden, sonst
würde es vieleicht nicht gehen. – er erwartet nun die Resolution. – ich glaub
er bekömt 400 fl: – und ein kleid – über das kleid habe den Menzl
schon ausgezankt – den es ist bettelhaft. – sollte etwas daraus werden so
werde dem Menzl einen brief an sie mitgeben, wie auch die Musique; – und
sie werden einen Netten Violinspieller an ihm finden, welcher auch ganz gut
vom blatte lesen kan; – in Wien hat mir noch keiner so gut meine Quar=
tetten à vista
gespielt, als er. – und ist der beste Mensch von der Welt, der
sich ein vergnügen machen wird, beÿ ihnen Musique zu machen so oft sie wollen. – 
ich habe ihn auch beÿ meinen Academien zum orchestre genomen. – Nun muß
ich schlüssen; meine frau und ich küssen ihnen 1000mal die hände, und umarmen
unsre liebe schwester von herz und sind Ewig dero

                                                                                           gehor: kinder
                                                                                                   Mozart mp
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C.N.M.P.
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