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                      Wertheste und liebste Mademoiselle schwägerin! –

Mein lieber Man hat ihren brif richtigst erhalten, und es freuete so
wohl ihn als mich daß sie sich so sehr uns zu sehen wünschen.
Nur Verdross ihn ihr argwohn, daß wir nicht gleiche sehnsucht haben
möchten; und in der that, es schmerzte mich selbst! um ihnen aber
zu zeigen daß wir wider ganz gut sind, so bekenen wir ihnen, daß
wir imer gesint waren Mit Monath august einzutreffen; und
folglich nur eine kleine überraschung im Kopf hatten, welche
nun nicht mehr ihnen, aber doch wenigestens unsern lieben
besten Vattern zu theil werden kan, wen sie – schweigen konen,
um welches wir ihnen auch sehr bitten; den nur unter dieser
bedingnüsse entdecken wir ihnen die Wahrheit. genug sie haben
uns unser geheimnüss durch ihren schlimen briefe heraus ge=
presst; und wir sind nun schon zufriden, wen wir nur unsern
lieben Vattern eine unvermuthete freude machen könen! –
folglich – bitte um Verschwiegenheit. bis Ersten august habe
also das glück und Vergnügen sie zu umarmen und bis
dahin verbleibe ich mit aller Hochachtung
                               liebste schwägerin

Wien den 19:ten jully 1783.                  ihre aufrichtige schwägerin
                                                             Maria Constanza Mozart
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                         Liebste Mademoiselle Marschand!

Es hat mich sehr gefreut daß sie sich noch meiner
errinern, und sich bemühen wollten an mich zu schreiben
glauben sie sicher daß ich mich so sehr nach Salzburg
freue, um das glück und Vergnügen zu haben meinen
lieben schwiegerpapa und liebe schwägerin persöhnlich
nen zu lernen, und ihnen meine Hochachtung zu bezeugen
als sie sich imer freuen könen, wen sie gelegenheit haben
ihre Werthen Eltern wider zu sehen. – und dan meine
liebe Mad:elle marguerite zu Embrassieren? – welche ich schon
in Manheim und München als ein sehr geschicktes
frauenzimer gekant habe, und nun seit dieser zeit
gelegenheit gehabt hat sich imer mehr zu vervollkomnen.
– welches Vergnügen werde ich nicht haben sie wider
zu sehen, zu küssen, und ihre talenten zu bewundern
? – den 1:ten august werde ich, wen Gott will, es könen! –
ich empfehle ihnen unterdessen das schärfste stillschweigen
und bin
                                                   ihre ergebenste dinerin
Wien den 19 Jully 1783                            und freundin
                                                     Maria Constanza Mozart
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info
                Beste Mad:selle Marchand
                       und liebste Schwester! –

Glauben sie, und glaube du kein Wort von allem was meine
frau da drüben gekratzelt hat. – wie könen wir am ersten August
in Salzburg seÿn, wen wir den 26:tn hier sind? – darf ich aber
nicht nothwendig den 26:tn hier seÿn, so sind wir auch gewiß den 1:tn Au=
gust
beÿ Euch. – ich gratuliere dir dan Persönlich zu deinem
Namensfest! – auch in der octave kan ich dir gratulieren. –
lebe indessen wohl; – und auch sie, beste Mad:selle, leben sie wohl;
ich hoffe sie bald Singen und klavierspiellen zu hören. –
wir müssen das Namensfest mit einer Musique
celeb
riren; – leben sie beÿde wohl. – ich küsse dich
liebste schwester vom Herzen, und bin Ewig

                                                          dein aufrichtiger Bruder
                                                             W: A: Mozart mp
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À
Mademoiselle
Mademoiselle Marie Anne
de Mozart
à
Salzbourg