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      Mon trés cher Pére!                                               Viene ce 2 de Jullet
                                                                                                1783

lezten Postage war mir der kopf so voll daß ich zu schreiben vergessen
musste. – es war die Langin beÿ uns um die 2 Arien zu Probiren,
und wir hielten Rath um feiner zu seÿn als unsere feinde – den
Ich habe ihrer genug, und die Langin hat wegen der storaci der
Neuen Sängerin auch nun genug. – und ich dachte erst das Post=
tage ist als ich alleine war, und als ich es war, war es schon zu
spätt. – die opera il curioso indiscreto vom Anfossi worin die
Lange und Adamberger zum erstenmale aufgetretten, ist vorgestern
Montages zum erstenmale gegeben worden. – es gefiel gar nichts
als die 2 arien von mir. – und die 2:te, welche eine Bravour
arie
ist, musste wiederhollet werden. – Nun müssen sie wissen
daß Meine feinde so boshaft waren schon vorhinein aus=
zusprengen; Mozart will die opera des anfossi Corrigiren
ich hörte es. – ich liess also dem graf Rosenberg sagen, daß
ich die arien nicht hergebe, ausgenomen es wird folgendes so
wohl teutsch als wälsch den bücheln beÿgedruckt.
                Avertimento.
Le due Arie à carta 36 e a carte
102 sono state messe in Musica dal
Sig:e Maestro Mozart, per compiacere
alla sig:ra Lange, non essendo quelle
state scritta dal sig: Maestro anfossi
secondo la di lei abilità, mà per
altro soggetto. questo si vuole far
noto perchè ne vada L'onore à
chi conviene, senza che rimanga
in alcuna parte pregiudicata
la riputazione e la fama
del già molto cognito Napolitano.

es wurde beÿgedruckt – und ich gab die
arien her, welche so wohl mir als
meiner schwägerin unaussprechliche Ehre
Machten. – und die Hr: feinde sind ganz
betroffen! – Nun kömt eine tour
des hς: Salieri, welche nicht so viel mir
als den armen Adamberger schaden
thut. – ich glaube ich habe ihnen ge=
schrieben daß ich auch für dem Adamberger
ein Rondeau gemacht habe. – beÿ einer
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kleinen Probe |: da das Rondeau noch gar nicht abgeschrieben war :| ruft Salieri den
adamberger auf die Seite, und sagte ihm, daß der graf Rosenberg nicht
gerne sähe daß er eine arie hinein sezte, und er ihm folglich als ein
guter freund rathe, es nicht zu thun. – Adamberger – aufgebracht über
den Rosenberg und – dermalen zur unzeit Stolz – wusste nicht sich
anderst zu rächen, begieng die dumheit und sagt – Nu Ja – um
zu zeigen das Adamberg schon seinen Ruhm in Wien hat, und nicht
nöthig hat sich erst durch für ihn geschriebne Musique Ehre zu machen,
so wird er singen was darin steht, und sein lebtage keine arie
mehr einlegen.
– was war der erfolg davon? – das, daß er
gar nicht gefiel, wie es auch nicht anderst möglich war! – Nun reuet
es ihn, aber zu spätt. – den wen er mich heute ersuchte ihm das
Rondeau zu geben, so würde ich es nicht mehr hergeben. – ich kan es
sehr gut in eine Meinige opera brauchen. – das ärgste aber dabeÿ
ist, daß die Prophezeÿhung seiner frau und von mir wahr geworden
ist, nemlich, daß der graf Rosenberg samt der Direction gar kein
wort davon weis
, und das es nur so ein Pfiff des Salieri war. –
Meine frau befindet sich gott lob wieder ganz gut bis auf einen kleinen
Chatar. – wir küssen ihnen beÿde die hände samt dem vierzehntägigen
Raymundel, und umarmen unsre liebe schwester von herzen und
sind Ewig dero

                                                              gehorsamst kinder
                                                                W. A: C: Mozart mp