[S. 1]


Mon Trés cher Pére!
Vienne ce 20
de 9:
bre
1782
Ich sehe wohl leider daß ich mir das glück sie zu umarmen bis frühJahr er=
sparen muß, de
n die Scolaren

lassen mich
absolument nicht weg – und
in der that ist für
meine frau dermalen die Witterung zu kalt, –
– alle leute bitten mich ich soll es nicht wagen; – bis früh Jahr |: de
n
ich ne
ne frühJahr schon
Merz – oder längstens anfangs
Aprill – weil
ich nach meinen umständen Rechne :| bis dahin kö
nen wir ganz gewis
nach Salzburg reisen, de
n vor Monath
Juni wird meine frau nicht
ins kindbett ko
men.

– heute also, Packe ich wieder aus, de
n ich liesse
alles gepackt bis ich Nachricht von ihnen erhalten ko
nte; – de
n we
n sie
verlanget hätten, daß wir ko
men sollten, – husch weg – und keinen
Menschen was gesagt – um ihnen zu zeugen daß die schuld nicht an
uns ist; –
Mr: und Mad:me fischer nebst der
alten frau |: welche sich
alle Empfehlen :| könen mir am besten bezeugen, wie leid es mir thut
diese reise izt nicht machen zu kö
nen; – gestern hat die
Prinzessin
Elisabeth |: weil ihr Na
menstag war :| vom
kaÿser 90000 fl: zum
Present beko
men, nebst einer goldenen uhr mit Brillianten besezt, und
ist als östereichische Erzherzogin erklärrt worden; wird nun folglich ihr
königliche Hoheit betittelt. der kaÿser ist wieder aufs Neue mit dem fieber
überfallen worden –
fcu ih"rcutl – lr wfrd nfcut emngl alur elbln.
und wünsche, daß ich mich betrüge. –
(Ich fürchte, er wird nicht mehr lange leben.)
die
Mad: Heisig gebohrne
De luca, welche mit ihrem Ma
n in Salz=
burg war, und im theater das
salterium gespiellt hat, ist hier,
und giebt schlackademie. – sie hat mir eine schriftliche
Einladung geschickt, und mich gebeten, ich möchte gut von ihr
sprechen, de
n es seÿ ihr an meiner freundschaft viel gelegen.
Nun muß ich schlüssen; meine frau und ich küssen ihn 1000mal
die hände, und umarmen unsere liebe
schwester vom herzen und
sind Ewig dero
gehorsamste kinder
W: et C: Mozart mp
DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM
INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
[S. 2]


[vacat]
[S. 3]


Daß umstehende Aufschrift die Handschrift
meines gewesenen Gatten, W. A. Mozart,
(† 1791) ist, bezeuge ich hiemit, um den Herrn
Organisten Kluge dessen zu vergewissern,
mit dem Bedauern, ihm keine mehr befrie-
digende Schrift zustellen lassen zu können.
Salzburg 8 März 1826
Constance Nissen
Daß Vorstehendes die Unterschrift meiner, vormals
des oberwähnten W. A. Mozarts, Gattin ist, bezeuge
ich. Nissen. wie oben.
[S. 4]


Von Wien
À
Monsieur
Monsieur Leopold Mozart maitre de la
Chapelle de S: A: R: L'archeveque de et
à
Salzbourg.
1782
20 Nov.
Schrift
des Adressaten