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                                                               Viene ce 15 de Decem:bre
Ma trés chére sœur!                                                          1781

Ich danke dir für alle die Neuekeiten die du mir geschrieben hast.
hier sind meine 6 Sonaten. – für dich sind nur vier Neue da=
beÿ. – wegen den Variationen war es nicht möglich, weil die Co=
pisten
zu viel zu thun haben. so bald es aber möglich ist, werde ich
sie dir überschicken.
den 22:ten du wirst unterdessen das Couvert über den brief an meinen
vatter erhalten haben. die opera hat mir hς: v: Daubrawaick wieder zurück=
geschickt, mithin muß ich mich um eine andere gelegenheit umsehen.
dem Ceccarelli würde freÿlich Bange dabeÿ geworden seÿn, wen du seinen
antrag angenomen hättest. – den ich habe ihm davon geredet, und
da sagte er gleich – certo, l'avrei preso meco subito. – und als ich ihn
fragte, warum er dich nicht mitgenomen, wusste er keine bessere ur=
sache, als: wo hätte ich sie den hier hinthun müssen? – O wegen
diesen, sagte ich, wäre mir nicht bange; ich wüsste orte genug wo
man sie mit freuden aufnehmen würde; – und es ist auch wahr. wen
du eine gute gelegenheit bekomst auf einige zeit hieher zu reisen,
so schreibe es mir nur vorher. –
nicht wahr das loch in der thür ist eine gute komödie? – die sollst
du aber hier aufführen sehen. – die gefahren der verführung ist
auch ein gutes Stück. – das öfentliche geheimnüss ist nur als ein
italienisches stück betrachtet anzunehmen. – den die herablassung
der fürstin mit dem Bedienten ist gar zu unanständig und wider alle
Natur; das beste an diesen Stück ist wirklich – das öfentliche geheimnüss –
nemlich die art wie sich die zweÿ liebenden, zwar in geheim, aber doch öfentlich
verstehlich machen. wie heisst den der springer? – der Elias vogt ist beÿm
Böhm, und der Peterl ist in Berlin. – daß der feigele nach hauß gereist, und
der Andretter wieder in Salzburg ist, war mir wirklich eine Neuekeit. –

DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM

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STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
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Neues kan ich dir nichts schreiben, Meine liebe schwester, weil ich dermalen nichts
weis. – wegen den alten bekantschaften will ich dir gleich sagen, daß ich nur
ein einziges Mal beÿ der fr: v: Mesmer daraust war. – das hauß ist nicht
mehr so wie es war. – wen ich umsonst fressen will, so brauche ich nicht des=
wegen auf die Landstrass hinaus zu fahren, da habe ich in der Stadt zu
fusse örter genug. – die fischerischen wohnen im tiefen Graben, wo
ich niemalen fast hinzukomen habe. – doch wen mich der Weege eben
dahin trifft, mache ich ihnen auf einen augenblick eine visite; den
länger könte ich das warme zimerl, und den Wein auf den tisch nicht
leiden. – ich weis wohl daß in diesem die grösste Ehrenbezeugung beÿ
dergleichen leute besteht, allein ich bin kein liebhaber von dieser Ehren=
bezeugung und noch weniger von dergleichen leute. – von Breanischen
habe noch keine Seele gesehen. – mit dem Grill |: welcher nun ver=
heÿrathet ist :| und Heÿfeld habe öfters gesprochen. –
wegen meiner schies=Cassa weis ich auch nicht was zu thun ist. –
es muß Ja doch geld, interesse von den hundert gulden da seÿn? –
musst halt zu diesem schreitten. – vielleicht bin ich das künftige
Jahr glücklicher. – wegen der scheibe? – –
gott! – in diesem augenblick erhalte ein schreiben von
meinem lieben, besten vatter! – wie kan es doch so un=
geheuer von Menschen geben? – gedult – vor zorn
und Wuth kan ich nicht mehrer schreiben, nur das – daß
ich ihm nächsten Postag darauf antworten werde – und
ihm zeigen werde, daß es Menschen giebt, die mehr –
als teüfeln sind. – er möchte unterdessen ruhig seÿn
– sein sohn seÿe seiner vielleicht mehr Werth, als er glaube –

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1881
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Addiu – ich küsse meinen liebsten, besten vatter 1000mal
die hände, und dich, meine liebste schwester, umarme ich
von herzen und bin Ewig dein

an Mr: d'yppold 1000 Complimentς:        aufrichtiger Bruder
                                                              W: A: Mozart mp
                Adieu.

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À
Mademoiselle
Mademoiselle Marie ane
de Mozart
à
Salzbourg.

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