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                                             Vienne ce 21 d'octobre 1781
Ma très chère Cousine!
Ich war schon die ganze Zeit her auf einem Brief von ihnen,
liebste Baase, begierig; – wie der ausfallen wird! – und
wie ich mir ihn eingebildet, so war er auch. – den nachdem
ich einmal drei Monathe vorbeigehen lassen, so hätte ich
nicht mehr geschrieben – und wen der scharfrichter mit bloßem
Schwert hinter mir gewesen wäre; – den ich hätte ja nicht
gewußt: wie, wann, wo, warum, und was? – ich mußte
nothwendigerweise auf einen Brief warten. –
Es sind unterdessen, wie sie wohl wissen werden, vielle wich=
tige Sachen mit mir vorgegangen, wobeÿ ich nicht wenig
zu denken, und vielle verdrüßlichkeiten, ärgerniß, Kumer
und Sorge hatte, welches mir auch in der that zu einer
entschuldigung meines langen Stillschweigens wegen dienen
kan; – was sonst das übrige alles anbelangt, so muß
ich ihnen sagen daß das geschwätze was die Leute von mir
herum laufen zu lassen beliebten, zum Theil wahr, und zum
Theil – falsch ist; – mehr kann ich zur Zeit nicht sagen;
nur noch zu ihrer beruhigung, daß ich nichts – ohne ursache –
und zwar – ohne gegründete Ursache thue. – Wen sie
mehr Freundschaft und Vertrauen zu mir gezeigt hätten,
und sich gerade an mich |: und nicht an andere – und
zwar! – :| doch stille! – wen sie sich gerade an mich ge=
wendet hätten, so wüßten sie gewiß mehr, als alle Leute –
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und wen es möglich wäre, mehr als – ich selbst! – Doch –
Nun daß ich nicht vergesse – haben sie doch die güte, liebste,
beste baase, und überbringen sie sogleich selbst das bey=
liegende Schreiben dem hς: Stein; – und bitten sie ihm, er
möchte mir doch gleich darauf antworten –, oder wenigstens
ihnen sagen, was sie mir darüber schreiben sollen; – denn
ich hoffe, daß unsere correspondence liebes bääsle, nun
erst recht angehen soll! wen ihnen die briefe nicht so theu=
er zu stehen kommen! – wenn sie mich, wie ich hoffe, mit
einer antwort beehren wollen, so haben sie nur die ge=
wogenheit den Brief wie lezthin – nemlich auf dem Peter,
im auge Gottes, im 2:tn Stock zu adressiren; ich wohne
zwar nicht mehr dort, allein auf der Post ist die adresse
schon so bekant, daß wenn ein brief gerade an meinen
logis gewiesen ist, ich selben einen tage oder ein paar
tage später erhalte. –
Nun leben sie wohl, liebste, beste baase! und erhalten
sie mich in ihrer mir so schätzbaren Freundschaft; der
meinigen sind sie ganz versichert; ich bleibe Ewig
                                 Ma très chére Cousine
P: S: Meine Empfehlung
an den Herrn Vatter und           ihr aufrichtigster Vetter u Freund
Frau Mutter, wie auch              Wolfgang Amadè Mozart mp
Frl. Juliane. –
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Die Mad:me Weber Empfehlt sich ihnen samt ihren 3 Töchtern,
und bittet Sie um eine gefälligkeit. – hς: Bartholomei, Buch=
händler |: den sie ohne Zweifel kennen werden :| hat das Por=
trait
der Alois dermaligen Lange begehrt um es stechen zu
lassen; nun wird es schon auf künftigen März 2 Jahre, daß
weder von dem Portrait noch davoriger Bezahlung eine Mel=
dung geschieht; – und den vergangenen März war es schon
wieder zurückversprochen. – Die Mad:me Weber ersucht sie also
sich ein wenig darum zu erkundigen, indem sie gern wissen
möchte, wie sie daran ist. – NB es ist das nemlich Por=
trait
, welches in München der Baron Yöth gehabt hat. –
ich glaube sie haben es auch gesehen. – also sehr schlecht von
ihm, daß er es ohne etwas davon zu wissen zu machen,
in fremde Hände giebt. – Adieu ma chère, schreiben sie
mir bald. –
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A
Mademoiselle
Mademoiselle Marie anne
Mozart
                             à

In der Jesuitergasse
                                   Augsburg