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   Mon très cher Fils                                               Salzbς: dς 15 Decembς
                                                                                               1780
Du schreibst mir, daß ich dir zu kurze Brief geschriebς, allein was kan
ich dir viel neues von hier schreibς? – – Nun wirst du die Aria für
Mr. Raff |: dem wir uns empfehlς :| erhaltς habς, ich schickte sie am
verflossnς Montage mit der Post fort, sie soll also am dienstag
abends, odς Mittwoch frühe in deinς Handς gewesen seÿn.
Was die Waldhorn Sordinς anbelangt, sind solche nicht zu habς.
hς: Proschalka des hς: Fiala Schwiegervatter hat selbst ein paar,
so sagte mir hς Fiala, dς beÿ mir war und mir einς Brief zeigte
vom hς: Becke, welcher voll der Lobeserhebungς deiner Musik des
erstς Ackts war: er schrieb, daß ihm die Zeher in die Augen
trattς
, als er diese Musik hörte vor freude und vergnügen,
und daß alle behauptetς, das wäre die schönste Musik, die sie
gehört hätten, daß alles neu und fremd wäre
&c: daß sie nun
im Begriffe wärς den zweÿtς Ackt zu probierς, – daß er mir
dan selbst schreibς werde, – daß ich ihm verzeichς möchte
,
daß er mir nicht geschriebς hätte, indem er etwas un=
bass gewesen wäre &c: Nun, Gott seÿ dank gesagt, das
gehet gut. Ich kan nicht glaubς, da ich deine Arbeit kene,
daß es Complimentς sind; dan ich bin überzeugt, daß
deine Composition, wen sie gehörig ausgeführt wird,
auch ihre Wirkung thun muß.
hς: Sieger ist gestern ganz allein nach Hallein gereiset um
ins Salzbergwerk einzufahrς. dan wird er nach Wien
abreisς. Er ist nicht nur ein Musikliebhaber, sondς er
spielt die Violin recht gut, und hat die gestochnς Sonaten
vorgestern in gegenwart des Mr: D'Jppold, und hς: Schickan=
eders recht gut deiner Schwester accompagniert.
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übrigens spielt er auch etwas das Clavier, ist ein treflicher
jurist, und wird in Wien beÿm ReichsHofrath practicieren.
hς: Esser hat ausser einigς solchς Leutς schon angebohrnς
grimassen und geschnittnς Nudeln die Sonaten bassabl accom=
pagnie
rt. du weist es ja wohl, daß solche Leute nichts
natürlich spielς könς. ò wie wenige spielς, wie ichs wünsche!
Die Trauer betreffend, hat mans hier dem Münchner Hof nachge=
macht, – auch 3 Monate Hof=trauer, – die Comoediς gehς fort,
Schickanedς hat in Laybach abgeschriebς und bleibt hier, vest ent=
schlossen deine Opera zu hören. Er war besorgt die Noblesse in
Laybach werde ihm einς abscheulichς Schmäh=Brief zurückschreibς:
allein, da er zum Glück alsogleich nach Laybach schrieb, und sie
noch beÿ Ankunft seines Briefes nicht wusstς, was der Kayser
verordnς würde, anbeÿ besorgtς, sie müsstς ihm wegς den
engagement einς Ersatz machς, wen seine truppe wegς ihnς ohne brod
wäre, so gabς sie ihm alsogleich Antwort, und riethς ihm selbst
daß er die Erlaubniß in Salzbς: zu verbleibς zu erhaltς alles
mögliche anwendς sollte: er hatte es unterdessς schon in Handς.
er empfehlt sich dir. – – an dem Familien gemählde ist nichts
weiter gemacht wordς, Ursache: weil, anfangs, da die täge noch
länger und heiter warς deine schwester Kranck, und dan auch
ich an einem Schwerς Catharr und Revmatismus durch alle
äusserlichς Theile des Leibes stark krank war: ich schrieb dirs
nicht, um dich nicht zu beunruhigς, dan du weist wohl, daß
ich mich selbst Curiere. Ich hatte eine Kälte in allen Gliedern,
alle Kleider, und Pelze, selbst dς Ofen, den ich nicht sehr
liebe, weil mir die starke Ofenhitze den Kopf einnimt,
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alles half nichts, – nichts konnte mich erwärmς. Ich trank meinς
gewöhnlichς Klettwurzς Thee; blieb morgens wohl zugedeckt
im eingeheitztς zimer bis 10 uhr im Bethe, und konnte in
keinς Schweis, auch nicht in die geringste Ausdünstung komς.
das geschahe in deinem Zimer, wo ich |: weils leichter zu heitzς :|
seit der zeit schlaffe. Was meinst du was ich that? – Ich liess
mir Hollerblühe komς; liess mir einς Thee angiessς, trank etliche
Schaalen; gieng wohl ankleidet in die Comoedie, den fußsack
nicht vergessen
, es war recht voll, ich kam nebς der Barisani
Teresl
zu sitzς. Die Comoedie dauerte 3 12 Stund ich gerieth
in so einς Schweiß, daß ich zu Hause beÿm Ofς ein andςes
Hemde nehmς musste. Nun ist die grosse frage, ob mir
der Hollerblüh=thée odς die Terese Barisani den Schweiß
ausgetriebς, odς ob ich beÿdς diese erwünschte Wirkung zu
verdancς habe? – – übrigens musste ich diese Comoedie die
Schlaflosen nächte
mit deiner Aria hörς, da half nichts dafür!
Von Wezlar ist keine Antwort gekomς. – vielleicht komt sie
noch. – – aber ich hatte wohl unter dieser Zeit ein schreibς
von M:dme Duscheck mit einem Text zu einer Aria bekomς,
hab ihr auch schon geantwortet, daß vor dem neuς Jahre
nichts möglich seÿ. Sie schrieb, daß sie noch ein Schuldnerin wegς
der vorigς Aria wäre, und da sie es zimlich pressant machte,
so mußte ich ihr mit aller Höflichkeit die dermalige unmög=
lichkeit alsogleich umständlich schreibς. Ich verstehe wohl, was
es ist: – – hς: Kuzelow |: odς wie das ding heist, ist schon lange
nicht mehr in Prag, sondς itzt in Wien.
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Gestern freitags hat man dς Gräfin Londron um 5 uhr
Morgens das Sterbglöckl geleutet; sie starb aber erst um
halbe 7 uhr, sie lag von 3 uhr in der nacht bis frühe um
halbe Siebς uhr in den Zügen. der Capuziner domSontag=
Prediger war seit 8 tägς tag und Nacht beÿ ihr. Du kanst
dir nichts elenders denckς, nicht schmerzhafters vorstellς, sie
konnte nicht mehr laut sprechς, der ganze Halß und Mund
war inwendig von Brandblattern schwarz: 2 täge vor
ihrem Tod bekam sie noch einς abscessum, odς Art geschwör
im Rüggς, dan das ganze Geblüth war faul. Ein er=
schröcklicher Tod! – – Die Kindς sind alle beÿm Hofmarschall.
NB. Man sagt sich in die Ohrς, es wärς wegς dς Hayrath noch
einige Schwürigkeitς. Ich wünsche, daß es zurück gehet,
die Hayrath ist zu ungleich. Der Æsopus wird Psallierς odς
fackel=tragς. à proposito. Es sind freilich Arien von ihm
geschriebς da, – allein einige habς keinς Text, und ich kene sie gar
nicht. Mit diesem Postwagς könnte ichs ohnehin nicht mehr schickς.
also über 8 tag. wir hattς unterdessς 2 Scheibς: auf einer war
ein Theater, und die Solo Tanzende Maresquelle, untς im Noble parterre
sahe man köpfe mit Haarbeutl, zöpfς, und auch rundς Perückς mit einer
geistl: Platte, von iedem Kopf, gieng eine schrift, brava, bravissima,
oh che prodigio pp: und der gleichς hinauf p: die andςe scheibς, war
eine verliebte Historie, die Maresquelle über eine Linzer Geschichte
des Schickaneders gegebς. hς: Schickanedς stand auf der donaubrücke in
Lintz mit einem Linzer Mädchς, und sein Mund sagte: ich verspreche, was ich
keiner halte
. auf der andern seyte war ein Linzer Mädchς in einem Garten
Beÿ einem Tische mit wein; hatte ein weinglaß in dς Hand, und sagte:
Er wird schon komς. Als hς: Schickanedς zum Schüssς kam, sahe er die Scheibς,
betrachtete sie, und ward roth. ich fragte ihn, ob er wüsste wer das Beste heute
giebt
. Er antwortete, – die M:dme Maresquelle; ich kene es an dς Scheibe. #
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                                                                                    15 Dec. 80

Morgen den 16 nachts wird die Gräfin Lodron begrabς.
dienstags werdς die Exequien für die Kayserin, dan Mitwoch
donerstag
und freÿtag für die grafin Lodron gehaltς. das erste für die Kayserin
natürlicher weise im Dom: die andςς beÿ St: Sebastian.
Nun weis ich nichts mehr. wir Küssen dich beÿde und ich bin dein
alter redlicher vatter                           L Mzt mp

                                                               Salzb 15 Dec ?? 1780

du erhaltest auch hier durch den Conducteur ein paar
unterstrimpf.
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