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                                                                                           Nancy ce 3:ten octob:
                                 Mon Trés cher Pére!
             52
                    1778.

Ich bitte sie um verzeÿhung daß ich ihnen nicht in Paris noch meine abreise gemeldet
habe, allein, das ding war über all mein vermuthen, meÿnen, und willen so über=
eilt, daß ich es ihnen nicht beschreiben kan; – den lezten augenblick habe ich noch
meine Bagage anstatt zum Burreau der Diligence, zum graf Sückingen bringen
lassen, und noch etliche täge in Paris verbleiben wollen – und ich hätte es beÿ
meiner Ehre gethan, wen ich nicht – auf sie gedacht hätte – den ich wollte ihnen
keinen verdruß machen, – von diesen sachen werden wir in Salzburg mit
mehrer gelegenheit sprechen könen; – Nur etwas; – stellen sie sich vor,
der M:r grim hat mir vorgelogen, daß ich mit der Dilligence gehen, und
in 5 tägen zu strassburg anckomen werde; – den lezten tag wuste ich erst,
daß es ein anderer wagen ist, der schritt für schritt gehet, keine Pferde wechselt,
und 10 täge braucht; – da könen sie sich meinen zorn leicht vorstellen; –
doch liesse ich ihn nur beÿ meinen guten freünden aus, und beÿ ihm aber
stellte ich mich ganz lustig und vergnügt; – als ich in wagen kam, hörte
ich die angenehme nachricht, daß wir 12 täge reisen werden; – da sehen
sie die grosse vernunft des herrn Baron v: grim! – um mir zu
sparren schickte er mich mit diesem langsamen wagen, und dachte nicht
darauf, daß die kösten doch auf das nemliche hinaus=laufen, indem
man öfter in wirths=häüsern verzehren muß; – Nun, izt ist es schon
vorbeÿ; – waß mich beÿ der ganzen sach am meisten verdrossen hat,
ist, daß er es mir nicht gleich gesagt hat; – Er hat halt sich gesparrt, und
nicht mir; – den er hat die reise |: ohne Verpflegung :| bezahlt – wen ich aber
noch 8 oder 10 täge in Paris geblieben wäre, so hätte ich mich im stande ge=
sezt, meine reise selbst und gelegen machen zu könen; –

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Ich habe nun 8 tage in diesen wagen ausgehalten; länger wäre ich es aber
nicht im stande – nicht wegen der strapaz, den der wagen ist gut gehenckt, sondern
nur wegen den schlafen; alle tage um 4 uhr weg, mithin um 3 uhr aufstehen;
2 mal habe ich die Ehre gehabt um 1 uhr nachts aufzustehen, weil der wagen
um 2 uhr weg=gieng; sie wissen daß ich im wagen nicht schlafen kan
mithin könte ich es ohne gefahr kranck zu werden, nicht so fortsetzen; – und
dan, war einer unserer reise=gefährten sehr starck mit franzosen begabt;
er laugnete es auch nicht – mithin, das ist schon genug für mich, um lieber, wen
es darauf ankomt die Post zu nehmen; das hat es aber nicht nöthig, den ich
habe doch das glück gehabt einen Man darunter zu finden, der mir ansteht;
einen teütschen; einen kaufman, der zu Paris wohnt, und mit Englischen waaren
handelt; – Ehe wir in die kutsche stiegen, haben wir uns schon ein wenig ge=
sprochen; und von diesen augenblick blieben wir imer beÿsamen; – wir
speisten nicht mit der Compagnie, sondern in unserer kamer, und schlaften
auch so; – ich bin um diesen Man auch froh, weil er viell gereiset ist,
mithin die sache versteht – dieser hat sich auch auf den wagen enuirt,
und wir sind miteinand von wagen weg, und gehen Morgen, mit einer
guten gelegenheit, das nicht viell kost, nach strassburg; – dort hoffe
ich einen brief von ihnen zu trefen, und dadurch meine weitere reise
zu erfahren; – ich hofe sie werden meine briefe alle erhalten haben,
ich habe die ihrigen richtig empfangen; ich bitte um verzeÿhung daß ich nicht viell
schreiben kan, weil ich, wen ich nicht in einer stadt bin wo ich gut bekandt bin,
niemal gutes humors bin; – doch glaube ich, daß, wen ich hier bekandt wäre,
gerne hier bleiben würde, indeme die stadt in der that charmant ist; –
schöne häüser, schöne breite gässe, und superbe Plätze; – nur noch etwas
Muß ich sie bitten; – daß ich einen guten grossen kasten in mein zimer
bekome, damit ich alle meine sachen beÿ mir haben kan; – wen ich das kleine
Clavierl, daß der fischetti und Rust gehabt hat, zu meinem schreibtisch haben
nte, wäre es mir sehr lieb, indeme es mir besser taugt, als das kleine
von stein; – neües bringe ich ihnen nicht viell mit von meiner Musique,
den ich habe nicht viell gemacht; – die 3 Quartetti und das flauten Concert

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für den Mr: de jean habe ich nicht, den er hat es, als er nach Paris gieng in den
unrechten kufer gethan, und ist folglich zu Manheim geblieben; – er hat mir
aber versprochen, daß er mir es, so bald er nach Manheim komen
wird, schicken wird; – ich werde schon den wendling Comission geben; –
mithin werde ich nichts fertiges mitbringen als meine Sonaten; – den die
2 ouverturen und sinfonie Concertante hat mir der Le Gros ab=
kauft; – er meint er hat es allein, es ist aber nicht wahr;
ich hab sie noch frisch in meinen kopf, und werde sie, sobald ich
nach hause kome, wieder aufsetzen; – die Münchner Comedianten
werden nun natürlicher weise schon spielen? – gefallen sie? –
gehen die leüte hinein? – von den Singspiellen wird wohl
das fischermädchen |: la pescatrice von Piccini :| oder das bauer=
mädchen beÿ hof |: la Contadina in Corte von sacchini :| das
Erste seÿn? – die erste singerin wird die kayserin seÿn;
das ist das mädchen wovon ich ihnen von München geschrieben – ich
kene sie nicht – ich habe sie nur gehört; – damals war sie das
drittemal auf den theatre, und erst 3 wochen daß sie die Musique
gelernt hat; – Nun leben sie recht wohl; – ich habe keine
ruhige stunde, bis ich nicht wieder alles sehe, was ich liebe – 
Meine liebe schwester umarme ich von ganzem herzen, und
ihnen küsse ich 1000mahl die hände und bin dero gehorsamster
sohn,

meine Empfehlung an alle gute
freünde und freündinen – besonders
aber an unsern wahren und lieben
freünd Bullinger.                                               wolfgang Amadè Mozart mp

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den 13 oct: empfς:
N:o 51
N:o 51

NANCY

| Haute allemagne | À
Monsieur
Monsieur Leopold Mozart
maitre de la Chapelle de S: A: R:
L'archeveque de Salzbourg   
                                     à
Par strassbourg
augspourg                    Salzbourg

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