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Mein lieber Sohn!
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                                     Salzbς: dς 24 Septς: 1778

Dein Schreibς vom 11 dieß habe mit dem grösten Vergnügς gelesen, alles was du mir in
               der bewußten Person schreibst, sezt mich in keine große Verwunderung weil     mir
Betreff dlr blwhotln Plrosn ocurlfblot, olzlt mfcu fn klfnl grsool vlrwhndlrhng, wlfr mfr
seine      Briefe immer suspect waren
olfnl Brfliil ocusn faalr ohsplct wmrln: und du hättest sehr gut gethan, wen du
                                                                  Ich schreibe        heute gar nicht mehr an ihn
mir eher dieses alles geschriebς hättest. fcu ocurlfbl ulhte gmr nfcut alur mn fun,
   weil ich       ihm schon den vorlezten Posttag geschrieben
wlfe fcu fua ocusn dln vsrelztln Psottmg glocurflbln habe. du wirst auch den
Brief von 17 erhaltς habς. Nun must du wissen, daß hς: B: v Grim mir geschriebς hatte,
daß er für deine Reise nach Strasburg sorgen werde. Ich bemerkte aus dessς Schreibς, daß
er dir Geld müsste vorgestreckt habς, – ich schrieb also, daß ich alles bezahlς wollte, er möchte
mir nur eine Anweisung nach Augspς: gebς. Im Nahmς Gottes! ich musste es schreibς, wie
konnte ich dich den steckς lassς: er antwortete mir aber: – je ne veux pas entendre
parler de remboursement dans ce moment ci, quand vous serez plus à votre aise, nous
solderons nos comptes. Je vous l'ai dit, je voudrais être en état de faire une
pension à votre fils
 p: mein lieber Sohn, das ist doch sehr höflich, und du
[si]ehest, daß er allς Credit für uns hat. weiter – ne vous inquiétez pas de
m'envoyer de l'argent, mais tracez à votre fils tout ce qu'il doit faire pendant
sa route. je vous le livrerai jusqu'à Strasbourg; si vous lui faites trouver là
de l'argent pour continuer sa route par augspς: et Salzbourg
 p: dieses zeiget
in der That keinς MissCredit, sondς alles vertrauς gegen mich an. dieses beru=
higte mich auch sehr; weil er, der viel gereist hat besser wissς muß, wie
du am sicherstς und bequemstς von Paris, ohne grosse köstς, nach Strasburg
komς kanst, weil er den weg kenet, ich aber nicht, und die Reiseköstς
über sich nehmς will. ist das nicht viel vertrauς? – überdenke es! ist das
nicht die gröste Erleuchterung für mich, die ich nur wünschς kan? – den wo nehme
ich sonst Geld genug her? – – Er will mir zu wartς – NB da wir so weit entfernt
                                                     viel ich bereits Schulden   zu      bezalen
sind, und da er überdas weis, wie vfle fcu blrlfto ocuhedln zh blzmueln
habe; den ich hatte ihm längst alles geschriebς – und doch will er mir noch diesς
Credit machς? – – da er seinς Brief mit diesen wortς schlüsset: Employez donc
l'argent, que vous voulez m'envoyer, à son Voyage depuis Strasbourg à
Salzbourg
 p: du wirst hieraus urtheilς, ob du in diesem Punkt nicht zu vor=
eiligen argwohn hattest. dieses war auch die ursache, daß ich ganz getrost
durch hς: Hafner die Anstalt machte, und dir ein Billet an hς: Johan Scherz
in Strasburg beyschloß, der dir das nötige Geld bis Augspurg gebς und in allem
mit Rath und That an die Hand gehς soll. warum aber nur bis Augspurg? –
weil man den Kaufleutς (aggio) zahlς muß, und ich dir in Augspς ohne den
aggio zu bezahlς Geld verschaffς kan: worüber ich schon meinem Brudς

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ordre geben werde. was nun also die Reise nach Strasburg anbelanget, so musst du
natürlicher weise von dem vernünftigς Rath derjenigς abhangς
, die mehr Erfahrung
habς als du.
Es sind oft Lehngutscher von Strasburg da, Ritorni – die in gewissς
Wirthshäusern einkehrς, wo man bequem und um weniger Geld nach Strasbς: komς
kan. Man muß halt nachfrage haltς. so ist hς: Dr: Prex von Paris nach Strasbς: ge=
reiset. hς: B: Grim muß doch auch schon eine Idée gehabt habς wie er dich dahin bringς
will. Man muß nicht schlechterdings, aus voruhrtheil etwas verwerffς. du könntest
dir, schreibst du, dir ein hüpsches Capriolet schenken lassς. mein lieber Wolfgς: das wird
ein Wunsch bleibς; und scheint mir auch wider die GeldErsparung zu seÿn; den etwas
recht gutes schenkt man nicht so leicht weg. und ist das Capriolet Baufällig odς
in Rädern und etwa in dς Achse p: schlecht, so bricht alle Augenblick etwas,
man bleibt auf dς Strasse sitzς, verzehrt sich, muß daran reparierς lassς und
kosten die Aufenthaltung und reparationς mehr, als etwa dς ganze Plunder werth ist,
über alles dieses giebt es in Paris vielleicht niemand, odς wenige die als Lehngutscher fahrς,
und hat man sein eigenes Gefährt, so, daß sie nur die Pferde anspanς därffς, so muß
man sie theurer bezahlς, weil sie auf keine Leute zum zurückfahrς antragς und als
Ritorno nichts gewinς könς und mit leerς Pferdς zurückgehς müssς ohne wagς. dan
müste ein solcher fuhrman ein vertrauter Man seÿn, weil man ganz alleine
beÿ ihm ist. Mit der Post würde es erstaunlich geld kostς, indem von Paris nach Strasbς:
55 und eine halbe Post sind: für iedes Pferd 25 Sols, folglich für 2 Pferd 50 Sols das
ist 2 livres und 10 Sols bezahlt werdς – ohne Trinkgeld. Kurz in dieser Sache kan ich
nicht rathς, ich bin zu entfernt, und es komt auf Umstände und Ausrechnung,
und sondςheitl: auf den gutς Rath derjenigς an, die Kentnisse und Erfahrenheit
habς. hς: Gschwendner ist auch, glaube, von Strasburg nach Paris gereiset.
du brauchst nichts zurück zu lassς, das ist meine Meinung nicht, und war es auch
nicht, sondern, wen du kanst, einige Musik gleich verkauffς. was dir keine Ehre
macht, ist besser wens nicht bekannt wird, desswegς habe von deinς Sinfoniς nichts
hergegebς, weil ich vorauswuste, daß du mit reiffern Jahrς, wo die Einsicht wächst,
frohe seÿn wirst, daß sie niemand hat, wen du gleich damals, als du sie schriebst,
damit zufriedς warest. man wird imer heickler. der Gedanke nach Manheim zu
reisen fällt weg, weil Ende dieses Monats schon alles nach Münchς komt, was nicht schon
da ist. dein Wunsch 1000 f jährlich für die Weberς: familie ist erfüllt, dan ich
hatte schon unterm 15 Septς: Nachricht aus Münchς daß der gr: Seau die Ms:le weber
mit 600 f zum Teutschς Theater engagiert hat. des vatters 400 f dazu, sind 1000 f

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Nun muß ich dich recht schön bittς alle delicatessen, die für unser Salzbς: Musik übertriebς sind
auf die Seite zu setzς. du glaubst ich hätte eine schriftl: Versicherung auf die Capellmeister
Stelle für dich fordern sollς? – – glaubst du den es ist mir so viel an dieser Stelle
für dich gelegς? – – keineswegs! bleibt man nicht imer an so einem kleinς Hofe in
seiner natürlichς freÿheit weg zu gehς? – – ferner sagst du –: keinς Geiger gebe ich
nicht mehr ab
. – vormahls warst du aigentlich nichts als Geiger und das als
Concertmeister; nun bist du Concertmeister und Hoforganist und die Hauptsache
ist das accompagnement beym Clavier. das Violinspielς zum Exempl beÿ der
erstς Sinfonie wirst du wohl auch als Liebhaber, so wie der Erzbischof selbst, und
itzt alle Cavallier, die Mitspielς, dir nicht zur Schande rechnς. hς: Haydn ist doch
ein Man dem du seine Verdienste in dς Musik nicht absprechς wirst. Ist er
                             desswegς als Concertmeister ein Hofbratschςgeiger,
                             weil er beÿ den kleinς Musikς die viola spielt? – –
                             das thut man zur Unterhaltung; und ich versichere
                             dich, daß, da die Musik itzt so kurz ist, und
                             nur in 4 Stückς bestehet, eine solche zur Unter=
                             haltung dient, da man den Abend nicht weis
                             was man sonst thun soll. komt etwas vor! eh bien!
so bleibt man aus, – wie es andere gemacht habς. und ich wette darauf, daß, ehe
du deine Composition verhudeln lässt, die greiffest selbst zu. das folgt aber
nicht daraus, daß man als ein Geiger dastehet, andςe feÿern lässt und ihre Trio
und Quartetti spielt. beÿ leibe nicht! Meine Hauptzufriedenheit bestehet darine,
daß durch deinς und meinς verbessertς Gehalt wir in sichere Umstände versetzt wordς
             Schulden
unsere Ocuhedln zu bezahlς, und bequem lebς zu könς. du komst mit Ehre zurück,
weil                             daß man dich gesucht
wlfe iederman weis, dmo amn dfcu glohcut hat, und die ganze Statt rühmt deinς
Entschluß, daß du, da dein Vatter seine Frau verlohrς, zu seiner Hilfe und in
seinem Alter nötigς Unterstüzung zurück kehrest. Gott erhalte dich gesund und gebe dir
eine glückl: Reise! es ist eine starke Reise! Sorge für deine Gesundheit! mache auf der
Reise mit niemand genaue freundschaft, traue niemand! behalte deine Medicinς zur Noth
im Nachtsack. seÿ beÿm Einsteigς und Aussteigς für deine Bagage besorgt. zeige
niemand dein Geld. Und überlege wohl, ob du dich in donauöschingς beÿm Fürst von
Fürstenberg aufhaltς, odς von Strasbς: dahin vorausgehς und dort die Dilligence er=
warten kanst? – oder ob du vorbeÿgehς willst? In Augspς: gehest du gleich zum heil: Kreuz,
der Prelat hat mirs 3 mahl schreibς lassς, da kanst du ausrastς. Mache meine Empfehlung
                                   und mache mir keinen unhöflichen Streich.
an den hς: B: v Grimhnd amcul afr klfnln hnus"iefculn otrlfcu. ich werde ihm
Schreibς, wen ich höre, daß du abgereiset bist. wir zehlς die täge dich zu umarmς.
das Mensch die tresel dς Narr hat abermahl 6 Capaunen gekauft, und gestern hat

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die Nanerl ein paar wundςschöne spitzdatzel für dich eingehandelt. die Mad:me de
Follard
wird bald aus einem Antwortschreibς vom Fürstς in Chiemsee ersehς, daß ich
die aufgetragene Comission abgelegt habe. hς: Bullinger, hς: Deibl. Jfς: Mitzerl
und tausend andςe empfehlς sich, ich und die Nanerl küssen dich Millionmahl u
bin dein dich bald zu sehς Hofnungsvoller Vatter                              Mzt mp


ALLEMAGNE

À Monsieur
Monsieur Wolfgang Amadé Mozart
Maître de Musique
                               à
chez M:r Le Baron
de Grimm
Rue de la chaussée           Paris
d'Antin
près le Boulevard.

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