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                                         Monsieur                                    
47                  
Paris ce 18 juillet
                                            mon Trés cher Pére!                                                     1778

Ich hoffe sie werden meine beÿde leztern richtig erhalten haben –. wir wollen nun von
den haupt=inhalt derselben nichts mehr reden – es ist nun vorbeÿ – und wir könen, wen
wir ganze seiten darüber verschreiben wollten, die sache doch nicht ändern! –
der hauptzweck dieses briefs ist, meiner lieben schwester zu ihrem Namens=fest zu
gratuliren – doch, muß ich noch bevor mit ihnen ein wenig conversiren; – ein schöner stÿl,
nicht wahr? – Nur gedult – ich bin heüt nicht aufgelegt zierlicher zu schreiben – sie
müssen sich schon begnügen, wen sie es so weit bringen, daß sie mich doch wenigstens so
beÿläüfig verstehen, was ich sagen will – daß M:r Raaff von hier abgereiset, habe
glaube ich schon geschrieben – doch daß er mein wahrer special freünd ist – und daß
ich mich auf seine freündschaft gänzlich verlassen kan – habe ihnen ohnmöglich schreiben
nen – weil ich selbst noch nicht wuste, daß er mich so lieb hat – Nun, um eine sache
recht zu schreiben, – muß man sie auch von anfange herfiesln – sie werden wissen
daß der Raaff beÿm M:r le gros logirt hat – izt fällt es mir erst ein, daß sie dieß
schon wissen! – was ist aber zu thun? – geschrieben ist es; – den brief mag ich
auch nicht neü anfangen – mithin weiter – als er ankam waren wir just alle beÿ
Tisch – das hat weiter mit der sache nichts zu thun – es ist nur damit sie wissen daß
man zu Paris auch zu tische geht – und endlich Past das Mittag=mahl beÿm Le gros
imer besser zu meiner freündschafts historÿ, als die koffè=häüser und tromler
zu einer Musikalischen Reisebeschreibung – den andern Tag als ich hinkam fand ich
einen brief an mich – der war von hς: weber, und Raaff war der überbringer davon.
wen ich nun den Namen eines geschicht=schreibers verdienen wollte, so müste ich den inhalt
dieses briefs hersetzen – und ich kan sagen, daß es mich sehr hart ankömt denselben
zu verschweigen – doch, man muß nicht zu weitläüfig seÿn – die kürze ist
eine schöne sache, das sehen sie in meinen brief! – den dritten tag fande ich ihn
zu hause, und bedanckte mich – es ist halt doch eine schöne sache wen man höflich ist! –
was wir dort geredet haben, weis ich nicht mehr – ein ungeschickter hÿstorÿschreiber
der nicht gleich im stande ist etwas zu lügen – zu erfinden sprich ich –
ja – wir sprachen – vom schönen wetter! – Nu – als wir ausgeredet hatten,
– waren wir still – und ich gienge fort. Etliche täge darauf – ich weis nicht mehr
an was für einen tage – an einem Tage aus der woche halt – sass ich just an
Clavier – dort versteht sich – und Ritter – der brave holzbeisser sass neben meiner;
Nu, was haben wir daraus zu erlernen? – sehr viell; – Raaff hatte mich zu
Manheim niemal gehört, ausgenomen in der accademie – wo man aber für
lerme und getöse nichts hören kan – und Er hat ein so Elendes Clavier, daß
ich mir keine Ehre darauf hätte machen könen – da war aber das hackbrettl gut,
und ich sahe Raff vis à vis von mir ganz speculativ da sitzen – da könen sie
sich also leicht vorstellen, daß ich auf die Methode des fischietti Præludirte,
auf die art und mit den feüer, geist und Præcision des haÿdn eine galannterie=
Sonate herspiellte, und mit aller kunst eines lips, hilber und Aman, fugirte.

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U.
MOZARTEUM

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das fugirt spiellen hat mir noch überall die meiste Ehre gemacht! – Nun, als
ich ausgespiellt hatte | worunter hς: Raaff imer Bravo sagte, und zwar mit einer Mine
wodurch man seine wahre inerliche freüde abnahm | kam ich mit Ritter in Discurs;
unterandern sagte ich auch daß es mir hier nicht recht gefahlen will – die haupt=
ursach davon ist imer die Musique – und dan finde ich auch kein soulagement hier,
keine unterhaltung – keinen angenehmen und honeten umgang mit leüten –
absonderlich mit frauenzimer – die meisten sind hurren – und die wenigen andern
haben keine lebens=art – Ritter konte mir nicht anderst als recht geben –
Raaff sagte endlich lächelnd – ja, das glaub ich – der hς: Mozart ist nicht
ganz hier – um alle die hiesigen schönheiten zu bewundern – der halbe
Theil ist noch dort – wo ich herkome – da wurde Nun natürlicher=weise ge=
lacht – und gespast – doch endlich nam hς: Raaff den seriosen Ton, und
sagte – sie haben aber recht – ich kan sie nicht Tadeln – sie verdient es; sie
ist ein recht artiges, hüpsches und Ehrliches Mädl, und hat eine gute auf=
führung – und eine geschickte Person, die viell Talent hat – Nun hatte ich
die schönste gelegenheit ihm meine liebe weberin von ganzem herzen zu
recomandiren – ich brauchte ihm aber nicht viell zu sagen, er war ohne=
dem schon ganz für sie eingenomen – Er versprach mir, daß er, so bald er
nach Manheim komen wird, ihr lection geben, und sich um sie anehmen wird.
ich sollte izt von rechts=wegen etwas einschieben – allein daß nothwendigste ist
das ich meine freünd=schaft historÿ zu Ende bringe; wen noch Platz ist so
kan es geschehen – Nun, das war in meinen augen noch imer ein alle=
Tag=freünd und nichts mehr. ich kam oft zu ihm auf sein zimer –
Endlich fieng ich an ganz sachte mich imer mehr ihm zu vertrauen – erzählte
ihm meine ganze geschichte von Manheim – wie ich beÿ der Nase bin herumgeführt
worden – sezte imer dazu, vielleicht könte es noch geschehen – Er sagte weder
ja noch nein – und so allzeit so oft ich davon sprach – überhaupts schien er
mir allzeit mehr gleich=gültig zu seÿn als interessirt – doch endlich glaubte
ich mehr freüde an ihn zu bemercken – er fieng auch öfters selbst, an davon
zu sprechen – ich führte ihn beÿ M:r grim und Mad: d'Epinai auf – da kam
er einsmal und sagte mir, daß wir diesen und jenen tag beÿm graf Sükingen
speisen werden mit den worten: „der graf und ich warn in discurs miteinand,
und da sagte ich zu ihm, apropós, haben ihr Eccelenz unsern hς: Mozart schon
gehört? – Nein, aber ich wäre sehr begierig ihn zu sehen und zu hören, den
Man schreibt mir von Manheim sachen – die ganz erstaunlich sind – und – ja? –

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1881
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Eüer Ecclen: werden ihn hören, und werden sehen, daß man ihnen nicht zu viell
sondern zu wenig geschrieben hat. – das wäre? – ja ganz gewis Ec: Nu,
da merckte ich das Erste mahl daß er für mich eingenomen ist – dan wurde
es imer besser – ich führte ihn eines tags zu mir – dan kam er selbst
öfters – endlich alle tage – den tag darauf als er weg=gereiset war,
kam vormittag ein hüpscher Mensch zu mir herein mit einen bild, und sagte,
Monsieur, je viens de la parte de ce Monsieur – und zeigte mir das
Portrait – das war Raaff – vortreflich getrofen – endlich fieng er an
Teütsch zu sprechen – dan kam es heraus daß dies ein Mahler von Churfürst
ist, von welchem mir Raaff öfters gesprochen, aber vergessen hat mich hin=
zuführen – und dieser heist – ich glaube imer sie kenen ihn – es wird
dieser seÿn von dem die Mad.selle Ursprünger von mainz in ihren brief meldung
gethan hat – dan er sagt daß er uns alle beÿm urspringerischen gesehen
hat – sein Name ist: Kÿmli. er ist der beste liebenswürdigste Man
und ein rechtschafner, Ehrlicher Man und guter Christ – der beweis davon
ist, die freündschaft die Raaff und er zusamen haben – Nun komt der haupt=
beweis daß mich Raaff lieb hat und für mich wahrhaft eingenomen ist –
weil er mehr andern, den er trauen kan, seine wahren gesinungen entdeckt,
als demjenigen den es angehet – indeme er nicht gerne etwas verspricht,
ohne des glücklichen erfolgs gewis zu seÿn – das ist was mir kÿmli gesagt
hat – Er hat ihn gebeten er möchte zu mir komen, und mir sein Portrait
weisen – möchte öfters zu mir komen – mir an allen an die hand gehen –
eine genaue freündschaft mit mir aufrichtigen – dan er war alle morgens
beÿ ihm – da sagte er allzeit: gestern abends war ich wieder beÿ unsern
hr: Mozart, das ist doch ein verfluchtes Mänchen! – das ist ganz aus
der weis – hörte nicht auf mich zu loben – Erzählte dem Kymli alles –
die ganze history von Manheim – alles – Nun da sehen sie – leüte
die Rechtschafen sind – Religion haben – sich gut auführen – lieben sich
allzeit – Kÿmli sagt, ich soll versichert seÿn, ich seÿ in guten händen,
Raaff wird sich gewis ihrer annehmen – dan sehen sie, Raff ist ein kluger
Man, er wird das ding ganz fein machen – er wird nicht sagen, daß
sie wollen – sondern daß sie sollen – dan er ist sehr gut mit den oberst=
stallmeister – er wird nicht nachgeben sie werden es sehen, lassen sie
nur ihn gehen – appropós noch eins: der brief von Padre martini an Raaff
wo mein lob darin steht, muß verlohren gangen seÿn – dan Raaff hat
schon lang keinen brief von ihm bekomen – und steht nichts von mir darin.
Er müste nur etwa noch zu Manheim liegen – welches aber nicht glaublich

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U.
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ist, weil ich Positiv weis, daß alle briefe die seit seinen aufenthalt in
Paris an ihn gekomen sind, ihm alle richtig überschickt worden sind.
weil Nun der Chfürst: sehr viell wie auch billig auf den Padre maestro
hält, so glaube würde es sehr gut seÿn, wen sie die güte haben wolltn,
ihn schriftlich zu ersuchen neüerdings an Raff dessentwegen zu schreibn.
es wurde mir doch imer Nutzen – und der gute Padre martini wird
keinen anstand haben mir dieses freündstück nochmahl zu erweisen,
wohlwissend, daß er mein glück dadurch Machen kan – den brief würde
er hofentlich so einrichten daß er ihn allenfals den Churfürst: zeigen kan.
Nun genug von diesen; ich wünsche daß es gut ausfällt – damit ich bald
das glück habe meinen lieben vatter und liebe schwester zu umarmen,
o wie werden wir so lustig und zufrieden miteinander leben – Ich bette
aus allen meinen kräften Gott um diese Gnade! – das blatt muß sich
ja doch einmahl wenden! – wills Gott – unterdessen, in der süssen
hofnung, das wir doch einmahl, je eher je lieber, alle vergnügt seÿn
nen, will ich mein leben, welches hier meinem genie – lust –
wissenschaft und freüde ganz entgegen ist, in gottesnamen fortführen –
es ist gewis wahr, seÿen sie dessen nur versichert – ich schreibe ihnen
nichts als die wahrheit – wen ich ihnen die ursachen alle schreiben wollte,
so würde ich mir die finger krum schreiben – und würde mir zu nichts
helfen – den izt bin ich einmahl hier – und da muß ich thun was in
meinen kräften ist – Gott gebe nur daß ich mein talent dadurch nicht
verderbe – ich hoffe aber es wird so lange nicht dauern – gott geb es;
apropós, Neülich war ein geistlicher herr beÿ mir; er ist zu salzbourg
Chori=regens zu St: Peter gewesen – er kent sie sehr gut – er heist:
Lendorff – sie werden sich freÿlich nicht mehr zu errinern wissen – er
giebt hier Lection in clavier. – zu Paris NB: grauset ihnen nicht bald
an Paris? – ich recomandire ihn von herzen dem Erzbischof zu einen
organisten – mit 300 fl: ist er zufrieden sagt er; Nun leben sie
recht wohl: haben sie sorge auf ihre gesundheit – Muntern sie sich auf,
– dencken sie daß sie vielleicht bald die freüde haben werden –
mit ihrem sohn – und zwar recht vergnügtem sohn, ein guts glas Rheinwein
mit ganz zufriedenen herzen aus=zustürzen – Adieu. ich küsse ihnen
Tausendmahl die hände, und meine liebe schwester umarme ich von ganzen
herzen, und bin so lange ich athme dero gehorsamster sohn

an meinen besten freünd bullinger                          wolfgang Amadè Mozart mp
alles erdenckliche --

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1881
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zum Briefe vom 18 Jul.
             || den 20.ten ||
                  Jul. 1778.

Ich bitte um verzeihung daß ich so spätt mit meinem glückwunsch kome;
– allein, ich habe meiner schwester doch mit einen kleinen Præambolum
aufwarten wollen – die spiellart lasse ich ihrer aigenen Empfindung
übrig – dieß ist kein Præludio um von einem Ton in den andern zu
gehen, sondern Nur so ein Capriccio – um das clavier zu Probiren
meine sonaten werden bald gestochen werden – bis dato hat mir noch
keiner das geben wollen, was ich davor verlangte – ich werde
doch endlich nachgeben müssen, und sie um 15 louid'or hergeben –
auf diese art werde ich doch am leichtesten bekant hier – sobald
sie gestochen sind, werde ich sie ihnen, durch wohlaus=studierte gelegen=
heit, | und so viell es möglich Aeconomisch, | nebst ihrer violin=
schule, voglers Compositions buch, hüllmandels sonaten, schrötters
Concerten, einiger meinigen sonaten auf Clavier allein, sinfonie
von Concert Spirituell, sinfonie Concertante, und 2 quartetti auf
die flöte, und Concert auf die harpfe und flöte – schicken.
Nun, was hören den sie von krieg? – ich war 3 täge her so
niedergeschlagen, und so trauerig – es geht mich zwar nichts an,
allein ich bin zu empfindsam, ich interesiere mich gleich für etwas –
                                         Kaiser
ich habe gehört, das der kmfolr seÿe geschlagen worden –
                                             König in Preussen den Kaiser
erstens sagte man, daß der ksnfg fn Prlholn dln kmfolr
                                                                der Erzherzog
überfallen hätte, nemlich die Trupen die dlr lrzulrzsg Amx=
Maximilian
                                                        öster

afefmn Comandirte, und da wären 2000 von sotlrlfculrfoculr
                                                                    der Kaiser
seite geblieben, – und zum glück seÿe ihm dlr kmfolr mit 40000
                                        der Kaiser
Man zu hülfe gekomen – dlr kmfolr habe aber weichen müssen.
                                      der König
                 Kaiser

zweÿtens sagte man – dlr ksnfg hätte den kmfolr selbst
angegrifen, und gänzlich umrungen, und wen der general
Laudon
Emhdsn ihm nicht mit 1800 Curassier zu hülfe gekomen wäre,
so wäre er gefangen worden. von diesen 1800 Curassier seÿen
                                           Laudon
1600 geblieben – und der Emhdsn seye auch todgeschossen worden.
in Zeitungen habe ich aber nichts davon gelesen – heute aber
                                              Kaiser
habe wieder gehört, daß der kmfolr mit 40000 Man in
Sachsen eingefallen seÿe – obs wahr ist weis ich nicht –
eine schöne krazereÿ, nicht wahr? – ich habe keine gedult,
zum schön schreiben – wens sie es nur lesen könen, dan ist es
schon recht; – apropós; in Zeitungen steht, daß beÿ den
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scharmützel zwischen den Sachsen und kroaten ein Sächsischer
kranadier hauptman mit Namen Hopfgarten das leben verlohrn
habe, welchen man sehr bedauert – sollte wohl dieß der
brave liebe Baron hopfgarten seÿn, den wir zu Paris mit
hς: v: bose, gekent haben? – mir wäre sehr leid – ob=
wohl es mir lieber ist, daß er an einem so gloreichen tod
gestorben ist, als wen er etwa zu Paris in bett, aber einen
schandvollen tode genomen hätte – wie die meisten jungen
leüte hier – man redet hier mit keinen Menschen, der
nicht schon 3 bis 4 mahl mit dergleichen schönen krankheiten
begabt war – oder wircklich begabet ist – die kinder komen
hier schon damit auf die welt – doch da schreibe ich ihnen nichts
neües – daß wissen sie schon lange – doch, därfen sie mir sicher
glauben, daß es noch mehr zugenohmen hat – Adieu.
NB: das Ende von den Præludio werden sie hofentlich zusamen=
buchstabiren könen. aus fürsorge eine kleine erklärung.
in Bass mit der linckenhand bleibt das o, c, d, f, a, und h
imer liegen – bis es die rechte hand verhindert – die lezten
2 Noten in Bass, sind – c, g und octav c, und eine 4:tel
Note f und einfach gestrichene E. – wegen den tempo
müssen sie sich nicht viell bekümern – es ist so eine gewisse
sache, – Man spiellt es nach eigenen gutachten –
                                    Adieu

der jungf: Mizerl bitte ich in namen meiner zu gratuliren
– der ganzen schüzen=Compagnie meine Empfehlung –
den hς: jamerdiener möchte ich so 25 auf den buckel geben,
daß er die gute Catherl noch nicht geheÿrathet hat –
in meinen augen ist nichts schändlichers als ein Ehrliches Mädel
beÿ der nase herumzuführen – oder gar anzusezen! – das
will ich aber doch nicht hoffen! – wen ich vatter wäre, wollte ich der

sache bald
ein Ende
Machen. –

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                  zum Briefe vom 18. Jul.
                                        20 18Jul 78

                                  Allerliebste schwester!
dein Namenstag ist da! – ich weis daß du, wie ich, die
viellen worte nicht liebst, und überzeugt bist, daß ich
nicht nur heüte sondern alle tage dir alles selbstwählende
glück von ganzem herzen, und so aufrichtig, als man es
nur imer von einem wahren und für seine schwester
gutdenckenden brudern erwarten kan, wünsche.
mir ist leid, daß ich dir nicht wie einige jahre her mit
einer Musick aufwarten kan, – doch wir wollen hoffen,
daß die glückliche zeit nicht mehr so weit entfernt
seÿn wird, wo zweÿ so einige und zärtliche geschwisterte
sich wieder alles sagen könen, was sie dencken, und
was sie im herzen haben; – unterdessen lebe recht
wohl – und liebe mich, wie ich dich – ich umarme dich
von ganzem herzen – von ganzer Seele – und
bin Ewig dein aufrichtiger, wahrer bruder
                                                                       w Mozart mp

Daß nebenstehendes, von der Hand
meines Vatzers geschrieben ist, be=
zeuge ich. sein Sohn
                          W A Mozart mp
Wien am 28t Novς 839

Anna Berchtold zu
Sonnenburg.

BIBLIOTÉQUE
C.N.M.P.
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N. 47

N. 47

À
Monsieur
Monsieur Leopold Mozart
maitre de la Chapelle de S: A: R:
L'archeveque de salzbourg

                                    à
par strassbourg –
Augspourg –                   Salzbourg.