Homo proponit, Deus disponit. Den 20
ten gedachte ich von
Presburg aufzubrechen
und den 26
ten von Wie
n abzugehen, um am Neuen JahrsAbend in
Salzburg einzutreffen. Allein den 19
ten bekam ich ungewöhnliche Zähnschmerzen,
ich sage:
mir ungewöhnliche Zähnschmerzen; denn sie waren an
der ganze Reihe der obern vordern ohnschadhaften und sonst gesunden
Zähne. Die Nacht hindurch geschwoll mir das ganze Gesicht auf, und den folgenden
Tage sah ich dem wirklichen Posaune Tölpel

ähnlich; so zwar, daß
hl:
Lieutenant Winckler (des
Hof Paukers Bruder) da er uns besuchen wollte,
beym Eintritte ins zimmer mich verkannte, und irre gegangen zu seyn glaubte.
Bey diesem traurigen Umstande musste ich mich mit dem trösten, daß wir
ohne hin wegen der ungewöhnlich stark eingefallenen Kälte im
arrest waren;
denn die flügende Brücke wurde ausgehoben, und [mit] schifflein, auch dabey
mit gefahr [. . .] mit kleinen schiflein, sage ich, konnte man nur etwa das
Post
Paquet über die Donau hinüber bringen, da dann der
Postillion auf einem
BauernPferd weiter kommen muste. Ich muste demnach warten bis Nachricht
kamm, daß die Mark oder March (ein wasser, das nicht groß ist) zu gefrohren
ware. Ich nahm also am hl: Abend umb halbe 9 uhr Morgens von Presburg
Abschied und kamm auf einem ganz besondern Weeg um halbe 9 uhr Nachts
in Wie
n in unserm
quartier an. wir reisten diesen Tag nicht sonderlich bequemm,
indem der weeg zwar ausgefrohren, allein unbeschreiblich knoppericht
und voller tieffer gruben und schläge war; de
n die Ungarn machen keinen
weeg. Hätte ich in Pressburg nicht einen Wagen kauffen müssen, der recht gut
gehängt ist, so hätten wir ganz gewiß ein paar Rippen weniger nach Hause
gebracht. Den wagen muste ich kauffen, wenn ich anders wollte, daß wir
gesund nach Wie
n kommen sollten. De
n in ganz Presburg war kein 4 sitziger
geschlossner Wagen bey allen Landkutschern anzutreffen. Diesen wagen
hatte ein Stattkutscher, die Stattkutscher därffen aber nicht über Land fahren,
ausgenommen mit 2 Pferd nur auf etliche Stunde.
kaum kamen wir in Wie
n an, so sagte mir unser Zimmerfrau, daß die
grafin
Leopold Kyntsky täglich habe nachfragen lassen, ob wir angekommen? – – ich
gieng am hl: Weinachttage zu ihr, und sie sagte sie hätte mit schmerzen auf
uns gewartet, und eine tafel verschoben, die sie dem
feldmarschall Daun geben
wollte, der uns kö
nen möchte. Sie gab also diese Tafel am Montage. Nun
gehe ich am freytage morgens von hier ganz gewiß ab; und komme (mit
gottes Hilfe) am Sontage nach Lintz: und am Abend der hlhl: 3 Könige den
5
ten Jan: 1763 Hoffe ich bey [ihnen im] Zimmer zu stehen. Das versteht sich,
Nachts! sie möchten sonst glauben
in aller Frühe: welches ihnen freylich itzt
eben nicht so fremd kommen würde, da sie das aufstehen vom
Rorate schon
gewohnt sind. Nun werden Sie wohl denen mir hauffenweise schon erwiesenen
gefälligkeiten noch folgende hinzufügen: nämlich, vor allem dem gnädigen
Herrn Beichtvatter in meinem Nahmen das
gesündeste und glückseelste Neue
Jahr gehors: anzuwinschen, und Hochdenselben um die Zuwendung seiner
fernern gnade zu bitten; ich würde selbst geschrieben haben, we
n ich nicht
ordentlich anstand genohmen hätte Ihn gar so oft nach einander mit meinen
briefen zu belästigen. Machen Sie ferner meine Neujahrs Wünsche der
Madame
von Robini und
freul: Josepha pp: in
optima forma, da
n allen unsern
redlichen freunden, folglich sich selbst, der
frau gemahlin und dero ganzem
Hause. ferner erbitten sie statt meiner nebst Empfehlungen
p: den
hl: Reiffenstuehl,
mir zu erlauben, daß ich meinen Wagen in sein Hauß auf ein paar
täge stellen darff; bis ich nämlich ein Ort ausfündig mache solchen unterzubringen.
unterdessen wünsche ich daß wir einander alle den 5
ten gesund
sehen, und ich brenne für Begirde ihnen eine Menge Sachen erzehlen und
sagen zu können, daß ich ohnabänderlich bin
Dero redlicher freund
Mozart
[
Meine Frau und]
Kinder empf: sich.
[wenn sie das] zimmer ein paar täge heitzen liessen, [...] im fordern ofen müste es gar wenig seyn,
zu N. 9.
ausserordentlich kalt. S:
.