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wahrscheinlich an Hagenauer
                                N. 6.

                   Monsieur mon trés cher ami!
Leopold Mozart

Heute würde ich Sie mit meinem Briefe nicht be=
schweret haben, wen ich nicht ein Bischς Eigenliebe
hätte. Beÿliegende Reimς sind Ursach daran;
Die in dem Concert, das gestern beÿ der Mar=
quesin
von Patczeko
ware, von dem Grafen
Collalto
mir überreicht wurden. Ein gewisser
Pufendorff hat sie beÿ Anhörung meines Buebς
niedergeschriebς. Sie werdς davon Gebrauch
zu machς wissen. Sonderheitl: bitte solche S:r Exς:
Grafen v Spaur, dan dem gς: hς: Beichtvatter,
und der Madame v Robini lesen zu lassς.
hς: Johannes wird solche dem Woferl zu Lieb
ein paarmahl abzuschreibς schon die Güte habς.
Es werdς solche zwar, wie ich höre, durch einen
ner hier dem Druck übergebς werdς; doch
habe solches nicht abwarten wollς, weil ohnehin
doch nicht mehr als ein paar Stücke davon
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wegen den Postspesen hätte einschickς könnς.
Für dero wohlgemeintς Glückeswunsch bin ich ihnς
unendlich verbundς. Ich weis, daß Sie mein
bester Freund sind, und das ist genug.
hς: Doctor Ant: Agliardi empfehle mich; die an hς: v Gilows=
ky
aufgetragne Comission werde richtig ablegς.
hς: Spitzedς und hς: Adlgasser, denς mich ebenfahls
empfehle, möchtς wegen meiner schuldigς Beant=
wortung ihrer Schreibς noch in etwas in
Gedult stehen. Ebς dieß Bitte der Frauς Gemahlin
von der meinigς auszurichtς. Hier plagt man sich
übrigens mit verschiedenς bösen Zeitungς seit dem
Freÿberg wiedς so unglücklich in Preusische Hände ge=
fahlen ist. Man sagt nämlich, daß die Preussς
in den SazerCreis eingefallς seÿς, und uns ein
Magazin weggenohmς habe; daß Prag gesperrt
seÿe, und daß die Preussς auf Dressden losgehς.
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ja so gar von den Türkς selbst will man sich
nicht viel gutes versprechς. Gott wird in
das Mittl trettς, wen die Noth am grösstς
ist. – – Machς sie ganz Salzburg mein
Compliment, und bleibς sie versichert, daß
ich ohnabändςlich bin
                                     dero
                                               redlicher Freund
                                                        Mozart mp
Wien
Salzburg dς 10 Novbris
                        1762.
Der Meister Woferl danket für das gütige Andenkς
zu seinem Nahmenstage, er war mit dem Wienerischς
Nahmenstage nicht so gut zufriedς. Es sind ihm zu wenig
gratulantς erschienς. Er lasst fragς: wie das Clavier lebt? –
dessen er sich gar oft erinert; den hier habς wir noch kein
solches gefundς. Neue Concertς werdς wir genug mitbringς.
10 sind schon geschriebς und nun wird ebς an 12 andςς geschriebς.
Und diese sind alle vom Wagenseil.

P: S: an hς: Danzmeister bitte mit Gelegenheit mein Compliment.
der ist auch einer meiner wahrς Freunde, welcher ganz sicher
grossς Theil an unserem Wohl nimt.


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                                P: S:

Wenn Sie wenigst den halben Theil der 120 duccattς
in einς oder mehr sichere Schuldbrieffe verwandeln
könnten; so wäre es mir eine besondere Gnade.
Ich schreibe dieß aber nur darum, weil sich
manchmahl dazu eine unvermuthete Ge=
legenheit äussert, und nicht daß ich ihnς einς neue
Bemühung aufladς will, der ich ihnς ohnehin
für so viele Freundschaftsdienste, so sie mir er=
weisen, ewig verbundς bin. – – ja, eben
da ich dieses schreibe, fällt mir eine neue
Plage ein. – – ist hς: Comitti noch in Salzburg? – –
er hat mir noch 10 f zu bezahlς. Hς: Polis ist
zahler. könnte es eingehohlt und quittiert
werdς, so würde es gut seÿn: den ich werde
ohnedem mich mit ihm nicht mehr plagς könς.
Was macht dan unser lieber hς: Johς: Georg Stöckl? – –
Ich empfehle mich ihm. in unserem Hause ein Complimentς perpetuς.