[S. 1]


19.
Salzb
ς dς 20
tς Novς: 1777.
Mon trés cher Fils!
So sehr mich dein Schreiben vom 8
tς mit einer gewissen Hofnung erfüllte, und uns
alle, sonderheitl: auch h
ς: Bullinger vergnügte; so sehr missfiel uns dein Schreibς
vom 13
tς, welches wir zu unserer grossς Verwunderung den18
tς abends erhieltς,
folglich schon den 5
tς tag, da alle die übrigς aufs geschwindeste in 6 tagς eintraffς.
Es wäre freilich gar viel besser du hättest 15
Louis d'or, als eine Uhr,
die zwar auf 20
Louis d'or geschätzt wird erhaltς, da
n zum Reisen ist das Geld
nothwendiger, ja ohnentbehrlich. Wo werdet ihr nun diesen Brief lesen? – –
vermuthlich in Maynz. um des Hi
mels willς –
O
fur ah"ot nmcu gled trmcutln!
Meinς Brief vom 13
tς werdet ihr in Ma
nheim nicht mehr beko
mς habς, sondern
vermuthlich schon weg gewesen seÿn. Ich hab alles vorgesehς – – und wegen Frank=
fort habe dir, was mir h
ς: Leopold Henrich Pfeil geschriebς, umständlich be=
richtet. – – was nützt nun alles, was ich i
mer schreibς wollte, was vorbeÿ ist,
ist auch nicht zu ändς; und ich hatte nie das vergnügς zu vernehmς, warum
ihr schnurgerade in gröster Eÿle nach Manhei
m eÿlen mustet. ver=
muthlich auf vieles Einrathς verschiedener, die es zu verstehς glaubtς.
und um die schöne teutsche opera nicht zu versau
mς. doch es war freÿlich
die Reise nicht schnurgerade: da h
ς: Becke durch
seine bosshafte
Marchroute euch wacker spazierς geschickt, weil, wie h
ς: Bullinger sagt,
iederman dort bekannt ist, daß man über
Constat und
Bruchsal, und
nicht
über den andς, besen Weg nach Manheim gehς muß: Und ist h
ς: Beke
etwa niemals nach Manheim gereiset? – die müheselige Reise nach
Elwang war vergebens, und diese unnötige Ausgaabe habt ihr der Gütte
des h
ς: Becke zu verdankς. – – und war da
n der Fürst Taxis schon nach Regen=
spurg zurück? – – Genug! es ist vorbeÿ! – Nun must du bedacht nehmς
nicht nur beym
Churfς: von Maynz dich hören zu lassς, sondern es einzuleithς,
daß du ein
present in Geld beko
mst, und wenn es i
mer möglich ein Concert noch
darüber in der Statt gebς ka
nst, indem eine grosse
Noblesse da ist, und die
ganze Regierung, welches in Ma
nheim nicht ist, wo die Regierung und das meiste
sich in
Düsseldorf befindet. Zu allem diesem könnte dir h
ς: Concertmeister Kreiser
am besten verhelfen und die Sache einleiten. da
n wegen dem erstς, weis er selbst,
als einer der gereiset hat, daß man baar geld nötiger hat, und du ka
nst ihm die ganz
natürliche Ursache, we
n du beÿm Churf
ς: gespielt hast ohne Scheue sagς; weil du erst
eine
gallanterie in Ma
nheim beko
mς. wegς dem
Concert ka
n er vieles thun, weil er
überall in Maynz beliebt ist. Ist er nicht da; so wird dir die erste Sängerin
Franzisca
Ursprunger, der ich mich gehors
ς: empfehle Anleitung gebς, an we
n du dich zu wendς hast.
vielleicht an den violonzellistς h
ς: Schwachhofer dem Sohn, dem mich empfehle, und der dich auch
beÿm
Fürstς von Biberach, der in der Nähe – – und sein
Scolar ist – aufführς könnte.
Ich rede nun blindlings von Maynz, weil ich es vermuthe, daß ihr da seyd, indem
ihr nicht die mindeste Meldung macht, wohin ihr gehς werdet, und dieß der
nächste Hof ist: wohin euch Post und Trinckgeld etwa 10 bis 11 f mag gekostet haben.
OIhr müßt nach Geld trachten.
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STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
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In Maynz wird es dir nicht an Gelegenheit fehlς für |:
ich danke gehorsamst :| dem
h
ς: Chorherrn
Stark Claviersachς zu gebς, die er dann mit veränderung der
schweren Passagen in leichtere seinς
Scolarς verhandlen ka
n. – warum warst du
nicht bedacht dem Churf
ς: von Manheim etwas von deiner
Composition zu
überreichς? ich gab dir doch diesen Einschlag deines
Nutzς halben, und auch deine
Composition bekant zu machς; da war ja doch ein treffliches Instrument=
orchester. – ja, du hattest nicht zeit, daran zu denkς. wo wollt ihr nun weiter
hingehς? – – Nach Paris? – was wollt ihr für einς Weg nehmς? – wollt ihr nach
Paris ohne einige Empfehlungs=schreibς zu habς? – – was für einς Weg wollt ihr
nehmς um etwas unterweegs verdienς zu könnς? – – ohne dieses vorauszusetzς, wisst
ihr wohl wie viel Geld zu dieser erstaunlichς Reise nötig seÿn würde? – – und we
n
ihr da
n da seÿd, an we
n wollt ihr euch wendς? – muß nicht geld genug schon im
Sack seÿn, um leben zu könnς, bis man die nötigen bekanntschaftς gemacht hat,
um etwas verdienς zu könnς? – – Durch
Lectiongebς ka
n man in Paris vielles
machς! das ist gewiß: allein beko
mt man die
Scolaren alsogleich, und wird man
seinς Meister geschwind abdankς um den erst angeko
menς fremdς zu nehmς? –
Man ka
n durch
Composition, die man stechen lässt, vieles gewi
nς. ja! aber gehört
nicht zu allem diesem eine Protecktion, ein odς mehr freunde, eine
Subscription,
und setzt dieß alles nicht eine schon gemachte Bekanntschaft voraus? – – Ich gehe
über dieses alles hinaus: so ist doch ganz gewiß, das die Reise und die erste
zeit des Aufenthalts einς gutς Beutl erfordern. Ihr wisst:
dla ulrrln bheefn=
glr ofnd wfr drlf uhndlrt Ghedln ocuhedfg. dla ulrrln Wlfolr h"bhr uhndlrt
Ghedln. blÿa Klrocubmhalr wlfo fcu nfcut wfl vfle: lo wfrd ofcu mblr mhcu
mhi vflrzfg ghedln blemhiiln. vsn dla wflblr ocunlfdlr hnd dla amno=
ocunlfdler ksaaln mhi dmo nlhl fmurl mhcu dfl csntf. von andς Kleinigkeitς
zu
ltefcul ghedln nichts zu meldς, und
hnolrl tm"gefculn sunlntblurefculn
mhagmbln. dmo looln ksotlt olur wlnfg: aber es sind ja, sondςheitl: itzt
fa
wfntlr aft usez hnd efcutlrn hnd vfleln mndlrn Keilfnfgklftln os vflel
mhogmbln, dmo fcu glnhg zu studierς habe, alles untereinandς zu treibς.
ohneracht diesem allen, so bin bereit im falle ihr nach Paris wirkl: gehen wollt, euch aldort
seiner zeit
eine Vorsorge von 20 odς 30 Louis d'or zu machς, in der Hofnung, daß es gedoppelt und
dreyfach alda hereinko
mς werde: allein habς wir wieder unsern Freund
Grim aldort? –
warum wolte doch das fatale Schicksaal, daß ihr in Augsp
ς: so nahe beysa
m waret, ohne
solches zu wissς? – – vielleicht ist er in Paris? vielleicht war er eben da im Begriffe nach Paris
zu reisen? – – wer ka
n aber das wissς? – – Wie wäre es, we
n der Wolfgang itzt einς Brief
nach Paris schriebe mit der Aufschrift
à Mr: Grimm Envoyé de S: A: Sereniss:me Le Duc de
SaxenGotha à Paris. in diesem Brief könnte er seine Reise ankündigς, und bedauerς, daß
sie in augsp
ς: so nahe beysa
m warς, da an ebς dem abend das
Concert war, odς
accademie, wo h
ς: v Gri
m
bey den 3 mohrς abstieg
pp: die
addresse zur antwort müste nach
Coblenz, odς den Ort, wo ihr
hingehet ihm angezeigt
werden: und da i
mer ein beÿ der Abreise auf dem Postamt zurück
gelassenes
Billet, der sicherste Weg ist, die Briefe richtig zu beko
mς; so wird, wa
n er in Paris
ist, gewiß antwort erfolgς. Ist er nicht in Paris; so ist nichts daran gelegς, we
n auch der
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1881
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Brief verlohren würde, weil nichts verfängliches dari
n stehet, beÿ solchς Briefen muß
man aber die Unterschrift nicht zu tief herab setzς, damit nicht viel weisser Platz
darüber bleibt, sonst möchte ein spizbueb, we
n so ein Brief in fremde böse Hände gerieth,
den Nahmς herausschneidς und auf den oberhalb stehendς weissς Platz, eine kleine
obligation
von einigς
Louis d'ors hinschreibς. Ich hab es schon 2 mahl eri
nert, daß durch ein zurück=
gelassenes
Billet mit anzeige des Orts, man die Briefe am richtigstς beko
mt, da dem
Posta
mt daran gelegen ist, den
noch nicht bezahltς Brief an seine besti
mung zu bringen.
gute freunde, denς man einς Auftrag macht, kö
nς es vergessς. Beÿ der Ankunft an einem
Orte muß man da
n auf der Post öfters fleisige Nachfrage haltς. Was ich nun von einer Vor=
sehung des Gelds in Paris gemeldet, würde ich
nfcut blwlrkotleefgln ks"nnln, wln fur
fzt fn irmnkihrt lfnfglo Gled nlualn oseetlt, desswegen müsst ihr itzt ein
Prlolnt fn
Gled zh lrumetln trmcutln, oder in allem falle auch sehen, daß eine
Dame es
übernehmς möchte, die
hur unter der Noblesse
mhoopfleln zu lassς, wie es
La Motte
in Prag mit allen alda erhaltenς
gallanterien gemacht hat. das könnte h
ς: v Dalbergs
schöne Frau Thun. h
ς: Krauser weis das am bestς zu machς. – – das ist nun noch lang nicht
alles! die Ma
ma wird, auf meine Frage vom weg nach Pariß sagς: wie werdς wir reisς? – –
wir werdς halt den altς Weeg nehmς wie vormahls. die Ma
ma wird sich eri
nern das
[e]s 34 Postς sind: Es ist aber zu bemerkς, daß ihr die
chaise nicht mehr brauchς ko
nt, man
würde euch
4 Pferd mit
2 Postillions versehς einspanς; da hilft nichts dafür, und in
Brabandt haben die Postς von
Brüssel bis nach
Valencienes 4 Pferd 44 f gekostet. zu
Valen=
ciens muste 6 Pferd nehmς. da müste nun die
chaise verkauft, und mit dς
Dilligence
gegangς werdς.
NB ich glaube auf diesen französς: Strassς gehet die Dilligence nicht beÿ der
Nacht. über diesen Punckt muß schon itzt beÿ den Postämtern aller Ortς Nachfrag gehaltς
werdς: da
n die
chaise kan man nicht über Hals und Kopf am letztς Orte verkauffς und in
der Noth sich abdruckς lassς: man müste schon eher darauf bedacht seÿn. Ihr seht daraus, daß
man bedacht seyn
muß lange voraus mir zu schreibς alles, was man zu thun gedenkt, da die Brief
einς allzu weitς weeg zu gehς habς, um Antwort zu erhaltς. Euch die Post=
stationen von Bruxelles
bis Paris zu überschreibς, erspare auf den nächsten Post=tag. Nur bitte mir euere Gedankς zu schreibς
wie ihr aigentlich eure Reise fortzusetzς gedenket.
Der Fürst von Chiemse ist zu
Zeil in Schwabς vom
Podagra überfahlς wordς, sonst wäre er längst in Münchς,
man erwartet ihn alda, und we
n du ihm itzt nach Münchς schreibst, wird er gewiß schon da seÿn.
Mir scheint Münchς gefällt dir besser als Manheim. Mir wär Münchς lieber: we
n gleich das
orchester
in Manheim gut ist; so gefällt es mir nicht, daß sie keine Sänger habς. und ist doch alle Jahre
eine Abwechselung von Sängern und
Maestri beÿ der
opera. Woltest du de
n nicht dem
Fürst
Zeil schreibς, daß er dem Churfürstς und gr:
Seeau den Vortrag machς möchte, daß er dich
nur auf ein odς 2 Jahre nehmς möchte, wie ers mit den
Castraten zu machς plegt. daß du
kein
Decret verlangst – –, daß du ein junger Mensch bist, der es gar nicht sucht, sondern
noch jung genug ist sein Glück in der Welt zu machς, daß du aber eine ohnwiderstehliche
Neigung hast dem Churfursten auf eine ihm selbst beliebige Zeit zu dienς. du könntest
dem Fürstς auf einem
extra blath schreibς, daß es S
r:
Exς: des h
ς Gr:
Seau Schaden nicht
seÿn würde, indem du dich verbindest seine teutsche Singspiele recht herzurichtς.
und wolltest
versicherung und einς schriftlichς
Revers abgebς, daß du dem Churf
ς: nicht
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1881
[S. 4]


angehς oder plagen wolltest dich länger, als die Besti
mte Zeit zu behaltς, we
n nicht
Höchstderselbe dazu geneigt wäre
p: – – Mein gedanke ist dieser: du wärest hier
näher beÿ Italien, ko
mt eine
Scrittura, und bist du in Münchς, so lasst er dich gehς und
der Gehalt geht fort. ko
mt itzt kein
Scrittura, so ist dieser Dienst der Weeg desto
gewisser eine zu beko
mς, und hundert sachς, die du selbst weist. Man hat erstaunlich viel
Herrschaft
ς: Schlösser und Klöster um Münchς herum, und beständig mit jagς, Reitς und
fahren Unterhaltung genug, we
n man einmal bekannt ist; Gelegenheit zur
Compo=
sition für die Kirche und das Theater: und im Winter mehr Unterhaltung als an
allen Orten die ich ke
ne. – Ich muß schlüssς. Wir beÿde Küssς die liebe Ma
ma und dich
und bin dς alte Mann und Vatter
Mozart
mp
Heute haben wir keinς Brief von euch, vielleicht komt einer morgen mit der freÿtagpost.
von der Deutschς opera, wer hat sie Componiert? wer hat, und wie wurde gesungς? – kein Wort!
von der Accademie, wer spielte, wer sang, wer Bließ und Pfieff, schöne Musik? kein Wort!
es seyds rahre Leute! – ja doch, die Mama schrieb: beÿ der opera war eine schöne Musik.
da haben wirs, das übrige – schmecks! – Was warς dan für Violin Concert=
spieler da? – – hς: Fränzl? – – schmecks! und der Philosoph und brosen=
trokene Raaff? – schmeks!
A Monsieur
Monsieur Wolfgang Amadé
Mozart Maître de Musique
à
im Pfälzischen
Hofe. Frcoaugς.
Manheim
N:o 19.
Die Chifren auf der dritten Seite:
nicht bewerkstelligen können, wenn Ihr izt in
Frankfurt einiges Geld nehmen solltest
– Präsent in Geld zu erhalten trachten
– Uhr ausspielen
Die Chifren auf der zweiten Seite:
wir sind dem Herrn Bullinger 300 fl. schuldig, dem Herrn Weiser über 100; bei dem
Kerschbau-
mer weiß ich nicht, wie viel: es wird sich aber auf 40 fl. belaufen. Von dem Weiberschneider
und dem Mannsschneider kommen auf das neue Jahr auch die Conti.
– etliche Gulden
– unsere täglichen unentbehrlichen Ausgaben. das Essen kostet sehr wenig.
– im Winter mit Holz und Licht und vielen andern Kleinigkeiten so viele Ausgaben,
daß
ich genug
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1881