[S. 1]


Maÿland dς 24
tς
august 1771.
Am Mittwoche dς 21
tς diess abends nach 7 uhr sind wir glückl: hier angelangt;
wir hieltς uns den ganzς Montag beÿ
Sgr: Lugiati in
Verona auf, wo ich an dich
geschriebς, und du mein schreibς sondς zweifl wirst erhaltς habς. am Dienstage
giengς wir nach
Brescia, wo wir, da wir um 3 uhr nachmittag anlangtς, auf anhaltς
guter Freunde des
Lugiatischς Hauses |: an die ich vom
Lugiato etliche Hundert
guldς mitbrachte :| den abend verbleibς mustς, und am Mittwoche morgens erst nach
Mayland abreisetς, und unter wegs zu
Canonico einς uns bekanntς
Speditore be=
suchtς und zu mittag speistς. Ich muß dir sagς, daß die
Poesie von Wie
n
noch nicht angelanget ist. Man erwartet sie mit entsetzlicher Begierde, indem
man sonst mit verfertigung dς Kleidς und ausziehrung, verändςung
p: des Theaters nicht
ka
n fertig werdς. den 15
tς octobris wird der Erzherzog in Mayland eintreffς,
beÿ der
Domkirche absteigς, und also gleich hineintrettς und sich vermehlς, da
n
der Handkuß seÿ, nachdem grosses
Souppée, und alsda
n gute Nacht!
den tag darauf fangς die Feyerlichkeitς an, die seiner Zeit berichtς werde;
unterdessς habe 20000 Pfund Waxkertzς gesehς, die bereit liegς, die dom=
kirche, den Hof
p: und anderes den 15
tς octbς: zu beleuchtς.
Gestern habς wir beÿ
Sgr: Germani in gesellschaft des Kays
ς: Ca
merfouriers
h
ς: Ziner gespeiset, der in 8 tag wird nach Wie
n zurückgehς, und
mit dem Erzh
ς: wiedς hereinko
mς wird. Wen Du schreibst, ka
nst den
Brief glatt auf mich lauffς lassς, ich werde ihn auf dς Post schon abhohlς,
bis h
ς: von Troger herein ko
mt, da
n kanst also schreibς.
DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM
INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
[S. 2]


Al Ill:mo Sgre: Pad:e Colendss:mo il Sgr: D: Leopoldo Troger Secretario Reggio
del governo della Lombardia
à
Milano.
h
ς: Haushofmeister
Ferdinando Germani ist
Controlor des Durchlauchtgς
Brautpaars gewordς, und wird beÿ der Ankunft des Hofes gleich seinς
dienst antrettς. Er und Sie empf
ς: sich; wie auch H
ς: v Aste und
Madame. Lebts beyde gesund wir Kissς euch viel 100000000 mahl
und bin, nebst unserer empf
ς: an alle freunde und freundinς, dein
alter
Allerliebste schwester!
Mozart
mp

wir haben auf der Reise vielle hiz ausgestanden, und der staub hat uns be=
ständig impertinent sechirt, daß wir gewiß ersticket und verschmachtet
wären, wen wir nicht gescheider gewesen wären. hier hat es ein
ganzes monath durch |: sagen die Maÿländer :| nicht gerenget,
heünt hat es angefangen ein wenig zu tröpfeln, iezt aber
scheünt wieder die sone, und es ist wieder sehr warm. was du
mir versprochen hast |: du weist schon was . . . . o du lieb du! :|
halte gewis, ich bitte dich, ich werde dir gewis verbunden seÿn.
die prinzessin hatte neülich das geschäftige chatherl oder das = =
schmeissen; sonst weis ich nichts neues. schreibe du mir was neües.
Meine Complimenten an alle gute freünd und freündinen,
und Meinen handkus an die Mama. Jezt blas ich Just vor
hitz! nun reis ich daß leibel auf. Addio. lebe wohl:
wolfgang
oben unser ist ein violinist, unter unser auch einer, neben unser
ein singmeister der lection gibt, in dem lezten Zimer gegen
unser ist ein hautboist. daß ist lustig zum Componiern!
giebt einen viell gedancken.
DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM
INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881