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     Madame

Wie nun die Ehre gehabt, dero Herrn Liebsten und allerliebsten
Herrn Sohn Amadeus seit einem Monath mit meiner Unvermö=
genheit allhier zu bedienen, als kan nicht weniger thun, mir hiemit
die Freÿheit zu nehmen, Ihnen zu berichten, wie auch dz vergnügen
gehabt, dieße meine Liebe Bekandte und gute Freunde, bis nacher
Padova mit einem guten Theil von meiner Famille, zu begleithen,
wo wir uns dann gestern Frühe haben verlaßen müßen, Gott Lob
alles gesund und wohlauf, morgen auf den abend solle die ankunft
in Verona erfolgen, allwo mann Sich nicht lange aufhalten, sondern
die Reiße gegen dem Lieben Vatterlande fortsezen wird, der Liebe
Gotte wolle also überall der Geleits=Mann seÿn, und dieße gute
und liebe Freünde glüklich und gesund nacher Hauße bringen,
welches Seiner Zeit mit einem ungemeinen großen Verlangen
zu vernehmen gewärtige, einstweilen bitte mir gütigst zu excusiren
dz so freÿ geweßen, dießes schlechte Concept an dießelbe ergehen
zu lassen, hingegen aber will mir dero Gewogenheit noch weiter
ausgebetten haben, wie dann in solcher Zuversicht auch Ihnen meine
schwache Dienste, beÿ allen Vorfallenheiten, mit allem Nachedrukh
anerbothen haben will, damit Sie mich in der That erkennen mögen
wie nach gehorsamsten Respect nebst meiner Liebste auch an die
allerwertheste Mademoiselle Tochter, mit aller Ergebenheit verharre,
                     Madame
                          Dero ganz Ergebenster wahrer Diener
Venedig dς 15 Merz                   Johannes Wider
                   1771                                    V.S.V.P

DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM

INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
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P: S: Noch eben tat empfange durch Herrn Hagenauer,
welchem ohnschwer mein Compliment zu vermelden, ein
Schreiben vor dero werthesten Herrn Liebsten, welches Ihme
morgen abend nacher Verona adressieren werde./.