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                                                                         Rom dς 27 Junij 1770.

Gestern um 8 uhr abends sind wir hier in Rom angelangt, wir machtς
diese Reise, wozu wir mit dem Vitturino 4 u einς halbς tag zubrachtς, itzt
mit der Post in 27 Stundς. wir sind aber rechtschaffς geflogς. hς: Graf v
Kaunitz kam erst heute: ich dachte es wäre besser allein zu reisς, weil
man oft so viele Pferde auf den Poststationς nicht findet, so hätte man alsdan
die Ehre einς halbς tag auf einer Post sitzς zu bleibς und auf die Zurückkunft
der Pferde zu wartς; um so mehr, als ich wuste, daß S. Eς: hς: general Koch
mit 5 Pferd, und ein Engelländς mit 7 Pferde nach Rom gehς werdς.
wir reisetς also allein von Neapl ab, und ich gab mich aller orthς für den
Haushofmeister des Kaysς: Gesandtς aus, weil die Haushofmeister solcher herrn
in diesς Ortς in vielem ansehς stehς. dieses machte nicht nur meine Reise sicher,
sondς ich erhielte gute Pferde, geschwinde Beferderung, und in Rom durffte
ich nicht in die Mauth zur Visitation fahrς, sondς man machte mir beÿm
thor noch ein tiefes Compt: hieß mich gerade nur nach Hause fahrς, und
ich wurff ganz vergnügt ihnen ein paar Paul ins gesicht. Weil wir nun
in diesen 27 Stς: unserer Reise nur 2 Stund geschlaffς, und nichts als 4 gebrathne
kalte Händl im Wagς mit einem Stück brod verzehrt, so kannst du dir
unsern Hunger, Durst und schlaf leicht vorstellς. unsere gute frau Uslenghi
hat uns einς gutς lindgekochtς Reiß gegebς und wir nahmς nichts weiters als iedς ein
paar lindgesottne Eÿer p: und da wir in unser Zimer kamς, setzte sich
der Wolfgς: auf einς sessl nieder und fieng augenblicklich zu schnarchς und
so vest zu schlaffς an, daß ich ihn völlig auszog und ins beth legte, ohne daß
er nur das mindeste Zeichς gab, daß er wach werdς könnte, sondς er schnarchte imer
fort, obwohl ich ihn zu zeitς vom sessl aufhebς und wiedς niedςsetzς und endlich
gänzlich schlaffend ins beth schleppen muste. als er nach 9 uhr morgens erwachte
wuste er nicht wo er war, und wie er ins Beth gekomς; und er lang schier die
ganze Nacht auf dem nämlichς Platz. Wir sind also, Gott Lob, gesund. Morgς und
übermorgς werdς wir die feuerwerk, la girandola p: und alle dergleichς schöne

DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM

INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
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dann die überreichung des Neapolitς: Tributs, und das Amt und Vesper in
St: Peter sehς. Daß hς: Meissner noch nicht in Salzbς: war, da du mir geschriebς,
wundert mich sehr; noch mehr aber, daß er nichts nach Salzbς: geschriebς, wen es
wahr wäre, daß er krankheit halbς noch nicht angelangt. Ich weis nichts von
ihm. die Mdsle: Troger ist also noch nicht verreiset? ich vermuthe dieser
Brief wird noch wohl zurecht komς, und du wirst ihr noch ein Compt: v mir aus=
richtς könnς. Auf diesen Brief darfst du mir nicht antwortς bis ich dir
nicht wiedς schreibe.
du must unterdessς vom 5, 9, und 16 Junij von mir
aus Neapl briefe habς. deine Briefe habe bishero alle empfangς. In Neapl
hat der Impressario Sgr: Amadori, da er den Wolfgς: beÿm Jomelli gesehen,
und gehört, ihm angetragς eine opera auf dem Teatro Reale à S: Carlo zu
schreibς. welches wir aber dermahl wegς Mayland nicht habς annehmς könnς.
der Impressario erklärte sich alsdan, daß er wohl vorsehe, daß wegς einer
einzigς opera es nicht der Mühe werth wäre bis nach Neapl zu reisς:
allein er wünschte und hofte der Wolfgς: werde in Bollogna odς Rom
über kurz odς lang eine opera schreibς; er bitte uns ihm nur davon Nach=
richt zu gebς, indem er ihm dan alsogleich die Scrittura fürs theatro
Reale
schickς wolle.      der hς: Hornung hat um Arien gebethς. du
kanst ihm gebς was er imer will. auch hς: Spitzedς, wen er etwas will.
sie könς es nur aussuchς; wen sie es nur wiedς mit dς Zeit zurückgebς.
Lebe du und die Nannerl gesund: wir küssς euch beÿde 1000 mahl ich bin
                                                        dein alter Mozart mp
an alle freunde und freundinς in und ausser dem hause alles er=
denkliche.
hς: Meuricoffre war beÿ unserer abreise. Er hat uns die gröstς
freundstücke erwiesς. den letztς tag noch hat er uns hundert und 25 Duccattς
aufgetriebς theils Romani; Cigliati und Zechini um wenigst das meiste
der Neaptς: untzς odς oncie d'oro auszuwexlς und weg zu bringς, weil
solche ausser Neapl nicht gehς.

DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM

INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881