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Neapel dς 22
tς Maÿ 1770
Mein schreibς vom 19
tς wirst du unterdessς richtig empfangς habς. vor 2 tägς
giengς wir auf dem
Molo spazierς, und we
n begegnetς wir? – we
n meinst du
wohl? – – unsern gutς freund
Mr. Donker: den schönς langς
Doncker von
Amsterdam, welcher schon 3 Jahre hier beÿ dem französi
ς Consul sich aufhält.
dieser
Consul war in Amsterdam gegenwärtig, da wir einς Abend beÿ
h
ς: Doncker speisetς. Gestern speisetς wir mittags beÿ ihm; und nach=
mittag warς wir beÿ der kaÿs
ς: Gesandtin gräfin
v Kaunitz, gebohrnς
Fürstin von Ötting. Nun sind wir bald mit unsern
Visiten fertig.
Die
Marchesa Tanucci, frau des
Premier=Ministers, schickte gestern ihrς
haushofmeister zu mir, und Ließ mir meldς, daß selber jederzeit zu
meinem Befehl wäre uns aller Ortς herumzuführς und uns alle selten=
heitς Neapels zu zeigς. dieses ist eine
Distinction die jedςman in
Verwunderung setzet, da dieser
Minister eigentlich
König ist, und
sehr hoch gehet. Gestern sind wir in der
opera Buffa gewesς;
h
ς: Meuricoffre führte uns hinein; solche ist sehr gut: die alte
Principessa di bellmonte sahe uns gleich und machte uns vielle
Com=
plimentς obwohl unser
Loge weit von dς ihrς entfernt ware.
heut habς wir beÿ einem schweitzer
officier gespeist.
das wetter fängt nun an etwas wärmer zu werdς. Morgς
zum
der schneidς zum
Mr: Meuricofre, wir werdς uns noch ein paar
so
merkleidς machς lassς. Wegς des Lufts in
Neapl ka
nst du
ausser aller Sorge seÿn, hier ist sehr gesunde Luft. We
n wir
nur wiedς über Rom hinaus sind, da
n Rom selbst ist nicht so
gar übl, aber gewisse gegendς ausser Rom sind etwas
gefährlich. wir sind, gott Lob, gesund. schreib fleisig, damit
DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM
INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
[S. 2]


wir wissen wie es euch gehet. Ich schreib diesς Brief nur, damit
du weist, wo wir sind, we
n der erste aus Neapel nicht sollte
angelangt seÿn. ich schreibe in Eÿl. Küsse dich und die Na
nerl
1000 Mahl. h
ς: Doncker empfehlet sich dir
u dς Na
nerl
von Herzς und ich bin dein alter
Mzt
mp
An alle freunde
u freundinς meine Empfehl:
h
ς: v Mölks schreibς, und den Einschluß von
Mr: Eyweck habe erhaltς.
empfehle mich beÿdςseits.
Ich bin gott lob und danck gesund und küsse der mama
die händ und alle beede küsse ich zu tausendmahl.
Hast du unsern wagς noch nicht verkauft? – –
man muß nachsehς und solchς butzς lassς, sonst geht er zu grunde
DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM
INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881