[S. 1]


VII.60
Maÿland dς 10
tς feb
ς: 1770.
Meine Briefe vom 27 Je
ner und 3
tς Feb
ς: wirst du hofentl: erhaltς habς, so,
wie jenς von Mantua. was ich sicher vorsehe, ist, daß wir bis Ende des faschings
hier bleibς werdς. S:
e Excς: Graf v Firmian sind nun wiedς besser, und wir hatten
die gnade Mittwoch den 7
tς das erste mahl beÿ seiner Tafel zu speisen. S
e:
Excς:
haben nach der Tafel dem
Wolfgς: die 9 Theile der
Metastasische Werke verehrt.
Es ist eine der schönstς
Editionen nämlich die
Turiner=Edition, und sehr schön ein=
gebundς. du kannst dir leicht vorstellς, daß dieß ein so wohl mir als dem
Wolfg
ς: sehr angenehmes
present ist. S
e:
Excς: sind durch die geschicklichkeit
des Wolfg
ς: auserist gerührt, und
distinguirς uns mit besondςer gnade und
vorzüglichkeit; und es würde zu weitläuftig seÿn, dir umständlich zu erzehlς,
was der Wolfg
ς: in Gegenwart des
Maestro Samartino und einer menge der
geschicktestς Leute für Probς seiner Wissenschaft abgelegt, und alle in
Erstaunung gesetzt. du weist es ohnedem, wie es in dergleichς fällς zu=
gehet, du hast es oft genug gesehς. Wir sind, Gott lob, gesund.
Nur verdrüsst mich, daß ich nicht weis, ob wir noch nach
Turin gehς werdς.
de
n, we
n wir auf die Heilige Woche in Rom seÿn wollς, so muß die
Turiner=
reise zurückbleibς, weil wir uns auf dem Weeg nach Rom, in
Parma,
Bologna und
Florenz aufhaltς, und ich vorsehe, daß vor der erstς fasten=
woche nicht von hier wegko
mς kann. das beste ist, daß wir hier sichere,
beque
me und angenehme Wohnung habς. Wir hattς lange das schönste Wetter,
den 6
tς aber kam ein heftiger Wind, welcher den 7
tς in der Nacht noch stärker
wurde und einς solchς schnee mit sich brachte, daß den 8
tς morgens alles mit
häuftigem Schnee bedecket war. da nun aber kein Schnee hierbleibς ka
n, so
sind die Strassς abscheulich kottig, und kaum durchzuko
mς.
Unterdessς habς wir hier verschiedene KirchenMusikς zu hörς Gelegenheit gehabt; und
unter andςς gestern das Seelena
mt odς
Requiem für den altς
Marquese
Litta, welcher zum Verdruss der so grossς
Familie itzt im fasching gestorbς ist,
da sie ihm doch das lebς gerne noch bis in die Fasten gegö
net hättς. Das
Dies
iræ von diesem
Requiem dauerte gegς 3 viertlstund um 2 uhr Nachmittag
war alles aus: wir assen also um halbe 3 zu mittag.
BIBLIOTHECA PALAT.
VINDOBONENSIS.
[S. 2]


du must dir nicht einbildς, daß ich dir eine Beschreibung der hiesigς
Andachtς machς werde; ich könnte es für Ärgerniß nicht thun:
alles bestehet in der Musik, und im kirchen aufputz, das übrige
ist alles die abscheulichste Ausgelassenheit.
Nun ko
me eben von einer Vesper so über 2 Stunden gedauert, so
daß mehr nicht Zeit hatte als diesen Brief zu Hause zu hohlς, und beÿ
h
ς: Hausmeister im grafl:
Firmianischς Hause auszuschreibς, indem auch
vorhero alda sehen wollte, ob nicht ein Brief von dir alda ist: allein ich
fand nichts. du bist sehr faul; nun sind wir schon lange hier und dieser
ist der dritte Brief den ich dir von Maÿland schreibe, und noch keine
Antwort. Ich weis nichts bessers als auch einige Wochς nicht mehr zu schreibς.
Der
Wolfgς: freuet sich von Posttage zu Posttage von dir einς Brief zu
sehς, und de
noch ko
mt nichts.
addio. ich bin dς alte
Mzt mp
An alle gute freunde und freundinς nach Standsgebühr
meine, ja unser Beydς Empfehlung.
wen man die Sau nent so komt sie gerent: ich bin wohlauf got lob und danck,
und kan kaum die stunde erwarten, eine antwort zu sehen, ich
küsse der mama die hand, und meiner schwester schicke ich ein bla=
dernades busel, und bleibe der nehmliche . . . . aber wer? . . . der nehm=
liche hanswurst, Wolfgang in Teütschland Amadeo in italien
De Mozartini.
Ich kisse dich und die Nanerl: aber nur einmahl, weil ihr nichts schreibet.
Mr: Troger lasst sich dir empfehlen: sage der Madss:le Troger nebst
meiner Empfehlung, daß ich ihrem hς: Bruder sehr grosse Verbindlichkeit habe,
indem er uns ein so gute Wohnung ausgesucht, wo wir mit allem wohl
versorgt sind, und einς eigenς Bruder zu unserer Bedienung habς.