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No27
                                                                              wien den 11 oct 1809
          Lieber Karl!

vorig woche hat unser Freund Bridi die Kiste mit den Musiqualien wovon
ich dir in meinem letzten Briefe geschrieben abgeschickt; sie kostetete mich
in gold 5 ducaten transport, um welche ich dich Bitten muß, mir sie wieder
so bald wie möchlich zu erstatten, indem die zeiten ietz so theüer sind
daß mir nicht möchlich ist dir sie zu schencken so gerne ich auch wolte.
Du bekömst einen größen schatz an diesen Musiqualien und kanst es
dahero gerne thuen. – Herr v Rey welcher mir deinen Brief bracht
als ich nicht hier war, ist nun einmahl bey mir geweßen. Wir
sprachen viel von dir, und ich freue mich sehr ihn nach seynem
versprechen wieder zu sehen. Er sagte mir daß er dich recht
gut kenne, und es scheint mir auch daß er recht hat; auch ver[-]
sprach er mir, im falle er wieder abreiße, er einen Brief
an dich mit zu nehmen.
Heute spricht man von nichts als vom Frieden Gott gebe daß es
wahr werde, den so were es nicht mehr auszuhalten. – von deinem
Bruder habe ich noch keine Nachricht, ich hoffe aber daß es ihm gut gehet
den er kömt mit seyner keckheit durch die Welt, um ihn wird es mir
nie Bange seyn. und nun weiß ich dir für diesmahl nichts mehr zu
sagen als daß wir gott sey es gedanckt gesund und wohl auf sind
und wir ein gleiches von dir hoffen und wünschen. von der guten
Sophie habe ich leider Nachricht: daß sie Beyde er und sie kranck
sind und gott weiß wen ich wieder Nachricht von ihr Bekome indem
ietz keine post nach Ungern gehet und man mir meinen
Brief an sie gestern nicht annahm. so werde ich wohl auch
keinen von ihr erhalten, und deswegen wegen ihr in großen sorgen
bleiben. Nun lebe wohl schreibe recht Bald deiner dich liebenden
                                                                                 Mutter Nissen.
                                                                                            mp
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info
Mein lieber Carl,
die Kiste ist von dem Herrn Bridi an den Herrn Redaelli
| wenn ich anders seinen Namen nicht estropüre | adressirt, welcher
sie Ihnen ganz kostenfrey zustellen muß. Ersterer sagt mir,
daß er Sie Lezterem schon lange sehr empfohlen hat.
Wenn Sie den Marquis Rosales sehen sollten, so bitte ich Sie,
ihm meine Hochachtung zu vermelden.
Leben sie wohl! Ich bin Ihr
                                          zärtlicher Vater
                                          Nissen
Empfehlen Sie uns auch den Herren Asioli und Pinali: ich
hoffe, daß Sie mit Lezterem wieder gut stehen. Mit allen
Menschen muß man gut seyn, wenn es mir nicht auf Kosten
der Rechtschaffenheit oder der Ehre ist. Man kan nicht
wissen, wann man die Leute nöthig hat, und die Combinationen
im menschlichen Leben sind so abwechselnd als vielfach.
Vorgestern ward Don Juan im Theater des Schlosses
Schönbrunn vor S.r Majestät dem französischen Kaiser auf
deutsch aufgeführt.
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[vacat]
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Vienna        
1809

Al Signore
Signore Carlo Mozart.
Milano.

Sab. 5 Soldi
Scarpe 2
Mandorlita 9 Soldi
pere 14
Burro 9 Soldi
Sale 13 Soldi
Endiv 2 Soldi
Alici 3
pere 9
3   18 Soldi
valet 2   19 Soldi
6   8
ora 1 3/4
1809