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No. 17
                                           
45 – 907

Mein lieber Carl,
ich habe Ihren französischen Brief von diesem Monate
(doch ohne datum) erhalten und danke Ihnen
dafür. Er war ganz gut, doch rathe ich Ihnen
fleißig gute und gutgeschriebene Bücher in der
selben Sprache zu lesen, um es weiter darin zu
bringen. In den Geschlechtern sind Sie noch nicht ganz
vollkommen bewandert: sentiment ist männlich; Sie
hatten das Adjectiv dazu weiblich gemacht. Das
war aber auch Ihr hauptfehler, und der Brief war
übrigens recht gut. Raccommandation soll recom.
heißen: ich begreife aber sehr gut, daß die italiänische
Sprache leicht in solchen Worten verwirren kann.
Der Marquis Rosales hat an seinen Bruder läng-
stens geschrieben, und ihm aufgetragen, Sie bey dem
Grafen Litta zu empfehlen. Sie haben gar nicht
zu fürchten, daß der Briefwechsel mit Ihnen unter-
brochen wird: dazu sind nicht die allergeringsten Aus-
sichten. Weder Ihre Mutter noch ich können Ihnen einen
Vorschuß für 6. Monate machen. Wir bedauern es;
auch wäre es nicht zu Ihrem bleibenden Nuzen; denn
was hätten Sie hernach? Aber wir schießen Ihnen dieses
Mal vor, was wir nach unsrer Erklärung erst am
24 Nov. senden wollten. Wenn man weiß, worauf man
zu rechnen hat, so muß man sich darnach einrichten. das
ist eine Hauptsache in der Außführung; Fahren Sie
fort fleißig zu seyn, damit Sie bald Ihrem Namen
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Ehre machen und sich eine unabhängige Existenz
verschaffen können. Welch ein glückliches Loos
ist in Ihrer eignen Hand! Ich werde es nie errei-
chen! An den braven Asioli schreibe ich mit heu-
tiger Post, und danke ihm herzlich. Von der Par-
titur lasse ich Ihre Mutter schreiben; wenn sie zu
haben ist, soll sie als ein Geschenk von ihr
gesandt werden.   Leben Sie wohl und glücklich!
   Wien 29. Oct. 1806.                  Ihr Nißen
Zu einiger Erleichterung für Sie soll das heutige
Geld kein Vorschuß seyn, sondern Sie erhalten von
nun an im Jan., April, Jul. und Oct. dieselbe Summe,
also immer um einen Monat früher als es
bestimmt war. – Ich hoffe mit Gewißheit, daß
Sie vor dem Empfange dieses Brifs das Notenpapier
u. s. w. erhalten haben: es fehlte Bridi an Gelegen-
heit, es gleich abzusenden. Der Vetturino ist noch
nicht bey uns gewesen.

info
Endlich lieber Karl bin ich so glücklich
die Don juan in Partitur schicken zu
zu können, kein Mensch will ihn her[-]
geben und mit großer Muhe be[-]
kam ich ihn von Treg zu kaufen
und daß zwahr sehr theuer. –
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Ich schicke dir ihn also, wie mein
lieber Nissenn es will, Deinem
Meister asioli zum geschencke
und wünsche daß er ihm so viele
Freude macht, als er mir schon
gemacht hat. Ich zweifle nicht daß
er so gütig sein wird dir in von
zeit zu zeit zu leihen damit du
ihn auch studiren kanst und Viel[-]
leicht ein mahl abschreibtst
den dadurch kanst du Viel sehr
Viel einsicht bekomen.
Dein Bruder last dich grüßen und
sagen daß er sich noch nicht ge[-]
traut, eine von seinen partituren
zu überschicken indem er wohl
einsieht daß er noch nicht
würdig ist anfangs sachen an
einen so großen Meister wie
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wie asioli ist zu über schicken, allein
dies soll ihn nicht hindern bei erster
gelechenheit einer seiner besten
partituren, nemlich die er für die
beste seiner kleinen wercke halt
dir zu überschicken, wilst du sie
als da Herren asioli sehen laßen
so stehet es bei dir.
Wir sind gott sei dank alle
gesund nur dein Bruder hat
einen übersprungen fuß weswen
er schon 14 Tage krum ist und
daß Hauß hüten muß, die Sophie
ist bei ihrem Mann, und wie
wir wißen recht wohl so bald
ich gelegenheit finde werde ich
sie von dir grüßen ad
lebe wohl sey fleißig und
liebe deine deine Mutter.