[S. 1]


St: Gilgen dς 18tς Junÿ
1801.
Hochedlgebohrn!
Hochschätzbahrester
Herr!
Ich hofe, Sie werden mein
Schreiben von 27tς Maÿ
richtig erhalten haben. Mit dem heüntigen
bothen übersende ich für Sie an die
Mairische
Buchhandlung die
copiatur der
opera La Finta
Semplice, und wünsche, daß Sie solche bald
erhalten mögen. Mein
Freund in Salzburg
schrieb mir zu meinen grössten Verdruß, daß
ihm nun der
Capelmeister, die
Serenata il
Sogno di Scipione, und die
opera il Re pastore,
kurz alle die Musickalien, so er ihm ehevor
versprochen hat nun ablaugnet, und sich
entschuldigt, daß er sie nicht mehr findet.
[S. 2]


Nun weis ich nicht was ich denken muß, hat er
vielleicht die
compositionen meines
Bruders
schon wo anders hin verschickt, oder, da er ein
Italiener ist, will er vielleicht für das her=
leihen ein
present haben, oder was er für
eine Absicht hat begreife ich nicht, da die=
jenigen Werke so mein Bruder in Salzburg
für dem Fürstl: Hof gemacht hat, kann
ich Ihnen nicht verschafen, wenn sie der
Capel=
meister nicht hergeben will, da sie nur beÿ
hof
Copirter, und beÿ meines
Bruders Wittbe
in der Spart zu finden sind, was die
opera
L'Endimione betrift ist die
copiatur in München
beÿ theater zu finden, von
Licia Sylla,
ascanio, und
mithridate von diesen dreÿen die
Copia in Maÿland,
von denen andern wüsste ich gar nicht die
copia davon
zu suchen, aber alle Sparten davon muß die
Wittbe in Händen haben.
[S. 3]


Wenn ich
mich in die Stadt ziehen werde, so will ich mir
alle Mühe geben, Ihnen auch ein
veni Sancte spirito,
stabat mater und mehrere dergleichen Kirchensachen
zu verschafen, bis dahin bitte ich gedult zu haben.
Von dennen themen so Sie mir überschickt haben, finde
ich 16 Sonaten, wovon
vier mein
bruder in
paris
gemacht hat, auch solche alda gestochen wurden,
6 sind in
London und die andern
6 in Haag
in Holland gestochen, diese alle hätte ich Ihnen
schon längst geschickt, wenn ich nicht geglaubt hätte
Sie würden sie schon besitzen, da ich aber nun schon
alle alten Musikalien in Küsten verpakt habe,
so kann
ich weder diese Sonaten, noch einige andre
in dennen themen angezeigte Stücke senden.
Sie müssen sich also schon bis auf Michelÿ ge=
dulten, wo ich dann in meinen
quatier in
Salzburg solche erst auspacken kann, indessen
werde ich mich doch bemühen, etwas von dennen
mir unbekannten themen aufzubringen.
[S. 4]


Hier übersende ich Ihnen, den unterschriebenen
Conto
und zugleich die Abrechnung, woraus Sie ersehen
werden, daß ich einen Rest von 15 f 8
1⁄2 X in Händen
habe, welches ich noch bis Ihren weitern Entschluß
behalten werde, ich hofe, daß wir in Richtigkeit sind.
Ich wünsche recht sehr, daß ich Ihnen bald wieder
etwas von meines
Bruders Werken senden könnte,
an meiner Thätigkeit solle es gewiß nicht fehlς,
nur braucht es Zeit und Weile etwas auf=
zufinden. Ich verharre mit vieller Hochachtung
Ihre
ergebneste
M: a: Freÿin von Berchtold zu
Sonnenburg.
gebohrne Mozart.
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Geben Herrn
Breitkopf und Härtel in Leibzig Haben.
dς 9tς
oct: 1800
|
Copiatur geld für
die KirchenMusick
Laut überschickten Conto
Themen abschreiben
lassen 8 X der Bogen
4 Bögen – –
|
63 58 1⁄2
32 –
|
12 ducaten a 5 f 24
in Monat sebt: 1800
empfangen
Für die 5 Expς:
von Haidns Schöpfung
dς 6tς Junÿ von der
Mairischen Buchhandlung
empfangen
|
f
64 – 48 –
16 –
40 –
f 120 48 –
|
dς 11tς
Juny 1801
|
Copiatur geld für
die opera La Finta
Semplice laut ange=
bogenen Conto
Wachsleinwand
dazu – –
Den St: gilgen Bothen
für überschikte 4
Packeter bezahlt.
in allem –
|
39 18 –
15 
1 – 36 –
f 105 x 39 1⁄2 |
noch in Händen
Habender Rest
|
f 15 X – 8 1⁄2 – |
[S. 6]


[vacat]
[S. 7]


La Finta Semplice.
Opera Buffa in 3 Atti.
Musica
Del Sig:r Wolfango Mozart.
Copia per foglio No 262:
Che a 9 x Il Foglio importa – – – f 39 ” 18 x
Saldatto.
[S. 8]


[vacat]
[S. 9]


1801. St. Gilgen
d. 18 Juny F. v. Berchtold
–
28 Jul.
[S. 10]


[vacat]