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No. 10
Wien 26 Nov. 1800.
R. No 1.
Lieber
Herr André,
Ihr brief vom 13 Nov.

hat mir mancherley Vergnügen gemacht. hier haben
Sie eine genaue Antwort.
Mit dem
Terzett warte ich also. Von der
Arie, die Sie verlangen, kann ich leider nichts
weiter geben, da ich nichts habe. Sie ist, so viel ich erinnere, für meine
Schwester Lange
gemacht. Wenden Sie Sich an sie, wenn Sie wissen, wo sie ist: ich weiß es nicht. Ich will bey
Traeg nachfragen und es für Sie kaufen, wenn es zu haben ist. Ich besinne mich: Sie bekamen
die Stimmen dazu wie zu mehrern Sachen nur durch einen Zufall, unwillkührlich und ausser
unsrer Abrede, wären mir also für alle diese Sachen vor Gott und der Welt eine Vergütung
schuldig. – Die Originalpartitur des
Requiems ganz zu schaffen, ist mir und Ihnen unmöglich.
Der Doctor (Advocat)
Sortschen, der hier unter den Tuchlauben wohnt, hat es dem
Anonymus zurükgeschikt: und nur im Hause des
S. habe ich von
St. dürfen nachsehen und
mit meiner Copie oder mit
Breitkopfs Ausgabe conferiren

dürfen. Davon ist aber nicht
nur die Folge, daß mein Exemplar
Breitkopfscher Ausgabe correcter als diese Ausgabe
geworden ist, und die übrigen damit durch Meisterhand vorgenommenen Verbesserungen
machen, daß mein Exemplar so gar
correcter als das Original ist. die
Eintragung dieser Veränderungen in mein Exemplar so wie auch die durchgängige
Bezifferung des Generalbasses haben mich Geld gekostet. Ich überlasse Ihnen dieses mein
Exemplar in solchem Zustande für [... (durch Nissen unkenntlich gemacht], und Sie können alsdann mit Wahrheit
ankündigen, daß Ihr
Clavierauszug (von dem ich ja natürlicher weise auch 4 Exem-
plare bekomme) nach einer höchstsorgfältig mit dem (wahren) Original
verglichenen und corrigirten Copie gemacht sey. Ich sagte vorhin, daß
mein Exemplar besser sey als das Original: Sie wissen ja | unter uns | daß nicht
alles von
Mozart, namentlich viele Mittelstimmen, ist, und werden Sich also nicht
durch die im Original befindlichen Fehler in seinem Namen scandalisiren. Ich will
aber Ihrentwegen noch mehr thun. Ich verschaffe Ihnen nämlich:
Dies irae, Tuba
mirum, Rex tremendae, Recordare, Confutatis, und
Sanctus, und vertraue
Ihnen folgendes Geheimniß an. Alles was dem
Dies irae vorhergeht, hat der
Anonymus
im Original. Von da an hatte
Mozart nur
Dies irae, Tuba mirum, Rex tremendae,
Recordare und
Confutatis in allen Hauptstimmen gemacht, und in den Mittelstimmen wenig
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oder gar nichts: diese wurden von einem
Andern gemacht, und damit nicht zweyerley
Handschriften in einander wären, copirte dieser auch
Mozarts Arbeit. Sie wissen also nun
bestimmt alles was Mozart am
Requiem gemacht hat: ich habe es oben gesagt, und dazu
kömt noch, was weiter hinten bloße Repetition ist. Das
Sanctus, was ich Ihnen ver-
schaffe, ist in der Originalhandschrift dessen, der dieses Stük wie den Rest gemacht hat.
Hiezu kömt noch, daß die Mittelstimmen dieser Sachen, die ich Ihnen verschaffe, anders sind
als in
Breitkopfs Ausgabe: so wie sie in dieser sind, sind sie (mit Ausnahme der kleinen
Verbesserungen) im Original des
Anonymus. Der Ergänzer muß sie also zwey Male
gemacht haben: und Sie können unter beyden wählen, wenn Sie es für gut finden. Also
Sanctus ist ganz vom Ergänzer, aber in den übrigen Sachen nur das, was mit Bleyfeder
eingezirkelt ist. Sie könnten also sogar mit Wahrheit behaupten, daß Ihr Clavier
[-]auszug nach dem Original
selbst von 6. Numern (es sind in allem nur 12) unmittelbar
gemacht ist. – Die Fragmente habe ich wieder nachgesehen, das heist, nachsehen lassen. Alles,
was davon für Sie brauchbar seyn
könnte, schikke ich mit Vergnügen: es sind aber nur
4. Stükke: nämlich 3.
fines, wozu noch ein Mittelstük gehört, welches zu dem einer dieser
3.
fines angeheftet ist, und ein großer Anfang. Diese schikke ich auf die von Ihnen selbst
gemachte bedingung. Alles übrige gebe ich aber nicht heraus, und kann es nicht heraus-
geben. Es sind lauter Anfangsentwürfe. durch diese können Sie
nichts, wie Sie meinten,
ergänzen. Mehr Aufschlüsse über seine Fruchtbarkeit und Ideenreichthum könnten Sie
freilich bekommen, aber das gehört auf keine Weise zu Ihrem öffentlichen Zwek. Doch
auch für diese Ihre löbliche Wißbegierde sorge ich durch das Verzeichniß der Fragmente mit
den Anfangstacten. Und hier muß ich noch zuerst mit Ihnen zanken, daß Sie mir gar nicht
sagen, ob Sie, wie ich so sehr wünsche, auch alle Fragmente in Ihrem Catalog thematisch
anführen wollen. Erstlich wird dies eine ganz neue Zierde Ihres Catalogs seyn,
und zweytens werden Sie auch dadurch gesichert, daß, wenn diese Themen durch Zufall
in andre hände kämen,
sie bearbeitet und für
Mozarts Arbeit herausgegeben
würden, indem Sie nun mit der ganzen Welt wüßten, was er nicht vollendet hat.
Diese meine Liste können Sie auch noch vollständiger machen durch die größeren
Fragmente, die Sie schon haben. Ich schikke Ihnen meine Liste und erbitte mir dafür
10. Exemplare. – wegen der
Arie ah non sai qual pena sia, werde ich nach Amster-
dam schreiben lassen, wo meine
Schwester vielleicht ist.

Doch Sie könnten vielleicht Sich
leichter an
Bertuch in
Weimar wenden, in dessen Journal des Luxus oft Theater-
nachrichten aus Amsterdam sind. – Ihre Classification findet man ganz gut. Vergessen
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Sie nur das große
Requiem nicht unter den Messen. haben Sie die
zwey litaneyen
de corpore Christi von
Baron Jacobi beko
men?
Traeg hat, wie mir Jemand sagt, vor kurzem
eine Messe von
Mozart bekommen, die er bisher nicht kannte. Sollten lieder u. Canons
nicht unter die Kammermusik noch besser gehören? – Ich erwarte also – in Analogie mit
4. im
Contract 5 Exemplare der Cadenzen. – die von
Berlin erhaltenen
Fragmente
bearbeitet, sind so recht. – Das
Quintett aus Es dur N. 8. bey
Artaria ist von meinem Mann
fürs horn geschrieben, und der neue herausgeber hat statt Horn nur ein Violoncell mehr
hingeschrieben, weil horn ein seltenes Instrument ist. Ich mache mir ein Vergnügen, daraus
Ihnen eine höchstauthentische Abschrift zu senden, so wie
Leitgeb mir sie in seinem eignen
Exemplar gegeben hat. – Hier ist ein
Hς. v. Tost, wohnhaft in der Singerstrasse, der behauptet,
er habe Originalpartituren von
Mozart. Wahr ist es, M. hat für ihn gearbeitet. Er hat
mir die Themen versprochen. – Spanier sagen mir, daß Mozarts Musik in Spanien sehr
geschäzt und geliebt ist. Suchen Sie Sich also einen Canal dahin. – weder
Eder
noch
Traeg noch sonst Jemand haben in der hiesigen Zeitung avertirt, was Sie schon
von
Mozart herausgegeben haben: nur
Wranizky hat den einzigen
Don Juan
angekündigt. – haben Sie denn auch
die Instrumentalmusik

schon, die in meinem
Don Juan fehlte? – Wenn Sie das 8
te heft der
Breitkopfschen Ausgabe

vor Sich
nehmen, so finden Sie darin
pag. 16. eine Fantasie für 4. Hände. Diese ist aber
nicht so von
Mozart gemacht, sondern dies ist das
eine Stük für eine Uhr, welches Sie
in seinem Catalog

finden, arrangirt für
Traeg oder
Mollo von
Gallus 
.
Es thut mir leid, daß Sie noch 14 Tage warten müssen. Aber meine vielleicht übertriebene
Vorsichtigkeit verhindert mich durchaus die Versendung nach Ihrem Vorschlage zu machen.
Ich bitte Sie daher, mir mit allernächster Post zu melden, wie Ihr Correspondent in
Berlin
oder
Dresden oder anderswo heist, an den ich die Sachen schikken kann. Ich darf
Fischer
nicht mehr belästigen. Ich seze natürlich zum voraus, dass Sie alle meine bedingungen eingehen.
Sehen Sie hier, welche schönen Sachen Sie alle erhalten.
1.
Capricci, welches ich wieder bekomme
2. Das corrigirte und conferirte Exemplar des
Requiems, wofür ich
7 fl. bekomme, dagegen es Ihnen gehört
3. Das Originalmanuscript obiger 6. Stükke des
Requiems, welches ich
zurükerhalte.
[S. 4]


4. das Ende eines großen Musikstüks

,
paginirt E. welche 4. Stükke
5. dito
pag. 25. 26. 27. 28. Ihnen gehören,
6. Mittelstük
pag. 13. 14. Ende 21. 22. 23.
für Corno in Es wenn sie Ihnen in
7. Großer Anfang eines
Quintetto ganzen Stükken fehlen
8.
Originalfuge für das Clavier, welche Ihnen gehört. Sie ist
im
Breitkopfschen 8
tn Hefte
pag. 12 u.s.w.
9. Authentische Copie vom
Quintett, wornach Sie fragen, so wie ich
sie von
Leitgeb in seinem eignen Exemplar bekommen habe,
der sie von
Mozart hatte.
10. Die
Niemetscheksche lebensbeschreibung
Mozarts 
, wenn Sie sie
nicht haben. Ich glaube nicht, daß sie in den Buchhandel ge-
kommen ist. Sie enthält vieles von
Mozarts Werken. Ich will
aber doch nicht behaupten, daß sie gewiß etwas für Sie neues sagt.
hiefür geben Sie mir, so wie auch für die übrigen Sachen,
die ich nicht taxirt habe, eine billige Vergütung: nicht wahr?
So eben fällt es mir ein, daß Sie die
Arie Ah non sai qual pene
sia wahrscheinlich von der Mamsell (ich glaube
Wilhelmine)
Weimann
oder Weinmann in
Halle bekommen können. Sie ist als eine sehr
geschikte Clavierspielerin, die auch Profession macht, leicht zu er-
fragen. Sie hatte einige Arien, die mir selbst fehlten.
Leben Sie herzlich wohl und antworten Sie gleich
C. Mozart
Schreiber empfiehlt sich.
wenn ich nicht von
Niemetschek ein Exemplar der Biographie sollte
zurükbeko
men können, muß ich mir obiges wieder ausbitten.
NB alles alles auf Ihre Kosten.