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St: Gilgen dς 8tς Februarÿ.
Wohledlgebohrn! 1800.
Hochschätzbahrester
Herr!
Durch Ihre gütige Ubersendung der fünf Hefte Ihrer Ausgabe der
Mozartischς
Werke

haben Sie mir eine unbeschreibliche Freude gemacht, da ich nun das
Glück habe diese Sa
mlung auf eine so niedliche angenehme Art
arragirt zu besitzen, vergnüget mich über die Massen, entgegen werde
ich mich gewiß bestreben, alle Mühe anzuwenden, Sie mit einigen frühern
Compositionen zu bedienen, nur muß ich schon um Gedult bitten, da es
einige Mühe kosten wird, um etwas aufzubringen, indeme diejenige
so etwas von seiner
Composition besitzen, solche nicht aus ihren Händen
geben wollen, indessen hofe ich bald einige anfangs
Themen von
unterschiedenen
Compositionen zu erhalten, so ich Ihnen dann also=
gleich überschicken werde, um aber Ihnen meine Dankbarkeit für die
überschickten Hefte zu bezeigen, so übersende ich Ihnen eine
Fuge und
Praeludium, so mein
Bruder für mich gemacht hat, und da ich es in
Manoscript
wie Sie sehen besitze, so können Sie versichert seÿn, daß es
in keiner andern
Hand seÿn kann, nur wünsche ich, daß Sie Gebrauch davon machen können.
Hier folgen auch von
3 Sonaten die Anfangs
Themen, die ich in abschrift besitze,
da ich nun nicht gewiß wusste, ob Sie solche nicht in der Spart schon besitzen,
so getrauete ich mir nicht Ihnen solche gleich zu schicken, wenn Sie mir aber
gefähligst melden, daß Sie sie nicht haben, so werde ich sie Ihnen alsogleich
übersenden, auch habe ich eine ganz kleine
Nachtmusick 
bestehend in 2
violin
und
Basso, da es aber eine sehr
simple composition die er
in sehr fruhern Jahren
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gemacht hat ist, so getrauete ich mir nicht solche zu schicken, da sie mir zu un=
bedeutend schienen. Melden Sie mir doch, ob Sie die Sparten der
Serenate
il sogno di scipione und des
Re Pastore, schon besitzen, auch könnte ich
Ihnen die
opera Buffa La finta giardiniera mit deutschen Text
pro=
curiren, wenn Sie die
spart davon nicht haben.
Den Kupferstich

habe ich Ihnen nicht in der Absicht geschickt, um daß
Sie ihn wieder zurück senden sollen, da ich mir ein Vergnügen daraus
mache, wenn Sie ihn gefähligst behalten wollen.
Des Herrn
Prof: Niemtschecks Biographie

machte mein schwesterliches
Gefühl gegen meinem so innig geliebten
Bruder wieder ganz rege =
so, daß
ich öfters in Thränen zerflosß, da ich erst itzt mit der trauerigen
Lage in der sich mein Bruder befand bekannt wurde, ich werde Ihnen
die Musickalische Zeitung

so bald ich sie noch einigemahl durchgelesen
habe, mit Dank zurücksenden, und wegen der Biographie bitte ich
mir zu schreiben, was sie kostet, da ich sie zu haben wünsche.
Die Ankündigungen der Wercke
Mozarts und
Haiden habe ich
auch unter meinen guten Freunden ausgetheilt, um dadurch
vielleicht einen
gusto zur
prenumeration zu erweken.
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[... (Berechnung]
Ich werde nicht ermangeln, so viel es in meinen kräften ist, Sie beÿ der
herausgabe dieses Werks zu unterstützen, verharre mit besonderer
Hochachtung. Euer wohledlgebohrn
ergebneste Dienerin
Maria Anna Freÿin von Berchthold Sonnenburg mp
Darf ich so kühn seÿn, Ihnen aufrichtig zu melden, daß ich beÿ öfteren durch=
spielen des 6ten
thema une fievre Brulante 
, mich ohnmöglich überzeugen konnte,
daß weder
das thema noch die variationen meines
Bruders Composition seÿn
sollten, da die melodie gar nichts angenehmes
hat, und die
harmonie
sehr widrig klingt.
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À Monsieur
Monsieur Breitkopf et
Haertel
á
Leipzig
fco Nbg
1800 St. Gilgen.
8 Feb.
– v. Sonnenburg
21 –
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[vacat]