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                                                         Wien 18 Oct. 1799
     hochstgeehrte herren,

     zu meinem Erstaunen lese ich im Frankfurter Statsristretto
ein Avertissement dhς. Gayl und Hedler des Inhalts:
     „daß ich Ihnen die Originalpartitur des Requiems überlassen habe“ note
Wenn Sie mich nicht wegen aller Forderungen des edlen Anonyms,
den ich stets nach meiner Schuldigkeit respectirt habe, wovon auch
mein Briefwechsel mit Ihnen, namentlich unterm 25 Mai note und 15. Jun. note
zeugt, gänzlich beruhigen können, so bin ich meiner Ehre wegen und
aus Pflicht gegen den Anonymus gezwungen, eine Gegenerklärung
in alle Zeitungen, wo es nöthig ist, einrükken zu lassen. Ich
kann begreifen, daß dieses Ihnen unangenehm seyn wird, und
deswegen thue ich es ungerne, und nicht ehe ich Ihre Antwort
erhalte, wenn Sie mir sie bald geben. Auf alle Fälle ist es
noch überdem ja ganz schnurgerade wieder die wahrheit, da? ich
Ihnen die Originalpartitur uberlassen habe, bey welchem leztern
Ausdruk das Publicum und der Anonymus verstehen wird,
daß ich Ihnen das Werk verkauft und dem Anonymus, der
es noch nicht erlaubt hat, also nicht Wort gehalten habe
Dieses müssen wenigstens Sie durch eine andre Anzeige in
allen Zeitungen, worin die falsche befindlich ist, berichtigen.
     Sie wissen den ganzen Zusammenhang sehr genau; doch
will ich ihn noch wiederholen. Ich wollte Ihnen das Requiem
allerdings einmal verkaufen, aber, wie ich Ihnen verschiedene
Male gemeldet habe, erst nachdem ich die Erlaubniß des
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Anonyms in den Zeitungen verlangt hatte. das Project
der Ankündigung war schon entworfen: ich hole den Entwurf
aus meinem Pult und seze ihn hieher:
     Da der edle Anonym, welcher dem sel. Mozart wenige
     Monate vor seinem Tode den Auftrag gab, ein Requiem zu
     componiren, solches nach Verlauf von mehr als 7. Jahren
     noch nicht hat öffentlich bekannt werden lassen, so sieht die
     Witwe dieses Verfahren mit Dankbarkeit für einen
     Beweis an, daß Derselbe ihr noch einen etwanigen Vortheil
     von der herausgabe gönnen wolle. Indeß hält sie es
     zu mehrerer Sicherheit für sich und als eine Folge der
     Empfindungen, die Derselbe ihr eingeflößt hat, für
     ihre Pflicht, den edlen Mann in den Wiener, in den
     hamburgschen und in den Frankfurter Zeitungen
     aufzufordern, ihr Seine Gesinnungen innerhalb 3.
     Monaten gefälligst zu erkennen zu geben, nach welcher
     Zeit sie es wagen wird, das Requiem in den sämtlichen
     Werken ihres Verstorbenen herauszugeben.
Nun aber meldeten Sie, daß Sie schon 2. Exemplare hatten, und
verlangten nur meine Copie zu leihen wegen mehrerer Accuratesse
und aus égard note für mich um mir einen Vortheil zuzu-
wenden; wie ich Schwierigkeit machte, schrieben Sie ausdrüklich
und ganz kalt, daß Sie meine Copie nicht brauchten. Da ich
Sie nun zu der herausgabe so decidirt sahe, und Sie mir
gemeldet hatten, daß Sie Copien, also mehrere hätten, so
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entschloß ich mich, wo wieder der Anonym nichts haben wird oder kann,
den wie Sie wissen so sehr unbeträchtlichen Vortheil für das
Leihen meiner Copie anzunehmen, lieber als gar nichts, nachdem ich
aus schuldiger Gewissenhaftigkeit in 7. Jahren das werk nicht öffentlich
herausgegeben, und es nur an zwey oder drey regierende
Herren überlassen hatte note.
     Daß ich Sie erst den 29 Sept. note bat nicht bekanntzumachen,
daß Sie das Requiem von mir (versteht sich eigentlich oder
ursprünglich) hatten, thut nichts; dies war nur eine
überflüssige Vorsichtigkeit. Ich hätte mich allerdings mit
dem Gedanken beruhigen können, daß nichts, was mit der
Wahrheit streitet, bekanntgemacht werden würde. –
     Ich benuze die Gelegenheit um Ihnen folgende
Sachen hierin zu senden:
N. 1. zwey Lieder zur Eröfnung und zum Schluß der Loge,
die ich Ihnen zusammen für drey Ducaten überlasse
   2. eine Arie (mit vorangehendem Recitativ) Quaere superna
zu dem bewußten Gebrauch fur einen Ducaten, und
   3. V'amo di core, zu beliebiger Vergütung, wenn Sie es brauchen können.
     Und dieses sind denn sicher die lezten aller kleinen Singsachen
bis auf die Canzonetta: Più non si trovano, die ich Ihnen den 28stn
August anbot, und diejenigen von denen ich Ihnen unter demselben
Datum meldete, daß ich sie aus den angeführten Ursachen nur
stükweise im Original senden könnte.
     Ich habe die Ehre mit aller hochachtung zu seyn Ew
Hochedelgebohrnen ergebenste Dienerinn
                                                                     Constance Mozart note
verte
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Ihre bestimmte Schuld an mich war nach meinem
lezten briefe                               15 fl. 27x
Porto für meinen lezten brief vom 10 Oct      49   
                                                    Macht 16 fl. 16x

NB Ich wohne izt auf dem Michaelerplaz N. 5. im 3tn Stok

1799.         Wien
18 Octb.      Mad. Mozart.
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