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pr 7. 8br
1.
Höchstgeehrte
herren,
Nach meinem
lezten Briefe 
waren Sie mir schuldig 3 fl. 23.
x
Mein Pakken den 30
stn August Porto

1. 4.
Ihr

den 27
stn an mich

1. 48.
(ich sende Ihnen hierin das Couvert
N. 4, damit Sie
sehen, daß er so viel gekostet hat. Er muß
nicht mit der fahrenden Post abgegangen seyn)
Das Fragment von Sonate nach Ihrem Brief
von demselben Datum
9.–
15. 15
hiezu kömt nun noch
1. für inliegenden Canon, N. 3.
2. Ihre freywillige Vergütung für das ungestochene
Lied
un moto di gioja mi sento p.
und für
das Veilchen und
das Trennungslied,
im Original mitgetheilt; und
3. was Sie von den lezthin 30. August gesandten
Arien

brauchen können.
So wie man in Lebensbeschreibungen von Schrift-
stellern auch ihre hinterlassenen Fragmente erwähnt,
so können vielleicht am Ende der meines
Mannes
einige von seinen vielen angefangenen und ange-
legten Compositionen thematisch angezeigt werden,
zu welchem Ende ich sie Ihnen alsdann mittheilen kann.
Je mehr ich über unsre Verhältnisse und Ihren
und meinen Vortheil nachdenke, desto mehr werde ich
in der Meinung bestärkt, daß es, da Sie Niemanden hier
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haben, auf dessen Urtheil Sie sich gänzlich verlassen zu
können glauben, Jammerschade ist, wenn Sie nicht selbst
herkommen und mit den Verzeichnissen der Sachen, die
Sie nicht von mir brauchen, in der hand meinen ganzen
Vorrath auf einmal sehen – und kaufen, selbst das
was Sie in Copie haben, da Ihnen nach Ihrer Achtung fürs
Publicum und in Folge Ihrer Ankündigung einmal
in der Zeitung oder dem Intelligenzblatt

auch an den
Originalpartituren solcher Sachen gelegen ist. Ich wäre
sogar erbötig Ihnen die sämtlichen Originalien zu ver-
kaufen, von welchen Sie ohne Zweifel in England oder
sonst an bibliotheken (denn warum sollten
musicalische
Manuscripte weniger geehrt werden als andre?) mit
großem Vortheil absezen könnten. An Sonaten war ich
am ärmsten; in allen andern Fächern habe ich Ueberfluß;
und einige sind ohne Zweifel ganz. Wenn ich sterben sollte,
ehe Ihre ganze Sammlung heraus ist, könnte es leicht
schwierig oder durch fremde Nachlässigkeit vielleicht un-
möglich werden, meine Sachen alle zu beurtheilen, und
dann würden Sie sicher nichts complettes liefern können.
Vielleicht könnte Ihnen diese Reise auch in Rüksicht Ihrer
Verhältnisse mit
Haydn wünschenswerth seyn. Wie
wäre es, wenn Sie etwa den muntern Carnaval hier zubrächten?
Was das
Requiem betrift, so muß ich bitten nicht zu
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3
publiciren, daß Sie eine Copie von mir bekommen haben.

Als Sie anfiengen mir davon zu schreiben, war es meine
Absicht, den anonymen
Besteller, gegen den ich Pflichten
hatte, in den Zeitungen zu ersuchen, daß er, in Betracht
des Verlaufs so vieler Jahre, mir erlauben mögte,
es zum Gebrauch des Publicums zu verkaufen – Zum
Gebrauch großer herren hatte ich die Erlaubniß

– Und ich
hätte es Ihnen nicht eher verkauft. Da Sie mir aber
darauf versicherten, daß Sie schon 2. Exemplare hätten,
so benuzte ich Ihr Anerbieten für die Mittheilung meiner
Copie, um lieber den bewußten unbeträchtlichen Vortheil
als gar keinen zu haben, wofür mir der Anonym keine
Vorwürfe machen kann, da das Werk so schon ohne mich
herausgegeben wäre. Im Anfang unsrer diesfalsigen
Correspondenz, ehe ich mit Ihnen darüber einig war, bot
mir der
Referendarius Heinze in
Breslau sehr be-
trächtlich: ich war aber zu ehrlich um ihm nicht zu
sagen, daß Sie es herausgeben würden. Und da be-
dankte er sich freilich.
O Nein, ich sehe nicht ein, daß ich für mich allein
einen Vortheil aus den Messen ziehen kann.
Ich schikke Ihnen hierin abermals 2. Anecdoten
N. 1 und
Auszüge von launigten Stellen aus
Mozarts briefen
N. 2,
beydes für Ihre Zeitung, und wenn nicht, zur künftigen
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Lebensgeschichte. Mit nächster Gelegenheit sende ich
Ihnen
alle noch übrigen Briefe

, die ich habe, die von dem zu
lesen sind, dem Sie die Biographie auftragen. diese seine nach-
lässig d. h. unstudirt aber gutgeschriebnen Briefe sind ohne
Zweifel der beßte Maaßstab seiner Denkungsart, seiner
Eigenthümlichkeit und seiner Bildung. Ganz vorzüglich
characteristisch ist seine seltne Liebe zu mir, die alle seine
briefe athmen – nicht wahr, die in seinem lezten lebensjahre
sind eben so zärtlich als die er im ersten Jahr unsrer Ver-
heirathung geschrieben haben muß? Ich bitte mirs ganz
besonders aus, daß davon eine umständliche Erwähnung,
wenigstens einst, zu seiner Ehre geschieht. Es sind herrliche,
naive Stellen in den briefen, die vielleicht schon in der
Zeitung Plaz verdienen. – Noch habe ich das Vergnügen
Ihnen zu melden, daß ich Ihnen nächstens unbekannte Clavier-
sachen anbieten kann; 3. ganze Stükke. Ich sende sie.
Nun habe ich zwey Bitten an Sie:
Sie erhalten von dh
ς. Schramm und Karstens in
Hburg 
ein
Päkchen oder Kiste mit Kleidungsstükken, auch wohl Musi-
calien für mich. haben Sie die Güte, diese einem
die Messe besuchenden von hier mitzugeben. Könnten meine 6.
Exemplare von den sämtlichen Werken mitfolgen?
zweytens
(
Parenthesis. Ich schmachte nach Ihrem 5
tn
Heft

und mehrere mit mir; und dann darf ich
nun auch bald die Lieder im Original zurük
erwarten, so viel ihrer heraus sind.) zweytens
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Zweytens bitte ich die sämtlichen Exemplare
des
Concerts opus 1., das Sie von mir in Commission
haben, in Ihrer Zeitung anzubieten, auf die
Art, daß solche sämtlich für
300 fl., und
auch 50 Stükweise das Stük zu
1 fl. 30x (
alles
hiesiges Geld) gerechnet, bey Ihnen zu haben sind,
und das Publikum auf
den ungeheuer wohlfeilen
Preis des Verkaufs dieses schön gestochenen Werks
mit Hinzufügung, daß es sonst zum ducaten immer
verkauft worden ist,
aufmerksam
zu machen. Ich rechne natürlicher Weise
auf Ihre Güte und Billigkeit, daß Sie für den
Verkauf auf diese Art nur sehr wenig Rabatt
nehmen werden.
Gleich anfangs oben habe ich Ihnen gemeldet,
daß hierin ein
Canon befindlich ist, und daß
Sie mir dafür eine freywillige kleine Vergütung
machen können. Der
Abbé, der sich empfiehlt,
sagt, daß er so ganz – seyn kann und nur
anders geschrieben werden muß. Wenn
Sie ihn nicht brauchen können, so erbitte
ich
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ich mir ihn zurük.
Auf der nächststehenden Seite finden
Sie das Thema einer
Sonate zu 4. Händen.
Ich bitte mir zu sagen, ob und wo sie
heraus ist.
Nun habe ich mich wieder ganz
expectorirt

. Leben Sie recht wohl.
Ich bin wie immer mit Achtung,
höchstgeehrte herren,
Wien 29. Ihre ergebenste dienerinn
Sept. 1799.
Constance Mozart
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aus der Mitte v. 4handς. Variat
bey Hoffmeister
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1799 Wien
Oct Mozart
7 –
6 9br