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Wien 28. August 1799.
hochgeehrte
herren,
In Antwort auf Ihren gestern erhaltenen Brief vom 19.
August

sende ich Ihnen mit der nächsten fahrenden Post
noch in dieser Woche folgende Arien im Original

:
1.
Pupille amate, non lagrimate 
paginirt

28.29.30.
2.
Torna, mio bene, ascolta

63.64.65.66.67.
68.69.
3.
Si, si, si, ma d'un altro amore

99.100.101.102.
4.
Per me rispondete

38.39.40.41.
(41. ist zwar ein
Recitativ; ich habe es nicht von der Arie
separiren können.)
5.
Se tu di me fai dono 
paginirt 23.24.25.26.
6.
Ogni momento dicon le donne

1. 2. 3. 4.
Ich sende Ihnen diese Arien unter den Bedingungen, die Sie Sich
selbst in erwähntem Briefe vorgeschrieben haben, und unter der,
daß Sie mir für jede, die Sie brauchen
bey nun veränderten Bedingungen
wenigstens 3. ducaten
sogleich geben. Ich sage wenigstens; denn
ich sehe gar kein Ver-
hältniß zwischen Ihrem und meinem Vortheile (auf welches
Verhältniß Sie mich immer vertröstet haben) wenn ich
bedenke, wie viel Sie an einem Heft gewinnen, wozu ich fast
alle Materialien (wie bey den bisherigen Singsachen) liefere,
und was ich für diese erhalte.
Sie sehen, diese Arien sind aus Büchern herausgeschnitten;
mehrere kann ich fürs erste nicht hergeben, ohne die Bücher
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gar zu sehr zu mishandeln. Die gegenwärtigen waren zufällig
so bogenweise geschrieben, daß sie ohne viele Mühe herausgenom-
men werden konnten; mit den andern ists nicht der Fall. Da
sie fortlaufend in einander oder vielmehr in andre geschrieben
sind, so sehe ich nicht ein, daß ich sie senden kann, ohne wenigstens
den Anfang oder das Ende oder an manchen beydes copiren
zu lassen, und Ihnen die Mitte im Original zu senden. Ich
bitte mir auch die gegenwärtigen sehr bald aus, und es wäre
mir lieb, wenn Sie gleich Copie von den brauchbaren nähmen;
wenn es länger währt, konnte ich leicht den Plaz, worin sie
gehören, verfehlen.
Sie haben mich misverstanden, da Sie glaubten, daß ich
eigentliches Bedenken trug, Ihnen diese Originalien zu senden.
Ich hatte Ihnen die wahre Hauptursache gemeldet: daß ich
Ihnen nämlich die ganzen werke senden müßte, welches
zwekwiedrig und kostspielig wäre. Izt erst kam mir der
Einfall zu sehen, ob einige detachirt

werden könnten.
Melden Sie mir doch, wie viele Sie brauchen zur
Complettirung des hefts, welches Sie complettiren wollen;
ich mögte gar zu ungerne, daß Sie noch eine aparte
Samlung machten, die nicht in die sämtlichen Werke gehörte
und darin nicht der Ordnung nach aufgenommen würde. –
Ob ich alles, was Sie nicht brauchen, zurükbekommen habe,
weiß ich noch nicht gewiß. Aber das weiß ich, daß Sie den
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22 Jun. und 24 Jul.

gestanden haben, daß noch etwas bey
Ihnen läge.
Für das 4
te Cahier 
, welches ich gleich habe holen lassen,
danke ich.
die
Canzonetta:
Più non si trovano, überlasse ich Ihnen
für 3. Ducaten, aber
nicht im Original. diese gehört
ja auch ins uncomplette Gesangheft.
die
6. Sonaten mit Violin aus
Mozarts Kinderjahren,
die ich meine, sind im Haag gestochen

– ich habe sie, und da
sie sehr rar seyn werden, so erhöht dieses
ihren werth.
Ihr Rath, die
Niemetscheksche Biographie

auf die
vorgeschlagene Art zum Grunde zu legen

, ist gut und wird
ausgeführt werden. Ich sende Ihnen zugleich mit den Arien
die erste Abtheilung von briefschaften

, von demjenigen, zu lesen
und zu benuzen, dem Sie die biographie auftragen. Es ist
immer allerhand daraus zu lernen für seine Characteristik.
Sein Maaß von Bildung, seine übergroße Zärtlichkeit
für mich, seine Gutmüthigkeit, seine Erholungen, seine
liebe zur Rechenkunst und zur Algeber (wovon mehrere
Bücher zeigen, seine Laune, die bisweilen wahrhaft
shakespearsch war, wie
hς. Rochliz einmal von seiner
musicalischen Laune gesagt hat

und wovon ich Ihnen Proben
senden werde – sind darin und in den folgenden Papieren
sichtbar. Sie beweisen ferner die Ehren, die ihm, und mir,
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seinetwegen, späterhin erwiesen sind. die freilich geschmaklosen,
aber doch sehr wizigen briefe an seine
Base 
verdienen auch wohl
eine Erwähnung, aber freilich nicht ganz gedrukt zu werden. – Ich
hoffe, Sie lassen gar nichts drukken, ohne es mich vorher lesen
zu lassen.
Und so hoffe ich nun in diesem, wie in den vorhergehenden briefen,
Ihnen überzeugende beweise von meiner begierde, Ihnen gefällig
zu seyn, gegeben
zu haben, und ich wünsche nichts mehr als damit
fortfahren zu können.
Sie schreiben am Ende Ihres geehrten briefes, daß ich Ihnen durch
meine Vorsichtigkeit den Verkehr erleichtere,
indem ich Sie aller Verbindlichkeiten überhebe, die Ihnen mein
gänzliches Vertrauen auf Sie noch besonders,
ausser den wirklich
contrahirten
, auflegen würde;
und Sie fordern mich kurz vorher auf, freymüthig zu schreiben.
Also –
welche sind diese contrahirten Verbindlichkeiten, die von
Ihnen bisher erfüllt sind und in der Folge erfüllt werden? – und
welcher andrer Verbindlichkeiten Ihrer Seits hätte ich mich im
Gegentheil zu erfreuen? und wie kann ich mir diese erwerben?
Ich lege in den diesmaligen Pakken ein Verzeichniß von Clavier-
sachen, und bitte wiederum um die Gefälligkeit, diese zu recensiren,
d. h. mir zu sagen, wo sie alle herausgekommen sind, wie Sie schon
mit zwey Verzeichnissen so gütig waren.
Ich habe die Ehre zu seyn Ihre ergebenste
Constance Mozart 
hiebey eine Nachschrift. Auf der Post kennt man meine Adresse.
Sie können sie also in der Aufschrift sparen.
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Nachschrift
Wien 28 Aug. 1799
Nach meinem
Schreiben vom 13 August hatte
ich noch zu Gute,

1 fl. 35
x
Mein Brief vom 13 August

48

21

24.

26

12.
Ihr Brief vom 19

12.
Der gegenwärtige Brief
12
3.23
ausser Ihrer freywilligen Vergütung,
die mir den 3. Jun. versprochen ist, und
die mir für die lieder: und den
für die Mandoline } die sicher nicht versprochenen
un moto di gioja } gestochen sind. verschiedenen
das Veilchen, und Exemplarien
das Trennungslied zukömt;
an welche leztern Posten ich Sie
unterm 30. Jul.
erinnert habe, welches Sie wahrscheinlich deswegen
bey Ihrer Antwort übersehen haben, weil ich diese
Posten, die ich selbst nicht bestimmen konnte, nicht
wiederum
den 13. August unnöthiger Weise
wiederholte.
Unter die Achtungsbezeugungen, die mir,
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nach dem Tode meines
Mannes seinetwegen, wieder-
fahren sind, gehört auch folgende, die meiner Meinung
nach wohl auch unter den Anecdoten einen Plaz verdient:
# Nächstens diese Anecdote:

Als (Sie wissen das Jahr) die
Witwe Mozarts
auf ihrer Rükreise nach
Wien in
Leipzig war

,
wohnte sie bey dh
ς. Ernst im
Hôtel de Saxe.
Als sie
wegreisen wollte, mußte sie verschiedene
Male diesen würdigen Mann rufen lassen, um
ihre Rechnung zu erfahren
und er kam nur, nachdem sie ihn durch ein
Billet darum gebeten hatte. Es war in der
Meßzeit, wo er also sein Quartier theuer an-
bringen konnte; wo er gewöhnlich seinen Gästen
andre Quartiere verschaft um Vornehmere oder
besser Bezahlende aufzunehmen – ihr hatte er
ein großes eingeräumt und ließ sie wohnen bleiben –
Sie hatte ihre
Schwester drey Wochen bey sich gehabt und
sich und ihr nichts abgehen lassen; war über 5. Wochen
im Hause, und an Statt ihr die Rechnung zu machen,
sagte er: denken Sie, ich weiß das Vergnügen die Witwe
eines solchen Mannes bewirthet zu haben, nicht besser zu
schäzen? [Er war] nicht zu bewegen etwas anzunehmen, und sie
mußte durch List dem Aufwärter, der ein Verbot hatte, das Trinkgeld
in die hände spielen.