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                                                                            Wien 13. August 1799.
          Hochgeehrte herren,
Neulich hatte ich eine Freude, als ich das Buch:
          Characteristische Lebensgemälde unsrer Zeitgenossen von J. G. Meissner,
          Wien 1799. bey Doll,
in die hand nahm. Ich fand da auch Mozarts Namen note. Aber siehe da, es war nichts als eine
Copie des Necrologs oder der daraus wörtlich abgeschriebenen Lebensbeschreibung, die in
Graz 1794. bey Hubek herausgekommen ist note, und von der ich alle 600. Exemplarien
an mich gekauft habe, um wenigstens diese zu vernichten, da ich das beykommende Heft
des Necrologs nicht vernichten kann. Ich bin erbötig Ihnen alle Materialien, die
ich zu der Lebensbeschreibung note habe, mitzutheilen, damit Sie sie selbst ordnen und redigiren
können. Mit dieser Hülfe und aus Niemetscheks Arbeit note und dem guten Theil des
Necrologs läßt sich schon ein Ganzes machen.
     Sie fangen Ihren Brief vom 24 Jul. note damit an, daß unter den Canons vieles
doppelt ist. Dies soll doch kein Vorwurf seyn? Sie sagen, daß Sie das Verzeichniß der
Canons nicht mit den Canons selbst verglichen haben. Gewiß haben Sie doch eine Copie
behalten. Diese wird Sie lehren, daß ausser dem Quartett nicht nur alle versprochenen
Canons, sondern auch der nicht versprochene: Alleluja, da ist. Daß etwas doppelt ist,
thut also der Sache nichts, und rührt daher:
Zwey Personen gaben mir alles was sie hatten, und so war es natürlich
daß der eine mir gab, was der andre mir schon gegeben hatte, oder daß beyde mir
einige gaben, die ich schon hatte, und ich gab mir nicht Zeit sie zu copiren.
     Es kann seyn, daß Mozart mehr Canons gemacht hat, aber ich kenne sie
nicht, und wenigstens hat er keinen nach dem 9. Febr. 1784. gemacht, den ich Ihnen
nicht angezeigt hätte.
     Die 2. Sonaten N. 4. und 5., von denen Sie schreiben, daß Sie aus Unvollständigkeit
ganz unbrauchbar sind, kann ich nicht ergänzen und sie werden es nie werden.
Sie haben also recht gethan, die dafür angesezten 18. fl. zurükzubehalten. Aber
ich erbitte mir auch daher diese Noten mit der allerersten Gelegenheit zurük: ich
werde sie brauchen können.
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     Sie schreiben unterm 22 Jun. note: Sie hätten nun von den gesandten Liedern p.
alles was Sie nicht brauchen könnten, zurükgeschikt bis auf das unvollständige: 
mi lagnerò, welches Sie mit nächstem auch zurüksenden würden. Unterm 24stn
Jul. schreiben Sie: wir nannten das mi lagnerò statt eines andern. – Ich erbitte
mir also dieses andere.
     Sie zwingen mich durch Ihren Brief vom 24. Jul. noch einmal von dem Clavierconcerte
zu reden. Ich thue es ungerne, weil ich dabey die Ihnen so sehr als mir unangenehme Weit-
läuftigkeit nicht vermeiden kann. hier ist denn meine endliche und gewiß untadelhafte
Antwort. Ihre eigentliche Forderung haben Sie in Ihrem Briefe vom 3. Jun. note gänzlich
fahren; davon kann ich also ganz schweigen. Ich will mir aber die Mühe geben, Ihnen
die ganze hiehergehörige Stelle Ihres briefs vom 18. April note herzusezen, damit Sie die
Sache besser übersehen:
     „Die Ihnen (vorhin) gesandten Themen wurden von einem Notenschreiber flüchtig
     zusammengestoppelt. die meisten dieser Sachen haben wir, oder werden sie bald
     erhalten. Viele davon sind schon gestochen oder doch in vielen händen. Unter
     den Sachen, die uns versprochen sind, befinden sich noch einige Clavierconcerte
     wovon wir die Themen beylegen (es waren 2.) Wollen Sie uns indeß die
     Originalpartitur mittheilen, so ist es uns angenehmer, und wir sind erbötig
     Ihnen in diesem Fall für die NB Mittheilung jeder Partitur 5. ducaten zu zahlen,
     doch müssen wir, fals Sie diese Propositionen annehmen sollten, darüber
     so gleich gefällige Nachricht erbitten, und Sie um alsbaldige Uebersendung der
     Partituren bitten, weil wir ausserdem denjenigen, welche uns diese Partituren
     angeboten haben, entscheidende Antwort melden müssen.“
Und diese zwey Partituren schikte ich Ihnen sogleich, that also Alles was Sie verlangt
hatten, leistete ein völliges Genüge für das später erhaltene Geld. Ich hätte
Sie indeß, aus Vorsorge für mich, merke ich, nicht schikken sollen, ohne vorher Sie
zu fragen, in welche Classe diese Concerte gehörten: in die der schon gestochenen oder
in die der in vielen oder in die der in wenigen händen in Abschrift befindlichen.
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     Aber mein Zutrauen zu Ihnen, daß Sie mir nicht 5. ducaten! für ein großes unge-
stochenes Concert anbieten würden, Ihre Ausdrükke von Mittheilen und Mittheilung und
die gänzliche Vermeidung des Ausdruks von Abkaufen (In
Ihrem briefe stand an dem oben mit NB. bezeichneten Ort ursprünglich für jede
Partitur, und Sie haben später jede in jeder umgeändert, und am Rande die
Worte: die Mittheilung mit den Zeichen ⎾ eingeflikt.) mußten mich glauben
machen, daß diese 2. Concerte gestochen wären und Sie mir für die Mittheilung der
Originalpartitur zur berichtigung des etwa ungenauen Stichs 5. ducaten anböten.
hiemit war ich zufrieden. Nun aber lehrt mich leider die Folgezeit, daß Sie unge-
stochene verlangt hatten oder verlangen wollten. hat es sich nun zwar getroffen,
daß Sie unter den zweyen durch Ihr Versehen ein gestochenes begehrt haben, und haben
Sie also auf eine gewisse Art, nämlich nach Ihrem einseitigen Plan, dadurch 5. ducaten
eingebüßt, so können Sie diesen Verlust auf das andere Concert schlagen, welches Ihnen
dennoch nur den sehr wohlfeilen Preis von 10. ducaten gekostet. Ich habe mir nichts
gegen Sie vorzuwerfen; ich habe sogleich geleistet, was Sie verlangten, und Sie
erzeigen mir nicht Gerechtigkeit, wenn Sie nicht glauben, daß ich durchaus bona fide note
gehandelt habe. Ich habe Ihnen in meinem Briefe vom 15. Jun. note ad H. den Preis
der Clavierconcerte gesagt, und zwar einen solchen, den ich von Niemanden bisher
angenommen habe und von Niemanden als Ihnen annehmen werde, und bitte auch
Sich deshalb bald vernehmen zu lassen, ob Sie das Concert, welches Ihnen fehlt, für
15. ducaten haben wollen, weil ich, so wie Sie von Sich in erwähntem Briefe schreiben,
sonst wahrscheinlich anders darüber disponiren werde. Ich bitte aber mir das Thema
von neuem anzuzeigen, damit ich mich nicht irre. Wenn es Ihnen gefällig wäre,
die Themen der Sachen, die Sie verlangen, nicht aparte zu schikken, sondern in Ihren
Briefen selbst anzuführen, so würden Sie mich sehr verpflichten.      Noch eins.
Sie bekamen ein gestochenes Concert, welches Sie nicht wollten, aber verlangt hatten,
sind unzufrieden und verlangen dafür ein anderes. Ich schikte Ihnen, ohne es zu wissen,
ein ungestochenes wieder meinen Willen: ich könnte also auch wenn ich wollte, dieses so gut von
Ihnen zurükverlangen als Sie ein andres von mir. Ich thue es aber nicht, sondern lasse den
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geschlossenen Handel ruhen. Ich lasse sogar meine ausdrükliche bedingung im Verzeichniß
der den 25. März gesandten Lieder (Sehen Sie ad N. 19. „Wenn – welches ich zu untersuchen
bitte“) fallen. Ueberhaupt ist mir die ganze Sache deswegen am unangenehmsten, weil ich fast
schliessen muß, daß ich mir zuviel geschmeichelt habe, indem ich glaubte, daß Sie die Mittheilung
der großen Clavierconcerte, wegen der Richtigkeit des Stichs, verlangen würden.
     Es thut mir leid Ihnen zu melden, daß Sie die Variationen: je suis Lindor, die Sie nicht
von mir haben, nach einer fehlerhaften Copie gestochen haben. Izt könnte ich sie Ihnen auch
nicht im Original geben, so wenig als die Pariser Ausgabe note. Conferiren note Sie aber den
daraus höchstwahrscheinlich gemachten Amsterdamer Nachstich note, und Sie werden einen
ziemlichen Unterschied finden, zum Vortheil des leztern.
     Nach dem Eingang der gesandten 5. ducaten wäre unsre Zwischenrechnung richtig
bis auf die in meinem Briefe vom 30. Jul. hinzugekomenen kleinen Zusäze.
     Neben dem habe ich aufs neue zu Gute
        Porto Ihres Briefs vom 16. Jul. 26x
             meines            22 12.
             Ihres 30. 24.
               24. 21.
             meines 9. August     — 12.
                                                                                     1 fl. 35x.
     hierin folgt neben einigen Anecdoten note das vollständige Verzeichniß
der sämtlichen seit 9. Febr. 1784. componirten Claviersonaten u. dgl. Es ist
leicht möglich, daß nichts Ihnen unbekantes darin ist: aber so werden Sie wenigstens
gesichert, daß Ihnen nichts echapirt note. Mir würde es sehr lieb seyn, wenn ich Ihnen
wieder Vermuthen etwas Neues sollte nachgewiesen haben. das Verzeichniß verlange ich nicht zurük.
     Ich habe die Ehre mit vollkommenster Hochachtung zu seyn
                                                       meiner höchstgeehrten herren
                                                                  ergebenste dienerinn

                                                                     Constance Mozart note
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1799         Wien.
19 Augς      Mozart.
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19 –  
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