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St Gilgen dς 4tς august
1799.
Wohledlgebohrner Hochgeehrter
Herr!
Ich säumte nicht Ihr an mich von 2tς
Jully erlassenes Schreiben

alsogleich zu beantworten. Da ich von der Welt ganz ab=
gesondert lebe, so habe ich auch ausser daß mir meine
Schwägerin geschrieben

, daß Hr:
Breitkopf und Märtel
alle Werke meines
Bruders herausgeben wollen, nichts weiters
mehr davon erfahren, noch weniger ist mir etwas davon zu
Gesicht geko
men, ich weis also nicht wie weit sich diese Her=
ausgabe

erstreckt.
Alle Sparten meines
Bruders so noch in Händen
unsers
Vatters waren, über sendete ich alsogleich
im Jahre 1787 nach dem Tode unsers Vatters meinen
Brudern nach Wienn, bedauere aber selbst daß ich nicht
einige von seinen jüngern
Compositionen zurück be=
halten habe, beÿ mir wären sie doch gut aufgehoben
worden, da ich hingegen von sicherer Hand, und von
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einem Augenzeüg erfahren habe, daß seine Sparten beÿ
ihme nur i
mer unter dem Clavier herum lagen, und die
Copisten davon nehmen konnten was sie nur wollten,
und ich konnte auch dieses um so leichter glauben, da
mir wohlbekannt ware, daß mein
Bruder seine
ältern Werke i
mer weniger leiden konnte, wie
stärker er in seiner
composition wuchs, ich zweifle
also nicht daran, daß viele seiner jüngern Werke
werden verlohren gegangen seÿn.
Hier schicke ich Ihnen ein
Verzeichniß, was er bis in
sein 12tes Jahr verfertiget hat. Von allen diesen
Werken sollen die Sparten in
dem Händen seiner
Wittwe seÿn. Von denjenigen
Compositionen so er nach
seinen 12tς Jahr gemacht hat, habe ich kein Verzeichniß mehr
gefunden. Die Lebensgeschichte meines
Bruders be=
trefend, ist mir sehr auffahlend, daß Sie keine Mel=
tung des Negrologs

von Hr: Professor
Schlichtegroll machen,
worinnen doch eine ächte
Biographie meines Bruders
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enthalten ist, wozu ich auf ansuchen eines
Freundes einen
Aufsatz einschickte, welchen der Herr
Profesor so zimlich
gleich bliebe, auch sendete ich ihm Auszüge aus Briefen
und Schrifften, und Sinngedichte, die mit viel Würze
und Laune geschrieben,
Hr Profesor aber vielleicht wegen der
Menge die sein Werk um ein beträchtliches vermehrt
haben würde, und den Werth derselben, da sie in
französicher Italianischer und Deutscher Sprache
abgefasst sind, durch übersetzung nicht schmällern
wollte, beÿseitigte. Wollen Sie daß ich Ihnen diesen
meinen Aufsatz nebst allen diesen Schriften zusenden
soll

, so melden Sie mir es gefähligst.
Von einer
Biographie 
des Herrn Professor
Niemtscheck
aber habe ich nie etwas gehört, wünschte aber selbst sie
zu lesen, um davon urtheilen zu können.
Sie wünschten Lieder welche mein
Bruder vor dem
Jahre 1784
componirt hat zu besitzen, allein, so viel
ich mich errinnern kann, so machte er damahls gar
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keine Lieder, sondern sehr viele Italienische
Arien
wovon die Sparten auch
seine Frau haben muß,
Ich besitze nur in abschrifft einige
Lieder mit
Begleitung der harmoniale, und eine französische
Aria 
, ich weiß aber nicht, ob diese vor oder nach
dem Jahre 1784 verfertiget worden sind, die
französische
Aria lege ich Ihnen hier beÿ, und von
dennen Lieder schlüsse ich Ihnen auch die Anfangs
Täckte

beÿ. Die Musickalische Zeitung

von der
Sie mir schreiben, daß sie voriges Jahr um Michaeli
erschienen seÿ, ist mir so wenig als die Anzeige
der Werke

meines
Bruders bekannt.
Es würde mir ein Vergnügen seÿn, wenn ich Sie
mit vollko
mernen Nachrichten bedienen könnte,
Die ich mit vieler Achtung gebleibe
Dero
Dienstbereitwilligste.
Maria Anna Reichsfreÿin von Berchtold
zu Sonnenburg gebohrne Mozart.
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8.
Herren
Herren Breitkopf & Härtel
berühmte Buchdrucker
Buchhändler u. Schrift=
gießer
frey. fco. in
Leipzig.
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1799. St. Gilgen.
4 Aug. Maria v. Berchtold.
30 Octbr. &
Sonnenburg
Cam entz Wolf
1799