[S. 1]


Wien 13 Febr. 1799.
höchstgeehrte
herren,
nachdem ich die vorgeschriebene Zeit abgewartet
hatte, um die Anweisung auf
hς. Preindl zu
präsentiren, habe ich die Antwort erhalten,
daß er sie diesen Nachmittag bezahlen wolle,
und mich bitte, Ihnen zu melden, daß er es
meinetwegen thue, und sich eigentlich nicht
verpflichtet halte, weil Sie ihm noch nicht
die gehörige Anzahl von Exemplarien geschikt
hätten.
hς. Traege hat mich auch gebeten,
Ihnen zu melden, daß er in einer gleichen
Verlegenheit ist, und mit Nachfragen
überlaufen wird. Ich schmeichle mir, daß
ich bey Gelegenheit der Versendung an diesen
leztern, den ich öfterer sehe, das angenehme
Geschenk des zweyten Hefts

erhalte, welches
Sie die Güte gehabt haben mir zu versprechen.
[S. 2]


Es sind mir in diesen Tagen Anträge
geschehen, um einzelne Compositionen meines seligen
Mannes mir abzukaufen, nämlich das
Quintett
für die harmonika und Quartetten für 2 Violinen,
Bratsch und Violoncello. Um so viel mehr bin ich
also begierig auf Ihre Antwort auf meinen
Brief
vom 26 Jan.
um zu wissen, in welcher Ordnung wir die
Musicalien vornehmen.
Erwähntes Quintett ist mit blasenden
Instrumenten:
Flaute oboe Viola und
Violoncell,
und ich biete es Ihnen an für 12. Ducaten.
Ich besize ein Büchelchen mit der Aufschrift
Capricci di W. Mozart a Londra nel mese
Decembre 1764 (also als er 8 Jahre alt war),
enthaltend
von ihm selbst geschriebene kleine Compo-
sitionen verschiedener Gedanken, und eine
Arie: Quel destrier che all'albergo è vicino,
wovon das Original zu vielen werth für mich
hat als daß ichs abstehen sollte. Ich würde es Ihnen
aber
zum Abschreiben,
auf Ihre Kosten hin und her,
schikken, wenn Sie es wünschen,
[S. 3]


und Ihnen selbst überlassen, den Preis zu
bestimmen. Ich weiß wohl, daß es an sich von keinem
großen Interesse seyn kann: aber als Seltenheit,
als ein Strahl der Morgenröthe seines Genies
bleibt es doch sehr merkwürdig. Es ist unterhaltend
daraus zu sehen, daß er zu einer Zeit compo-
nirte, da er 20 und 30 – 02 und 03 schrieb.
Er hat es selbst paginirt. Diese kleine Anec-
dote gehört auch in Ihre Sammlung.
Ich erfahre, daß Sie unter der Hand Sich alle
Mühe um
Ihnen unbekannte Sachen machen. Wiewohl ich
vielleicht hätte erwarten können, daß Sie Sich zuerst
an mich gewandt hätten, habe ich doch nichts dawieder,
weil ich doch keinen sonderlichen Vortheil von solchen
machen kann, die schon bekannt sind, und ermahne Sie
nur fleissig fortzufahren, da es mir selbst
angenehm seyn wird, wenn Sie alles, auch ohne mich,
erhalten.
Von solchen Sachen, die recht bekannt sind, bin
ich erbötig, Ihnen die Originalpartituren, die
ich habe, zu leihen, wenn, Sie die Kosten der beyder-
seitigen Versendungen tragen wollen, und mir
[S. 4]


dafür eine selbstbeliebige Vergütung machen. Nur auf
diese Art können Sie, dünkt mich, der äussersten Correktheit
Ihrer Ausgabe gewiß seyn.
So eben hat
Preindl die angewiesenen 54 fl. 30x.
bezahlt, die ich Ihnen auch gutgeschrieben habe.
Nun bitte ich wiederholt um eine gütige Nachricht
wegen
hς. Sievers, die Sie mir unterm 22. dec. 1798

.
versprochen haben; und ferner um Ihren gefälligen
Rath oder irgend einen Vorschlag Ihrer Seits wegen
der bey Ihnen vorräthigen Exemplare des
Concerts
Opus 1 
.
ich habe die Ehre zu
Seyn Ihre ergebenste
Dienerin
Mozart
Ex
Bibl. Regia
Berolin