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                                                                                        10
                  liebstes, bestes Weibchen! –
freytag um halb 11 uhr
       Nacht.

                                          (die Zauberflöte

Eben kome ich von der Oper; – Sie war eben so voll wie
allzeit. – das Duetto Mann und Weib p: und das
Glöckchen Spiel im ersten Ackt wurde wie gewöhnlich wieder=
hollet – auch im 2:t Ackt das knaben terzett –
was mich aber am meisten freuet, ist, der Stille beifall!
– man sieht recht wie sehr und imer mehr diese Oper steigt.
Nun meinen lebenslauf; – gleich nach Deiner Abseeglung
Spielte ich mit Hr: von Mozart | der die Oper beim Schickaneder
geschrieben hat :| 2 Parthien Billard. – dann verkauffte ich
um 14 duckaten meinen kleper. – dann liess ich mir
durch Joseph den Primus rufen und schwarzen koffé hollen,
wobey ich eine herrliche Pfeiffe toback schmauchte; dann
Instrumentirte ich fast das ganze Rondó vom Stadtler.
in dieser zwischenzeit kam ein brief von Prag vom Stadler;
– die Duscheckischen sind alle wohl; – mir scheint Sie
muß gar keinen brief von dir erhalten haben – und doch kann
ich es fast nicht glauben! – genug – Sie wissen schon alle
die herrliche aufnahme meiner teutschen Oper. –

V. 849
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das sonderbareste dabei ist, das den abend als meine neue Oper
mit so vielen beifall zum erstenmale aufgeführt wurde, am
nemlichen abend in Prag der Tito zum leztenmale
auch mit ausserordentlichen beifall aufgeführet worden. – 
alle Stücke sind applaudirt worden. –
der
Bedini sang besser als allezeit. – das Duettchen ex A
von die 2 Mädchens wurde wiederhollet – und gerne – hätte
man nicht die Marchetti geschonet – hätte man auch das
Rondó repetirt. – dem Stodla wurde |: O böhmisches wunder!
– schreibt er :| aus dem Parterre und so gar aus dem Orchestre
bravo
zugerufen. ich hab mich aber auch recht angesetzt,
schreibt er; – auch schrieb er |: der Stodla :| daß ihn
[... (ca. 6 Wörter unkenntlich)] und nun einsehe daß er ein
Esel ist – [... (ca. 3 Wörter unkenntlich)] versteht sich, nicht der Stodla
– der ist nur ein bissel ein Esel, nicht viel – aber der
<Süssmayer[?]> – Ja der, der ist ein rechter Esel. –
um halb 6 uhr gieng ich beim Stubenthor hinaus – und
machte meinen favorit Spaziergang über die Glacis
ins theater – was sehe ich? – was rieche ich? – – 
Don Primus ist es mit den Carbonadeln! – che gusto! – izt
esse ich deine Gesundheit – eben schlägt es 11 uhr; – vieleicht
schläfst du schon? – St! St! St! – ich will dich nicht aufwecken! –
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Samstags den 8t. – du hättest mich gestern beim Nachtessen sehen
sollen! – das alte tischgeräth habe ich nicht gefunden, folglich
habe ich ein schne=blümelweisses hergegeben – und den dopelten
leuchter mit wachs vor meiner! – vermög des briefes vom
[... (1 Wort unkenntlich)] sollen die wälschen schon hier durch seyn – auch
hat die Duscheck sicher einen brief von dir erhalten, denn
er schreibt; die affection war sehr mit des Mathies Nachschrift
zufrieden, Sie sagte: der ESEL – oder ESEL ge=
                                                    N. N.

fällt mir so wie er ist. – treibe den <Süssmayer[?]> daß
er für <Stadler[?])> schreibt, denn er hat mich sehr darum gebeten.
– Nun wirst du wohl im besten Schwimen seyn, da ich dieses
schreibe. – der friseur ist accurat um 6 uhr gekomen – und
Primus hat schon um halb 6 uhr eingefeuert, und mich um 34
geweckt. – warum muß es izt eben regnen? – ich hoffte
daß du ein schönes Wetter haben solltest! – halte dich nur
hübsch warm, damit du dich nicht erkältest; ich hoffe daß
dir das Baad einen guten Winter machen wird – denn nur
dieser Wunsch, daß du gesund bleiben möchtest, hiess mich
dich antreiben nach Baaden zu gehen. – mir wird izt
schon die zeitlang um dich – das sah ich alles vor. –
hätte ich nichts zu thun, so würde ich gleich auf die 8 tage
mit dir hinaus gegangen seyn; – ich habe aber daraus
gar keine bequemlichkeit zum arbeiten; – und ich möchte
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gerne, so viel möglich, aller verlegenheit ausweichen; nichts
angenehmers als wenn man etwas ruhig leben kann, deswegen
muß man fleissig seyn, und ich bin es gerne. –
      N. N                      gieb in

Dem <Süssmayer gieb in> meinem Namen ein paar tüchtige
                                                         A.

Ohrfeigen, auch lasse ich die [... (1 Wort unkenntlich)] | welche 1000mal küsse |
bitten, ihm ein paar zu geben – lasst ihm nur um gottes
willen keinen Mangel leiden! – ich möchte um alles in der
Welt heut oder morgen von ihm den vorwurf nicht haben
als hättet ihr ihn nicht gehörig bedienet und verpfleget –
– gebt ihm lieber mehr schläge als zu wenig –
gut wär es, wenn ihr ihm einen krebsen an die Nase zwiktet,
ein Aug ausschlüget, oder sonst eine sichtbare Wunde verursachtet,
damit der kerl nicht einmal das, was er von euch empfangen,
abläugnen kann; – adieu liebes Weibchen! – der Wagen
will abfahren. – ich hoffe heut gewis etwas von dir zu lesen,
und in dieser süssen Hofnung küsse ich dich 1000mal und
bin Ewig dein

                                                      dich liebender Mann
                                                           W: A: Mozart mp