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                  Allerliebster Freund u. O. B.
   Sie werden ohne Zweifel von Ihren Leuten vernommen haben, daß ich gestern bei Ihnen war, und (nach ihrer Erlaubniß) uneingeladen bei Ihnen speisen wollte. – Sie wissen meine Umstände, kurz – ich bin, da ich keine wahren Freunde finde gezwungen bei Wucherern Geld aufzunehmen; da es aber Zeit braucht, um unter dieser unchristlichen Classe Menschen doch noch die christlichsten aufzusuchen und zu finden, so bin dermalen so entblößt, daß ich Sie liebster Freund um Alles in der Welt bitten muß, mir mit Ihrem Entbehrlichsten beizustehen – Wenn ich wie ich hoffe in 8 oder 14 Tagen das Geld bekomme, so werde Ihnen gleich das mir iezt gelehnte wieder zurückzahlen. – Mit dem, was ich Ihnen schon so lang ausständig bin, muß ich Sie leider noch bitten Geduld zu haben. – Wenn Sie wüßten was mir das alles für Kummer und Sorgen macht – es hat mich die ganze Zeit her verhindert meine Quartetten zu endigen. – Ich habe nun sehr große Hoffnung bey Hof, denn ich weiß zuverlässig, daß der K . . . meine Bittschrift, nicht wie die andern begünstigt oder verdammt herabgeschickt, sondern zurückbehalten hat. – Das ist ein gutes Zeichen. – Künftigen Samstag bin ich Willens meine Quartetten bei mir zu machen, wozu ich Sie und ihre Fr. Gemahlin schönstens einlade. Liebster bester Freund und B. – entziehen Sie mir meiner Zudringlichkeit wegen Ihre Freundschaft nicht und stehen Sie mir bei. Ich verlasse mich ganz auf Sie und bin ewig
   Wien 17. Mai 1790                                                                      Ihr dankbarster Mozart.
     P. S. Nun habe ich 2 Scolaren, ich möchte es gerne auf 8 Scolaren bringen; suchen Sie es auszustreuen daß ich Lectionen annehme.
Den 17. May Fl. 150 gesandt.