JOSEPH SCHLETT AN MAX KELLER IN ALTÖTTING
MÜNCHEN, 4. FEBRUAR 1826
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                                              München den 4 februar 1826.

Wohlgeborener, Hochzuverehrender Herr!

Ich kann auf die diesmalige Anfrage eben so wenig als auf
jene, welche durch Herrn Zweckstetter an mich kam, mir genügen=
de Auskunft geben, ungeachtet aller meiner Mühe.
Nicht in der Eos, sondern in der Flora N. 8 erschien ein Aufsaz aus
dem in London erschienen Buch: Reminiscences of Kelly. Das Buch
selbst aber kam nicht hieher, sondern nur Auszüge aus demselben, in
englischen Zeitschriften, welche von dem hiesigen Musaeum, oder
von der Gesandtschaft gehalten werden. Diese Auszüge nun wurden
übersezt und in die flora eingerückt. Auch vorgestern erschien eine
Fortsezung, wovon aber Mozart betrefend nichts mehr vorkömt.
Man versichert mich, daß überhaupt von ihm nicht mehr die Rede
ist, und der Aufsaz von N. 8 allein seiner Erwähnung thut,
welches ich glauben muß, bis ich das Buch selbst erhalte, wozu aber
wenig Hofnung ist, indem Schriften dieser Art von der
hiesigen Bibliothek nicht angeschaft werden, welche an
englischen Werken sehr arm ist.
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Es thut mir leid, daß ich ungeachtet meines besten Willens die
erwünschten Dienste nicht leisten kann.
Der Tenorist Schack, für welchen Mozard die Zauberflöte
und mehr anders geschrieben hat, hält sich hier auf. Er soll
eine Menge Anekdoten aus jener Zeit wissen. Ich kenne ihn,
und wollte einen Brief von dem hrn. Ritter v. Nissen ihm zu=
stellen. Ob es sich dabei der Mühe lohne, in weitere Schreibe=
reien sich einzulassen, und die Wittwe des Verewigten all dieß
nicht besser wisse, muß ich dahin gestellt seÿn lassen.–
Leid hat es mir gethan, daß ich Sie an dem lezten Nachmittag Ihres
Hierseins nicht mehr gesehen. Ich glaubte nicht mehr, daß Sie
komen würden, ging aus, wartete bei Scheidl, doch umsonst.
Besuchen Sie uns bald wieder, damit ich Sie öfter und länger
sprechen könne.           Wie gerne möchte ich nicht Oettin=
gen näher seÿn, um des heiligen Ortes, der schönen
Gegend und Ihres Umganges genießen zu können.
Empfehlen Sie mich Ihrer Frau.    Ich bin mit aller
Hochachtung
                        Dero
                                                        ergebenster Diener
                                                        JSchlett, ehemaliger
                                                                  Prof.
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[vacat]
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Herrn
Herrn Keller, Organisten
Wohlgeb.
in
Altoettingen
frei

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