LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN ST. GILGEN
SALZBURG, VOR DEM 12. NOVEMBER 1784
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                                                       Salzbς: dς    Novς: 1784

   Am donerstage der vorigen Woche um halbe 1 uhr, als ich
   am Mittagessen sass brachte die Tresel die Rolle, das Concert,
   herein und sagte, es hätte solche ein Weibsperson gebracht, – ich
   schickte nach tische gleich hinauf um mich erkundigς zu lassς, wen
   der Both wiedς abgehet: allein die Antwort war, der Both wäre
   schon den vorigς Tag am Mittwoche gekomς, und wäre heut schon wiedς
   nach 12 uhr Mittags weg und hätte diese Rolle zurückgelassen,
   daß man mir solche überbringς solle. Diese ist also die Ursache
   warum ich nicht hab schreibς könnς; den da die Glastragerin die
   Stifel brachte, so dacht' ich mit dem Bothς zu schreibς; dieser schickte
   mir aber das aufgegebne Concert nachdem er schon weg war, und
   ich von seinem Hierseÿn nichts wusste. Nach Wien habe schon
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vorhinein auch in euerm Nahmen gratuliert; unterdessς aber
   auch von ihm ein in 8 Zeihlen bestehendς LamentationsBrief
   erhaltς, weil er so lange von mir kein schreibς erhaltς, indem
   |: ganz natürlich :| unter dς Zeit, da ich draussς war, ein Brief
   von ihm vom 9 schon hier lag. hς: von D'Ippold hat einς
   schönen Ananas, und dan eine Schachtl mit kostbarς Birn geschickt.
   den Ananas, soll ich euch nebst seiner Empfehlung schickς, und ich
   werde sehς, daß dς Both die Birn auch mitnehmς kan. – die Schachtl
   ist zimlich schwer: muß halt sehς was dς Both sagt.

   Da alle Tage um 1 uhr bis halbe 3 uhr spazierς gehe, so finde itzt
   da zu hause kome deinς Brief und erfahre, daß dς Grazerboth das
   Paquet gebracht hat. wäre dς Both nur einς Augenblick zu mir
   gekomς, so würde alle diese Verwirrung nicht gewesς seÿn.
   um halbe 5 uhr wird dς Both wiedς herkomς, dan muß erst sehς
   was er mitnehmς kan: den es sind 2 Haubς in einer Schachtl,
   die Ohrringl und die Schue auch da. Hast du den die Variatς:
   vom Ekard nicht mit? ich glaub gewiß sie draussς gesehς
   zu habς. itzt könte ichs ohnmöglich alles findς; dan ich muß

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doch auch in die Comoedie gehς, und hab noch so alles zu
samzupackς, weil erst hörς muß was dς Both mit sich
tragς kan, und dς Brief an Wolfgς: muß auch noch
auf die Post. – Wie es mir geht? – –
Nicht gut, – und nicht schlecht. Mit dem Essen
wäre schon so zufriedς, wen nur das Rindfleisch
nicht wie Stein, und schlecht wäre. und zu hause
muß ich imer den stumς Prinzς machς, wen ich
anders nicht will das Grimς und dς Bauchwehe
bekomς. Ein paar mahl war abends von 5 uhr
bis 7 uhr beÿm Hagenauer. hς: Schmidt macht
seine Sache noch imer gut. Vorgestern sind die
2 Sängerinς mit ihrem Vatter gekomς, am Sontag
werdς sie untern Acten mit Arien sich hörς lassς.
Mit dem Schüssς siehts elend aus. Nur einmahl
habς wir geschossς, und wer? – ich, dς Zahlmeister
und dς Wegscheider. auch die Katerl steckt
den Plazischς als guvernante imer im Ar–
Was etwa geschehς wird, werdς wir wohl bald sehen.
Es hat ein schlechtes Aussehς, weil keine Frauen=
zimer mehr dabeÿ sind. ich denke ich werde
die Simonelli Nanerl p: und dςgleichς Ungeziefer
einladς müssς. Nun hab zum Bothς wiedς
geschickt. ich muß schlüssς. Küsse euch alle von
Herzς und bin dς alte
                                      Mzt mp

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Wen dς Both alles mitnehmς kan, so bringt
2 schachteln. in einer die 2 haubς und am
bodς die Ohrgeheng.
in dς andς dς Ananas und Birn.
dan die schue extra in einem Papier eingebundς.

Ausgelegt habe:                                           f
      An den Saifensiedς.                            „ 5 „ 33
      dem hochadl: Stiflwixer                       „ – „ 12
      der Hubernanerl wegen
      weiszeug, das aufgehobς habe.         „ -1 „ 28
      für die 2 Haubς                                    „ – „ 20
      für die Ohrgehäng                               „ – „ 15
    dem D'Ippold bedientς Trinkgeld            „ – „ 12
  dem Schuemacher 50 X für die
     Schue und 8 x für die Bandl                  „ – „ 58
                                                                   line
                                                                     8 f 58 Xr
            Nun zugeschnürt und in die Comœdie
            geeÿlt.

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