LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN ST. GILGEN
SALZBURG, 24. SEPTEMBER 1784
[S. 1] increment_line_height_1decrement_line_height_1
                                                                         Salzbς: dς 24 Sept: 1784

Also dienstags dς 28 erwarte euch zu Mittage, es mag um 1 uhr
oder später seÿn, das gilt mir gleich. Unterdessς würde es ohnnötige
Mühe seÿn vieles vom Theater und anderm zu schreibς, da es mündlich
sagς kan. die opera l'Italiana in Londra, und das Lustspiel waren
beydes recht gut. hier sind die Zettl, – ich brauch sie nicht – und werde
sie alle wochς hinausschickς. das heutige Drama muß erst sehς. das Stück
soll gut seÿn Kronau und Albertine. – und die Perückς recht Lustig.
was bis itzt gesehς, war recht gut gespielt: und – –, wie das Vatter unser,
nς sie ihre Rollς auswendig. – Bologna hat Wort gehaltς, und
Wort haltς müssς, sonst hättς wir den 20 ihn abens nicht zum Tanz
eingeladς. wo? beÿm Eitzenberger. Wir warς 15 Personς Mittags beÿ
hς: v Ekardshausς Tafelgäste. man beschloss abens unter uns einς kleinς
Tanz. Ich bestellte 5 Personς zur Musik, – und den Joseph Barisani
und Bologna zum Tanzς, dan die Oberbreittς: warς auch zu Mittag da;
ich sagte der Fr: v Schidenhofς, wen er nur nicht etwa noch närrischer
wird und wiederum seine Reise verschiebt
. Nein! erwiedςte sie, am Mittwoch
geht er gewis
. Er ist auch am Mittwoch dς 22 abgereist.
Den 2 Mägden werde es wissen lassen. – Wen nur die Köchin weg kan.
die andere wird vermuthlich nicht gehindert seÿn. – Sollte die Spital=
schreiber Tochter draussen nicht so nothwendig seÿn, weil ohnehin ein
altes Weibsbild unterdessς da ist, die auf die Kinder obacht giebt, so kans
den 2 octobς: mit dem Gratzerbothς gehς, – oder mit mir; dan ich gedenke,
beÿ eurer Abreise, vielleicht auf eine Woche hinauszufahrς. kurz! ich
wünschte, daß diese mit den altς Menschern nicht zusamς komς möchte.
Unterdessς Küsse euch beÿde von Herzς und bin unter sehnlichster Erwartung
                                                                                         Euer redlicher Vatter
                                                                                                       Mzt mp

      Ich küsse die Kindς: – und die Nanerl soll fein hipsch eine
      gescheide Hofmeisterin seÿn, wen sie allein sind.
Ich kome aus der Comoedie, Beyde Stück warς gut, – und auch gut gespielt.

DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM

INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
[S. 2] increment_line_height_2decrement_line_height_2
À Madame
Madame de Sonenbourg
à
St: Gilgen.

DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM

INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
Seite 1 2